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Daniele

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Dienstag, 6. November 2018, 19:19

Schlechtwetterprogramm, Teil 2

Another rainy day in Cape Town: wir müssen also noch einmal auf das Schlechtwetterprogramm zurückgreifen und legen einen Museumstag ein.
Sehr lehrreich ist das District Six-Museum, das an den in den 1970er Jahren dem Erdboden gleichgemachten, multikulturellen Stadtteil gleichen Namens erinnert (östlich des heutigen Stadtzentrums); wir lassen uns von einer ehemaligen Bewohnerin des Viertels führen, der zwar leider die übergreifenden historischen Kenntnisse fehlen, deren Erklärungen aber durch die persönliche Dimension sehr interessant sind (es lohnt sich daher, nicht nur die Führung zu machen, sondern auch selbst ein wenig im Museum herumzuschauen und zu –lesen; denn die historischen Hintergründe - z.B. die Entstehungsgeschichte des für das Western Cape so charakteristischen ethnischen Mix aus "Weißen" unterschiedlicher Herkunft, "Farbigen", "Asiaten" und "Schwarzen" - sind schon einigermaßen komplex). Tatsächlich war die erzwungene Umsiedelung der District Six-Bewohner in die neu erbauten Townships der Cape Flats materiell oft gar keine Verschlechterung; die neuen Häuser hatten fließendes Wasser und Anschluss an die Kanalisation. Aber es war die Entwurzelung, das Zerbrechen gewachsener Gemeinschaften, die Zerstörung eines sozialen und kulturellen Kosmos, worunter sie besonders litten (ganz abgesehen davon, dass sie nun oft stundenlange Anfahrtswege zu ihren Arbeitsstätten in den „weißen“ Distrikten zurückzulegen hatten). Interessant ist auch, dass aus den Erläuterungen unserer guide starke Vorbehalte (um nicht zu sagen Ressentiments) gegenüber den BewohnerInnen der neuen, schwarzen Townships herauszuhören waren: Man konnte hier spüren, dass es nicht einfach nur ein „Schwarz-Weiß-Gegensatz“ ist, der Südafrika (und das Western Cape) durchzieht.
Das Museum dient nicht nur der Information, sondern auch der Erinnerung und dem Gedenken: Es gibt daher auch eine ganze Reihe eher künstlerischer Installationen, die den Verlust der Heimat symbolisieren und die Erinnerung an den alten "District Six" bewahren sollen. Man darf nicht vergessen, dass dies keine abgeschlossene, sozusagen "kalte" Geschichte ist; die Zeitzeugen leben noch, die Erinnerung ist noch lebendig. Und es gibt wohl auch politische Initiativen, die auf Rückerstattungen und Wiederansiedlung ehemaliger District Six-Bewohner abzielen.


Wie in vielen anderen Gedenkstätten, die an die Opfer von Vertreibungen und Zwangsmigration erinnern, ist der Koffer d a s Symbol des unfreiwilligen Aufbruchs.


Auf dem Fußboden des Museums sieht man den Stadtplan des ehemaligen District Six und Gedichte, Gedanken, Aphorismen ehemaliger Bewohner. MIr hat das Museum sehr gut gefallen, gerade in seiner etwas improvisierten, unperfekten Art. Der junge Mitreisende fand es zu wenig didaktisch, zu unstrukturiert (und ganz kann ich ihm da nicht widersprechen). Es ist aber auf jeden Fall für jeden, der sich für die Geschichte Kapstadts interessiert, unbedingt einen Besuch wert.

Auf unserer To-do-Liste für schlechtes Wetter stand außerdem das MOCAA, das vor kurzem neu eröffnete Museum für zeitgenössische afrikanische Kunst an der Waterfront, das die Sammlung des deutschen Mäzens Jochen Zeitz beherbergt. Über das Museum gab es im Vorfeld zahlreiche Diskussionen – darunter natürlich die Frage, ob ein weißer Mäzen, ein weißer Kurator und ein weißer Architekt die Richtigen sind, um ein solches Museum für afrikanische Kunst zu konzipieren. Schon das Gebäude, ein ehemaliges Silo, ist eine Wucht; die äußere Struktur wurde beibehalten, innen dagegen wurde es vollständig entkernt, wodurch eine Eingangshalle von beeindruckender Höhe (über 50 Meter) entstanden ist, in der furchteinflößender riesiger Drache schwebt (ein Werk des Südafrikaners Nicholas Hlobo).





In der Sammlung gibt es erstaunlich viele hypermoderne Video-Installationen und auch viel Fotokunst (Bilder stelle ich hier nicht ein, ich bin nicht sicher, wie es sich da urheberrechtlich verhält...). Für Menschen, die an zeitgenössischer Kunst grundsätzlich interessiert sind, ist das Museum sehr sehenswert (zumal die aus ganz Afrika stammenden Künstler zumindest hier in Europa weitestgehend unbekannt sind). Der Eintritt ist im Übrigen für Einheimische kaum aufzubringen: 190 Rand ist mehr als man selbst in Europa für vergleichbare Museen bezahlt …

Nach dem Museum treffen wir uns in einem Pub an der Waterfront mit einer deutschen Freundin,die in Kapstadt lebt, zum Feierabendbier (sie erzählt frustrierende Geschichten von ihrem Kampf um das permanente Arbeitsvisum); das Wetter hatte sich zwischenzeitlich etwas verbessert, jetzt schlägt aber das Tiefdruckgebiet noch einmal zu und beschert uns einen fulminanten Hagelschauer - und wir haben den Eindruck, dass alle Einheimischen schwer beeindruckt sind. Den Abend lassen wir im Bombay Bicycle Club, einem ziemlich netten, sehr gemütlichen Restaurant ganz oben in der Kloof Street, ausklingen.
Fazit: auch zwei Schlechtwettertage lassen sich in Kapstadt relativ problemlos ertragen.

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Daniele

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Mittwoch, 7. November 2018, 18:49

Ausflug zum Kap

Für den letzten Tag unserer Reise stellte die Wettervorhersage noch einmal zumindest wechselnde Bewölkung und einige Aufheiterungen in Aussicht. Kurzentschlossen machten wir uns auf den Weg zu einer Kaprundfahrt – auch deshalb, weil wir vor zwei Jahren zwar eine lange und herrliche Wanderung im Nationalpark zu einem Schiffswrack unternommen haben, das eigentliche Kap aber in so dichten Nebel gehüllt war, so dass wir gleich am Parkplatz kehrt gemacht haben. Am frühen Morgen (Safari-Rhythmus!) geht es über Camps Bay, Hout Bay und den Chapman’s Peak Drive flott voran.



Bei schönem Wetter ist auch der weitere Verlauf der Route über Noordhoek und Scarborough ein einziges, langes Vergnügen. Der Plan, ohne größere Stopps durchzufahren bis zum Cape Point, um dort vor den Massen anzukommen, geht auf: Wir gehören zu den ersten auf dem Parkplatz und können diesen tatsächlich außerordentlich schönen Ort in großer Ruhe genießen.


(will man von hier aus in See stechen, sollte man sich an den Wegweisern besser nicht orientieren...)

Es lohnt sich, nicht nur zum „alten“ Leuchtturm oben auf dem Felsen zu gehen (der, weil er oft vom Neben umhüllt ist, kurioserweise für viele Seefahrer nicht sichtbar war, obwohl er so weit oben steht), sondern auch den etwa 30-minütigen Weg bis oberhalb vom „neuen“, tiefergelegten Leuchtturm zu gehen, der spektakuläre Ausblicke über die False Bay und die dahinter liegenden Berge bietet und offenbar nur wenig begangen wird.




(Bei genauem Hinsehen ist der Fußweg auf dem Bild gut zu erkennen; er verläuft auf dem schmalen Grat des Felsens, an dessen Ende der untere Leuchtturm steht. Es sieht vielleicht so aus, als sei er etwas ausgesetzt, tatsächlich ist er aber völlig harmlos.)

Auch der Weg hinüber zum Cape of Good Hope ist sehr zu empfehlen – erst recht, wenn man keine andere Wanderung im Nationalpark geplant hat. Erstaunlich, wie schnell sich die Menschenmassen, die peu à peu am Kap ankommen, verlaufen. Nein, eigentlich verlaufen sie sich nicht: Sie konzentrieren sich ganz auf die wenigen absoluten hot spots ... und alles, was auch nur ein bisschen abseits liegt, bleibt verhältnismäßig ruhig. Ich finde das okay: Die einen bekommen ihr "Ich bin auch da gewesen"-Selfie und machen die Bilder, die alle machen, und sind glücklich damit. Und die anderen bekommen selbst an solchen hoch touristischen Orten noch ein bisschen Ruhe und Natur. (und wer es richtig einsam haben will, macht eine der richtigen Wanderungen, die es im NP, z.B. zu den Schiffswracks, gibt. Da ist dann wirklich kein Mensch mehr unterwegs)


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Daniele

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Mittwoch, 7. November 2018, 19:05

Und dann doch noch eine Katze! (unverhofft kommt oft)

Auch das Kap ist nicht tierlos. Erfreulicherweise halten sich die Paviane zurück - auf die können wir auch wirklich sehr gut verzichten. Dafür gibt es Eland-Antilopen, über deren Sichtung wir uns besonders freuen, weil wir sie nur am allerersten Tag an der Autobahnraststätte zwischen Joburg und Nelspruit gesehen hatten, ...



... und natürlich Dassies ...



... und hübsche (naja: ist Geschmackssache) Agamen.





Das Highlight des Tages aber erleben wir schon vorher auf einem der Aussichtspunkte am Cape Point: Tief unter uns (die Klippen fallen hier fast senkrecht ab) bewegt sich etwas auf dem kleinen Sandstrand.



Das Fernglas bringt Aufklärung – und mit der Kamera gelingt ein Beweisfoto: Es ist ein Karakal (der afrikanische Cousin des europäischen Luchs), der sich offenbar für die zahlreichen Kormorane, die in den Felswänden nisten, oder für die Robbe, die in der Brandung badet, interessiert.



Wow – das ist eine aufregende Sichtung. M. zeigt sein Foto stolz den anderen Touristen und erntet Bewunderung von einem Guide, der sagt, er komme zwar fast täglich hierher, einen Karakal habe er aber noch nie gesehen. So haben wir auf den allerletzten Drücker doch noch eine spektakuläre Katzensichtung an unerwartetem Ort…



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Bär

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Mittwoch, 7. November 2018, 22:09

Wow, ja, das ist wirklich außergewöhnlich. :thumbup:
.
*** Wer nicht klettern kann, sollte sein Geld nicht einem Affen anvertrauen. (aus Afrika) ***

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Daniele (8. November 2018, 08:33)

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Donnerstag, 8. November 2018, 09:51

Wirklich eine grandiose Sichtung - das ist gewiss ungewöhnlich. Klasse!

Danke auch für deinen restlichen Reisebericht, wirklich sehr gut und angenehm beschrieben, man wäre am liebsten direkt hinter euch mitgefahren!
Und erfreulich, dass ihr das beste aus dem Wetter gemacht habt - das ist es nämlich was zählt.
Ganz besonders freut es mich aber, dass ihr vom Safari-Fieber so angesteckt wurdet, ich kann es nämlich seeeehr gut nachvollziehen, mir geht es ja genau so. Und die Tatsache, dass man früh aufstehen muss - daran gewöhnt man sich wirklich gut und wenn man dazu noch etwas macht, was einem derart Freude bereitet, dann könnte die Erholung kaum grösser sein, es ist Wellness pur für die Seele und den Geist :thumbup:

Übrigens, die R190 für das MOCAA finde ich im Anbetracht der restlichen Preise für Attraktionen in der Region gar nicht mal so teuer, ich hoffe bloss, dass es SADC-Reduktionen gibt o.Ä.
Aber vielleicht bin ich hier ein Schweiz-geschädigt, in Basel kostet die Fondation Beyeler und das Kunstmuseum jeweils 25€...
I never knew of a morning in Africa when I woke up that I was not happy. - Ernest Hemingway

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Freitag, 9. November 2018, 11:16

schon vorbei (sniff...)

Schön, dass Ihr die Begeisterung über die Begegnung mit dem Kap-Karakal teilt!
Hier die Fortsetzung des Tages, der mit der Kap-Rundfahrt begonnen hatte.


Nun also, es lässt sich leider nicht ändern: Unser letzter Abend. Wir treffen uns bei M?s südafrikanischer Gastfamilie in Athlone und fahren dann gemeinsam zu "Marcos African Place", einem Restaurant mit Live-Musik und afrikanischer Küche in Bo-Kaap. Ein sehr schöner Ort (natürlich schon
touristisch, aber offenbar auch bei Capetonians durchaus beliebt), und eine sehr schöne Stimmung. Das Essen ist gut, wir können noch einmal Springbok- und Impala-Steaks essen, eine Band (vier Marimbaphone, Drums und Vocals) spielt Jazz- und Rockklassiker sowie südafrikanische Stücke, einige Gäste tanzen.



So geht diese Reise zu Ende: Am nächsten Morgen machen wir einen letzten Spaziergang durch "unser" Viertel, kaufen (spottbillig) für die nächsten zwei Jahre Gewürze und Currys beim "Atlas Trading" in der Wale Street, bringen dann M., der noch drei weitere Wochen in Kapstadt bleiben darf, zu seiner nächsten Unterkunft (einem Zimmer zur Untermiete in Green-Point), verabschieden uns von ihm? und dann fahren wir zum Flughafen. Der Rest ist sehr prosaisch: Tanken - Autorückgabe - Check-In - Warten auf den Abflug - Umsteigen in Joburg - Nachtflug nach München. Ein seltsames Gefühl, am nächsten Morgen den Haustürschlüssel hervorzukramen und aufzuschließen ...

Aber zu Ende heißt in diesen Fall ja noch nicht ganz vorbei, denn in den nächsten Wochen werden wir von M. freundlicherweise regelmäßig mit whatsapp-Nachrichten aus Kapstadt versorgt, die für uns eine willkommene Verlängerung des Urlaubsvergnügens (wenn auch jetzt nur noch passiv-virtuell) darstellen. Wir bekommen Nachrichten und Bilder von diversen Wanderungen am Tafelberg (durch das Skeleton-Gorge zu den Stauseen), an den Stränden von Llandadno und am Kap; vom Braai mit der Gastfamilie, von Spontanbesuchen bei der alten Schule und von Einladungen beim Lieblingslehrer. Und wir freuen uns, dass M. an die musikalischen Aktivitäten seines Cape Town-Jahres anknüpfen kann. Er besucht eine Probe des ?Cape Town Philharmonic Youth Wind Ensembles?, des Orchesters, das ihn damals aufgenommen hatte (das CPYWE ist ein Teil der Jugendabteilung des Cape Town Philharmonic Orchestra und spielt ein buntes, interessantes Sammelsurium aus Klassik, Jazz, Brass und Pop). Schnell organisiert man ihm ein Instrument, und er kann bei zwei kleinen Konzerten in Stellenbosch (zum Heritage Day) und an der Waterfront mitspielen. Ein paar Tage später lernt er in einem Jazz-Club in Observatory eine junge Band kennen (die "Little Giants", eine Nachwuchsformation aus den Cape Flats unter der Leitung des recht bekannten Trompeters Mlanda Mangeni), die ihm anbieten, bei den nächsten beiden Konzerten mitzuwirken, was er auch tatsächlich tut (ich hätte mich das, auch wenn ich sein musikalisches Talent hätte, nie getraut) - wie schade, dass wir nicht dabei sein konnten, aber der elterliche Stolz funktioniert auch aus der Entfernung. Immerhin bekommen wir von der Gastfamilie die Information, dass es "awesome" war. Und ein Foto... (schade, dass man die anderen Little Giants nicht sieht). Warum sind wir eigentlich, als wir alle zusammen in Kapstadt waren, abends nie in einen Jazzclub gegangen, frage ich mich im Nachhinein (aber die Antwort ist einfach: wir hatten gut gefüllte, erlebnisreiche Tage und waren nach dem Essen müde. Schließlich waren wir im Safari-Rhythmus...)



Auch das gehört zum "Cape Town Vibe", den M. in Deutschland oft vermisst: Die Leichtigkeit, mit der solche Dinge möglich gemacht werden, der Mut zum nicht-ganz-perfekten, die Lust und Freude an der Improvisation. Offenbar ist also auch diese Verlängerung des Urlaubs ein voller Erfolg - und es ist schön, dass M. an die guten Erfahrungen seines Jahres als Gastschüler anknüpfen konnte, dass die damals geschlossenen Freundschaften eine Fortsetzung finden konnten, dass die Bindungen an die überaus herzliche Gastfamilie noch einmal aufgefrischt und vertieft werden konnten.

Aber - Fußballer(-Innen) wissen es - auch jede Verlängerung geht irgendwann zu Ende: Das ist auch hier nicht anders. Dann bleibt nur noch: Fotos sichten, Reisebericht schreiben... und immer wieder von Begegnungen mit wilden Tieren träumen!
Und irgendwann ganz sicher: Eine weitere Reise planen...

Vielen Dank bis hierher fürs Mitlesen. Am Wochenende werde ich noch ein kurzes Fazit schreiben - und dann kann auch dieser Bericht zu den Akten gelegt werden.

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toetske

oorbietjie

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Freitag, 9. November 2018, 22:22

Herzlichen :danke: liebe Daniele,

Bin sehr gerne mit euch mitgereist. Vor allem auch die nicht-alltäglichen Erlebnisse fand ich interessant.
Für M. war die Zeit mit euch bestimmt genauso toll.

VG. Toetske



PS Zu den Akten wird der RB erst nach dem Fazit gelegt :whistling:
one life, LIVE IT !

Daniele

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Sonntag, 11. November 2018, 12:52

Fazit

Ich hoffe, man konnte aus dem Bericht herauslesen, dass es eine grossartige, begeisternde Reise war: aufregend, sehr berührend, erlebnisreich... und dabei sehr, sehr entspannt und erholsam. Dass dies alles zusammen in einer Reise möglich ist, hätte ich mir so nicht vorstellen können - war aber so, und so war es perfekt. Alles hat wunderbar funktioniert: Die Flüge waren pünktlich, wir haben uns nicht groß verfahren, alle Buchungen waren bei den Gastgebern angekommen, wir haben immer etwas Anständiges zu essen gekriegt, wir hatten keinen Ärger mit echter oder falscher Polizei und auch keine Autopanne - und es gab auch keine Angriffe auf unser Hab und Gut (oder Schlimmeres). Und die Reisegruppe hat außerordentlich gut funktioniert (was ja, wenn man sich schon so lange kennt, nicht unbedingt selbstverständlich ist): Alle drei Beteiligten haben es, so scheint mir, sehr genossen, noch einmal zu dritt unterwegs zu sein; wir haben von M.'s in Südafrika erworbenen Braai-Künsten profitiert, S. war die beste Spotterin und ich habe (überwiegend) das Auto gesteuert und den Wein für den Abend ausgesucht.

Auto/Verkehr:
Es war eine gute Entscheidung, im Nordosten mit einem kleinen SUV und Automatikgetriebe unterwegs zu sein: Diese Mehrkosten lohnen sich! In Kapstadt dagegen war der Kleinwagen perfekt; hier fährt man nicht so lange Strecken, ist ohne Gepäck unterwegs... und hat weniger Probleme mit der Parkplatzsuche, wenn man mit einem bescheidenen Polo oder Corolla unterwegs ist. Das würden wir jederzeit wieder so machen. Die Straßenverhältnisse waren da, wo wir unterwegs waren, fast durchgehend hervorragend. Die einzige wirkliche Pothole-Strecke war in Swaziland zwischen Hlane und Big Bend. Sicher muss man bedenken, dass wir im südafrikanischen Winter unterwegs waren, es war also Trockenzeit. Der Weg nach Shewula ist sicher in der Regenzeit deutlich abenteuerlicher, sollte aber mit einem SUV auch dann gut zu machen sein.
Auch dieses Mal war ich überrascht, wie zivilisiert der Verkehr in Kapstadt abläuft. Südeuropa kann viel anstrengender sein...! Ich hatte erheblichen Respekt vor Linksverkehr und chaotischen Zuständen auf den Straßen - aber meine Sorgen waren überwiegend unbegründet.


Zur Route:
Die Route fanden wir so, wie wir sie gemacht haben, im Grunde perfekt. Die 1-night-Stopps am Anfang haben uns nicht weiter gestört; es war aber schön, dass wir ab der zweiten Woche immer mindestens zwei Übernachtungen am Stück an einem Ort hatten. Angenehm war, dass wir keinen einzigen reinen "Fahrtag" hatten; immer konnten wir am Morgen und/oder am Abend noch etwas unternehmen, so dass am Abend nicht die Fahrt, sondern die Erlebnisse bei diesem Unternehmungen in Erinnerung blieben. Von daher war die Entscheidung, mit den beiden Zwischenstopps in Shewula und Hlane durch Swaziland zu fahren, genau richtig - zumal wir gerade diese beiden Orte besonders schön fanden.
Ich würde auch denken, dass es eine gute Idee war, zunächst in den Kruger und dann in die anderen NPs zu fahren; nach den vier Kruger-Tagen war der allergrößte Tierhunger erfolgreich gestillt; alles, was danach kam - und es war ja wirklich toll, was danach noch kam - war eine erfreuliche Zugabe. Einen Spannungsabfall gab es überhaupt nicht, im Gegenteil. Jeder Park hatte seine eigenen, ganz besonderen Qualitäten, seine eigenen Charakteristika, und wird durch jeweils ganz unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse in unserer Erinnerung bleiben. War es im Kruger schlicht die Menge (und der Variantenreichtum) an Tieren, hatten wir im kleinen Hlane-Park besonders eindrückliche Begegnungen mit Rhinos und Löwen; im Tembe war es die sehr spezielle Atmosphäre von Park und Lodge, im Isimangaliso das Zusammenspiel aus Landschaft(en) und Tieren, und im Hluhluwe-Imfolozi hatten wir dann die für uns aufregendsten Sichtungen und die besonders schöne Atmosphäre im Mpila-Camp. Also: Wir hätten auf keine Etappe verzichten wollen - und überall haben wir beim Weiterfahren gedacht: Wir wären gerne länger geblieben ... und: wir wollen noch einmal hierherkommen.
Kapstadt finden wir eh toll (wegen der Stadt, aber natürlich auch wegen der Menschen, die wir dort kennen) - und es war wieder schön, so lange am Stück hier zu sein. Wobei es vielleicht lohnt, einmal zu sagen, dass Kapstadt nicht ein "schöne" Stadt im europäischen Sinne ist, also ästhetisch wie Paris, romantisch wie Venedig, bunt wie Barcelona oder altehrwürdig wie Rom. Vielleicht sind deshalb manche Reisenden enttäuscht, wenn sie herkommen, und finden Kapstadt "überschätzt". Vieles ist verbaut, gerade im Stadtzentrum; auch in den schöneren Ecken stört immer wieder eine Bausünde oder eine Baulücke das Bild. Der Hafen ist ein Industriegebiet, nicht ein stimmungsvolles Touristenziel wie zum Beispiel Hamburg. Die sozial-ethnischen Spannungen und die Armut vieler Capetonians sind unübersehbar und auch als Tourist ist man ihnen ausgesetzt, etwa durch die Bettler in den Straßen oder die fliegenden "Händler" an den Kreuzungen oder natürlich die Townships, an denen man schon auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt vorbeifährt. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man Kapstadt besucht - Südafrika ist eben ein schwieriges Land mit einer schwierigen Geschichte und einer komplizierten, spannungs- und konfliktgeladenen Gegenwart. In vielen der klassischen Touristendestinationen des Landes muss man davon nichts oder nicht viel mitbekommen; in Kapstadt ist es schwieriger, einfach nur zu genießen - aber darum ist die Stadt nicht weniger wert, besucht zu werden.

Zur Reisezeit:
Auch die Reisezeit war im Grunde ideal, insbesondere für den Safari-Teil der Reise: Tagsüber war es sehr angenehm warm, manchmal heiß, aber nie zu heiß; nachts kühlte es ab, ohne dass man hätte frieren müssen. Wir hatten nicht ansatzweise das Gefühl, unseren Sommerurlaub im Winter zu verbringen. Dass wir Kapstadt eher Pech mit dem Wetter hatten, war halt Schicksal, aber auch nicht weiter tragisch, schließlich hatten wir schon ordentlich Sonne getankt. Eine komplette Reise ins Western Cape würde ich allerdings in den deutschen Sommerferien nicht unbedingt unternehmen, denn gerade das Western Cape bietet doch sehr viele sehr schöne Möglichkeiten für outdoor-Aktivitäten, die bei gutem Wetter einfach mehr Spaß machen.

Zu den Unterkünften:
Schon vor zwei Jahren waren wir begeistert, wie schön man in Südafrika für relativ wenig Geld wohnen kann, wie gastfreundlich die Menschen insgesamt, vor allem aber die Gastgeber in den Guesthouses waren. Das war bei dieser Reise nicht anders - überall haben wir uns ausgesprochen wohl gefühlt (und dabei erfolgreich unser grob gesetztes Limit von ca. 100 Euro/Nacht für uns drei eingehalten). Little Carthage im Ndlovumzi NR zwischen Panoramaroute und Hoedspruit und die besondere Herzlichkeit im Shewula Mountain Camp waren die absoluten Highlights; aber auch das Sabie Townhouse Guesthouse und die Sunset Lodge in St Lucia waren sehr schöne, stimmungsvolle Unterkünfte. Wir waren überrascht, wie gut wir in den San-Park Camps gewohnt haben; klar, sie sind anders als die privaten Guesthäuser, aber die Unterkünfte in Tamboti, Lower Sabie und Berg-en-Dal waren funktional, gut ausgestattet und wurden penibel sauber gehalten. Die Rondavels in LS waren schon etwas in die Jahre gekommen; aber wir fanden sie völlig in Ordnung (und absolut fair im Preis-Leistungs-Verhältnis). Gar nicht schlecht fanden wir im übrigen auch die Restaurants im Kruger und im Hilltop-Camp (oft haben wir ein spätes zweites Frühstück oder ein kleines Mittagessen in den Restaurants gegessen) ; natürlich wäre es schön(er), wenn dort mehr landestypische Küche angeboten würde, aber es war doch gut essbar und nicht überteuert (dafür, dass sie quasi eine Monopolstellung haben). Ausgebeutet wird man auf deutschen Autobahnraststätten - nicht in den San-Parks-Restaurants... Meistens aber haben wir gegrillt - und das können wir nur wärmstens (das Wortspiel muss sein) weiterempfehlen. Das Fleisch ist günstig und von hervorragender Qualität (auch in den Camps kann man sich ganz unproblematisch versorgen), die Unterkünfte sind alle mit fest installierten Grills ausgestattet, und ein Salat oder eine Ratatouille ist schnell gemacht... und wenn es draußen kühl wird, wärmt die Restglut... oder sie bietet die Grundlage für ein Feuerchen. Wenn wir in Restaurants gegessen haben, war es in der Regel gut, lekker... und nach europäischen Maßstäben preiswert.

Voilà: Genauso wie eine Reise geht ein Reisebericht irgendwann zu Ende. Wenn ich irgendetwas Wichtiges vergessen habe, dann fragt gerne nach!
Danke fürs Lesen, Danke für die vielen Tipps, die ich hier bekommen habe, Danke für die Erinnerungen, die durch die immer neuen Reiseberichte wachgerufen werden - und nicht zuletzt Danke den Admins, die dieses so hilfreiche Forum am Laufen halten! :) :saflag:

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SarahSofia

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Sonntag, 11. November 2018, 13:02

Hallo Daniele,
auch dir ein Danke: für den Reisebericht, für´s Fazit - und vor allem für deinen Schlußsatz :danke:.
LG SarahSofia

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toetske (11. November 2018, 21:14), Daniele (11. November 2018, 15:53)

Bär

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Sonntag, 11. November 2018, 20:09

Vielen Dank, Daniele, :danke: ich bin sehr gern mitgereist. Trotz "Normalo-Route" habt ihr auch Nicht-Normalo-Dinge gemacht, wie das District Six-Museum, MOCAA, das Restaurant mit Live-Musik oder Shewula. Dadurch habe ich wieder neue Eindrücke gewonnen. :thumbup:
Dein Fazit ist sehr logisch und hilft anderen Forikern bestimmt bei ihrer eigenen Reiseplanung. :)
.
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Cassandra (13. November 2018, 06:33), Daniele (11. November 2018, 21:34), toetske (11. November 2018, 21:14), kOa_Master (11. November 2018, 21:12)

Christine1509

Fortgeschrittener

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Sonntag, 11. November 2018, 23:03

Hallo Daniele,

Was für ein schöner Bericht :danke:


Und das Foto von dem trinkenden Nashornbaby.... Was für ein Glück ihr hattet, das zu sehen!


Und natürlich bin ich total neidisch auf die tollen Bilder vom Tafelberg ;)


Christine

Daniele

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Montag, 12. November 2018, 00:03

Hallo Christine,
die :danke: gebe ich gerne zurück: Das gleiche habe ich beim Lesen Deines Berichts gedacht.
Ja, der Tafelberg war ein tolles Erlebnis - umso mehr, als wir beim letzten Kapstadt-Besuch mehr als eine Woche dort waren und immer, wenn wir Zeit für den Tafelberg gehabt hätten, das Tischtuch den Gipfel umhüllt hat. Man könnte also sagen: Wir haben uns das Gipfelerlebnis mit unserer Geduld redlich verdient... :)
Gruß,
daniele

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Kapstadt, Kruger, Reisebericht