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Christine1509

Fortgeschrittener

  • »Christine1509« ist der Autor dieses Themas

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Montag, 15. Oktober 2018, 10:19

Reisebericht - Zum 1. Mal in Südafrika: Tiere hautnah und Landschaft pur im August/September 2018



Seit gut einem Monat sind wir nun schon wieder zurück in Deutschland und ich bin immer noch dabei, meine Eindrücke zu verarbeiten. Wir, das sind mein Mann und ich, 65 und 60 Jahre alt, zwar reiseerfahren, aber noch nie in Schwarzafrika. Ich bin eher die Tierbegeisterte, mein Mann interessiert sich mehr für Menschen und fremde Kulturen, die Begeisterung für tolle Landschaften teilen wir beide. Im Vorfeld der Reise hatte ich etwas Bedenken, ob ich ihm nicht zu viel Safari zumute, aber angesichts unserer faszinierenden Tierbegegnungen war auch er am Ende völlig begeistert. Nie hätte ich mir vorgestellt, dass man Löwen, Elefanten, Giraffen, Flusspferden so nahe kommen kann. Doch auch die Weite und Leere Südafrikas, die abwechslungsreichen Landschaften und die Freundlichkeit der Menschen haben uns zu neuen Fans dieses Landes werden lassen.

Nachdem ich hier im Forum gute Tipps bekommen habe und dadurch super vorbereitet war, will ich mich mit einem Reisebericht revanchieren. Vielleicht ist es nicht nur für "alte Hasen", sondern auch für Südafrika-Einsteiger ganz interessant zu sehen, wie wir "Greenhorns" das Land erlebten. Für uns war es jedenfalls eine ganz besondere Reise.

Los geht es ab Johannesburg, über die Panoramaroute ins Balue Game Reserve, in den Krügerpark und durch Swaziland nach St. Lucia. Dann müssen wir einmal kurz per Flieger nach Joburg zurück, um nach Port Elisabeth zu kommen, da Southafrican Airlines kurz vor Reisebeginn den Direktflug annulliert hatte. Von dort geht es über den Addo in die Karoo, nach Graaf Reinet, in den Camdeboo Nationalpark und zur klassischen Garden Route. Weiter geht es über Cap Agulhas nach Hermanus und zum Schluss nach Kapstadt und zur Kaphalbinsel.

Wer fährt mit? Für den ersten Reiseteil im Nordosten kann ich die freie Rückbank eines Toyota Corolla anbieten, dort befindet sich nur unser insgesamt eher ungesunder Unterwegsproviant, bestehend aus etwas Obst, Chips und gaanz vielen Ingwerkeksen. In Deutschland kaufe ich die nie oder vielleicht gibt es die auch gar nicht, hier esse ich sie unheimlich gerne, was ich nach meiner Rückkehr auch sofort an der Waage merke. Allerdings spielen da auch noch gewisse "Full English Breakfast" und so manches leckere Abendessen eine gewisse Rolle.

Genug der Vorrede... es geht's los:

Südafrika, wir kommen!

Südafrika empfängt uns am O Tambo Airport von Johannesburg mit regnerischem trüben Wetter und eiskaltem Wind. Ich bin froh um jeden einzelnen Pulli, den ich eingepackt habe. Abgeholt werden wir von einem Deutschen, der seit mehreren Jahren mit seiner Familie in Joburg lebt und Touristen durch die Gegend kutschiert. Kaum sind wir in seinem komfortablen Van auf der Strecke, als es auch schon gleich thematisch in die Vollen geht: die geplanten Enteignungen der weißen Farmer würden schon nicht so schlimm werden, Ramaphosa sei gemäßigt und wolle nur brach liegendes Land enteignen, denn es sei es schon viel zu oft vorgekommen, dass florierende Farmen vor die Hunde gingen, nachdem sie von Schwarzen übernommen wurden. Grund sei einerseits fehlende Vorratshaltung und Zukunftsplanung, aber auch fehlende Kredite, da die Schwarzen das Land teilweise nur pachten könnten. Und schon sind wir mittendrin in der Problematik der rainbow nation, kaum dass wir eine Stunde da sind und durch die nicht gerade anheimelnde, sehr vertrocknete Umgebung Joburgs in Richtung Sandton brausen, einem Luxusvorort von Johannesburg. Früher war das wohl alles Farmland, heute wuchern Autobahnen in alle Richtungen, es gibt viele Firmen und zwischendrin sehen wir auch gleich unsere ersten Townships mit Wellblechhütten.

Sandton ist natürlich ganz anders und nach einem kurzen Aufenthalt im sehr angenehmen Radisson Blu Gautrain Hotel nehmen wir ein Taxi zur Innenstadt, nachdem man uns aus Sicherheitsgründen mehrfach abgeraten hat, den Gautrain, sprich Vorortzug, zu nehmen. Im Zentrum angekommen, steigen wir um in den roten Hop On Hop Off Bus und machen eine kleine Rundtour durch die Innenstadt. Was uns natürlich sofort auffällt, so frisch aus einer europäischen Stadt kommend, sind die halbfertigen Betonbauten, gleich neben heruntergekommenen alten Häusern, der Müll, den der kalte Wind durch die Straßen treibt und die teilweise sehr verwahrlost aussehenden Menschen, die im Stadtzentrum an Bushaltestellen herum stehen, auf der Straße Obst verkaufen oder einfach nur so dasitzen und auf mich einen apathischen Eindruck machen. Das also ist die Hoffnung so vieler und das Vorbild afrikanischer Städte: Gimme hope, Joanna.



Als kompletten Gegensatz dazu erleben wir die Gold Reef City. Hier fallen uns beinahe die Augen aus dem Kopf: opulente nachgebaute Kolonialpracht inklusive Springbrunnen, Kronleuchter und Vergnügungspark, die den Rahmen bilden für das Eigentliche: eine gigantische Spielhalle a la Las Vegas. Heute am Women's Day, einem Feiertag zu Ehren der Frauen, die sich gegen die Apartheid eingesetzt haben, sind sämtliche einarmigen Banditen in der pompösen Hotelhalle voll in Beschlag genommen von schwarzen, weißen und farbigen Zockern. Leider kann ich keine weiteren Fotos machen, da ein sehr höflicher junger Mann, der mich ehererbietig mit Mama anspricht, mir das Fotografieren untersagt.

Danach besuchen wir noch das sehenswerte Apartheid-Museum, das eine einzige Nelson-Mandela-Hommage ist. Man spürt bei den einheimischen Besuchern eine große Mandela-Verehrung, wie überhaupt auch während unserer Gespräche mit Südafrikanern in den nächsten Wochen. Zurück in der Gegenwelt in Sandton essen wir in einem Steakhouse die besten Rindersteaks unseres Lebens in einer völlig europäisch anmutenden Umgebung.

Nix wie raus aus der Stadt

Am nächsten Tag ist es dann soweit: wir übernehmen direkt in der Hotelgarage unseren Mietwagen Felix (nach seinem Kennzeichen), einen Toyota Corolla, der einen ausreichend großen Kofferraum für unsere 2 Trolleys hat, allerdings nur sehr geringe Bodenfreiheit, was während einiger unserer Reisetage zu einem ziemlichen Ärgernis werden wird. Aber noch ahnen wir davon nichts, wir sind froh, dass unser von zuhause mitgebrachtes Navi funktioniert, das uns über viele Highways allmählich aus dem Großraum Joburg hinaus gen Osten führt. Zunächst ist die Landschaft sehr eintönig: topfebenes braunes, teilweise verbranntes Grasland, Abraumhalden von Gold- und Kohleminen. Nach ungefähr 200 km wird es besser, als wir auf die Nebenstrecke nach Dullstroom abbiegen. In diesem in unserem Reiseführer angepriesenen Dorf wollen wir eine erste kleine Pause machen. Es handelt sich um ein langgezogenes Straßendorf, die viel befahrene Hauptstraße führt mitten durch, direkt an der Straße liegen einige Läden des täglichen Bedarfs, Cafés, Restaurants und eine Tankstelle. Links und rechts der Hauptstraße scheint sich der Ort noch weiter auszubreiten, man sieht nicht viel davon. Nach einer kleinen Stärkung fahren wir weiter über Lydenburgh zum Long Tom Pass. Die Passstraße ist herrlich zu fahren und relativ leer; von der Passhöhe sieht man lange gewaltige Höhenzüge und steil abfallende bewaldete Schluchten. Als wir nach einiger Zeit zu unserem geparkten Felix zurückkommen, hat dieser bereits die Aufmerksamkeit einer Polizeistreife erregt. Als die beiden Beamten uns sehen, winken sie uns zu und fahren weiter: heute doch kein ausländischer Tourist im Gebirge verloren gegangen, Gott sei Dank!Im letzten Tageslicht erreichen wir Sabie. In der Villa Ticino empfängt uns Max, eine Art Schweizer, der etwas deutsch spricht und 30 Minuten damit verbringt, uns das deutsche Fernsehprogramm im Zimmer einzustellen, obwohl wir das gar nicht brauchen. Als wir nach einem kleinen Erkundungsspaziergang durch das Dorf zurückkommen, hat er sich in einen echten Schweizer verwandelt, mit dem man sich perfekt auf Deutsch unterhalten kann. Ein Wunder? Nein, bloß eine starke Ähnlichkeit in Statur, Alter und Gesten mit seinem Kollegen. Abendessen im African Elephant Restaurant, wo es gut und günstig Forellen und Gemüsesuppe gibt. Die Bedienung ist auch hier wieder sehr nett und freundlich, das ist uns schon mehrfach aufgefallen, allerdings mit Sonderwünschen schnell überfordert.


Das Fazit unserer ersten beiden Südafrikatage: ganz anders als wir es uns daheim in Europa vorgestellt haben: insgesamt viel europäischer, die Landschaft zwar karg und trocken, aber dann auch wieder viel Wald. Sogar Forellenbäche gibt es und in der Gegend wird ein Forellenwettangeln veranstaltet. Und viel kälter - in unserem Zimmer gibt es sogar Heizdecken!


Panoramaroute
Beim Frühstück unterhalten wir uns lange mit Max, dem echten Schweizer, bzw. er unterhält sich mit uns. Ein echter Weltbürger, den es schon überall hin verschlagen hat. Nur in der Schweiz möchte er heute nicht mehr leben. Er scheint eher für Unterhaltung der Gästen zuständig zu sein, Greg, der unechte Schweizer und ein paar schwarze Frauen für die Arbeit. Aber eigentlich ist er ja auch schon im Ruhestand. Er und Greg schmeißen den Laden, der Besitzer wohnt in Joburg. Danach brechen wir zu unserer Panoramaroutenrundfahrt auf bzw. es ist eher eine Hin- und Herfahrt, da wir die Rundtour zeitlich nicht schaffen. An den Pinnacles werfen wir einen ersten Blick ins Lowfeld. Das Ganze ist nett und erinnert uns an den heimischen schwäbischen Albtrauf.


16h: Sind gerade am Tanken auf einer Lodge mit eigener filling station, da wir uns, was die Streckenlänge betrifft, ziemlich verschätzt haben. Sind froh, noch diese Tankstelle gefunden zu haben, sonst wäre es knapp geworden. Für die Rückfahrt auf der gleichen Strecke veranschlagen wir ohne die Umwege 2 Stunden. Da wird es wohl schon dunkel werden, bevor wir wieder in Sabie sind. Aber die Fahrt bisher war grandios! Die "Schwäbische Alb" hat sich unterwegs in den "Gran Canyon" verwandelt! Der aller-allertollste Aussichtspunkt von allen ist natürlich der mit den 3 Rondavels!



Haben gar nicht alle sehenswerten Punkte der Route anschauen können, leider gibt es im Winter nur ca. 11 h Tageslicht, das beschränkt dann doch. Am Bourke's Luck Pothole war es über Mittag sehr voll, die Leute haben teilweise gebadet, da es ohne Wind doch schon recht warm wurde, und das auf 1000 m Höhe.

Leider haben wir unterwegs an einem der Viewpoints noch kurz ein minikleines Museum besucht, winzig klein, aber mit großer Wirkung auf uns, denn dort gab es ein paar ausgestopfte einheimische Tiere zu sehen: ooh, diese Baboons sind ja doch ganz schön groß ... ich wusste gar nicht, dass die so scharfe Eckzähne haben... und die laufen in dem Camps im Krügerpark also frei herum??? Und diese hübschen Schlangen hier sind also alle giftig? ? Kurz und gut, wir haben etwas Muffensausen bekommen, denn morgen geht es endgültig hinunter ins Tiefland zu den wilden Tieren. Auf was haben wir uns da eingelassen? Wilde Tiere kennen wir bis jetzt hauptsächlich aus dem Zoo...

Die Rückfahrt geht dann doch etwas flotter als gedacht voran und wir können noch einen kurzen Fotostopp am Lowfeld Viewpoint machen. Das Abendlicht taucht die herrliche Landschaft in ein warmes Orange, die Felsen leuchten fast goldfarben. Zu Abend essen wir im Wild Fig Tree Restaurant gleich neben unserem Guest House. Nettes Ambiente, Essen ganz gut. Udo isst 3erlei Fleisch; Krokodilsteak, Impalaspieß sowie Springbock-Carpacchio. Er will es künftig nicht mehr bestellen, ich find es ganz gut: das Krokodil schmeckt fast wie Huhn, der Springbock erinnert mich an Räucherlachs und das Impalafleisch ist etwas süßlich, wie bei Rehen eben, aber gut.

Der Geisterelefant

Max leistet uns beim Frühstück wieder Gesellschaft und erzählt, wie er einmal bei einem Überfall auf eine Zuckerrohrfarm fast erschossen wurde, wie er ein andermal auf einem Parkplatz überfallen und ihm das Auto gestohlen wurde und dass er grundsätzlich nie mehr als 1000 Rand Bargeld bei sich hat. Dennoch lebt er gerne in Südafrika. Wir besuchen zunächst den Lone Creek Wasserfall, der seinem Namen alle Ehre macht und wildromantisch von einer Felswand stürzt. Danach geht es nach Pilgrims Rest, einer Art Museumsgoldgräberdorf, das seit einiger Zeit von Schwarzen betrieben wird und wo es im Prinzip gaanz viele Verkaufsstände mit Tüchern, Decken, Hüten, geschnitzten Holztieren etc. gibt, das Übliche eben. Als wir zum Wagen zurück kommen, staunen wir nicht schlecht: ist dieser doch frisch gewaschen von zwei jungen Kerlen, die sich nun am Fahrzeug nebenan ebenfalls zu schaffen machen. Wir wollen ihnen zunächst nur 10 Rand geben, schließlich haben wir diese Dienstleistung nicht bestellt und sie ist auch sinnlos, da wir gleich eine Schotterpiste fahren werden. Einer der Jungs guckt mich mit treuherzigen Augen an, entschuldigt sich, dass er unser Auto geputzt hat und fügt hinzu: Das ist aber das Einzige was wir hier tun können, für uns gibt es sonst keine Arbeit. Natürlich hat er damit völlig recht, man sieht dem Dorf an, dass nicht viel los ist, an jedem Verkaufsstand wird man angesprochen, viele sitzen einfach so auf der Straße herum. Die Kinder ziehen sich, wenn ein Tourist sich nähert, eine Art Erwachsenen-Overall über, in dem ihr Kopf verschwindet und damit legen sie dann einen kleinen Tanz in viel zu großen Gummistiefeln als kopfloser Geist hin und halten anschließend die Hand auf. Eine traurige Angelegenheit!

Wir nehmen eine knapp 30 km lange Gravel Road in Richtung Bourkes Luck Potholes, für die wir 1,5 h benötigen. Unterwegs sehen wir nicht mehr als 4 Autos. Das letzte kommt uns ganz am Ende entgegen, französische Touristen auf der Suche nach der Potluck Boskombuis. Da wir an dem Abzweig schon gestern vorbei gefahren sind, können wir sie auf die richtige Spur bringen und nehmen das zum Anlass, dort gleich selbst eine Mittagspause dranzuhängen. Der Name des Restaurants war mir schon früher im Forum begegnet. Die Pause lohnt sich: man wird von tanzenden Mädchen begrüßt, hinter einer Felsengruppe am Treut River befindet sich das Open Air Restaurant und man sitzt wunderbar an rustikalen Holztischen und genießt den Blick in die raue Landschaft. Es wird am offenen Feuer gekocht, es gibt keinen Strom und daher ist das Restaurant, das einsam mitten in der Landschaft liegt, auch nur tagsüber geöffnet. Als ich beim Bezahlen das gute Essen lobe, spricht mich der Kellner an, ob ich nicht in die Zukunft investieren wolle und hier ein Stück Land kaufen? Denn große Dinge seien hier geplant: ein Skywalk an der Abbruchkante sowie ein 5-Sterne-Hotel. Seine Idee ist, dann vor diesem künftigen Hotel original afrikanisches Essen anzubieten. Ich denke zuerst, er sei der Besitzer, so wie er auftritt, aber er ist nur angestellt, der Besitzer lebt offenbar in der Großstadt, ich glaube in Johannesburg.

Nun wird es für uns ernst: es geht hinab ins Tiefland, über die toll zu fahrende Strecke des Abel Erasmus Passes. Unterwegs sehen wir bereits die ersten Wildtiere: es sind Paviane, die man immer wieder am Straßenrand sieht. Kurz können wir noch von oben einen Blick auf den Olifants River werfen, der aus den Bergen kommt und den Krüger Park durchfließt, dann geht es an Zitrusplantagen vorbei nach Hoedspruit. Kurz darauf sind wir am Gate des Balule Reserve, wo wir uns anmelden und unseren Eintritt bezahlen. Nach 5 km Piste, außer Elefantendung haben wir unterwegs nichts gesehen, obwohl wir äußerst angespannt waren, sind wir nun in der Masodini Lodge angekommen.

Abends passiert Aufregendes: wir sind gerade eine Stunde da, haben uns in unserem Häuschen eingerichtet, die mit einem Elektrozaun gesicherte Lodge besichtigt und sitzen mit einem kühlen Bier auf der großzügigen Dachterrasse, die über dem Küchentrakt liegt und über eine Außentreppe erreichbar ist. Von hier kann man auf ein Wasserloch schauen und wir können ein paar Impalas und Vögel beobachten. Es dämmert bereits und wir sitzen gemütlich, warten auf den Gong zum Abendessen und lassen die Ereignisse des Tages sacken. Plötzlich, es ist bereits ganz dunkel, erzittert der Zaun und es tut ein paar gewaltige Schläge. Zunächst denken wir uns nichts weiter dabei. Als es ringsum in den Bäumen raschelt, meint Udo: Für mich hört sich das an, als ob ein Elefant hier in den Bäumen grast. Ich erkläre ihn zunächst für verrückt, aber dann bemerken wir, dass unten beim Personal einige Aufregung entsteht. Anna, eine Deutsche, die die Besitzerin Sabine während deren Deutschland-Urlaub vertritt, kommt hoch zu uns, ganz erleichtert: Ah, da seid ihr ja. Bleibt bitte hier oben, da seid ihr sicher.

???
Wir schauen sie etwas perplex an und sie erklärt in Eile: Ein Elefantenbulle hat den Elektrozaun niedergerissen - offenbar hat er einen Ast dazu benutzt - und ist jetzt auf dem Gelände. So etwas ist mir in meiner ganzen Zeit hier in Südafrika noch nicht passiert. Es ist nicht unbedingt gefährlich, aber ich bin für die Lodge verantwortlich und will keine Touristen im Dunkeln zwischen Elefanten herumlaufen haben. Sie macht sich auf die Suche nach den anderen Gästen, es sind nicht viele, eine holländische Familie und ein älteres deutsches Ehepaar mit erwachsenem Sohn. Die Holländer müssen zunächst in ihrem Häuschen bleiben, da der Elefant auf seinem Weg zur Lodge wohl ausgerechnet dort vorbei kommt. Bald sind wir alle auf der Dachterrasse versammelt, starren ins Dunkle, hören Mampf-Geräusche und beobachten, wie Anna und ein weiterer Helfer versuchen, den Elefanten, dessen Kopf immer wieder mal geisterhaft zwischen den Bäumen auftaucht, mit starken Lampen und Blechtrommeln (es sind wohl eher die Töpfe aus der Küche) zu vertreiben. Der aber lässt sich gar nicht stören, wandert weiter durch den Garten und frisst gemütlich die frischen grünen Blätter der Bäume. Erst als draußen ein weiterer Bulle auftaucht, trampelt er an einer anderen Stelle ein Tor nieder - der Zaun ist ja nun nicht mehr geladen - und verlässt das Terrain der Lodge. Nun treiben sich draußen vor dem nicht mehr sicheren Zaun 2 Elefanten herum. Schließlich fahren ein paar Leute mit Jeeps und Scheinwerfern raus und es gelingt ihnen, die Tiere etwas von der Lodge weg zu treiben.

Unser "Geisterelefant" - taugt leider nur als Beweisbild


Das ist ja ein guter Einstieg ins Safarileben! Anna will unser verspätetes Abendessen aus Sicherheitsgründen auf der Dachterrasse servieren lassen, aber die schweren großen Tische lassen sich nicht über die steile Außentreppe nach oben schaffen. Also dinieren wir verspätet auf der überdachten Frühstücksterrasse, die etwas mehr Schutz bietet als die Boma. Zumindest können wir uns hier schnell in die Küche zurückziehen, falls nochmal ein Elefant auftauchen sollte. Meine Sorge ist eher, dass ja auch andere Wildtiere nun über Nacht aufs Gelände kommen können, aber Anna beruhigt: Löwen gibt es hier direkt in der Umgebung nicht. Na, das wird sich noch als Fehlinformation herausstellen, aber zu dem Zeitpunkt sind wir schon viel abgebrühter.Anna ist eigentlich eine selbständige Rangerin, sie führt Touristen u.a. durch Botswana oder den Krüger, betreut aber auch gelegentlich Lodges, wenn die Besitzer abwesend sind. Sie lebt seit 6 Jahren in Südafrika und will bleiben.

Das Abendessen ist dreigängig und recht gut. Wir Gäste sitzen an einer Tafel und berichten uns gegenseitig, wo wir gerade waren, als der Elefant aufs Gelände kam. Im Laufe des Abends leisten uns einige Bush Babys Gesellschaft, denen die Köchin ein extra Leckerli auf der Terrassenbrüstung bereitstellt. Darauf haben sie offenbar gewartet. Später wird jeder Gast von Anna zu seiner Hütte eskortiert und am nächsten Tag wird der Zaun wieder instand gesetzt.

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Sonnenmensch (11. November 2018, 22:27), bandi (10. November 2018, 20:18), Bueri (27. Oktober 2018, 15:00), tribal71 (23. Oktober 2018, 22:50), Tutu (18. Oktober 2018, 20:36), Floh2808 (18. Oktober 2018, 12:58), kalingua (18. Oktober 2018, 12:02), Wicki4 (16. Oktober 2018, 19:25), Gecko10 (16. Oktober 2018, 10:18), Charlotte_ (16. Oktober 2018, 08:54), toetske (16. Oktober 2018, 01:11), Dolphin2017 (15. Oktober 2018, 22:00), U310343 (15. Oktober 2018, 21:42), bibi2406 (15. Oktober 2018, 21:28), Sabine74 (15. Oktober 2018, 18:12), Fop (15. Oktober 2018, 15:39), Cassandra (15. Oktober 2018, 15:34), Bär (15. Oktober 2018, 13:44), cameleon (15. Oktober 2018, 13:25), SarahSofia (15. Oktober 2018, 13:05), lottinchen (15. Oktober 2018, 12:31), Piepsi (15. Oktober 2018, 12:11), maddy (15. Oktober 2018, 11:55), nn1177 (15. Oktober 2018, 11:18), Kitty191 (15. Oktober 2018, 10:49), corsa1968 (15. Oktober 2018, 10:34)

Kitty191

Schnürsenkel

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2

Montag, 15. Oktober 2018, 10:52

Hallo Christine,
da habt Ihr ja gleich einen aufregenden Einstieg in Südafrikas Wildlife. Das klingt vielversprechend, ich bin dabei.
Und erst die zuckersüßen Bushbabies :love:

LG
Kitty
Falls Du glaubst, dass Du zu klein bist um irgendwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Zimmer ist
Dalai Lama

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3

Montag, 15. Oktober 2018, 12:31

Oh wie schön, ein neuer Reisebericht!
Und du startest auch gleich richtig durch! Ich bin gespannt und nehme begeistert auf eurer Rückbank Platz. :wine:

tom1978

Meister

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4

Montag, 15. Oktober 2018, 20:48

dann hab ich wohl den mittelplatz :)

tom

bibi2406

Erleuchteter

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5

Montag, 15. Oktober 2018, 21:35

Hallo Christine,

Euer Anfang entspricht genau unserem vor zwei Jahren, wir waren auch in der Villa Ticino Ende August. :)


Ich fahre sehr gerne bei Euch mit, wir waren dieses Jahr zur selben Zeit unterwegs. Leider hat uns der Alltag schon wieder fest im Griff, der Reisebericht ist fertig und da kommt dein Bericht genau richtig um wieder abzutauchen.
Ich quetsche mich mal neben Kitty, wenn ich darf :D.


LG
Barbara

toetske

oorbietjie

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6

Dienstag, 16. Oktober 2018, 01:16

Bloss nicht schon wieder einen neuen Reisebericht ;( X( :cursing:
Ich meine selbstverständlich 8o :danke: Christine!

Ich quetsche mich auch noch irgendwo dazu.

VG. Toetske
one life, LIVE IT !

Christine1509

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Beiträge: 33

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7

Donnerstag, 18. Oktober 2018, 11:25

Oha, da gucke ich einmal nicht längere Zeit nach hinten und schon sitzen 5 Zusteiger auf der Rückbank. Ich freue mich, dass ich Gesellschaft habe, so macht die Erinnerung an die Reise noch mehr Spaß! Nur wird das mit der mangelnden Bodenfreiheit jetzt wahrscheinlich noch viel schwieriger... aber das macht nichts, heute fahren wir sowieso zunächst mal im Jeep weiter!

Ich würde jetzt hier in der "Antwort"-Funktion mit meinem Reisebericht einfach fortfahren. Ich hoffe das geht so? Ich hab sonst nix gefunden, wo ich ein einmal erstelltes Thema weiterführen kann, nachdem es einmal schon abgeschickt wurde.


Löwen hautnah und eine Hausschlange

Trotz "Geisterelefant" haben wir prima geschlafen, wenn auch kurz. Denn heute Morgen steht die erste Safari unseres Lebens an: um 6h früh beginnt der Early Morning Drive im offenen Jeep. Die Safaris werden nicht von der Lodge selbst durchgeführt, sondern von einem Unternehmen, das Jeeps und Ranger stellt. Unser Ranger ist natürlich ausgerechnet Sully, von dem ich schon von Cosmo aus dem Forum nicht nur Erfreuliches gehört habe. Die Spotterin ist Leanne, die beiden bilden ein Team. Gleich zu Beginn sehen wir eine Gruppe Giraffen, die friedlich in einer Baumgruppe grasen, dann Impalas. Es ist schon toll, wenn man solche Tiere, die man nur aus dem Zoo kennt, plötzlich einfach so in ihrer natürlichen Umgebung erblickt. Wir sind hin und weg.

Nun werden Funksprüche hin- und hergeschickt, dann legt Sully gewaltig an Tempo zu und rast auf der Schotterpiste am südlichen Zaun entlang. Auch Leanne ist ganz aufgeregt. Irgendetwas scheinen sie zu suchen. Wir treffen auf einen weiteren Jeep und dann sehen wir es: einen männlichen Löwen, der nicht weit von uns durch den Busch schreitet, dann noch einen - sein Bruder, weiß Sully - und 2 Löwinnen. Die Löwen laufen eine lange Strecke im Gänsemarsch durch den Busch, zunächst die Löwinnen vorneweg, die Männchen hinterher. Wir fahren mit dem Jeep teils mitten durch den Busch hinterher, teilweise überholen wir sie auf der nicht weit entfernten Straße. Dann stellt Sully den Wagen quer zu der Richtung, aus der die Löwen herankommen. Langsam schreiten die Löwen auf uns zu, nähern sich immer mehr dem offenen Jeep. "Still sein!" und "Sitzen bleiben!" raunt Sully uns zu, da ist der erste auch schon heran, keinen Meter von Udo entfernt blickt er uns tief in die Augen, dann dreht er ab und geht einfach um das Hindernis, das der Jeep für ihn darstellt, herum und schreitet weiter majestätisch durch den Busch. Der nächste kommt genau so nahe, die anderen laufen zwischen 2 Jeeps durch, aber auch nahe genug, dass man im Morgenlicht gut ihre muskulösen Körper beobachten kann. Es sind insgesamt 5 Löwen.

Wir sind dermaßen fasziniert und ergriffen, dass wir ganz vergessen uns zu ängstigen. Nein, ich muss es anders sagen - wir haben wirklich überhaupt keine Angst gehabt. Die Löwen wirkten so - wie soll ich es ausdrücken? So entschlossen und unbeirrt ihrem Ziel folgend, über solch unbedeutende Dinge wie im Weg stehende Jeeps erhaben. Den Blick des ersten Löwen - so würdevoll und ernst - werde ich nicht vergessen. Sully meint, dass die Gruppe auf der Jagd ist und irgendwo an einem sicheren Ort ihre Jungen, bewacht von einer Löwin, zurückgelassen hat. Ich wundere mich, dass sie nicht schneller unterwegs sind, wo sie doch auf der Jagd sind. Gerade eben war hier noch eine Gruppe Impalas, dann ertönten ihre Warnrufe und sie waren verschwunden. Die Löwen haben keinerlei Anstalten gemacht, ihnen zu folgen. Laut Sully ist es sehr schwierig für Löwen, tagsüber zu jagen. Gegen Impalas haben sie da keine Chance, da diese sie kommen sehen und schneller sind. Deshalb jagen Löwen nachts erfolgreicher.

Gottseidank habe ich in all der Aufregung nicht vergessen, auch mal auf den Auslöser der Kamera zu drücken und mich sogar dunkel daran erinnert, dass es eine Videofunktion gibt (meine Kamera ist neu). Dass diese 5 Löwen in Balule etwas Besonderes sind, merken wir an der Reaktion der Ranger: alle machen Handyfotos und Sully erzählt später, dass sie diese Löwen schon seit vielen Wochen suchen und erst heute Erfolg hatten.







Später, an einer Stelle, wo gerade in Sachen Tieren nicht so viel los ist, stellt er den Jeep ab und hält uns einen kleinen Vortrag. Er sagt, dass manche denken, es mache ihm Spaß, so durch den Busch querfeldein zu preschen. Ich denke an Cosmos Worte und nicke innerlich. Das sei nicht wahr, meint Sully. Er bleibe lieber auf den Pisten oder fahre nur ganz vorsichtig mal Offroad. Aber es sei nun mal eine Tatsache, dass die Touristen Wildtiere sehen wollten, und wenn man dann von einem Drive wiederkomme und nichts gesehen habe, dann gebe das einem als Ranger das Gefühl, keinen guten Job gemacht zu haben. Nur deshalb fahre er gelegentlich Offroad. Sully spricht mit sehr ernster Miene und ich nehme ihm ab, dass er meint was er sagt. Wir beide als blutige Safari-Neulinge sind natürlich vom Ergebnis unserer ersten - und später auch der zweiten - Safari ganz begeistert und finden, dass er seine Sache gut gemacht hat. Natürlich hatten wir mit den Löwen ein Riesenglück. Ich kann verstehen, wenn man wochenlang nach ihnen sucht, dass man dann schon dazu neigt, sie in gewisser Weise zu verfolgen. Mein Eindruck war aber - und das gilt für fast alle Tiere die wir später noch auf Safari gesehen haben -, dass die Löwen sich von uns überhaupt nicht gestört gefühlt haben. Sie sind einfach weiter ihres Weges gegangen und haben uns - außer als sie um uns herumlaufen mussten - nicht weiter beachtet.

Später sehen wir noch eine Tüpfel-Hyäne mit einem Jungen. Sie liegt auf einem sonnigen Platz, döst und wärmt sich, während das Jungtier sehr aktiv ist, auf ihr herumhüpft als wollte es sagen "Mama, aufwachen! Ich will spielen!"
Irgendwie kam mir diese Szene bekannt vor...


Des Weiteren sehen wir noch Wasserbüffel, gestreifte Nyalas, viele weitere Impalas, einen Hornbill-Vogel, Wasserböcke, ein Zebra und einen Schakal (oder so was ähnliches?). Elefanten sehen wir nur von Ferne.
Dafür ist um die Mittagszeit schon wieder einer aufs Lodge-Gelände eingedrungen. Ich döse gerade auf einer Hängematte im Garten vor mich hin, als ich das Geräusch wiedererkenne: das Erzittern des Zauns, Getrampel und lautes Schnaufen. Jetzt geht das ja relativ einfach, da der Zaun noch nicht wieder unter Strom steht. Aber hey, inzwischen habe ich einem Löwen ins Gesicht geschaut, da fliehe ich nicht in unsere Hütte, sondern folge vorsichtig dem schwarzen Angestellten, der nach dem Rechten guckt. Als ich hinzukomme, hat er den Elefanten bereits wieder vertrieben. Er erzählt mir etwas anders als Anna, nämlich dass er diesen Bullen gut kennt, er war im letzten Jahr bereits dreimal auf der Lodge zu Besuch. Dieses Jahr ist es wohl das erste Mal gewesen. Der Grund für seine Besuche ist die Trockenheit ringsum. Das Gelände der Lodge wird bewässert, da sind die Blätter frisch und grün, das schmeckt natürlich besser. Und bekanntlich haben Elefanten ein sehr gutes Gedächtnis...


Als wir etwas später oben auf der Dachterrasse sitzen, entdecke ich nach einer ganzen Weile eine ziemlich große schwarze Schlange im Baum. Sie ist dort relativ unbeweglich und man sieht ihre gespaltene Zunge aus dem Maul hängen. Sofort ist es mit meiner Abgebrühtheit vorbei. Ich stürze die Außentreppe runter und suche Anna : "Du, ich glaube, da hängt eine Schlange im Baum! Ist die giftig??" Meine Stimme ist zugegebenermaßen etwas zittrig. Mit Schlangen habe ich es nämlilch nicht so. Anna kommt hoch, wirft einen Blick drauf und fängt an zu lachen: "Das ist eine Plastikschlange. Die haben wir in den Baum gehängt, um die Paviane abzuhalten. Manchmal hilft das was. Schau, hier im Regal liegen noch mehr Exemplare davon!" :whistling: Peinlich, peinlich, man merkt eben doch, dass wir immer noch absolute Greenhorns in Sachen wilde Tiere sind.
Wir sind so begeistert von unserem Early Morning Drive, dass wir am späten Nachmittag gleich noch einmal mit Sully hinausfahren. Wir sehen wieder Giraffen und einmal stellt sich Sully mit dem Jeep mitten zwischen 3 Elefanten, die mit den Rüsseln im Boden graben. Ich lerne, dass Elefanten Blätter, Gras und Wurzeln fressen - und dabei einigen Staub aufwirbeln. Einer kommt ganz nahe zum Jeep und die Gäste unserer Lodge, in Erinnerung an den gestrigen Abend, fangen schon an sich im Wagen zu ducken und die Köpfe einzuziehen. Aber der Elefant hat genug gesehen, er dreht sich um und zieht weiter. Auch das ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde.


Auf unserem Weg zum Olifants River begegnet uns eine Gruppe Wildhüterinnen, die "Black Mambas", die zu Fuß unterwegs sind. Sie sollen speziell auf die Nashörner aufpassen, da diese wegen ihres Horns in Gefahr sind, gewildert zu werden. Es ist schlimm: man sägt den Tieren einfach das Horn ab und sie verbluten. Ganz schlimm muss das Problem wohl im Krügerpark sein, das wird uns mehrfach erzählt. Die Wilderer kommen wohl von Mozambique und Simbabwe herein, wo die Zäune neuerdings offen sind und es keine Grenzen und Kontrollen mehr gibt. So gut diese Öffnung des Parks nach Osten und Norden hin ist und den Tieren mehr Lebensraum bietet, sie hat offenbar auch ihre großen Nachteile.Irgendwann begegnet uns ein einsamer Wildhund, der wohl sein Rudel verloren hat und in der Gegend herumirrt. Nun wird Sully ganz aufgeregt, spricht in sein Funkgerät und ruft damit weitere Safarijeeps herbei, denn Wildhunde sind wohl extrem selten. Er strahlt: sein Kollege hat zwar heute früh die Löwen entdeckt, aber er den Wildhund!



Des Weiteren sehen wir noch eine Wildkatze und Hasen. Später geht es zum Olifants River, wo wir in der einsetzenden Dunkelheit auf einem freien übersichtlichen Platz oberhalb des Flusses einen Sundowner einnehmen, begleitet vom lauten Grunzen und Trompeten der Hippos im Flussbett. Die Rückfahrt zur Lodge erlebe ich als etwas irre, aber sehr beeindruckend, denn nun werden die Suchscheinwerfer ausgepackt und wir fahren durchs Dunkel, leuchten gelegentlich ein Tier an und hören ansonsten die Geräusche der Nacht.
Endlich im Krüger

Heute ist Ausschlafen angesagt und anschließend nehmen wir ein letztes Mal das herrliche Frühstück auf der Terrasse mit Blick zum Wasserloch ein. Dort ist immer etwas los, Warzenschweine, Impalas oder eine Horde Paviane lassen sich immer wieder blicken. Für uns geht es heute über das Phalaborwa Gate in den Krüger Park hinein. Es sind zwar eigentlich nur 120 km Parkstrecke bis zu unserem heutigen Quartier, aber wir benötigen den ganzen Tag dafür und kommen um 17 h im letzten Tageslicht im Satara Rest Camp an. Man darf maximal 50 (geteerte Straßen) bzw. 40 kmh (Schotterpiste) fahren und außerdem will man ja auch etwas sehen.

Wir sind ja nach unserer geführten Game Drives im Balule Game Reserve nun gut gerüstet für Selbstfahrer-Safaris und sehen unglaublich viele Tiere. Nochmals vielen Dank an Barbara (Bibi) , die mir den Tipp gegeben hatte, vor dem Krüger 2 Tage in einer Privatlodge einzuschieben. Ich finde das für Safarineulinge wie uns sehr empfehlenswert!


Zunächst geht es auf der Hauptstraße stur in Richtung Parkmitte. Hier sehen wir Impalas, eine größere Elefantenherde und 2 Hornraben. Kurz vor dem Letabacamp beschließen wir, trotz knapper Zeit eine Nebenroute am Letabafluss entlang zu fahren. Bereits dort sehen wir einige Nilpferde und ab und zu Giraffen. Fantastisch ist die Mittagspause im Olifants Rest Camp, wo wir von der Restaurantterrasse aus bei herrlichstem Wetter einen genialen Blick auf den Olifants-Fluss und weiter bis Mozambique haben. In dieser trockenen Jahreszeit schauen im Flussbett viele grasbewachsene Inseln aus dem Wasser hervor, auf denen friedlich die Flusspferde grasen. Im Wasser bringt Mutter Nilpferd ihren Kleinen gerade das Schwimmen (oder vielleicht auch eher das Laufen im Wasser?) bei, da geht einem echt das Herz auf...

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass wir seit Tagen wunderschönes Wetter und tagsüber angenehm warme Temperaturen bis 30 Grad haben? Kein Frieren mehr, kurze Hosen sind angesagt, nur nachts wird es kalt.


Am Nwamanzi Lookout sehen wir eine Elefantenherde, die gerade den Fluss durchschritten hat und nun im Gänsemarsch dem Wald/Busch zustrebt. Es ist zum Heulen schön und ich würde am liebsten stundenlang stehenbleiben, zumal man hier auch aussteigen darf; aber leider müssen wir weiter, sonst schaffen wir die Strecke nicht. Kurz vor Satara sehen wir noch einige Elefantengruppen, Zebras, Giraffen und eine riesige Herde Büffel, die vor uns die Straße überquert. Ihre gewaltigen Hörner flößen uns gehörigen Respekt ein.Satara empfinden wir als schlicht und zweckmäßig, das Abendessen im Open Air Restaurant ist gut. Am Wasserloch lässt sich vom Restaurant aus noch eine Elefantenherde beobachten. Weitere Tiere: ein Buschbock, ein blauschimmernder Vogel (hab ich später als Glanzstar identifiziert und rausgefunden, dass es davon ganz viele gibt), 2 Stelzenvögel mit schwarzen Beinen und gelbem Schnabel (?) und 2 sich balgende Bush Babys.
Das pralle Leben rund ums Wasserloch


Um kurz nach 7 h brechen wir zu einer kleinen Rundfahrt um Satara auf. Wir nehmen die S100, S 41, H 6 Route. Unterwegs sehen wir Giraffen, eine Gruppe Paviane, die in einem Baum herumtollt, eine Herde Gnus und Geier.



Später sitzen wir an einem wunderbaren geschützten Aussichtspunkt hoch oben über einem Fluss und sehen eine Gruppe Elefanten mit Jungen. Sie knabbern Blätter, trinken ausgiebig und man kann schön beobachten, wie schwer es für die Kleinen ist, die steile rutschige Böschung hochzukommen. Streiten sich die Jungen, geht eine erwachsene Elefantenkuh auch schon mal energisch dazwischen. Dann ziehen sie langsam weiter, bis wir die Herde im Busch aus den Augen verlieren. Danach sind nur noch ein paar Antilopen da. Es ist herrlich ruhig hier. Ab und zu hört man in der Ferne einen Jeep, ansonsten nur Vogelgezwitscher...

Lange Zeit halten wir uns am Sweni Hide auf und beobachten das Kommen und Gehen der Tiere an diesem Wasserloch. Gerade war eine Elefantenkuh mit 2 Kleinen da. Nachdem sie erst länger die Szenerie beobachtet hat, führte sie die Jungen weg von den Krokodilen und mehr hin zu den ungefährlicheren Störchen (oder sind das Nimmersatt? Jetzt wo ich im Krüger-Bestimmungsheft nachlese, halte ich sie eher dafür), wo sie alle drei trinken. Nachdem noch ein paar grüne Blätter geknabbert wurden, treibt Mama zur Eile an: weiter, weiter. Die Kleinen wollen nicht so recht, drehen immer wieder um und wollen ganz offensichtlich noch am Wasser spielen. Aber Mama ist streng: nix da, weiter geht's. Nun gibt es noch einige Impalas, die an verschiedenen Stellen sehr vorsichtig trinken, dabei immer die Krokodile beobachtend, die teils im Wasser schwimmen, teils faul am Ufer herum liegen. Ein Wasserbock mit 2 Weibchen nähert sich, misstrauische beäugt er das Wasser, bevor er sich vorsichtig ans Trinken wagt. Ein Silberreiher stakt im Zeitlupentempo durch den Tümpel und versucht Fische zu fangen. Der Kopf eines Nilpferdes taucht aus dem Wasser auf: ein herzhaftes Gähnen, das verschwindet er wieder, nur die Ohren gucken noch raus. Ein großer schwarzer Vogel ( African Openbill?), der mit seinem zangenförmigen Schnabel zwischen den Steinen herum gräbt, wird plötzlich wieder und wieder von 2 kleineren Vögeln (Weißflankenschnäpper?) attackiert, aber er wehrt sich und bleibt standhaft. Diese "Kampfvögel" tauchen pfeilschnell senkrecht ins Wasser und schießen dann wieder hervor. Ein wunderschöner blauer Kingfisher lässt sich auf einem Felsen nieder. Hier könnte ich Wurzeln schlagen und die Zeit vergessen...


African Openbill?



diese Winzlinge haben zu zweit den schwarzen Vogel angegriffen, Weißflankenschnäpper??











ist das ein Graufischer?


Ist das ein Grey Heron?


Wir fahren zurück ins Camp. Hier ist jetzt erst einmal Einkaufen, eine Kleinigkeit essen und Siesta angesagt. Am Spätnachmittag fahren wir noch einmal los in Richtung Westen und umrunden auf einer kleinen Nebenstrecke den Nsemani-Stausee. Hier gibt es auch wieder eine gute Beobachtungsmöglichkeit, diesmal vom Auto aus. Eine Giraffe steht am See, traut sich aber nicht ans Wasser. Auf unserer kleinen Abendrundfahrt begegnen uns noch 2 wunderschöne Giraffen im Busch, Glanzstare, Gnus und ein Rudel Impalas, das zunächst die Straße vor uns überquert, aber dann wieder zurücktrottet, weil der Leitbock partout nicht mitkommt und auf der anderen Seite bleiben will. Hier weiß nur einer, wo's lang geht!
Der Abend im Camp ist schnell erzählt: Udo isst einen riesigen Spezialburger und ich mache mich über die Kraal Table her; es schmeckt gut. Danach Bett und schnarch!

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kalingua

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Donnerstag, 18. Oktober 2018, 19:46

Na da hattet ihr ja echt Glück bei euren ersten Game Drives, das erste löwenbild is richtig geil :thumbsup:

Tutu

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Donnerstag, 18. Oktober 2018, 20:48

Hab mich auch noch reingequetscht. Und hatte fast Angst, dass der Löwe mir auf die Tastatur steigt. ;) Tolles Bild.

LG Tutu

tom1978

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Samstag, 20. Oktober 2018, 14:26

Na da lohnt sich das mitfahren doch.
Windhunde haben wir leider noch nicht so nah gesehen.
Und das Löwenbild. Wow.


deine angriffsvögel sind, denk ich, Waffenkiebitze, Blacksmith Lapwings.

Graureiher und Graufischer ist richtig. African Openbill, Mohrenklaffschnabel, ist wohl auch richtig von dir erkannt.
Haben wir selber aber auch noch nicht gesehen. Cool.

Fahre gut gelaunt weiter mit.
in Südafrika zum Hobby-Ornithologen gewordener Tom

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Christine1509

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Dienstag, 23. Oktober 2018, 21:35

Hobbyornithologe

:danke: Hallo Tom,

Danke für die Vogelbestimmungen. Ist echt gar nicht so einfach, wenn man nur die deutsche und die englische version des Kruger booklets zur Hand hat. Aber dass die Angreifer Waffenkiebitze sind, glaube ich sofort, der Name passt zu ihnen!

Freut mich, dass du mitfährst, auch wenn es auf der Rückbank allmählich etwas eng wird.

Diese Woche noch geht es weiter, ich bemüh mich jedenfalls. Schließlich gibt s noch manches zu sehen und zu erleben...

Christine

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toetske (23. Oktober 2018, 21:40)

Christine1509

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Freitag, 26. Oktober 2018, 18:39

Auf in den Süden

Wir fahren um ½ 7 h von Satara los. Heute geht es ca. 100 km nach Süden, das Lower SAbie Rest Camp ist unser Ziel. Gleich am frühen Morgen, kurz hinter Satara, entdecken wir eine Gruppe Löwen, die im Gras liegen, etwas später 3 Löwinnen in einem sandigen Flussbett.




Außerdem: Giraffen, Warzenschweine, Elefanten. 2 davon scheinen wie an einem Baum festgeklebt, sehr fotogen.


Und: Wasser- und Buschböcke, Gnus, Impalas und jede Menge bunter Vögel.


Glanzstare sind gar nicht so selten, stelle ich heute festI


Ich vermute, das ist ein junger Gelbschnabeltoko?



Witwenstelze? Schneeballwürger?



Gabelracke? Lilac breasted roller? Ist das das Gleiche?

Auf einer Nebenpiste treffen wir auf eine sehr große, sehr träge Herde Büffel, die nicht weichen wollen. Immer wieder stellt sich einer mitten in den Weg. Wir können nicht vorwärts und nicht rückwärts und stehen über eine halbe Stunde am Fleck, bis sich endlich eine Lücke ergibt.




Die Büffel gucken uns nur dumpf hinterher, vermutlich hätte man auch vorher schon langsam vorbeifahren können. Aber man weiß ja nie! Speziell wir sind sehr unsicher.
Am schönsten sind die Ausgucke, an denen man auch aussteigen darf, meistens mit Blick auf einen Fluß, ein Wasserloch oder einen Stausee. An einem davon können wir beobachten, wie sich Impalas, Antilopen gegenseitig warnen und davonrennen, offenbar auf der Flucht vor einem herannahenden Löwen, wobei ich ehrlicherweise zugeben muss, dass wir ihn gar nicht gesehen haben, aber andere Leute am Beobachtungspunkt mit starken Ferngläsern konnten ihn erkennen.




Unser Safarizelt in Lower Sabie, sehr romantisch direkt hinter der Tankstelle gelegen

Als wir in Lower Sabie unser Safarizelt bezogen haben, fahren wir noch zum Sunset Dam hinaus und können dort sehr viele Antilopen, Vögel, Nilpferde und Krokodile sehen. Eine Giraffe schreitet nervös am Ufer auf und ab. Es ist offensichtlich, dass sie trinken will, immer wieder beugt sie sich vor, zuckt aber dann zurück und läuft weiter am Ufer entlang. Wir vermuten mal, dass sie vor den Krokodilen Angst hat. Oder vor anderen Jägern, die sie erwischen könnten, solange sie kniet und angreifbar ist. Nach vielen vielen Versuchen wagt sie es schließlich, einen winzigen Schluck Wasser zu nehmen, dann verschwindet sie im Busch.






Sonnenuntergang am Sunset Dam in Lower Sabie
Am Abend sitzen wir auf der schönen Restaurantterrasse von Mug & Beans über dem Sabie River bei einem Glas Rotwein und verarbeiten die Erlebnisse des Tages. Für morgen früh haben wir uns hier einen Early Morning Drive gebucht. Wir sind schon ganz gespannt, auch, ob es wohl einen Unterschied zu den privaten Game Drives geben wird.

Noch mehr Raubkatzen und ein vergessener Rucksack

Um 5 Uhr früh ist es noch vollkommen dunkel. Wir beide sind die einzigen Passagiere in einem riesengroßen offenen Jeep. Der Ranger drückt jedem von uns einen Suchscheinwerfer in die Hand. Zuerst sehen wir nicht viel, aber als wir uns ein wenig eingewöhnt haben, sichten wir Hyänen, einen kleinen Hasen und in der Dämmerung dann eine Gruppe Elefanten, eine Herde Büffel, Giraffen, Zebras, die netterweise fürs Foto posieren, eine schlanke Manguste, sehr viele Warthogs, Kudus, Gnus, einen Laufvogel, kleiner als ein Strauß, viele Gelbschnabeltokos und natürlich Impalas in rauen Mengen.


Eine Weile beobachten wir eine Paviangruppe und ganz am Ende der Tour sichten wir noch 2 wunderschöne Geparden, die uns am Wegesrand erwarten. Ich begreife nicht, wie der Ranger sie auf diese große Entfernung entdecken konnte. Er beschleunigt stark und fährt direkt auf sie zu und ich denke noch, schade, jetzt sind sie bestimmt gleich weg. Aber nein, die beiden lassen sich von uns überhaupt nicht stören, gucken neugierig zum Wagen und wir können sie eine ganze Weile beobachten.









Als der Fahrer den Motor schließlich wieder startet, verschwinden sie im dichten Busch. Wow!
Insgesamt ist dieser Drive doch sehr kalt, feucht und nebelig gewesen. Aber schon gegen halb zehn genießen wir auf der Restaurantterrasse die Sonnenstrahlen und die Temperatur ist sehr angenehm. Am Flussufer grasen Nilpferde, Zebras und Antilopen, im Wasser tummeln sich Krokodile. Und wir hier mit einem großartigen englischen Frühstück inklusive Obstsalat und Müsli! Einen Cappuccino schlürfen und Flusspferde gucken, wenn das kein Luxus ist...

Nach einem Rundgang durchs Camp (Pool, sehr schöne Häuser direkt am Fluss) fahren wir gegen Mittag noch selbst eine größere Runde mit unserem Mietwagen, der größte Teil davon auf Schotterpiste. Wir sehen eine schöne Elefantenherde beim Durchqueren eines Flusses, einige Kudus, Giraffen, Meerkatzen, die wild durch die Bäume klettern und wunderbar bunte Vögel.







Kudu mit Madenhackern



Das müsste dann ein Kudu-Weibchen sein



Zum Schluss wollen wir noch ein Wasserloch besuchen, ca. 14 km vom Camp entfernt, die Hälfte davon Schotterstraße. Wir sind dort fast die letzten Besucher und da auch von den Tieren her nicht besonders viel los ist, dränge ich allmählich zum Aufbruch. Irgendwie ist mir die Gegend ein wenig suspekt, man muss vom Auto bis zum Eingang des Hide ein paar Meter ungeschützt laufen und jetzt kommt noch ein merkwürdiger Wind auf, der enorme Mengen gelben Staub herumwirbelt. Zeit, ins Camp zurück zu fahren, zumal um 18 h die Tore von Lower Sabie schließen.
merkwürdige Stimmung mit Staubsturm

Wir tanken noch, fahren dann zum Zelt und räumen das Auto aus. Dabei stelle ich fest, dass mein Rucksack nicht mehr da ist. Eine Schrecksekunde, dann blitzt vor meinem inneren Auge die Szene auf: ich im Hide, den Rucksack zu meinen Füßen auf dem Boden abgestellt, dann wie ich herumlaufe um Fotos zu schießen. Und dann, wie wir den Hide verlassen, und zwar ohne meinen Rucksack.

Was ist drin? Mein Reisenotizbuch (das wär jammerschade), etwas Geld, aber vor allem meine teure Gleitsichtbrille, weil ich immer noch meine Sonnenbrille auf habe. Udo will sofort zurückfahren, aber ich zögere, und zwar gleich aus mehreren Gründen. Erstens machen die Tore bald zu und hin und zurück auf der Piste, das schaffen wir zeitlich nicht mehr, die Fahrt dorthin dauert schätzungsweise mindestens 20 Minuten. Zweitens kommen wir sicherlich in die Dunkelheit und drittens ist mir der Ort nicht geheuer, schließlich haben wir gar nicht weit entfernt heute Morgen Geparden gesehen. Kurz und gut, ich plädiere dafür, erst morgen früh dort nachzusehen, zumal der Hide an unserer morgigen Strecke Richtung Parkausgang liegt. Die Diskussion geht hin und her, Udo sagt, dann fährt er eben allein. Das geht natürlich gar nicht! Wir wenden uns an die Rezeption und fragen nach, ob heute vielleicht noch ein Ranger an besagtem HIde vorbei kommt? Leider nein, da müssten wir schon selber fahren, meint der Rezeptionist, was er uns im Übrigen empfehlen würde, denn morgen sei der Rucksack sicher weg. Er unterbricht unsere folgende innereheliche Diskussion schließlich mit dem durchaus korrekten Hinweis, es würde immer dunkler, und wir sollten jetzt mal "nare mache", wie man im Schwäbischen so schön sagt (er sagte das natürlich auf Englisch, aber die unterschwellige emotionale Aussage war durchaus dieselbe). Er notiert sich Namen, Zelt und Autonummer, dann schickt er uns los. Aber zuerst gehen wir nochmal zurück ins Zelt, sprühen uns mit Antimückenschutz ein (Malariamücken stechen hauptsächlich in der Dämmerung), ziehen lange Hosen und langärmlige Hemden an, suchen das Handy... Das kostet weitere Zeit. Als wir endlich durchs Tor fahren, ist es schon halb sechs und es dämmert. Udo ist die Ruhe selbst, ich bin sehr aufgeregt und würde am liebsten umdrehen. Zu allem Überfluss begegnet uns auf halber Strecke, noch auf der Hauptstraße, auch noch eine ausgewachsene Löwin. Gespenstisch, wie sie im Dämmerlicht zwischen den abgebremsten Autos im Scheinwerferlicht dahin schreitet und direkt neben uns am Wagen vorbei läuft. Ein eindrucksvolles Erlebnis, aber meine Angst wird dadurch nicht geringer. Und den Foto habe ich auch nicht mit...

Nach weiteren Begegnungen mit Hyänen auf der Schotterstrecke sind wir endlich am Hide. Wir parken direkt vor der Tür, schnappen unsere Taschenlampe und ich bewaffne mich noch mit einem Stock, falls ich meinen Rucksack drinnen einem neugierigen Pavian entreißen muss. Drinnen ist es stockdunkel,und tatsächlich, da steht das Teil, mutterseelenallein und alles ist noch drin. Kein Affe weit und breit in Sicht, der mir den Rucksack streitig machen wollte. Puh! Nix wie raus hier. Als wir wieder im Wagen sitzen, bin ich dermaßen erleichtert, dass ich fast losheule. Udo kann das gar nicht verstehen. War doch nicht schlimm, meint er. Nur auf meine Frage, was er denn gemacht hätte, wenn uns dort ein Löwe erwartet hätte, hat er auch keine Antwort. Der Wind hat weiter aufgefrischt und es ist wirklich gespenstisch, in der Dunkelheit und dem aufgewirbelten Staub zurück zu fahren, es hat ein bisschen was von Weltuntergangsstimmung. Natürlich fahren wir sehr vorsichtig, denn es springen uns sehr viele Impalas, weitere Antilopen und Hyänen in den Weg. Der Torwächter in Lower Sabie ist informiert, dass wir kommen, und ich gebe noch kurz in der Rezeption Bescheid, dass wir heil wieder da sind.

Nach diesem aufregenden Tag gibt es erst mal eine erholsame Dusche und anschließend ein Abendessen bei Mugg & Beans, wo wir aber aufgrund des Wetters innen sitzen müssen. Danach fallen wir todmüde ins Bett.



Das Wetter schlägt um
Die ganze Nacht rüttelt der Wind an unserem Safarizelt und am nächsten Morgen hat das Wetter umgeschlagen: es ist bedeckt und kühl, nur 13 Grad und fängt später an zu nieseln.


Kurz nachdem die Tore aufgemacht haben, verlassen wir das Camp in Richtung Crocodile Bridge Gate. Unterwegs sehen wir noch einige Tiere, darunter auch einen Leoparden, aber leider nur sehr kurz. Er überquert ein Auto vor uns die Straße und geht im hohen Gras ein Stück am Straßenrand entlang ? dabei können wir gerade mal so das gefleckte Fell seines Rückens und seinen peitschenden Schwanz erkennen. Dann verschwindet er im Busch und ist auch trotz viel vorwärts- und rückwärtsfahren und intensiver Suche mit dem Fotozoom nicht mehr aufzufinden. Für ein Bild hat leider die Zeit nicht gereicht. Ich stelle fest, dass uns für eine Big Five Bilanz nun eigentlich nur noch Nashörner fehlen. Die haben wir im ganzen Krüger nicht gesehen.
Für uns heißt es nun Abschied nehmen vom Krügerpark, unser heutiges Ziel heißt Swaziland. Wir verlassen uns mal wieder auf unser Navi und geraten auf eine absolute Schlaglochpiste, die uns Zeit und Nerven kostet. Bis wir an der Grenze sind und die Formalitäten erledigt haben ist es schon 11 Uhr. Wir fahren die westliche Route durchs Hochland und dieses macht seinem Ruf als Regenloch alle Ehre. Leider sieht man von der sicherlich sehr schönen Berglandschaft so gut wie gar nichts, da alles in dicke Wolken gehüllt ist. Der Nebel ist so dicht, dass man keine 200 m weit schauen kann. Temperatur: 6 Grad! Ein Absturz von 30 Grad im Vergleich zu den Tagestemperaturen im Krüger! Zum Aussteigen haben wir daher keine große Lust. Man erkennt viel auf aufgeforsteten Wald, kahle Äcker und Weideland. Öfters sieht man Stauseen. Die Ortschaften bestehen aus wenigen, weit verstreut liegenden Häusern und Hütten. Größere Ortschaften haben an der Durchgangsstraße ein paar bescheidene Läden, die sich etwas großspurig Supermarket oder auch General Dealer nennen, dazu gibtes meist eine Tankstelle, gelegentlich macht ein von Hand auf eine Wellblechhütte gemalter Hinweis auf einen Hair Stylisten aufmerksam. Man sieht viele Leute die Straße entlang laufen oder an Bushaltestellen warten, alle in lange Mäntel gepackt und dick vermummt gegen die Kälte. Als öffentlicher Nachverkehr gibt es hier offenbar Sammeltaxis, das sind Vans mit ungefähr 10 Plätzen, die man viel auf den Straßen fahren sieht. Auf diese Weise wird wohl auch heute abend die Frau in ihr Dorf zurückkommen, bei der ich in einem Crafts Center, das sicher auch einmal für einen größeren Ansturm errichtet wurde, eine Silberkette kaufe. Sie ist in ihrem Dorf in einem Frauenprojekt, in dem sehr schöne und hochwertige Souvenirs für Touristen hergestellt werden.Wir fahren weiter und besuchen noch eine Glasbläserwerkstatt. Dort ist es schön warm, das Ganze ein schwedisches Projekt, bei dem aus Altglas Gläser für den Haushalt und Glasfiguren entstehen. Leider sind die Produkte nicht koffertauglich und so begnügen wir uns mit verschiedenen Leckerlis aus dem Schoko-Laden auf dem Gelände, die unsere inzwischen ausgegangenen Ingwerkekse vorläufig ersetzen sollen.Auf der einzigen Autobahn des Landes geht es jetzt nach Mbabane, der Hauptstadt. Diese verlockt uns aber nicht so sehr zum Bummeln, man sieht eigentlich alles schon vom Auto aus.



Also fahren wir direkt weiter zum gebuchten Quartier. Es liegt im Ezulwini Valley, wo gerade viel gebaut wird uns ganz erstaunliche Golfanlagen, Hotels, Veranstaltungszentren entstehen. Das alles hier wirkt ganz anders als die ärmlichen Gegenden, die wir bis jetzt in Swaziland gesehen haben. Aber in diesem Tal residiert ja auch schließlich der König.Die Mantenga Lodge liegt ruhig und etwas abseits am Rande des Mantenga Nature Parks, einem wunderschönen grünen sehr bergigen Gebiet, das wir uns leider nicht näher anschauen können, da wir nur eine Nacht hier verbringen. Schon an der Schranke werden wir mit einem freundlichen WELCOME begrüßt und nach dem schnellen Check in begrüßt uns in einem der langen flachen Gebäude ein sehr schön eingerichtetes großzügiges Zimmer, das wunderbar warm ist. Zu Abend essen wir im stilvollen Restaurant der Lodge. Essen und Ambiente hier sind sehr gut. Wir essen Curry und eine Swaziland-Spezialität mit gebratenen Rinderfiletstreifen.


Blick in den Garten der Mantenga Lodge und in den gleichnamigen Naturpark

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Freitag, 26. Oktober 2018, 19:44

Hi.

Argh. Geparden im Krüger. Die fehlen uns noch.

Meine Güte, was im Krüger dieses Jahr alles verloren und wiedergefunden wird. Rucksäcke, Kuscheltiere ...

Die Piste nach Swaziland war auch bei uns vor 2 Jahren mit das schlimmste an Teerstraße, was wir gefahren sind.

Gabelracke und Lilac breasted roller ist das Gleiche.



Dein Vogel davor ist ein Southern Boubou. Auf deutsch? Gute Frage. Google sagt: Flötenwürger.


Tom

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Sella (1. November 2018, 05:02), Christine1509 (27. Oktober 2018, 15:59), toetske (27. Oktober 2018, 00:56)

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Montag, 29. Oktober 2018, 19:30

Swaziland - St. Lucia

Heute ist das Wetter besser – trocken und immerhin 14 Grad. Vom Parkplatz der Lodge aus sieht man ins Ezulwini-Tal hinunter, es ist grün und wunderschön, dahinter ragen steile Berge auf. Lobamba, die Königsresidenz ist eine verkommene Ansammlung von Blechhütten mit viel Müll. Wir fragen mehrmals nach dem Palast, aber den kennt man hier nicht. Zwei km weiter befinden sich das Parlamentsgebäude und das Nationalmuseum sowie ein kleiner Park, der aber umzäunt ist, wir sehen niemanden, der sich darin aufhält. 8 km weiter kommen wir zur Residenz der Königsmutter, aber davon sehen wir nichts, denn zwei Wachen winken uns am Eingang gleich wieder zurück. Wir sehen nur 2 riesengroße Plätze, auf denen wichtige Zeremonien wie z. B. der Umhlanga Reed Dance stattfinden.

Wir biegen ab ins Malkerns Valley, wo viel angebaut wird, unter anderem Zuckerrohr. Der Swazi Candle Shop, wo die bekannten schönen Kerzen hergestellt werden, ist Teil eines großen Kunsthandwerkermarktes. Viele Menschen, vor allem Frauen, versuchen hier, ihre Sachen zu verkaufen. Es sind jedoch nicht allzu viele Touristen da.


Weiter geht es nach Manzini, das mit 110.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes ist. Hier gibt es einen echten afrikanischen Markt. Da heute Sonntag ist, sind jedoch viele Stände geschlossen. Wir besuchen den Markt einzeln, da wir uns nicht getrauen, unser Auto voller Gepäck unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Interessanterweise findet sich hier kein selbst ernannter Parkwächter, nur ein sehr elegant gekleideter Herr, der mir den Eingang zu dem etwas unübersichtlichen Markt weist und sich wenige Minuten später als der Inhaber eines Andenkenladens im wellblechgedeckten Teil des Marktes entpuppt. Im Erdgeschoß wird die Orangen- und Mandarinenernte eimerweise direkt vom Lastwagen verkauft. Außerdem sehe ich Zwiebeln, Kartoffeln, Paprika, Tomaten und Maniok. Ich werde angesprochen, warum ich denn alleine unterwegs bin, ohne Mann, ohne Familie. Das sei sehr ungewöhnlich.


Nun müssen wir ordentlich Strecke machen, denn wir wollen heute noch bis St. Lucia in Südafrika kommen. Eine kleine Pause gönnen wir uns unterwegs noch auf einer sehr hübschen Lodge (Nisela). Das Haus ist aus Naturstein erbaut und reetgedeckt, drum herum ist ein gepflegter kleiner Park angelegt, das halboffene Restaurant mit sehr günstigen Preisen bietet einen Blick in die umliegende Landschaft. Hier sitzen tatsächlich auch ein paar Schwarze als Gäste, unter anderem eine Großfamilie mit zickenden Teenie-Mädels, die nicht von ihrem Handy lassen können, sowie zwei Pärchen.
An der Grenze Lavumisa/Golela dauert es etwas, bis wir blicken wo und in welcher Reihenfolge die Formalitäten abzuwickeln sind (Passkontrolle, Ausreisestempel, Gatepass abgeben, Einreisestempel, Passkontrolle, Ausfahrt…) Bald darauf geht es auf der schnurgeraden gut ausgebauten N 2 gen Süden. Die Provinz Kwa Zulu Natal, das Zululand, durch das wir jetzt fahren, ist wunderschön: mittelhohe Berge, Zuckerrohrfelder, Zitrusplantagen, Forstwirtschaft, aber auch immer wieder wildes Buschland, insgesamt sehr grün. Mit der Dämmerung um 17.30 h treffen wir in unserem Quartier ein.
St. Lucia ist eine durchgrünte Villengegend mit kurzen geraden Straßen, die sich im rechten Winkel schneiden, wie auf dem Reißbrett geplant. Es ist gepflegt, sehr ruhig und sicher – außer den Flusspferden, die hier zuhauf leben und nachts schon mal durch den Ort trotten können, um sich am saftigen Rasen gütlich zu tun oder das Wasser aus dem Pool zu saufen. Albert und Ciska, unsere Hosts im Elephant Guest House, warnen uns deshalb auch gleich davor, nachts zu Fuß zum Restaurant zu laufen, obwohl es wirklich nicht weit ist.
Bei einem Willkommenstrunk auf der Terrasse erzählt uns Ciska, was wir hier alles unternehmen können, welche Touren sie empfiehlt und welche Restaurants. Unser Zimmer im 1. Stock ist groß und wunderschön dekoriert, mit einem großen gepflegten Badezimmer und einem Balkon mit Blick in den Garten. Allerdings darf man nichts draußen liegen lassen, weil es sofort von den ums Haus herumturnenden kleinen Vervet-Affen (Meerkatzen) gemopst wird. Aus dem gleichen Grund sollte auch die Balkontüre immer zu sein.



Wir fahren zum Abendessen ins Restaurant „Ocean Basket“ , das zwar den Charme einer MC-Donalds-Filiale hat, aber sehr guten und frischen Fisch serviert.

Hippos und Crocs
Ich sitze gerade auf unserem Balkon und genieße die Morgensonne. In der Ferne hört man den Indischen Ozean rauschen, von gegenüber, aus der Wildnis, dringen Tierlaute herüber, um mich herum zwitschern Vögel. Der Himmel ist herrlich blau, aber noch ist es recht kühl. Wir haben gut geschlafen und sind weder von Affe noch Flusspferd belästigt worden.St. Lucia finde ich ideal für einen längeren Aufenthalt, denn man kann hier viel unternehmen: Eine Bootsfahrt zu den Flusspferden und Krokodilen des St. Lucia-Kanals, ein Zuludorf besuchen, einen Ausflug zum Strand von Cape Vidal machen, durch den Isimangaliso Wetland Park fahren oder den Hluhluwe-Imfolozi Nationalpark besuchen.Heute wird endlich mal gelaufen statt immer nur gefahren: Wir wandern zum Strand vor und laufen von dort über einen Boardwalk über den Estuary (=Flusstrichtermündung) in einem großen Bogen zum Ort zurück laufen. Man lässt Flusslauf und Gezeiten hier weitgehend allein die Landschaft gestalten, daher ist die Mündung zum Meer hin manchmal offen, manchmal zu.


Nach einer Mittagspause im Guesthouse stehen wir erwartungsvoll an der Straße, bis uns ein Jeep zur gebuchten Sundowner Bootstour auf dem Estuary abholt. Es ist ein kleines Boot und der Ranger erzählt interessante Sachen. Zum Beispiel, dass die ganze Gegend hier früher Farmland war und der St. Lucia See nach und nach verlandete. Dann kam Mandela an die Macht und sprach ein Machtwort: diese Gegend, zum Farmland sowieso nicht optimal geeignet, sollte der Natur zurückgegeben werden. Es dauerte einige Jahre, bis der See wieder Wasser führte und die Gegend von Gras überwachsen war. Ideale Voraussetzungen für Flusspferde, sich hier anzusiedeln und kräftig zu vermehren. Und so ist St Lucia heute eines der größten und bedeutendsten Rückzugsgebiete für diese Tiere.
Wir sehen einige wirklich große und prächtige männliche Krokodile, die Weibchen sind kleiner. Krokodile benötigen monatelang und manchmal sogar jahrelang keine Nahrung. Der Rekord liegt bei 4 Jahren. Verdauen können Krokodile sowieso nur, wenn die Körpertemperatur bei 52 Grad liegt. Die Viecher liegen den ganzen Tag in der Sonne, und zwar immer im 90-Grad-Winkel zur Sonneneinstrahlung, damit die Hitzeausbeute möglichst groß ist. So tanken sie Energie und wandeln diese offenbar sogar in Fett um. Sie bewegen sich möglichst wenig, um ihre Energieressourcen zu schonen.
Chamäeleon, über dem Estuary in einem Baum ruhend




Natürlich sehen wir auch Hippos, und zwar reichlich. Ganze Familien schwimmen oder paddeln im Wasser herum bzw. die Großen laufen mit den Beinen direkt auf dem schlammigen Boden. Eine Nilpferdmutter hat ihre Kleinen huckepack genommen und lässt sie auf ihrem Rücken ausruhen. Ein grasender Bulle am Ufer bekommt Angst, als wir uns leise mit dem Boot nähern und springt mit einer für so ein plumpes Tier unglaublichen Geschwindigkeit ins Wasser.

Am recht steilen schlammigen Flussufer beobachten wir einige Zeit später bei Keksen und Kaffee ein paar schlafende Bullen.



Schließlich wachen sie auf, schlecken sich gegenseitig ab – sabber sabber - , gähnen und reißen ihr riesiges Maul auf. Dabei sieht man ihre scharfen Eckzähne, mit denen sie sogar Krokodile von unten aufspießen können. Krokodile greifen also Flusspferde in der Regel nicht an. Dann geht’s ab ins Wasser – also für die Hippos natürlich, nicht für uns.
Godzilla im Anmarsch ...
Flusspferde können ganz untertauchen oder auch nur der Kopf oder die Ohren rausschauen lassen. Kann man dagegen den ganzen Körper des Tieres im Wasser erkennen, so handelt es sich meistens um ein weibliches Tier, das seine Jungen säugt, denn dazu legt es sich auf die Seite. Hippos tragen zwischen 5 und 11 Monaten, das hängt von der Futtersituation ab. Die Kleinen bleiben 8 Jahre bei der Mutter. Das bedeutet, jedes Muttertier hat verschieden alte Kinder um sich herum. Männliche Babys müssen in den ersten 12 Wochen vor den Bullen versteckt werden, da diese sie sonst fressen. Auch später sind sie immer gefährdet, da sie als Konkurrenz angesehen werden, die Weibchen nie.

Auf der Rückfahrt zur Anlegestelle geht die Sonne unter und taucht die Gegend in rosarotes Licht. Es ist sehr ruhig und stimmungsvoll auf dem Wasser.


Besuch in der Gegenwelt

Beim Frühstück können wir heute morgen kleine Äffchen beobachten, die in den Bäumen im Garten herumtollen. Später werden wir von zwei jungen Schwarzen im Jeep abgeholt, denn heute wollen wir ein Zuludorf besichtigen. Kein Schaudorf, in dem traditionelle Tänze und Kunsthandwerk gezeigt werden, sondern ein modernes Dorf, erst vor wenigen Jahren entstanden, in dem ein großer Teil der Menschen lebt, die hier in St. Lucia arbeiten.

Zunächst lässt unsere Führerin, eine junge Frau, den Jeep mitten in der Landschaft halten, weil sie uns die Bedeutung und den Unterschied zwischen niedrigem Gras und dem hohen Riedgras erklären möchte. Dann fahren wir zu einer recht abgelegenen Schule. 1000 Kinder zwischen 4 1/2 und 12 Jahren werden hier unterrichtet. Sie tragen Schuluniform, die je nach finanziellen Möglichkeiten der Eltern recht unterschiedlich ausfällt. Wir besuchen eine Klasse und drücken uns in den schlichten Raum mit Betonwänden, in dem sich 60 quirlige Kinder im Vorschulalter auf dicht gedrängt stehenden Plastikstühlchen quetschen. Die Tochter unserer Führerin geht auch in diese Klasse. Extra für uns lässt die Lehrerin die Kinder im Chor etwas nachsprechen, auf Zulu und Englisch, aber es ist kaum verständlich. Erst als sie „Brother Jacket“ singen, erkenne ich, dass es Englisch ist. Auch die Lehrerin, mit der wir uns in der Pause kurz unterhalten, ist schlecht zu verstehen.


In der großen Pause essen die wohlhabenderen Kinder ihr Pausenbrot, die anderen gucken neidisch zu und müssen bis zur Mittagspause warten. Da gibt es für alle eine kostenlose warme Mahlzeit. 100% der Kinder sind schwarz. Dies ist eine staatliche Schule, aber es gibt auch Privatschulen.


Nach diesem beeindruckenden Schulbesuch fahren wir ins „Dorf“. Ich setze es deshalb in Anführungszeichen, weil es nach unseren Maßstäben bereits eine mittelgroße Stadt ist – 20.000 Einwohner. Aber die Strukturen sind dörflich, es gibt nur eine asphaltierte Hauptstraße, ansonsten nur Sandwege zwischen den weit verstreut liegenden Gebäuden. Es gibt bescheidene Hütten, vor deren Türen der Müll herumliegt, Gruppen von Rondavels, das sind die traditionellen afrikanischen Rundhütten, mit etwas Gras drum herum und recht schöne moderne Steinhäuser mit ummauertem und bepflanzten Garten und einem Auto vor der Tür. Es funktioniert so: der Staat stellt ein kleines Grundstück zur Verfügung und baut ein einfaches Häuschen darauf – sozialer Wohnungsbau auf südafrikanisch. Wer hier einzieht und später zu Geld kommt, weil er z.B. in Durban oder Johannesburg eine Arbeit findet, darf dennoch bleiben und ein besseres Haus auf dieses Grundstück bauen. Solche Häuser haben wir in diversen Entstehungszuständen (von gelagertem Baumaterial über halbfertig bis schon wieder verfallen) gesehen. An insgesamt drei oder vier Häusern sehen wir Parabolantennen. Es gibt einige sehr einfache kleine Läden verstreut im Ort und ganz vorne an der großen Hauptstraße einen Supermarkt, der zumindest von der Größe her diesen Namen auch verdient.



Wir besuchen ein Grundstück, gehen in ein Rondavel. Kaputte altersschwache Möbel an einer Wand, in der Mitte ein breites Bett, auf dem sämtliches Hab und Gut gelagert zu sein scheint. In so einem Rondavel wohnen bis zu 14 Personen. Gekocht wird draußen in einer Art Holzverschlag. Unser Guide muss beim Betreten zuerst ein Huhn daraus verjagen. Wahrscheinlich hat es aus den am Boden herumliegenden Töpfen die angehakten Essensreste herausgepickt. Auf dem Grundstück befinden sich zwei Gemeinschaftstoiletten für die drei Häuser (=3x14 Personen). Im Freien gibt es einen Wasserhahn. Das Wasser ist nicht gut, erzählt die junge Frau, aber was soll man machen, wir benutzen es trotzdem.
Danach fahren wir mit dem Jeep weiter zu einer traditionellen Heilerin, die aus Naturprodukten selbst Medizin herstellt, auf Wunsch auch die Zukunft liest oder mit Verwünschungen etc. behilflich ist. Die völlig angestaubten Glasfläschchen in einem kleinen Regal an der Wand sehen alles andere als vertrauenerweckend aus. Auf diese Heiler schwören die Zulus wohl noch heute, allein in diesem Dorf gibt es 20 bis 30.
die Heilerin mit ihren Insignien

Zum Abschluss unserer Besichtigungstour wird uns noch von drei jungen Männern ein Zulutanz vorgeführt. Wir drei sind die einzigen Zuschauer. Das Ganze findet an einem traditionellen Tanzplatz im Freien unter ein paar dicht stehenden Bäumen statt. Zuerst schlüpfen die drei im Hintergrund aus ihren Jeans, dann erscheinen sie mit nacktem Oberkörper und traditionellem Strohrock vor uns und führen einige beeindruckende Sprünge aus dem Stand zur Trommelmusik vor. Am Ende der Vorführung wird Udo aufgefordert, mitzumachen; er schlägt sich wacker.
Die junge Frau, die uns beide geführt hat, wohnt ebenfalls im Dorf. Sie hat an einem College Tourismus studiert und diese Stelle ist als halbjähriges Abschluss-Praktikum im Rahmen ihres Studiums angelegt. Sie erzählt uns, wie schwierig es ist, eine Arbeit zu finden. Oft bekommt sie nicht einmal eine Antwort. Fürs Bewerben ist das Handy sehr wichtig, denn Post ist unzuverlässig und langsam, Computer gibt es nur wenige. Ihr Traum ist es, ins Ausland zu gehen und sich ein neues Leben aufzubauen.
Nach der Rückkehr in die Gegenwelt von St. Lucia müssen wir diese sehr anderen Eindrücke erst einmal verdauen. Am Nachmittag fahren wir mit dem Auto zum Kap Vidal: Dünen, Marschland und ein wunderbarer weiter Strand. Um ½ 5 h sind wir ganz alleine dort. Auf der Rückfahrt sehen wir Kudus, Antilopen, Mangusten und einige vervet monkeys.





Immer der Nase nach


Die Strecke zum Hluhluwe-Imfolozi-Nationalpark ist so gut wie nicht ausgeschildert. Aufs Navi kann man sich nicht verlassen, es will uns partout auf Nebenwegen und auf kürzester Strecke zum Nationalpark bringen, nur dass dort dann eben leider ein Zaun statt eines Einfahrtstors auf uns warten würde. Wir lassen uns aber nicht austricksen und halten – mit Landkarte in der Hand – eisern die Spur. Gegen 7 Uhr früh sind wir am Nyalazi Gate. Nach Erledigung der Formalitäten gibt es erst einmal das Guesthouse-Frühstück aus der Kühlbox, dann fahren wir in den Park ein, zunächst in den östlichen Teil. Die Landschaft ist sehr bergig, es ist hier viel grüner als im Krüger und im Busch können wir bereits einige Blüten entdecken. Wir sehen auch gleich Zebras, Giraffen, Impalas, Mangusten, aber leider kein einziges Nashorn, für das der Park bekannt ist. Auf den nicht asphaltierten Pisten wird es bald immer schwieriger, mit unserem Toyota Corolla zu fahren. Hier hätten wir uns wirklich einen geländegängigen Jeep gewünscht. Die Straßen sind ausgewaschen, weisen tiefe Querrillen und Schlaglöcher auf und sehr oft sitzen wir auf dem Boden auf. Die Flußtäler überquert man auf kleinen Betonbrücken ohne Geländer, davor und dahinter liegt jeweils eine steile Zu- bzw. Abfahrt.










Einmal bleiben wir tatsächlich hängen, da das hinter der Brücke liegende Straßenstück besonders steil und total versandet ist. Um nicht auf dem Boden aufzusitzen, versuchen wir neben der tief eingefahrenen Fahrspur zu fahren. Das ist aber keine gute Idee, wir bleiben stecken und das Rad frisst sich im Sand fest. Das Gute daran ist, dass wir den Wagen aufgrund des Gefälles zurück rollen lassen können, und nicht zum Freibuddeln aussteigen müssen – grrr, hier gibt es schließlich wilde Tiere, und auch wenn ich wahnsinnig gern ein Nashorn sehen würde, muss es nicht gerade jetzt sein. Leider liegt die hinter uns liegende kleine Betonbrücke in einer Kurve und man muss etwas einschlagen, damit man auf dem schmalen Steg nicht über den Rand hinauskommt …. Neeeiiin, doch nicht so rum, genau anders rum musst du einschlagen! Der Göttergatte ist uneinsichtig und erst das Öffnen der Beifahrertür und der Blick auf die schätzungsweise noch 3 Zentimeter Abstand zwischen dem hinteren linken Rad und dem Rand der Brücke (sowie meine lautstark vorgetragene Bemerkung: Wenn du da drüber fährst, musst Du in den Fluss steigen, um das Auto wieder auf die Straße zu wuchten, ich steige da ganz bestimmt nicht rein!) überzeugen ihn, das Lenkrad andersrum einzuschlagen und so landen wir wieder in der Mitte der Brücke.
Doch was jetzt? Die Stimmung ist nicht die allerbeste und die Diskussion schwankt zwischen umdrehen und es mit einem 2. Anlauf in der Fahrspur noch einmal zu versuchen. Umdrehen geht aus Platzgründen nicht, außerdem steht hinter uns bereits ein anderer Kleinwagen und wartet, dass wir endlich diese Flussüberquerung meisten. Nach gefühlten Ewigkeiten kommt die einzige Option – weiterfahren – doch noch zum Einsatz und wir schwitzen Blut und Wasser, als der Corolla sich ächzend und schlingernd seinen Weg durch den Sand hoch auf den nächsten Hügel erkämpft. Geschafft! Wir sind ziemlich durchgeschwitzt und halten oben erst einmal an. Nach einer Weile machen wir uns um den Wagen Sorgen, der hinter uns stand. Er müsste eigentlich demnächst vorbei kommen, aber er kommt und kommt nicht. Todesmutig fahren wir sogar ein Stück im Rückwärtsgang zurück, können den Wagen aber nicht sehen. Wir beschließen, beim nächsten Stopp auf der Hilltop Lodge Bescheid zu geben und fahren langsam weiter.

Nach vielen weiteren schlimmen Pistenabschnitten – das Fahren ist ab jetzt wirklich kein Vergnügen mehr für uns - überholt uns der Kleinwagen, der vorher an der Brücke hinter uns gewartet hatte. Darin sitzt ein älteres südafrikanisches Ehepaar, das uns quietschfidel zuwinkt. Erleichtert kurbeln wir das Fenster runter: „Oh, Sie sind durchgekommen. Wir haben uns Sorgen gemacht. Wir sind sogar ein Stück zurück gefahren, um auf Sie zu warten.“ Die ältere Dame – deutlich älter als ich! Bestimmt 80! - ist verblüfft:. „Oh, really, did you? That’s very nice, but it’s not necessary. You know, we are used to this kind of roads!“ Spricht’s, kurbelt das Fenster wieder hoch und braust fröhlich davon. Und dabei hatten sie noch nicht mal einen Jeep! Für uns aber gilt nach diesem Erlebnis: ab jetzt in diesem Park nur noch Asphaltstraße! Fotos gibt es von dieser Episode übrigens keine :P

In der wunderschön gelegenen Hilltop Lodge gibt es bequeme Sessel, Cappucchino und einen ausgestopften Löwen. Leider haben wir nur wenig Aussicht, da Nebel aufzieht. Ein Südafrikaner, der gestern abend vom Memorial Gate her eingefahren ist, erzählt und stolz und glücklich, wieviele Nashörner er gesehen hat. Er erblickt sogar welche auf dem weit entfernten gegenüberliegenden Hügel, aber wir sehen keine. Nachdem wir uns ein wenig von unserem Straßenabenteuer erholt haben, fahren wir noch ein kurzes Stück gen Nordosten. Landschaftlich ist es sehr schön hier, aber leider recht diesig. Einmal können wir eine Gruppe kämpfender Büffel oberhalb von uns an einem Hang sehen. Leider sind die Bilder davon nicht wirklich gut geworden.

Dann geht es die ganze Strecke zurück und in den südwestlichen Imfoloziteil des Parkes. Und dort erblicken wir sie endlich: 2 Nashörner neben der Straße und kurz darauf noch einmal ein einzelnes, das durch den Busch trampelt. Ein toller Anblick, die Tiere sehen absolut friedlich aus, wie sie da mampfend durchs Gras ziehen.




Bei diesem hübschen Vogel hoffe ich wieder auf den Hobbyornithologen Tom! Keine Ahnung - eine Art Fink vielleicht?

An einem Picknickplatz über einer Flussschleife erwartet uns ein sehr großer einsamer Wasserbock. Als wir vorsichtig aussteigen, trollt er sich. Von hier aus sieht man sehr schön ins Tal des Umfolozi River hinunter. Das Wetter ist etwas freundlicher geworden. Kurz nach der Mpila Lodge hört der Asphalt auf und wir drehen um. Im späten Nachmittagslicht fahren wir zurück zum Gate und sehen noch einmal wunderbare Zebras, Mangusten, Impalas, Nyalas und Büffel.

Löwen muss es aber auch hier geben, ein Mann hat heute Mittag in der Hilltop Lodge erzählt, dass er gestern abend bei der Einfahrt in den Park gleich einen Löwen neben seinem Auto hatte.
Die Rückfahrt nach St. Lucia verläuft unspektakulär, allerdings müssen wir auf der Straße immer wieder auf 30 kmh runterbremsen, es gibt eingebaute Bodenwellen, sogenannten Bumpers. Die Route führt teilweise mitten durch die Dörfer und viele Leute queren die Straße oder laufen an ihr entlang. Es fängt schon an zu dämmern und manche der Gestalten am Straßenrand sehen schon etwas abenteuerlich aus. Das ist das einzige Mal, dass ich mich an unsere Zentralverriegelung erinnere und froh bin, dass wir sie haben.
Am Abend erholen wir uns im Ocean Basket von unseren Abenteuern mit leckerem Fisch.


Abschied vom Nordosten
Heute an den Main Beach gefahren, 5 Autominuten von unserem Quartier entfernt. Herrlich, die Flut kommt rein, ein kühler Wind weht, es sind viele Angler da. Wir machen bei bedecktem Himmel einen Strandspaziergang. Eine kleine Touristengruppe reitet am Strand entlang. Das Hinterland ist saftig grün. Herrlich!
Wir besuchen das Crocodile Center, eine Krokodilauffangstation, wo immer wieder Tiere aus Gewässern in der Nähe von Dörfern eingeliefert werden , die den Menschen zu nahe gekommen und gefährlich geworden sind. Hier kann man große und kleine, ganz junge und sehr alte, dicke und dünne, schwarze und grüne Krokodile besichtigen – und man erfährt, dass so manches Krokodil von hier auch schon wieder ausgebrochen ist.
Nachmittags fahren wir noch einmal zum Strand von Cape Vidal, weil es uns da vor ein paar Tagen so gut gefallen hat. Heute ist es fast noch leerer, wir machen Siesta und spazieren am Strand entlang.



Auch heute sind die Brecher wieder beeindruckend. Es baden sogar einige Leute, das Wasser ist warm. Aber wegen der starken Strömungen und der Haie traut sich keiner sehr weit raus. Auf dem Rückweg fahren wir über den schönen abwechslungsreichen Grassland Loop mitten durch Sumpf und Grasland und können noch einen Blick auf den St. Lucia See werfen. Kurz vor der Ausfahrt aus dem Nationalpark sehen wir noch – allerdings etwas weiter entfernt – eine Gruppe grasender Nashörner.
Nun sind die Koffer gepackt und wir verabschieden uns von St. Lucia mit einem Abendessen beim Italiener – auch das gibt es hier. Alfredo macht den Smalltalk mit den Gästen und verwaltet die Kasse höchstpersönlich. Er ist in Johannesburg geboren, seine Eltern waren beide Italiener. Nach St. Lucia kam er vor 19 Jahren. Er liebt Südafrika, meint aber das Land brauche dringend eine neue Regierung. Er hofft dass bei den nächsten Wahlen die andere Partei an die Macht kommt: ab dann ginge es mit Südafrika steil bergauf, so sein Credo. Wir wollen es mit ihm hoffen.

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U310343 (12. November 2018, 19:54), kalingua (7. November 2018, 10:07), Wicki4 (2. November 2018, 06:45), Fop (1. November 2018, 20:12), bibi2406 (1. November 2018, 11:29), Tutu (30. Oktober 2018, 21:43), Sella (30. Oktober 2018, 15:24), Daniele (30. Oktober 2018, 09:16), Kitty191 (30. Oktober 2018, 08:00), maddy (30. Oktober 2018, 07:42), Cassandra (30. Oktober 2018, 07:16), toetske (29. Oktober 2018, 22:34), Bär (29. Oktober 2018, 22:30), lottinchen (29. Oktober 2018, 22:28), SarahSofia (29. Oktober 2018, 19:56)

toetske

oorbietjie

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15

Montag, 29. Oktober 2018, 22:42

Hallo Christine,

Herzlichen :danke: für Deinen schönen Reisebericht! Sehr nett geschrieben und toll bebildert! Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Bei diesem hübschen Vogel hoffe ich wieder auf den Hobbyornithologen Tom! Keine Ahnung - eine Art Fink vielleicht?

Ich bin zwar nicht Tom und nicht einmal Hobbyornithologe, gehe aber davon aus, dass es eine Schwalbe betrifft und zwar eine "Hirundo smithii", auf Englisch wire-tailed swallow, auf Afrikaans draadstertswael, auf Deutsch Rotkappenschwalbe.

VG. Toetske
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bibi2406 (1. November 2018, 11:30), Kitty191 (30. Oktober 2018, 08:00), SarahSofia (29. Oktober 2018, 23:11), Bär (29. Oktober 2018, 23:03)

Christine1509

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16

Mittwoch, 31. Oktober 2018, 22:46

Danke

Hallo Toetske,

Vielen Dank für die nette Rückmeldung vom Rücksitz! Beim Schreiben erlebt man alles noch einmal, daher macht es auch Spaß zu berichten. Und... :danke: :danke: Danke für die ornithologische Einordnung des Piepmatz-Bildes! Also nicht Fink sondern Schwalbe, ok....
Wie kommt es , dass du den Vogelnamen auch auf Afrikaans weißt? kannst du die Sprache oder hast du es aus einem südafrikan. Vogelbestimmungsbuch?

Übrigens habe ich gesehen, dass ich jetzt vom Schüler zum Fortgeschrittenen mutiert bin :D wie kommt das denn ??? Kriegt man das wenn man fleissig Reisebericht schreibt? ;)


Gruß
Christine

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toetske (31. Oktober 2018, 23:20)

toetske

oorbietjie

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17

Mittwoch, 31. Oktober 2018, 23:41

Hallo Christine,

Südafrika ist inzwischen meine "zweite Heimat" und Afrikaans :love: ähnelt sehr meiner Muttersprache - Flämisch. Nach einigen Reisen sprechen und schreiben wir es ziemlich gut :whistling:
Mein Mann kennt viel mehr ZA-Vögel als ich, aber vor allem die Namen auf Afrikaans - eher als Englisch oder Lateinisch. Aber in diesem Fall habe ich die Schwalbe gesucht und gefunden 8o

Übrigens habe ich gesehen, dass ich jetzt vom Schüler zum Fortgeschrittenen mutiert bin wie kommt das denn ??? Kriegt man das wenn man fleissig Reisebericht schreibt?

Das hat nichts mit viele Reiseberichte schreiben zu tun, sondern wie viele Beiträge man schon in diesem Forum geschrieben hat - wieviel genau für jeden "Status" müsste ich allerdings auch mal wieder recherchieren :whistling:
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Christine1509 (1. November 2018, 13:07)

Bär

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18

Donnerstag, 1. November 2018, 09:16

Übrigens habe ich gesehen, dass ich jetzt vom Schüler zum Fortgeschrittenen mutiert bin :D wie kommt das denn ??? Kriegt man das wenn man fleissig Reisebericht schreibt? ;)

Ja, auch. Dahinter steht ein Punktesystem, das nicht ausschließlich auf der Anzahl der Beiträge beruht, sondern auch auf weiteren Parametern.
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*** Wer nicht klettern kann, sollte sein Geld nicht einem Affen anvertrauen. (aus Afrika) ***

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toetske (1. November 2018, 21:27), Christine1509 (1. November 2018, 13:07)

Christine1509

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19

Donnerstag, 1. November 2018, 14:11

Auf in die Karoo

Hallo Bär und Toetske,
:danke: :) :danke: :) Danke für die Aufklärung!

Dann lasst uns mal weiter fahren, wer weiß bis zu welchem Status ich damit noch komme? ;) Mein Traum wäre ja der Zustand der Erleuchtung... als Fernziel sozusagen :D :D :D

Schlag auf Schlag

Gleich in der Frühe geht es in 3 Stunden zum supermodernen King Shaka Airport von Durban. Die Fahrt wird nur einmal ziemlich unsanft unterbrochen, als uns ein Wagen überholt und dabei so dicht an uns vorbeifährt, dass es einen Mordsschlag tut. Erschrocken fahren wir links an den Fahrbahnrand, der Fahrer, der uns überholt hat, hält ebenfalls und kommt zu uns zurückgelaufen. Wir stellen fest, dass es bloß die Außenspiegel erwischt hat – seinen und unseren. Zum Glück ist kein Schaden entstanden, der Spiegel hat sich nur eingeklappt und ist noch voll funktionsfähig. So sind wir mit dem Schrecken davon gekommen. Hätte auch übler ausgehen können! Der Schwarze entschuldigt sich wortreich, dann steigt er in sein Auto und braust weiter.
Unsere liebe Anna – so heißt die Stimme unseres Navis – will uns mal wieder auf Abwege schicken und tatsächlich zu einem abgelegenen Militär/Transportflugplatz oder so was Ähnlichem lotsen. Leider ist sie nicht so zuverlässig wie in Deutschland. Außerdem ist sie maulfaul geworden, gerade mal sagt sie noch die voraussichtliche Ankunftszeit an, dann verstummt sie für den Rest der Fahrt. Wir finden aber dennoch zum richtigen Flughafen. Von dort müssen wir zuerst nach Johannesburg und dann wieder an die Küste nach Port Elisabeth fliegen. Na ja, ein bisschen blöd ist es schon, dass der Direktflug kurzfristig storniert wurde. Andererseits können wir so vielleicht im Vorbeiflug einen Blick auf die Drakensberge erhaschen.
Das hat leider nicht geklappt, man hat auf beiden Flügen nur sehr wenig gesehen. Das zentrale Hochland, das man immer wieder zwischen Wolkenlücken erspähen kann, ist sehr braun und trocken. In der Gegend von Joburg kann man von oben noch einmal sehr gut die vielen Tagebaugruben erkennen. Nach Süden hin wird es bergiger und zu Küste hin auch grüner. An der Küste östlich von P.E. ist ein langer Sanddünenstreifen gut zu erkennen. Auch Port Elisabeth selbst macht auf uns einen gepflegten freundlichen Eindruck, als wir uns mit unserem neuen Mietwagen aus der Stadt hinaus bewegen. Nach dem Abschied von Felix haben wir nun einen VW namens Vivo. Mal sehen, wie er sich mit Anna verträgt. Noch ist sie schüchtern und spricht nur das Notwendigste. Das Wetter ist sonnig und angenehm warm. Im Vorbeifahren können wir einen kurzen Blick auf den Hafen werfen – toll!
Anna leitet uns zwar stumm aber richtig und so kommen wir noch bei Tageslicht am südlichen Tor des Addo Nationalparks an. Überraschenderweise hat die Rezeption noch geöffnet, damit hatten wir gar nicht gerechnet. Im Gegensatz zu der sehr freundlichen und gesprächigen Angestellten des Autovermieters ist die hiesige Rezeptionistin schlecht gelaunt, aber immerhin händigt sie uns die Schlüssel zu unserer reetgedeckten Hütte aus. Die liegt 2 km weiter im Park, sehr idyllisch mit Blick in den Park, die Häuschen sind weit verstreut, man sieht sie kaum. Das Hüttchen selbst ist sehr rustikal aber gemütlich eingerichtet, man hat alles, was man braucht, sogar einen Balkon mit Grill und einen Blick in die Hügel vom Bett aus. Sehr angenehm ist am Abend die Aircondition, mit der es sich mollig warm machen lässt.
unsere Hütte im südlichen Addo Camp

Da es hier im Camp keinerlei Verpflegungsmöglichkeiten gibt, müssen wir nochmal rausfahren. An der Hauptstraße, ca. 5 km entfernt, gibt es eine Tankstelle mit angeschlossenem Restaurant und einen großen Sparladen. Hier können wir fürs Frühstück einkaufen und uns neue Wasservorräte zulegen. Ganz zu schweigen natürlich von den ganzen anderen Leckereien, die man da sonst noch so findet und die auf den kommenden langen Fahrtagen sicher hoch willkommen sein werden. Im Restaurant werden wir zuerst mal für eine halbe Stunde komplett übersehen, und als wir uns zaghaft bemerkbar machen, ist die Wirtin so bestürzt, dass sie uns unser Bier schenkt und die endlich doch noch bestellte Pizza extra schnell bringen lässt. Das Lokal ist voll mit Einheimischen und Touristen.
Der Nachtwächter am Gate freut sich sehr über unser mitgebrachtes Bier - diesen Tipp aus dem Forum habe ich beherzigt - und in der Hütte freut sich eine Fledermaus so gar nicht, dass wir nun das Licht anmachen. Keine Ahnung wie die da rein gekommen ist, wahrscheinlich ist das Dach undicht. Es dauert eine Weile, bis wir sie mit List und Tücke nach draußen komplimentiert haben.
Mitten in der Nacht wache ich auf, weil jemand – oder etwas – lautstark gegen die Eingangstüre schlägt und kräftig an der Klinke rüttelt. Ein Mensch wird es wohl nicht sein, das Camp ist ziemlich leer, wir haben nur einen anderen Wagen vor einer Hütte ein Stück die Straße runter gesehen. Und das Gate ist ja nachts zu. Ich vermute, dass es ein Affe ist, der hier vielleicht schon einmal erfolgreich reinkam und die Essensvorräte plündern konnte. Nachgeprüft habe ich es aber lieber nicht! Es gibt überall Warnschilder, dass man die Baboons nicht füttern soll, die Mülleimer etc. sind extra tiersicher gemacht. Gesehen haben wir in diesem Camp aber keine.

Ein Tag voller Highlights
Die Sonne geht hinter den Hügeln auf und lässt uns in unserem Bett blinzeln. Spar sei Dank können wir uns ein gutes Frühstück schmecken lassen und um kurz nach ½ 9h sind wir abfahrbereit. Wir fahren durch den Addo Park bis zum Main Camp.
Kleiner Einschub : :danke: Bär, ich bin dir auf ewig dankbar, dass du mich überzeugen konntest, doch noch den Addo "mitzunehmen" bei unserer Tour. Ein Höhepunkt unserer Reise!! :danke:

Bis dorthin benötigen wir 3 Stunden, nicht weil die Straßen so schlecht wären – die sind hier sehr gut - , sondern weil es so wunderschöne Tierbeobachtungen gibt: zuerst Zebras und größere Antilopenherden im Süden, die über weitläufiges Grasland ziehen.


auch kleine Tiere wollen gerne mal aufs Bild - der Dung Beetle, allerdings ohne Dungkugel

Ich bin jetzt sehr vorsichtig mit Raten: ein Würgerschnäpper?





Je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr Elefanten sehen wir, teilweise stehen sie direkt neben der Straße und als Krönung und absoluten Höhepunkt können wir an einem Wasserloch eine sehr große Elefantenherde beobachten. Bestimmt eine ¾ Stunde stehen wir da und sehen zu, wie kleinere Gruppen immer wieder heran kommen, wie die Kleinsten Schwierigkeiten haben, mit ihren Rüsselchen ans Wasser zu kommen und die etwas größeren Elefantenkinder es ihnen vormachen. Auch gespritzt und munter gespielt wird. Jede Kleingruppe kommt ausgiebig zu ihrem Recht, dann ziehen sie langsam weiter und machen den nächsten Platz. Ich bin völlig hin und weg, diese Szenen sind ein absolutes Highlight unseres Urlaubs.
Und, ich entschuldige mich schon einmal im vorhinein dafür, aber jetzt kommen ein paar Elefantenbilder, ich kann einfach nicht anders :love:








so ein ähnliches Bild hatte ich zuhause an unsere Pinnwand gepinnt, als Vorfreude auf die Reise sozusagen. Und ich hab mir immer gedacht, wenn ich sowas mal in natura sehen könnte.... und es ist tatsächlich wahr geworden!







Begegnung zwischen Elefant und Auto - wer wird siegen? Der Elefant überlegt sich kurz, ob sich ein Angriff lohnt, dann gibt er nach und trottet seines Weges...

Nach einer Kaffeepause im Main Camp, das sehr hübsch angelegt ist, fahren wir aus dem Nationalpark heraus auf die Nationalstraße 10 und dann nach Norden in Richtung Cradock. Wir fahren durch erst grüne, dann kahle Berge ins Landesinnere, eine großartige, leere und wilde Landschaft.



Ortschaften gibt es keine, nur ab und zu ein Hinweisschild zu einem Gehöft.



Township kurz vor Cradock

Im Landstädtchen Cradock wird getankt und kurz hinter dem Ort geht es auf 12 km Schotterpiste in die noch rauere Wildnis des Mountain Zebra National Parks. Unterwegs sehen wir Perlhühner, wilde Strauße und ein paar Antilopen.


:danke: Auch hier ein kleiner Einschub :danke: Kitty , auch dir bin ich sehr dankbar für den Tipp mit dem MZNP, um die Landschaft der Karoo zu erleben. Sowohl der Schlenker ins Inland überhaupt als auch der Park waren sehr lohnend und ich kann es nur jedem empfehlen, der die Zeit dafür hat! :danke:

Die freundliche Dame an der Rezeption händigt uns den Schlüssel zum vorbestellten Cottage aus. Wir sind schon auf dem Weg nach draußen, als sie uns noch einmal zurückruft: es sei noch ein Betrag offen. Ich denke zuerst, naja, irgendeine lokale Steuer, aber die Summe ist erheblich. Tja, meint die Dame, Sie haben ja auch das Rock Chalet gebucht, und bezahlt haben Sie nur für ein Cottage. In diesem Fall hat es sich jetzt wirklich gelohnt, dass wir uns von allen vorgebuchten Quartieren die e-mail-Bestätigung ausgedruckt mitgenommen haben, denn da stand ganz deutlich: gebucht: cotttage, gezahlt: cottage, Restbetrag: 0. Nun schluckt die Dame etwas und meint, sie muss jetzt erst mal telefonieren. Offenbar ist kein Cottage mehr frei. Da der Buchungsfehler eindeutig auf der San-Parkseite lag, bleibt ihr nichts anderes übrig, nachdem sie sich das ok von ihrem Chef geholt hat, als uns das Rock Chalet zum cottage-Preis für eine Nacht zu überlassen.
Wir fahren also die Straße hoch und ganz oben, erhaben im wörtlichen Sinne über den normalen Hütten, steht da ein hochmoderner Bungalow in modernster Architektur aus Glas und Naturstein, mit einer Wahnsinnsterrasse mit noch wahnsinnigerem Blick, ein offenes Wohnzimmer mit Kamin uns XXL-TV, eine schicke offene Einbauküche mit Bartresen, 2 großzügige Schlafzimmer jeweils mit eigenem Bad mit Designerausstattung. Dazu noch 2 Außenduschen, falls man bei Morgen- oder Abendtoilette nicht auf das Panorama verzichten will…




Aussicht von der Außendusche des Rock Chalet


Ursprünglich hatten wir ja vor, gleich noch eine kleine Wanderung hier in der Gegend des Camps zu unternehmen. Als wir aber auf die bombastische Terrasse hinaustreten, vergessen wir augenblicklich sämtliche Trails und bewegen uns von hier keinen Schritt mehr weg bis es Nacht wird. Bei einem kühlen Bier genießen wir die Ruhe, den Sonnenuntergang und die grandiose Weite der Landschaft. Das ist das 2. Highlight an diesem Tag. Schade eigentlich, dass wir hier nur eine Nacht gebucht haben!




Abends wird es kühl, aber nicht so kalt wie befürchtet. Da wir keine Essensvorräte mit haben, gehen wir zu Fuß zum guten Abendessen unten ins Restaurant Das Camp ist weiträumig durch einen Zaun vor großen Wildtieren abgeschirmt. Danach ziehen wir uns in unser Luxusresort zurück und genießen bei einem Glas Wein den nächtlichen Ausblick und den Sternenhimmel.


Grandiose Ausblicke


Leider habe ich gestern Abend noch einen Blick in die Info-Broschüre geworfen und gelesen, dass die Baboons hier besonders aggressiv sind und schon einmal eine Scheibe eindrücken können, wenn sie innen im Raum etwas Essbares auf dem Tisch liegen sehen. Wir haben also noch in der Nacht sämtliches Essbare außer Sichtweite geräumt und zusätzlich de Rollos heruntergelassen. Man weiß ja nie, ich habe das Rütteln an der Tür von der vorige Nacht noch gut im Ohr. Wir sind schon so Naturfreunde! :S

Am Morgen ist der Himmel blau, aber es ist eisig kalt und es weht ein starker Wind, umso stärker je höher wir auf unserem Rundweg rund ums Camp kommen. Aber es lohnt sich, die Felsenformationen, den immer wieder anderen Fernblick und die karge Vegetation anzuschauen. Ich finde die Wanderung recht anspruchsvoll, es geht steil bergauf und vor allem auch wieder bergab, teilweise muss man die Hände zur Hilfe nehmen. Durchfroren, aber angefüllt mit herrlichen Landschaftseindrücken besteigen wir unser Auto und fahren weiter nach Graaf Reinet. Bergzebras haben wir übrigens im „Bergzebrapark“ keine gesehen. Aber den Aufenthalt in diesem Nationalpark kann ich wirklich nur jedem empfehlen, der wilde einsame Landschaften schätzt.



In 2 Stunden fahren wir durch wunderbar leere aber abwechslungsreiche Landschaft, mal sind es Steppen- oder Buschebenen, mal kahle Berge.



In Graaf Reinet angekommen, quartieren wir uns im Drostdy Hotel mitten im Ort ein (Drostdy war zur Zeit der Buren der Regierungssitz). Ein kurzer Rundgang durch das als „Perle der Karoo“ bezeichnete Städtchen ernüchert uns doch sehr. Da heute Sonntag ist sind Museen und kleinere Läden geschlossen, nur ein paar große Supermärkte haben geöffnet. Die breiten Straßen sind fast menschenleer und wirken öde, selbst die hübschen Häuser aus der Burenzeit wirken eher wie ein Freilichtmuseum auf uns.




Was uns sofort auffällt, sind einige verwegene, teilweise auch abgerissene Gestalten, die an Parkplätzen und vor Shoprite und Spar herum hängen. Manche haben ein ganzes Bündel dabei, als seien sie obdachlos und schleppten ihre Habe mit sich herum. Sie sind sicher harmlos, aber als Europäer schluckt man schon bei ihrem Anblick. Wir denken uns, dass diese Menschen vermutlich nicht typisch für Graaf Reinet sind, sondern dass sie einfach dem üblichen Stadtbild in Südafrika entsprechen. Abgesehen von wenigen Stunden in Johannesburg am Anfang unserer Reise, waren wir in noch keiner größeren, Stadt, daher fällt uns das jetzt erst auf. Vermutlich wohnen diese Menschen in einem der Townships, die es auch hier, mitten im Nirgendwo, gibt, zirka 2 km außerhalb der Stadt. Soweit wir im Vorbeifahren sehen konnten, sind die kleinen Häuschen dort sehr heruntergekommen und dazwischen liegt der Müll.
Unser Hotel umfasst ein größeres Areal mitten im Zentrum, um kleine Innenhöfe mit Swimmingpools - dafür ist es natürlich zu kalt – gruppieren sich niedrige Gebäude mit den nett eingerichteten Zimmern. Das Ganze ist von einem massiven Zaun umgeben, oben drauf Elektrodraht, an den Ein- und Ausfahrten gibt es Wachpersonal. Wir gehören mit unseren finanziellen Möglichkeiten eindeutig zu dieser Gegenwelt und wir kommen uns dort schon ein wenig merkwürdig vor.



Aber die Landschaft ringsum ist grandios. Wir besuchen am Nachmittag den Camdeboo Nationalpark, der die Stadt praktisch umschließt. Wenn man oben in den Bergen ist, bieten sich einem grandiose Rundblicke: auf das einsam liegende Städtchen samt seiner Townships, auf die Bergwelt mit ihren bizarren Felsformationen und in die Weite der Karoo in alle Himmelsrichtungen. Vor allem das Valley of Desolation, eine Art Schlucht, auf die man von oben herunter sehen kann, ist beeindruckend.











An einem Lookout prangt ein Schild, das auf ein Projekt hinweist: man will mit Pflanzen und Steinen unten in der Ebene eine riesige südafrikanische Flagge gestalten, die man dann von hier oben als solche erkennen können soll.Wir treffen zufällig einen der Mitbegründer dieses Projekts, der von hier oben aus Fotos macht, um die Baufortschritte zu dokumentieren und er erzählt uns weitere Einzelheiten: die schwarzen Teile der Flagge werden von Solarpaneelen gebildet, die ein in der Planung befindliches Hotelresort, Restaurants und Andenkenläden mit Strom versorgen sollen. Das Ganze soll ein Touristenmagnet werden und auch den Benachteiligten dieser Gegend Lohn und Arbeit verschaffen. Er selbst stammt ursprünglich aus Graaf Reinet, ist aber offenbar inzwischen anderswo zu Geld gekommen. Dieses Projekt haben er und Einwohner von Graaf Reinet in Kooperation mit einer südafrikanischen Tierfuttermittel-Firma (Montego?) auf die Beine gestellt, um ihrer Heimatstadt etwas zurück zu geben, so sagt er. Er wundert sich allerdings ein bisschen, dass man noch nicht viel Bautätigkeit erkennen kann. Wir wünschen ihm viel Glück und Erfolg für dieses Projekt. Die Gegend kann es ganz sicher gebrauchen.

Er erzählt uns noch, dass wir ein wenig zu früh dran sind mit unserem Besuch. Im September/Oktober würde es etwas regnen und dann sei die Gegend ganz grün und der Busch würde überall gelb blühen. Das muss ein toller Anblick sein.




Wir wandern auf der Höhe noch ein wenig in der Gegend herum. Dann geht es zurük ins Hotel, wo wir im feudalen Speisesaal sehr gut zu Abend essen. Mir verdirbt allerdings eine Gruppe Amerikaner an einem anderen Tisch den Appetit. Sie unterhalten sich lautstark und man kann heraushören, dass sie zum Jagen hierhergekommen sind. Vermutlich gehen sie auf eine der Jagdfarmen, die sich zwar als Game Reserves ausgeben, aber in Wirklichkeit nur ihren Tierbestand gegen Bares zum Abschuss frei geben. Ich kann es nicht verstehen, wie man solche wunderbaren Tiere nur um des reinen Vergnügens willen töten kann. Wie gut, dass es in Südafrika Nationalparks gibt, wo Wildtiere weitestgehend geschützt werden.
Die ganze Atmosphäre in diesem Restaurant erleben wir als merkwürdig gezwungen und künstlich. Das geht schon bei der europäisch anmutenden Speisekarte los und setzt sich über die Geziertheit und das vornehme Getue der Kellner fort, was einfach beides nicht so recht hier in diese Gegend passt. Außerdem wundern wir uns doch sehr über das Hinweisschild am Eingang, das wir erst vorhin wirklich gelesen haben. Da steht sinngemäß: bei uns kann Ihnen alles passieren, einschließlich Tod und Verderben und wir sind in keinem Fall daran schuld. Das habe ich auch in noch keinem Hotel in dieser Deutlichkeit gelesen!
... und dann auch noch "thank you for your cooperation!"

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Dieter

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Donnerstag, 1. November 2018, 14:30


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Interssant! Und die wären? Bin ja neugierig! :D