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Bär

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41

Dienstag, 24. Februar 2015, 21:37

Super, dass Du Dich zurückmeldest - und dann gleich mit einer so gut lesbaren und ausführlichen Zusammenfassung. Das lässt auf einen interessanten Reisebericht hoffen. :thumbsup:

Den Krüger evtl. nicht nach dem Trail machen, da es dort viel weniger intensiv ist und man übertrieben gesagt den Krüger nach dem Trail eher als Zoo empfindet (weil man nicht zu Fuß herumläuft und weil die Tiere einen nicht beachten)

Hier nur der Hinweis, dass man natürlich auch im Kruger NP mehrtägige Trails buchen kann. Wenn man zu Fuß unterwegs ist und in der Nähe Elefanten oder Löwen hört, ist sofort jedes evtl. vorher vorhandene Zoo-Gefühl weg. Garantiert! 8)

Nun würde mich natürlich noch interessieren, ob ihr wiederkommen wollt...
.
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beatrizza (3. März 2015, 20:24)

yoshi1310

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42

Mittwoch, 25. Februar 2015, 08:38

wow! klasse Zusammenfassung! Vielen herzlichen Dank! :danke:

Ich denke sparen kann man sicherlich immer überall, aber ob es dann noch Spass macht wenn man komplett die Aktivitäten auslässt? Ich finde ihr habt das auf jeden Fall gut gemacht. Wer wohl wirklich günstig reisen möchte, sollte dann eher nach Asien fliegen (wo man wirklich zu Schnäppchenpreise reisen kann).

Freue mich auch auf einen langen oder auch kurzen Reisebericht, insbesondere der Trail macht mich neugierig! 8o

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beatrizza (3. März 2015, 20:24)

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43

Mittwoch, 25. Februar 2015, 10:25

Das Fazit ist zu kurz gedacht

Hallo Bea.

Ich habe mal dein Fazit zu eurer Reise gelesen. Deine Einschätzungen zur Panorama Route und speziell zum Krüger kann ich so nicht nachvollziehen. Zum einen ihr habt nur einige wenige bis einzelne Tage an den von mir angesprochen Plätzen verbracht. Klar wenn man nur wenig Zeit hat, aber bei so einer langen Strecke ist das für viele Leute nicht anders zeitlich möglich . Daher der hier oft angeführte Rat . Weniger ist mehr , will sagen beschränkt euch auf ein Teilgebiet Südafrikas. Die Panorama Route , an der wir bei der letzten Reise 5 Tage zugebracht haben , bietet so viele Eindrücke , die ihr schlicht nicht viel sehen konntet und es so dann an " überlaufenen " Stellen erlebt habt. Zum Krüger : Auch hier gilt das zu vor geschriebene . Den Krüger mit einem Zoo zu vergleichen , ist schlicht ein unglaublicher Irrtum. Im Zoo sind Tiere eingesperrt , in den National Parks nicht . Und du bist eingesperrt im Auto zu deiner Sicherheit. Das Gleiche gilt zu den Eindrücken , die du ( ihr ) in den wenigen Tagen dort gesammelt habt. Bei mehr Zeit im Krüger , mehr Tagen in den Camps , wäre sicher eine intensivere Tierbegegnung auch wenn nur vom Auto aus möglich gewesen. Nicht jeden Tag laufen dir die Löwen , Geparden usw. vor die Linse. Auch uns sind oft erst nach mehreren Tagen , obwohl wir die gleichen Gravel Routes mehrfach befahren hatten , Löwen oder Rino`s begenet.

Also , fahrt wieder hin , nehmt euch mehr Zeit für einzelne Ziele und beschränkt euch auf ein Gebiet .

Vg Horst

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beatrizza (3. März 2015, 20:24), M@rie (25. Februar 2015, 14:30), Bär (25. Februar 2015, 10:30)

beatrizza

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44

Dienstag, 3. März 2015, 18:07

Hallo Ihr drei!
Erstmal vielen Dank für Euer Feedback. Ich will ganz kurz auf das Gesagte eingehen, bevor ich weiterschreibe.


Lieber Bär, von den mehrtägigen Trails im KNP habe ich auch gelesen, aber es gibt keinen, wo man auch draußen schläft, oder? Sonst möchte ich den nächstes Mal bitte machen. Und wo ich schon „nächstes Mal“ schreibe. Tjaaaa – ich wusste, dass du das fragst. Also, mich hat der Afrika-Virus auf jeden Fall gepackt. Wiederkommen ins südliche Afrika halte ich für relativ sicher! Vielleicht zieht mich meine Neugier erstmal nach Namibia oder Botswana... Aber die Garden Route möchten wir auf jeden Fall auch noch sehen, dann vielleicht den Trail nochmal machen und den Krüger etwas länger? Und es gibt noch so viel mehr Gegenden in SA, die ich interessant finde! Die Gedanken sind definitiv da, jetzt fehlen noch Geld und Zeit - du wirst es erfahren!


Lieber Horst, du hast Recht, dass wir zu kurz im KNP waren! Aber ich bin froh, dass wir überhaupt da waren. Das Wort "Zoo" soll in dem Fall keine Wertung des KNP an sich sein. Es ging mir dabei vor allem nicht um die Zahl oder Qualität der Sichtungen (wir hatten schon sehr gute, auch Löwen und Geparden). Es ging mir eher um das Gefühl, das wir aufgrund des Verlaufs unserer Reise hatten, durch den Trail so kurz vorher. Das heißt: die vielen anderen Menschen um uns herum, die auch Tiere ansehen wollten waren ungewohnt. Und diese geschützte Betrachterposition, während man im Auto sitzt. Dass die Tiere einen schlicht ignorieren, man deshalb zwar viel näher an sie herankommt, aber eben mehr auf einer Betrachtungs- als auf einer Begegnungs-Ebene ist. Wir waren natürlich trotzdem begeistert, aber haben einfach gemerkt, dass man es mehr genossen hätte, wenn der Trail erst danach gewesen wäre oder länger her gewesen. Wir wollten die ganze Zeit am liebsten aussteigen, durften uns aber nur auf vorgefertigten Wegen bewegen, und das fühlte sich dann eben ein wenig an wie Zoo ;)
Bei der Panoramaroute stimmt es sicher, was du sagst, da haben wir einfach zu viel in zu kurzer Zeit gemacht. Diesen Teil haben wir auch mehr „mitgenommen“, weil es sowieso auf dem Weg lag, und unsere Reiseführer hatten wenig sinnvolles dazu zu sagen, als uns von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt zu lotsen. Tut mir leid, wenn ich der Gegend damit nicht gerecht werde.


So, ich werde dann mal den ersten Etappenteil verfassen, der kommt dann nachher, habt noch ein wenig Geduld.
Bis dahin!

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Piepsi (20. April 2015, 12:38), toetske (20. April 2015, 01:06), kOa_Master (25. März 2015, 13:27), Bär (3. März 2015, 21:04)

beatrizza

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Dienstag, 3. März 2015, 20:24

Die ersten Tage

Tag -3 bis 0: Dresden. Leipzig. Hamburg. London-Heathrow.

Samstag schreibe ich noch das Fazit meiner Masterarbeit zuende, und Dienstag soll ich schon im Flugzeug sitzen? Hilfe... denke ich mir so. Aber das Speed-Packen am Samstagabend klappt dank 1000 vorher angefertigter Listen ganz gut. Mein Freund ist bereits Freitag aus Dresden angereist und erträgt meine last-minute-Arbeitswut vorbildlich - zum Glück habe ich nach dem Urlaub noch genug Zeit für das Formale. Sonntag sind wir dann schon gemeinsam auf dem Weg im ICE nach Hamburg. Zwei Tage Besuch bei seiner Familie sind unserer Reise vorgeschoben, den ersten davon werde ich fast nur schlafend verbringen. War wohl doch ein bisschen Schlag auf Schlag alles. Und vielleicht die längste Anreise nach SA, die man sich hätte zusammenfabrizieren können. Aber immerhin bin ich bis zum Abflug wieder halbwegs erholt und es klappt alles soweit, der Flug ist pünktlich, wir vergessen nichts. Leider bereuen wir es ein wenig, dass ich in meiner Übervorsicht den früheren Flug nach Heathrow gebucht habe und wir dort Unmengen an Zeit totzuschlagen haben. Wir essen ein paar abgepackte Sandwiches (in England schmecken sie immer so viel besser als in Deutschland), kaufen noch zwei Bücher (die wir kaum lesen werden) und dann ist irgendwann auch die Zeit um. Der Langstreckenflug schlaucht etwas, da die Französin, die am Gang sitzt, sich ganz klischeehaft über alles mögliche beschwert, nur um dann demonstrativ zu schlafen, als ich Bauchschmerzen vom Essen bekomme. Hrmpf, auf dem Rückflug nehmen wir dann wohl lieber Mittelplätze! Das Entertainmentsystem taugt aber, der Weinvorrat ist großzügig und so überlebe ich den Nachtflug trotz leichter Langeweile und wenig Schlaf ganz gut. Ich werde es nie lernen, im Flugzeug schlafen zu können.


Tag 1: Ankunft in Kapstadt und Ersterkundung

In Johannesburg kommen wir pünktlich an, jetzt steht noch unser Kulula-Flug an! Auch hier verläuft alles passabel und nachdem ich intensiv die südafrikanische Landschaft studiere und feststelle, dass sie sich vor allem anhand der unendlich verzweigten Flüsse unterscheidet, finde ich doch noch eine halbe Stunde Schlaf, bis Begeisterung bei der Luftansicht von Kapstadt ausbricht. Am Flughafen kommt mein Koffer wie immer 10x später als der von meinem Freund, aber immerhin kommt er. Wir holen wir problemlos Geld ab und machen uns leicht planlos auf die Suche nach dem Bus in die Stadt. Irgendwie kommen wir zu einem Terminal, wo wir am Schalter zwei Tickets bestellen, die Frau uns zwei Plastikkarten und ein Zettelchen in die Hand drückt, und wir verwundert überlegen, wie das ganze nur funktioniert. Immerhin erklärt sie uns, wo der Bus ist. Das Bussystem wird uns die ganzen nächsten Tage noch beschäftigen... irgendwie muss man beim Einsteigen und beim Aussteigen im Bus die Karte gegen ein Terminal halten... aber wenn man an einer Station aussteigt, dann nicht... jedes Mal, wenn wir denken, wir haben es verstanden, zahlen wir doch wieder Strafe, weil wir irgendwas falsch machen. :D So viel zum Master-Abschluss :thumbsup:

Im Bus schauen wir aus dem Fenster, und auf einmal ist da der Tafelberg ... woah ist der groß und nah. Währenddessen finde ich durch meisterhafte Navigationskenntnisse mithilfe der Reiseführerkarten heraus, wo wir uns jeweils befinden. Ich lebendes GPS! ... und gebe irgendwann das Kommando zum Aussteigen. Abgesehen von der Verwirrung mit dem Ticket klappt das auch ganz gut und wir finden problemlos zum ersten Bed and Breakfast. Dem Six on Scott in der Scott Street. Dort werden wir sofort hereingebeten, auf Deutsch begrüßt und wickeln mit der Betreiberin alle Formalitäten ab. Angekommen! Und es ist gerade einmal Mittag! Das Zimmer ist wunderschön und gefällt uns sehr gut, nur das Bad hat leider eine Schiebetür und ist direkt neben dem Bett.
Nach einer Dusche machen wir neugierigen Menschen uns trotz der Erschöpfung nach der fast schlaflosen Nacht gleich auf den Weg, Kapstadt zu erkunden. Erst noch ein Abstecher ins Einkaufszentrum, wo wir nach einer halben Stunde im Vodacom-Geschäft feststellen, dass unsere Handys für Europa gelocked sind. Der nette Herr ist aber gar nicht beleidigt und verweist uns auf eine Drogerie um die Ecke, weil sie so Billo-Handys gar nicht mehr führen. Dort erstehen wir dann ein Handy samt Simcard und Startguthaben für 110 Rand. Ich glaube, am Ende hat uns das Startguthaben für die ganze Reise gereicht, das Internet haben wir ab und zu bei der Hostelsuche allerdings vermisst. Das Handykauf-Prozedere ist in der Drogerie doch etwas verwirrend und umständlich, und wir sind froh, dass wir die Adresse unseres B&B für die Registrierung noch dabeihaben. Irgendwie spricht jeder auf eine andere Art und Weise unverständliches Englisch! Aber es klappt schon.


Und dann können wir endlich los, die Stadt erkunden! Es ist schön warm und die Sonne scheint, das Urlaubsfeeling ist sofort da:



Wir laufen ein wenig, sind sofort in den Company's Gardens und bestaunen die tollen Pflanzen und lustigen kleinen Hörnchen die gar nicht so viel Angst vor uns haben. Wir laufen einfach immer weiter und weiter und weiter...Kapstadt ist schön! Aber irgendwann kommen eher verkehrslastige Gebiete, die etwas weniger idyllischen Seiten von Kapstadt, und wir fragen uns, ob wir jetzt vielleicht doch nicht mehr hier herumlaufen sollten? Dann aber finden wir doch den Weg zur Waterfront. Hier ist es entspannter und ruhiger, aber es kommt uns sofort alles künstlich und touristisch vor. Ein bisschen schade. Dann merken wir, dass wir aus Versehen ewig nichts gegessen haben. Aber hier sieht alles so teuer aus. Aber in einem süßen kleinen Café - wenn ich noch wüsste, wie es heißt - bekommen wir Sandwiches, und es ist lustigerweise gleich am ersten Tag gleich mit dunklem, 'deutschem' Brot :D Schmecken tut es ausgesprochen gut, doch danach merken wir unsere Müdigkeit und kehren, mal wieder mit dem Bus, in unser B&B zurück. Eigentlich wollen wir später noch essen gehen, aber wir sind einfach zu müde... ein sparsamer Tag!




Tag 2: Kapstadt - Touristenbus, Tafelberg, und die verzweifelte Suche nach Flip Flops

Das erste Erwachen in Kapstadt ist leider etwas unsanfter als gedacht - über uns wohnt eine Dame, die es offensichtlich vorzieht, mit ihren Absatz-Schuhen durch das Zimmer zu stiefeln, und das auch noch früh morgens. Trotz unseres Plans, früh aufzustehen, wären wir doch lieber von Vogelgezwitscher geweckt worden. :whistling: Aber was solls, wach ist wach, und das Frühstück reißt spätestens alles wieder heraus. Wir bekommen frischgepressten Orangensaft, dürfen uns aussuchen, wie wir unsere Eier gern hätten, und auch das kleine Buffet ist sehr fein. Zuerst wundere ich mich, was das für eine komische Frucht im Obstsalat ist, bis mir auffällt: Es ist Papaya - in Deutschland schmeckt die nur immer nach nichts :D
Dass wir offenbar immer noch nicht in Südafrika-Dimensionen denken können, merken wir spätestens, als uns unsere Gastgeberin verstört anschaut, weil wir uns überlegt haben, zum Tafelberg zu laufen... das sei dann wohl doch viel zu weit. Also entscheiden wir uns ein wenig widerspenstig dafür, das erste mal in unserem Leben einen Hop On/Hopp Off Bus zu besteigen. Ich habe mal in der Potsdamer Innenstadt an einem historischen Platz gewohnt, und diese Busse sind ständig vor meinem Haus herumgefahren und haben mich genervt... andererseits war das viele Gelaufe gestern dann doch etwas viel und langwierig, also was solls. Das Wetter ist wieder super, es wird immer wärmer, und die Tour mit dem Bus gefällt uns eigentlich auch recht gut. Immerhin gibt es Erläuterungen über Kopfhörer, und man kann in jeden Stadtteil einmal reinschauen. An der Tafelbergstation steigen wir dann aber erstmal aus, versorgen uns noch kurz mit überteuertem Wasser. Normalerweise sind wir organisierter, aber unser Tatendrang möglichst schnell loszukommen ist uns da wohl zuvorgekommen. Leider ist dabei auch die Sonnencreme auf der Strecke geblieben - etwas, das wir später bereuen werden.

An der Tafelberg-Seilbahn ist zum Glück kaum eine Schlange und wir kommen gleich in die erste Bahn. Die Fahrt ist faszinierend, schon von hier hat man einen wirklich schönen Blick. Oben angekommen sind wir weiter fasziniert vom Ausblick, dem schönen Wetter, und vor allem von der Pflanzenwelt. Selbst wenn man sonst kaum eine Hortensie von einem Maiglöckchen unterscheiden kann, fällt auf, wie unglaublich schön und vielfältig die Pflanzen hier oben sind. Auf einem Quadratmeter sind es unzählige verschiedene, was die ganze Stimmung der Landschaft prägt. Bald finden wir auch die lustigen kleinen flauschigen Dassies, über die wir uns sehr amüsieren. Wir rechnen eigenlich nicht damit, besonders lange hier oben zu bleiben, denken, dass man eigentlich nur einen Spaziergang um die betonierten Wege macht.



Doch irgendwie kommen wir auf einen anderen Weg, der als 1,5-stündiger Rundweg ausgeschrieben ist. Wir finden es schön... und laufen noch ein Stück. Nur noch ein bisschen, dann kehren wir um! Wir folgen immer den Wegmarkierungen, teilweise ist es fast ein wenig moorig, mit Moos und kleinen Pfützen zwischen Steinen. Manchmal gibt es Holzplanken zum Laufen. Irgendwann fällt uns auf, dass wir gerade wohl den Weg zu Maclears Beacon laufen. Den erreichen wir dann auch, es war einfach zu schön zum Umkehren. Der Ausblick ist wunderbar. Nur leider müssen wir ja nun noch zurück - und unser Wasser neigt sich schon fast dem Ende. Außerdem ist es ziemlich heiß, nicht zuletzt da wir unsere Sonnencreme vergessen haben. Aber eigentlich geht es uns gut, wir freuen uns, fühlen uns ein wenig abenteuerlich. Also geht es weiter den Rundweg entlang, ab und zu treffen wir ein paar andere "Wanderer" sowie Arbeiter, die Holzplanken tragen.



An einigen Stellen geht es zwischen Felsbrocken hindurch, und manchmal so nah an die steile Klippe heran, dass ich Angst bekomme, wir haben uns doch irgendwo verlaufen und stürzen gleich die Klippe herunter. Als Kind hatte ich Höhenangst. Mein Freund lacht mich aus, und wir gehen mit ein wenig Herzklopfen weiter. Die Ausblicke sind atemberaubend und die Landschaft ist so schön, also bin ich doch froh, hier zu sein. Langsam merke ich, wie der Sonnenbrand langsam herankriecht :D . Nach nicht allzu langer Zeit sind wir dann aber auch wieder zurück auf den bekannten Asphaltwegen. Hui, was für ein Abenteuer, gleich am zweiten Tag! Und schon wieder viel zu weit gelaufen... wir stellen fest, dass wir die ganze "Frontansicht" des Tafelbergs einmal hin und zurück gelaufen sind. Aber wir freuen uns, denn es war schön.

Wieder zurück an der Talstation besteigen wir wieder unseren lustigen Bus und nehmen noch die 12 Apostles und die Strände darunter mit - an einem steigen wir kurz aus, können hier aber ohne Badesachen nicht viel ausrichten und begnügen uns mit einem kurzen Spaziergang, bis wir wieder in den nächsten Bus steigen. Die Strandverkäufer kommen uns ausgesprochen freundlich vor und gehen sogar wieder weg, wenn man nichts kaufen will, wie angenehm! In Sea Point machen wir dann einen (Nach)mittags-Stop und essen ein paar Meeresfrüchte-Tapas für den kleinen Hunger. Nochmal an der Waterfront wagen wir uns ins Einkaufszentrum, da wir noch Flipflops und eine Mehrfachsteckdose brauchen. Leider ohne Erfolg. Also wieder mit dem Bus (... und wir versauen es wieder...) zurück, und erstmal ein bisschen ausruhen.


Abends gehen wir dann im Addis in Cape Town noch äthiopisch essen, wovon wir ausgesprochen begeistert sind. Das aufregendste ist allerdings das Taxi-rufen, weil wir immer noch niemanden richtig verstehen. Aber wenn man rät, was sie sagen könnten, geht es :D Danach laufen wir noch ein wenig über die Long Street, wir wollen schauen, ob wir auch noch ein bisschen vom Nachtleben mitbekommen. Ein bisschen überfordert uns das nach dem langen Tag... aber irgendwann finden wir eine kleine Bar, die nicht so voll aussieht. Offensichtlich hat sie neu aufgemacht und wir erfreuen uns auf dem Balkon im 1. Stock an dem Eröffnungsangebot von 17R pro Bier und 15 R pro Cosmopolitan und verbringen noch einen sehr lustigen Abend auf diese Weise :D
Worauf wir jedoch keine Lust haben: Wieder einen unverständlichen Taxifahrer anrufen. Unsere Gastgeberin hatte uns zwar gesagt, wir sollen "lieber" ein Taxi nehmen, doch nachdem wir schon so abenteuerliche Dinge erlebt hatten, und wir wissen, dass unser Heimweg nicht lang ist und an einer großen Straße entlang geht, wagen wir es zu Fuß. Wir sind nicht die einzigen. Im B&B fallen wir müd e aber zufrieden ins Bett.


Tag 3: Kapstadt - Rugby- und Würstchenvariationen

Für den heutigen Tag haben wir uns erst einmal das Bo-Kaap vorgenommen. Nach einem weiteren herrlichen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Die bunten Häuschen sind schön, und mit der Aussicht hatten wir nicht gerechnet, allerdings hatten wir uns den bunten Teil Bo-Kaaps etwas größer vorgestellt. Das dazugehörige Museum nehmen wir natürlich auch mit und bekommen so ein paar Infos zum Hintergrund, ganz umhauen tut uns das ganze aber nicht. Danach wissen wir kurz nicht, was wir nun noch anschauen sollen. Das Wetter ist auch ein klein wenig trüber als zuvor. Also laufen wir ein wenig herum, kaufen ein paar Pflicht-Souvenirs an einem Stand. Der Händler ist nicht ganz glücklich, wie weit ich ihn runtergehandelt habe, eigentlich wollte ich das Zeug für den Preis wirklich nicht haben, aber er hat mich dann auch nicht ohne gehen lassen wollen. Mittags essen wir im Bird's Café ziemlich deutsch anmutende grobe Schweinewurst aber in einer sehr leckeren Kombination mit Linsen, Apfel-Relish, Bacon und Kartoffelstampf. Leider finden wir wieder keine Flipflops, und dann ist es schon wieder Zeit das nächste Taxi zu rufen, denn wir haben Tickets für ein Rugby-Spiel heute Abend: Western Province gegen die Eastern Province Kings. Mein Freund, der Rugbyspieler, ist schon völlig aus dem Häuschen, und ich auf jeden Fall gespannt, wie so ein Rugbyevent in Südafrika abläuft. Das Stadion ist auf jeden Fall ein ordentlicher Klotz und eine ganze Menge Menschen sind unterwegs. Auf dem Weg dorthin immer wieder Stände mit etwas, wovon ich vermute, dass es Boerewors ist. Und auf einmal sprechen so gut wie alle Afrikaans!



Drinnen angekommen wollen wir uns erst einmal ein Bier holen. Relativ schnell stellen wir fest, dass man das Bier allerdings nicht mit ins Stadion nehmen darf, sondern an Plastik-Stehtischen in dem eher ungemütlichen Bar-Fress-Raum trinken soll. Naja. Muss ja jetzt weg. Dann holen wir uns noch schnell eine Boerewors-Roll beim Abzweig der lokalen Fastfoodkette und versuchen unsere Plätze zu finden. Das dauert ein wenig, da uns jeder mal wieder unterschiedliche Anweisungen gibt, aber irgendwann finden wir sie. Das Essen ist auch eher gewöhnungsbedürftig, mein Freund findet den Ausdruck "als würde man eine Ziege ablecken" angemessen :D Das war es dann wohl mit unseren Fast-Food-Experimenten.
Das Rugby-Spiel ist aber recht spannend und unterhaltsam, auch wenn es wirklich sehr zivilisiert im Stadion zugeht. Wir hätten ja nur zu gerne ein Springboks-Spiel gesehen, aber leider würden wir das in Johannesburg knapp verpassen. So sind wir aber auch um eine Erfahrung reicher. Wir sind erst skeptisch, ob wir uns einfach an der Straße ein Taxi nehmen wollen, sagen dann auch dem ersten wieder ab, der einen horrenden Preis verlangt, haben beim zweiten aber mehr Glück. Auf der Long Street trinken wir dann noch ein Craft Beer und essen noch einen kleinen Snack in einer Bar. Wir sind zufrieden und trauen uns auch heute wieder den Heimweg zu Fuß zu.



Tag 4: Kaphalbinsel/Muizenberg - Fahr- und Duschvergnügen

Morgens wachen wir in Vorfreude auf unser letztes, nicht selbstgemachtes Frühstück auf - und stellen fest, es ist bewölkt! Oh nein! Ausgerechnet heute wollten wir doch auf die Kaphalbinsel - und müssen das erste mal Auto fahren. Aber es hilft ja nichts, fleißig werden die Koffer zuende gepackt und wir machen mit unseren Gastgebern aus, dass wir diese im Hotel lassen können und später abholen, damit wir uns nicht mit unserem ganzen Gepäck zur Autovermietung schleppen müssen. Leider vergessen wir die Hälfte und müssen 3x wieder zurück - jetzt wird es knapp! Erst wollen wir dann auch noch laufen, so weit soll es nicht sein - allerdings fängt es nach zehn MInuten an, ordentlich zu regnen, und wir steigen spontan auf ein Taxi um. Wir ärgern uns zwar über die 30 R, aber was solls. Bei Europcar hilft uns dann der nette John Paul mit Rastalocken bei unserer Anmietung, zuerst denkt er sogar, wir hätten ein Navi gemietet, aber wir lehnen das lieber ab, nicht dass wir es noch nachzahlen müssen. Da ich als einzige von uns beiden schonmal links gefahren bin (oder überhaupt in einem linksfahrenden Land war), habe ich die Ehre, das Auto aus Kapstadt herauszusteuern. Da ich normalerweise ca. 3x im Jahr Auto fahre sieht es zuerst äußerst holprig aus, und ich hoffe, dass John Paul uns nicht mehr beobachtet, oder er nimmt uns das Auto gleich wieder weg :D Der Stressfaktor ist hoch, da es immer noch regnet, und wir natürlich kein Navi haben, aber immerhin haben unsere Spaziergänge durch Kapstadt uns eine halbwegs passable Orientierung verliehen, sodass wir letztlich problemlos aber durchgeschwitzt am B&B ankommen. Leider passen, wie befürchtet, nicht beide Koffer in den Kofferraum... aber wir müssen es nun doch irgendwie so hinbekommen. Da wir so natürlich nicht einfach irgendwelche Zwischenstops machen können, und es immer noch regnet, fahren wir erst einmal nach Muizenberg, wo wir übernachten wollen, und suchen uns ein Hostel. Nach einigen Irrungen und Wirrungen bei der Navigation finden wir schließlich den Weg zu Bailey's Surf Shack und beziehen für 400 R ein Doppelzimmer, das lustigerweise eine Dusche direkt mit im Zimmer hat (die Toilette allerdings liegt auf dem Gang).



Auf zur Kaphalbinsel! Langsam verzieht sich der Regen, und wir werden immer hoffnungsfroher. Zuerst müssen wir allerdings in Kalk Bay Geld holen, und gönnen uns gleich noch eine sehr leckere Portion Fish & Chips bei Kalky's im Hafen. Als wir in den Table Mountain National Park einfahren, sehen wir unsere ersten Antilopen, und müssen natürlich gleich 23 Fotos davon machen. Umso besser ist, dass sich die Wolken nun wirklich endgültig verziehen und wir pünktlich zu unserer Einfahrt in den Nationalpark wieder schönes Wetter haben. Die Freude ist groß! Der Nationalpark gefällt uns landschaftlich extrem gut und wir fühlen uns das erste mal ein bisschen wie auf einem Road Trip. Gespannt halten wir die Augen nach Tieren auf. Zuerst sehen wir allerdings keine und schauen uns erst einmal das Kap und Cape Point an. Da sitzt dann auch endlich der erste Baboon auf einer Mauer! Bei unserem nächsten Abstecher begegnen wir dann auch noch zwei Straußen ganz aus der Nähe. Die Landschaften und Aussichten sind wirklich toll, und man scheint hier in Südafrika wirklich jeden Tag ein neues Tier zu entdecken! 8o



Bevor wir uns wieder auf den Heimweg machen, wollen wir dann noch den Chapman's Peak Drive im Abendlicht mitnehmen, wie hier ja auch sehr häufig empfohlen wurde. Wir machen uns also auf den Weg, und hier kann wirklich von großem Fahrvergnügen die Rede sein, kurvige Bergstraßen am Meer sind schon so ein Highlight. Ein paar Baboons laufen auch noch über die Straße, und die Aussicht am Chapman's Peak ist dann auch wirklich so toll, wie erwartet! Bevor wir an die Stelle kommen, an der man Maut bezahlen muss, drehen wir allerdings um, weil wir ja wieder auf die Ostseite der Halbinsel müssen. Leider haben wir Hunger. Wir würden uns nach den Ausgaben der letzten Tage gerne mal selbst verpflegen, haben aber in der letzten Zeit keinen Supermarkt gesehen und wissen nicht so richtig, wie wir das alles organisieren sollen. Am Ende landen wir bei Burgern in der Che Bar in Kalk Bay. Leider eine Ausgabe, auf die wir gerne verzichtet hätten, aber lecker waren sie allemal. Zurück im Hostel fallen wir mal wieder völlig erschöpft ins Bett und sind gespannt darauf, am nächsten morgen unserer verrückte Dusche auszuprobieren!

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Andreas84 (16. Juli 2015, 12:25), rhein-mainer (21. April 2015, 15:24), Piepsi (20. April 2015, 12:50), toetske (20. April 2015, 01:22), Ate (5. April 2015, 08:52), chaos (4. April 2015, 19:28), kOa_Master (25. März 2015, 13:31), ReginaR. (25. März 2015, 07:33), Sonnenmensch (24. März 2015, 22:30), Sylti (24. März 2015, 15:28), ClaudiaC. (10. März 2015, 15:20), yoshi1310 (10. März 2015, 14:32), Mojamira (10. März 2015, 13:24), Fop (4. März 2015, 08:44), corsa1968 (3. März 2015, 22:23), nermin1895 (3. März 2015, 21:50), Bär (3. März 2015, 21:25)

Bär

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Dienstag, 3. März 2015, 21:27

Sehr unterhaltsam geschrieben... :danke:

Zum Wilderness Trail im KNP findest Du hier ebenfalls Reiseberichte, z.B. von chrissy2006 (Der Link ist für Gäste ausgeblendet. Um ihn zu sehen, bitte registrieren!)
.
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beatrizza (24. März 2015, 17:10)

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Dienstag, 3. März 2015, 22:27

Hallo beatrizza,
auch ich lese gern mit - herzlichen Dank für Deinen RB!
Deine Erfahrung, dass die Papaya in D nach nix schmeckt, kann ich allerdings nicht bestätigen :whistling: . Wenn Du reife Früchte kaufst (und vor allem dabei nicht allzu sehr auf den Euro guckst), geht' s schon, meint mit freundlichen Grüßen
Christiane

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beatrizza (9. März 2015, 19:08), Bär (4. März 2015, 09:31), OHV_44 (3. März 2015, 22:44)

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Mittwoch, 4. März 2015, 09:40

Deine Erfahrung, dass die Papaya in D nach nix schmeckt, kann ich allerdings nicht bestätigen :whistling: .

Das sehe ich genauso.

Wenn Du reife Früchte kaufst (und vor allem dabei nicht allzu sehr auf den Euro guckst), geht' s schon

Diese Empfehlung kann ich z.B. bei Mangos bestätigen. Die reifen nicht wirklich nach, sondern werden nur matschig. Papayas dagegen werden bei uns auch als halbreife Früchte noch saftig und süß, man muss sie nur laaaange genug liegen lassen.
Der Preisunterschied ist allerdings eklatant und daher lohnt sich der Einkauf in Südafrika für Papaya-Liebhaber besonders. Während man in Deutschland selbst beim Discounter ab 1,29 EUR für ein einzelnes kleines Früchtchen bezahlt, bekommt man in RSA zwei riiiesige Teile für ca. R20 (aktuell 1,50 EUR).
.
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beatrizza (24. März 2015, 17:10), corsa1968 (4. März 2015, 16:10)

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Dienstag, 10. März 2015, 13:09

Tag 5: über Hermanus zum Kap Agulhas - große Strecken, große Tiere, große Verwirrung

Heute müssen wir uns wirklich zwingen, früh aufzustehen. Nach so vielen Erlebnissen möchten Körper, Kopf, und der durchs Studentenleben stark trainierte Schweinehund lieber länger schlafen. Aber wir wissen, dass wir heute ein lange Strecke vor uns haben, die wir um jeden Preis schaffen müssen. Wenigstens können wir unsere verrückte Dusche testen. Vom Bett aus beobachte ich meinen Freund beim Duschen und amüsiere mich dabei herrlich. Für Frühstück haben wir gestern leider nicht mehr sorgen können, also wollen wir uns unterwegs etwas holen. In einem Café vielleicht? Oder gibt es hier Bäcker? Noch sind wir etwas verwirrt, wie alles in Südafrika abläuft. Aber natürlich müssen wir erstmal kurz zum Strand, um die Aussicht und die bunten Strandhäuschen zu betrachten! Das Wetter ist so schön, Meer und Himmel sind tiefblau. Da sind wir fast etwas traurig, nicht hier bleiben zu können, und einfach ins Wasser zu springen. So bleibt es bei einem Strandspaziergang und ein paar Fotos. Irgendwie sitzen vor den Strandhäuschen morgens um 8 zwei Typen und trinken Bier.





Außerdem geraten wir fast in eine "Free Palestine!"-Demo, was zur Hölle machen die morgens früh an einem leeren Strand? Aber gut. Wir amüsieren uns, dass uns Südafrika jeden Tag mit neuen unerwarteten Kuriositäten bedenkt. Zurück am Hostel packen wir und brechen schnell auf. Dabei passiert uns unser persönlicher Klassiker: wie schon in Marokko, vergessen wir unsere Handtücher (auf der Wäscheleine vorm Haus). Als es mir zwei Stunden später auffällt trauere ich noch eine ganze Weile um mein schönes Pocahontas-Handtuch, das ich mal mit 6 Jahren geschenkt bekommen habe. Zum Glück haben wir noch zwei kleinere Handtücher dabei, aber Ersatz wär schon nett. Das kommt direkt mit auf die unheilvolle Flip-Flop-Liste. :D Ein weiterer Fehler, der uns unterläuft: wir schauen nicht sofort auf die Karte. Die Beschilderung bisher war wohl trügerisch gut. Als wir merken, dass wir uns verfahren haben, kommen wir aber wenigstens an einem riesigen Pick'n'Pay vorbei. Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, vielleicht keinen zu finden! Ich laufe schnell rein, und bin sofort fasziniert von der fremden Supermarktwelt. Ich kaufe Wasser, Brot, Wurst, Käse, Marmelade, Erdnussbutter, Erdbeeren, und so weiter. Dass mein Freund im Auto geblieben ist, kommt uns danach seltsam vor. Überall sind schließlich Parkwächter. Hatte ich das irgendwo gelesen, dass man bei Supermarktparkplätzen aufpassen muss? Na gut, diesmal hatten wir ja auch alles Gepäck im Auto. Wir beschließen trotzdem, in Zukunft nicht übervorsichtig zu sein. Zumindest finden wir nun den richtigen Weg, auch wenn wir die bisher gefahrenen Kilometer noch einmal ganz zurückfahren müssen. Upps :whistling:

Die Fahrt an der Küste entlang Richtung Kap gestaltet sich als ausgesprochen malerisch und lässt uns daran denken, wie schön es wäre, jetzt einfach auf der Gardenroute weiterfahren zu können. Das Wetter ist grandios. Bei der ersten Wal-Beobachtungsstelle fange ich an, mich wie ein Kind über das Schild zu freuen, und wir beschließen, bei einem Aussichtspunkt in Gordon's Bay Frühstückspause zu machen. Einige Autos stehen hier und wir erhoffen uns daher schon unsere erste Walsichtung. Eine Bank ist noch frei und wir finden unser Outdoorfrühstück großartig. Mit dem Fernglas suchen wir immer wieder das Meer ab, ohne richtig zu wissen, wonach wir schauen sollen. Die Augen spielen einem die lustigsten Streiche in solchen Situationen, ständig bilde ich mir ein, vielleicht die Fontäne eines Wals zu sehen. Immerhin eine kleine Robbe können wir beobachten. Dann ziehen wir weiter. Bei einigen weiteren Parkplätzen halten wir ebenfalls an, und langsam wächst die Sorge, dass wir vielleicht doch keinen Wal zu Gesicht bekommen. Aber egal, erstmal Pinguine in Betty's Bay! Die kleinen Kerlchen sind wirklich putzig und schön zu beobachten, wir freuen uns und machen geschätzte viertausend Fotos.




Bei der Rückfahrt auf die große Straße krabbelt dann noch eine kleine Schildkröte über die Straße, bereits umringt von drei kleinen Kindern, die bestens von ihr unterhalten werden. Naja, wollen wir den Kleinen nicht noch mehr stören, fahren also weiter, freuen uns über die schöne kurvige Straße mit bester Aussicht, und halten immer mal wieder bei den lustigen Wal-Buchten an, um Ausschau zu halten. Leider immer noch nichts. Doch auf einmal aber sind wir in Hermanus. Während wir noch ins Ortszentrum einfahren, sehe ich schon die aufgeregte Menge aufs Wasser zeigen. Ich kann mich nicht mehr halten - diese stundenlang aufgebaute Spannung, und dann auf einmal das! Mein Freund lässt mich mitsamt Fernglas und Reiseführer aus dem Auto springen. In der Zeit, die der Arme mit der Parkplatzsuche verbringt, habe ich bereits mindestens 5 Wale gesehen, einen davon springend. :D 8o Den Wal-Ausrufer finden wir ja nicht so hilfreich, aber er wird auch gar nicht benötigt, denn alles ist irgendwie voll von den Tieren. Unsere Geduld wird sogar soweit belohnt, dass zwei Wale wirklich unmittelbar an einem Ausläufer vorbeischwimmen und -springen, auf dem wir stehen - wahrscheinlich nur 15 Meter von uns. Unglaublich schön.



Irgendwann müssen wir dann doch weiter, der Parkwächter hat zum Glück gut auf unser vollgestopftes Auto aufgepasst. Nun überlegen wir uns, statt direkt, die Straße näher an der Küste entlangzufahren - was sich leider als Fehler herausstellt, denn die Straße ist dann eben doch nicht so nah an der Küste und ein paar Kilometer Gravel Road verlangsamen uns nach den anfänglichen 120 km/h doch deutlich. L'Agulhas erreichen wir dann erst kurz vor der Dämmerung. Man sollte wirklich nicht unterschätzen, wie früh es zu dieser Jahreszeit dunkel wird! Eigentlich liegen wir zeitlich gerade noch im Plan, doch dann finden wir das Hostel nicht. Panik! Nachdem wir 3x komplett durch den Ort gefahren sind, immer noch nichts. Was sollen wir machen? Doch dann treffen wir Passanten am Straßenrand, die wir fragen können. Sie sind auch Touristen und erinnern sich vage. Offenbar heißt das Hostel zwar Agulhas Backpackers, liegt aber in Struisbai, dem unmittelbar vorgelagerten Ort. Kein Wort dazu in unseren Reiseführern. Inzwischen ist es dunkel, nun sind wir leicht besorgt, dass vielleicht kein Zimmer mehr frei ist, denn ein anderes Hostel gibt es weit und breit nicht. Aber wir haben Glück und bekommen ein Doppelzimmer für 350 R, das zwar eigentlich ein 4er Zimmer ist, aber uns allein gehört. Juhu!
Ein wenig esoterisch ist es hier schon, aber dafür ist die Dame, die das Hostel betreibt, sehr freundlich und kommunikativ. Sie schlägt uns diverse Restaurants vor. In einem landen wir schließlich. Kurz nach uns kommen 3 weitere Gruppen, alles Deutsche, alle aus dem Hostel. Es gibt Fisch mit erstaunlich wenig Beilage, aber wir sind zufrieden, dass der lange Fahrtag noch so beschaulich endet. Ein Mondlichtsparziergang am Ufer, der uns empfohlen wurde, fällt wegen eines einsetzenden Nieselregens leider aus, und so trinken wir noch im Aufenthaltsraum des Hostels ein Bier. Uns fällt auf, dass alle unter sich bleiben -schade eigentlich, aber uns in das Billard-Spiel einzumischen haben wir auch keine Lust, also gehen wir dann auch irgendwann schlafen - und hoffen auf weniger Navigationsfehler am nächsten Tag! :beer:


Tag 6: Vom Kap Agulhas nach Stellenbosch - von Early Bird bis Sunbird

Am nächsten stehen wir mal wieder um 7 Uhr auf und machen uns erneut vor dem Frühstück auf den Weg. Unterwegs zu frühstücken hat uns gestern gut gefallen, spart Zeit und ist oft idyllischer als im Hostel. Natürlich müssen wir uns den südlichsten Punkt Afrikas nun einmal genauer anschauen. Wir fahren also bis zum Leuchtturm und gehen von dort los - über einen Holzsteg. Das Wetter ist wie die Landschaft - rau und schroff, aber trotzdem auf eine eigenartige Weise schön. Wir beginnen zu verstehen, warum hier so viele Deutsche sind. Die Faszination für das unruhige Meer, die ursprüngliche, raue Landschaft. Karibische Verhältnisse haben wir in Deutschland schließlich einfach nicht.




Am Kap angekommen machen wir unsere Pflichtfotos mit den Schildern und betrachten ein Wrack, das in der Ferne zu sehen ist. Langsam merken wir, dass wir nicht gefrühstückt haben, denn so kurz war der Weg dann irgendwie doch nicht. Also machen wir uns auf den Rückweg, rühmen uns für unsere Frühsport-Betätigung (immerhin eine Stunde waren wir unterwegs) und stellen fest, dass all die Leute, die nach uns kommen, noch ein ganzes Stück weiter mit dem Auto gefahren sind. Na ja, was solls! Immerhin waren wir die ersten!
Das heutige Tier des Tages stellt sich übrigens als ein erstaunlich großer Tausendfüßler heraus.



Nach einer kurzen Besichtigung des Hafenbeckens von Struisbai, in der wir leider keinen Stachelrochen antreffen, frühstücken wir auf einem Parkplatz am Hafen, okay, es gibt idyllischeres - und machen uns dann auf den Weg zurück. Wir finden, dass sich unser Abstecher nach Agulhas durchaus gelohnt hat - vor allem wegen der schönen Fahrt dorthin auf der ersten Streckenhälfte, der Pinguine und Wale. Auch direkt am Kap ist es schön gewesen, obwohl wir dort nicht so viel unternommen haben.


Nun geht es in die Winelands! Schnell wird Stellenbosch als Ziel ausgewählt und die Fahrt dorthin verläuft schnell und reibungslos. Wir sehen sogar noch ein paar Baboons. Nach wenigen Stunden, kurz nach 13 Uhr, sind wir schon angekommen. Wir entscheiden uns für das Hostel mit dem netten Namen "Stumble Inn" und bestellen ein Zimmer für 370 R. Leider muss es noch geputzt werden, und da wir etwas müde sind, schauen wir uns das Städtchen an und trinken einen Kaffee. Als wir zurückkehren, stellen wir fest, dass wir zu spät für organisierte Weintouren sind, selbst für die Nachmittags-Fuhre. Gut, da hätte man ja auch etwas früher drauf kommen können, aber liegt wohl daran, dass die Winelands erst sehr spät zu unserem Reiseplan dazugestoßen sind. Also machen wir uns selbst auf den Weg. Zuerst Simonsig, wo wir 5 Weine und einen Sekt in Ruhe probieren, wobei ich das meiste trinken muss, da ich nicht fahre. Der Sunbird Sauvignon Blanc hinterlässt einen nachhaltig guten Eindruck und wir kaufen zwei Flaschen.




Beim zweiten Weingut wird es dann schon stressiger, eigentlich sind wir schon zu spät, aber als die Herren merken, dass wir etwas kaufen wollen, können wir doch noch vier Weine probieren. Auf Englisch über den Geschmack Weine zu sprechen, stellt sich als äußerst seltsam heraus - offenbar wählen wir doch ein wenig die falschen Begriffe und sorgen für Verwirrung. Wir kaufen drei Flaschen für einen guten Preis und freuen uns - ich bin inzwischen durchaus angeheitert und fühle mich seltsam. :wine: Heute lieber nicht mehr in die Öffentlichkeit :D Also essen wir im Garten des Hostels Hummus, Acovado und andere Antipasti. Kommen sogar ins Gespräch mit einem anderen deutschen Pärchen. Aber das wird unser einziger sozialer Kontakt im Hostel bis fast zum Schluss bleiben :S

Dann müssen wir noch Packen - für den Inlandsflug. Wir puzzeln etwas bei den 5 Weinflaschen, die wir unterbringen müssen. Aber es geht und wir hoffen das beste. Mal wieder todmüde fallen wir ins Bett. Morgen geht es dann auf in eine ganz andere Welt!

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beatrizza

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Dienstag, 24. März 2015, 12:43

KZN for beginners - Tage 7 und 8

7. Tag: Fahrspaß in Durban

Heute müssen wir mal wieder sehr früh aufstehen, und zwar um 6. Zumindest finden wir es früh - nicht mehr lang, und 5 Uhr ist die normale Aufstehzeit. Aber noch ist man es ja nicht gewohnt. Wir verlassen das Hostel während alle anderen noch schlafen. Zum Flughafen von Kapstadt fahren wir etwa eine Stunde. Für unsere in Muizenberg etwas am Bordstein angekratzte Radkappe füllen wir noch schnell ein Schadensformular aus, zum Glück waren die Reifen mitversichert. Weil unsere Vorräte doch etwas dezimiert sind und Sitzplätze im Terminal fehlen, nehmen wir ein kleines Frühstück für je 30 R bei Mugg & Bean zu uns - passabel. Der Herr deckt sich noch mit einem Springboks-Jersey ein, der ihm hervorragend steht, auch wenn er sich nicht traut, ihn in SA anzuziehen, weil es so klischeehaft touristisch aussieht. Aber der Gute spielt ja selbst Rugby, da ist so ein Ding nicht fehl am Platz. Ich bin super neidisch, weil ich das Teil so schön finde, aber die Frauenvariante ist leider fast ausverkauft.
Der Flug verläuft völlig reibungslos und schon sind wir in Durban! Man merkt sofort, dass es wärmer ist. Wir holen unseren Mietwagen ab, einen Chevrolet Spark in silber. Wir schätzen uns glücklich, dass es kein rotes Auto ist, das die Tiere verschrecken könnte. Leider ist diese Ausführung eines Kleinstwagens doch etwas schlechter verarbeitet als der gute Hyundai, auf der Fahrt nach Durban stellen wir fest, dass ab 100 km/h das Lenkrad äußerst nervig zu vibrieren beginnt, außerdem ist der Blinker nun doch wieder auf der richtigen Seite - gerade hatten wir uns dran gewöhnt! Auf der Fahrt merken wir auch schon, dass es hier eine ganz andere Ecke ist. Ein wenig chaotischer der Verkehr, und ganz andere Landschaft.

Die Navigation nach Durban hinein ist mal wieder eine Probe für mich und meine Kartenlesekünste, aber es gelingt mir, treffend zu raten, auf welcher Straße wir wahrscheinlich rauskommen, und von da an ist es in Ordnung. Bei den Hostels können wir uns diesmal nicht entscheiden, schließlich wird es das Happy Hippo Backpackers zu einem recht hohen Preis von 400 R für ein Zimmer mit zwei Einzelbetten. Eigentlich ist es ganz hübsch dort, aber auf Dauer finden wir die Atmosphäre doch irgendwie seltsam. Es ist auch extrem leer. Wir sind verwirrt, wie alles funktioniert, das Off-Street-Parking, die Stadt. Wir lesen die spärlichen Infos im Reiseführer, die uns eher davon abraten, überhaupt hier zu sein. Das nervt, nachdem ich ein halbes Jahr in Istanbul klargekommen bin, wird doch Durban nicht so schlimm sein! Dennoch sind wir verunsichert, besonders, da es unser erster Tag im Osten Südafrikas ist. An der Rezeption erfragen wir, wie wir zum Indian Market kommen, denn das erschien uns recht interessant. Wir sollen mit dem Bus fahren. Also ist doch nicht alles so gefährlich? Allerdings macht der Indian Market in knapp unter zwei Stunden zu. Hm. Also nicht? Wir sind verwirrt und gehen dann doch nur zur Standpromenade, überlegen kurz, ob wir einfach in die Seaworld gehen, weil wir sonst nicht so richtig wissen, was wir tun sollen. Die Seaworld scheint uns von außen aber auch eher wie ein halber Freizeitpark und wir wissen nicht, wo da überhaupt ein Aquarium sein soll. Die Promenade ist recht unspektakulär, also gehen wir zurück zum Hostel. Wir sind etwas frustriert, dass wir hier so planlos sind, wünschen uns irgendwie, wir wären doch schon direkt weitergefahren und würden hier nicht unsere Zeit verschwenden.

Schließlich hören wir doch auf unseren paranoiden Reiseführer und machen nur eine Stadtrundfahrt mit dem Auto. Ein sehr herausforderndes Unterfangen! Auf jeden Fall ist es interessant, diese Stadt zu sehen, wie sie wuselt und tobt und einfach voller Menschen und Autos ist. Ganz anders als Kapstadt. Gleichzeitig kommen wir immer nur sehr kurz dazu, aus dem Auto die Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Denn Fahren ist aufgrund der Menschen- und Automassen genauso anstrengend wie das Navigieren aufgrund der veränderten Straßennamen. Ich weigere mich auch, hier zu fahren. Einmal gelangen wir aus Versehen auf die Autobahn und müssen bis zur nächsten Abfahrt fahren, um wieder zurückzukommen. Immerhin bekommen wir einen Eindruck von der Stadt, und sie erinnert mich in ihrem Chaos wirklich ein wenig an Istanbul.




Wir entscheiden uns, in einem Parkhaus in der Innenstadt zu parken, das im Reiseführer empfohlen wird, da wir noch einige Vorräte, wie Kühltasche und Grillzubehör, für unsere Nationalparktouren kaufen müssen. Zuerst aber gehen wir in ein Elektronik-Geschäft um einen Adapter für Steckdosen zu kaufen - den hatten wir bereits in Kapstadt überall gesucht und einfach nicht gefunden, allerdings hatte es dort auch immer zusätzliche europäische Steckdosen in den Unterkünften gegeben. Später werden wir feststellen, dass wir ungefähr 10x so viel dafür bezahlt haben, wie es in absolut jedem Nationalpark-Shop, den wir ab sofort betreten werden, gekostet hätte. Aber warum gab es das vorher noch nicht? Nunja. Wir gehen also weiter in ein Einkaufszentrum, jetzt wo wir uns zu Fuß bewegen, fällt es schon stark auf, dass wir die einzigen Weißen sind, die hier herumlaufen, und natürlich irgendwie Aufmerksamkeit erregen. Aber unangenehm ist es bisher nicht.

Wir gehen ein wenig durchs Einkaufszentrum und schließlich in einen Supermarkt, wo wir uns eindecken. Bei den Kühltaschen werden wir von einer älteren Frau angesprochen, wie viel diese kosten. Eigentlich wollen wir mit niemandem sprechen gerade, aber man will ja auch als offensichtlicher Tourist nicht unhöflich sein. Wir kommen ein wenig ins Gespräch, small talk, ob wir Studenten hier sind oder Urlaub machen, sie erzählt uns von einer Reise nach Europa. Wir denken, dass das ja doch ganz nett ist, wie man hier einfach mal ins Gespräch kommt. Doch irgendwie hört sie nicht auf zu sprechen, und langsam wird es doch etwas seltsam. Sie erzählt uns, die ganze Stadt sei unsicher, wo wir geparkt hätten, achja, das sei sicher. Es gebe ja so viele Kinder in Durban, die Tik rauchen und den Touristen die Finger abbeißen, um an die Ringe zu kommen. Und überhaupt ist alles so gefährlich, man muss aufpassen, wirklich aufpassen. Sie merken sich die Nummernschilder und folgen einem zum Hostel. Ooookay? Hilfe? Sie fragt uns, ob wir nicht ein Stück mit ihr im Supermarkt gehen können, weil sie beobachtet wird. Sie sei jeden Tag hier, und wisse genau, dass "die Frau dahinten" eine Ladendetektivin ist, und sie beobachtet. :help: Achja und hätten wir vielleicht hundert Rand für sie? Ohje, jetzt wollen wir nur noch weg und ergreifen schnellstens die Flucht. Zum Glück lässt sie uns ohne Theater einfach so gehen. Jetzt haben wir auch noch Angst, dass uns die Ladendetektivin, die uns schon ein wenig mustert, irgendwie für dubios hält. Aber wahrscheinlich kennt sie die verrückte Frau schon gut genug... wir fühlen uns jetzt ein wenig verfolgt und haben Angst, dass uns vielleicht doch etwas entwendet wurde, obwohl wir heute sogar unsere Brustbeutel und Gürteltaschen benutzt haben. Aber es scheint noch alles da zu sein.


In unserer totalen Verwirrung finden wir dann zunächst unser Auto nicht wieder, weil wir uns im Parkdeck vertan haben. Als wir es finden, sind wir kurz erleichtert, dennoch irgendwie auch froh, hier wegzukommen. Die gruselige alte Frau hat uns wirklich etwas aus dem Konzept gebracht und unsere Unsicherheit hier noch gesteigert. Jetzt wollen wir eigentlich noch irgendwo essen gehen, und dann schnell wieder ins Hostel zurück. Aber wieder stellt sich ein Problem - wo kann man hier bitteschön essen? Wir haben auf unserer Stadttour nichts gesehen. Eigentlich wollten wir doch eine authentische Afrika-Erfahrung, aber jetzt sehnen wir uns doch nach etwas Bekanntem. Die meisten im Reiseführer vorgeschlagenen Restaurants liegen irgendwie am Hafen, aber dort sind wir bereits vorbeigefahren und haben nichts gesehen. Trotzdem fahren wir noch einmal hin. Laut der Karte sollen wir noch weiter in dieses Hafengebiet rein. Wir fahren also eine kleine Straße hinein, bei der wir nicht sicher sind, ob wir sie überhaupt nehmen dürfen. Alles kommt uns jetzt nur noch seltsam vor. Außerdem ist es schon dämmerig. Was tun wir hier nur.... Doch auf einmal sehen wir Lichter, Schilder, einen Parkplatz. Nie haben wir uns so über eine Fressmeile mit Touristenrestaurants gefreut! Wir merken richtig, dass wir jetzt endlich wieder einmal durchatmen können, und sind froh, etwas halbwegs Bekanntes um uns herum zu haben. Verrückt. Am Wasser sitzend genießen wir ein sehr sehr leckeres und unverschämt günstiges Steak. Es schwimmt ein Pelikan vorbei. Es wird dunkel, und wir entspannen uns. Was für ein verrückter, seltsamer, verwirrender Tag... aber auch eine Erfahrung, die rückblickend ganz interessant war. Über die verrückte Frau können wir inzwischen auch wieder lachen. Obwohl wir sie zu einem Großteil für unseren etwas negativen Eindruck der Stadt verantwortlich machen. Ich will keinem abraten, nach Durban zu fahren, aber vielleicht sollte man sich doch noch etwas intensiver informieren und mehr vorplanen, als wir es getan haben :D





Zurück im Hostel planen wir dann noch unserer Route für den nächsten Tag und frieren ein paar kleine Wasserflaschen als Kühlakkus ein - super Forums-Tipp! - bevor wir einsam und allein in unseren getrennten Betten einschlafen müssen.
;( :D



Tag 8: St. Lucia - Subtropische Spaziergänge

Am nächsten Morgen ist doch etwas Erleichterung da, dass wir unser chaotisches Durban-Erlebnis hinter uns lassen können, und wir freuen uns nach dem Stadt-Schock auf ganz viel Landschaft. Das frühe Aufstehen wird langsam zur Gewohnheit. Heute frühstücken wir im Hostel. Inzwischen ist Avocado ein Hauptbestandteil unseres Frühstücks geworden, und wir haben uns diese Angewohnheit bis heute beibehalten :) Übrigens ist auch das Wetter wieder grandios, und nochmal wärmer als in der Kap-Region. Wir wollen auf dem Weg nach St. Lucia, wo wir ja sowieso ganze drei Nächte eingeplant haben, noch in ein kleines Naturreservat.


Wir haben uns für das Umlalazi Nature Reserve entschieden. Dort hin zu kommen ist wieder einmal etwas verwirrend ohne Navi, aber die Karte, die wir bei der Autovermietung in Durban mitgenommen haben, hilft uns da ganz gut. Wir müssen häufig Maut zahlen und fragen uns, ob wir das umgehen könnten. Letztlich finden wir aber relativ problemlos zu dem Reserve. Wir zahlen unseren Eintritt, bekommen aber anders als erwartet keine Karte dazu, also muss ich noch einmal zurück und für 1 R eine Karte im Shop vor dem Eingang kaufen. Wir fahren zuerst zu den Mangroven, sehen einen kleinen Bock, beobachten lustige kleine Krebse mit nur einer Schere. Es ist schön hier, idyllisch und subtropisch, und auch nicht so viel los. Man kann kleine Wege auf Holzplanken laufen.






Dann fahren wir weiter im Reservat herum und gehen zum Strand. Ein menschenleerer, weiter, fast weißer Strand erwartet uns. Es ist windig und rau, aber sehr schön und auch sehr warm. Wir testen mit den Füßen ein wenig das Wasser, die Strömung ist schon extrem stark, Baden gehen wäre auch hier nichts. Vielleicht hätten wir doch in Kapstadt baden gehen sollen, dort scheint es noch am tauglichsten gewesen zu sein. Aber egal, wir sind ja nicht zum Badeurlaub hergekommen.






Wir verlassen den schönen Strand und beschließen, einen Rundweg zu laufen, von dem der Ranger im Shop erzählt hat. Mit unserer Karte und einer kleinen Wasserflasche stapfen wir los, schließlich soll der Weg nur eine halbe Stunde dauern. Er ist sehr schön subtropisch, die Bäume sind sehr hübsch und es gibt überall Lianen und dornige Äste. Es handelt sich offenbar um einen Dünenwald, denn es geht immer wieder auf und ab, auf und ab. Ein gutes Training für unseren Trail später, und wir freuen uns, dass wir hier sind. Leider können wir außer ein paar Vögeln keine Tiere entdecken. Und irgendwie zieht sich der Weg... und zieht sich... vielleicht haben wir doch eine falsche Abzweigung genommen? Schließlich war die Karte sehr grob gehalten und die Beschilderung auch nicht immer eindeutig. Wir laufen und laufen... es ist wunderschön, wild und einsam.






Gerade als wir dann doch anfangen, panisch zu werden, dass wir hier nie wieder herausfinden (wir hätten nichtmal eine Telefonnummer, die wir anrufen könnten), kommen wir aus dem Wald heraus und zum Parkplatz. Das war dann doch deutlich mehr als eine halbe Stunde! Aber wir sind unglaublich froh über unsere eiskalten Coladosen, die unsere inzwischen doch etwas abgesunkene Energie sofort wieder auffüllen. Ein bisschen abenteuerlich war das schon, genau das richtige für uns, ein wunderschöner Weg.

Wir machen uns also weiter auf den Weg nach St. Lucia. Die Straßen des Zululands sind voll von Menschen, Ziegen, allem möglichen. Trotzdem finden wir die Fahrt recht entspannt. Es kommt uns nicht gefährlich oder seltsam vor. Warum sollte man nicht auf dem Standstreifen laufen... kurz vor St. Lucia fallen uns die extrem vielen, dichten Bäume mit hohen Stämmen auf, fast wie Kiefernplantagen. So hatten wir uns das hier aber nicht vorgestellt! Zum Glück weichen sie dann auch wieder und wir werden später erfahren, dass man das Gebiet von St. Lucia der Holzproduktion überhaupt erst wieder abringen musste, viele Ecken wieder in seinen ursprünglichen Zustand bringen musste, weil die Holzindustrie sich hier so ausgebreitet hat. Anhand unsres Reisführers entscheiden wir uns für das Budget Backpackers an der Hauptstaße (alle Hostels sind dort an der Hauptstraße, praktisch nah an allen Geschäften). Wir zahlen 380 R pro Nacht und finden es zuerst ganz nett, ein bisschen rustikal, ländlich, ganz nett. Wir versuchen unser Glück, noch schnell für heute Abend den Sunset Boat Cruise mit Shaka Barker zu machen, leider ist der aber schon ausgebucht, also buchen wir für morgen.
Stattdessen fahren wir zum Strand bzw. zum Boardwalk und machen unseren zweiten subtropischen Spaziergang des Tages. Wir erwarten nicht wirklich, etwas zu sehen, auch wenn es zahllose Schilder gibt, die vor Krokodilen warnen. Als wir allerdings ein paar Meter auf dem Boardwalk gelaufen sind, hören wir auf einmal ein extrem lautes Grunzen, und erschrecken uns furchtbar. Offenbar ist ein Hippo hinter dem Schilf im Wasser... positiv mit Adrenalin bedacht, gehen wir erstmal weiter, da nichts zu sehen ist. Schauen uns den Strand und die Lagune an. Auf dem Rückweg entdecken wir noch eine Form im Schilf, die sehr krokodilähnlich aussieht - aber wir haben unsere Ferngläser vergessen. Mit dem höchsten, was die Kleinbildkamera an Zoom zu bieten hat, fotografieren wir das Etwas, und es stellt sich tatsächlich als Krokodil heraus.




Wir finden attestieren uns eine gute Beobachtungsgabe und freuen uns schon auf weiteres Tieregucken. Auf dem weiteren Weg zurück sehen wir dann auf einmal noch etwas im Wasser - die Urheber des Grunzens vorhin, unsere ersten Hippos! Zumindest ihre Köpfe. Fasziniert beobachten wir sie ein wenig beim Ab- und Auftauchen, bevor wir uns auf den Weg zurück machen.

Jetzt müssen wir endlich mal die weiteren Bestandteile der Flip Flop Liste angehen! Also auf zu Spar. Dort finden wir Flipflops für umgerechnet 8 Euro pro Person, da wir langsam wirklich nicht mehr ohne duschen wollen, kaufen wir die, sowieso einen zweiten Satz Besteck. Die Handtücher scheinen uns mit 20 Euro einfach zu teuer. Kurz danach finden wir einen Billigladen, der alles viel günstiger hat, und ärgern uns etwas über unseren Flip Flop Kauf, allerdings bekommen wir hier dann wenigstens günstige Handtücher, die nach Plastik stinken, aber angeblich wirklich aus Baumwolle sind. Im Nachhinein war es wohl nur der Plastikgeruch des gesamten Ladens, denn wir benutzen diese Handtücher heute noch.

Abends entscheiden wir uns, da wir heute nichts weiter an Geld ausgegeben haben, für ein Abendessen im vielgepriesenen Ocean Basket. Das ist nur wenige Häuser entfernt, also nehmen wir keine Anti-Hippo-Taschenlampe mit. Dort gibt es eine ganz hervorragende Meeresfrüchteplatte, und weil es hier so günstig ist, wagen wir uns sogar an ein paar Austern heran. Mein erstes Mal Austern! Eigentlich schmecken sie nur nach Meerwasser mit Glibber und Zitrone, aber die zweite finde ich eigentlich ganz lecker. Dazu gibt es netten Weißwein, und das alles auf dem Balkon, da es immer noch schön warm ist. So lecker und entspannt könnte meinetwegen jeder Abend vorbeigehen!

Im Zimmer merken wir allerdings, dass es wirklich ein wenig seltsam dort ist. Das Bett ist super hoch, mindestens einen Meter über dem Boden, sodass man halb draufspringen muss. Es hat keinen Lattenrost sondern ist einfach nur eine Holzkonstruktion, hat zwei Matratzen die eigentlich zu groß sind und an der Seite etwas runterrutschen. Das Laken wiederum ist zu klein und rutscht ständig von der Matratze. Unter der Tür ist außerdem ein Spalt und der Boden ist einfach nur Stein/Beton. Das, was uns davor noch gemütlich rustikal vorkam, ist jetzt doch etwas seltsam und ich habe eine kurze Krise. Anscheinend beeinflussen einen die Räumlichkeiten in denen man wohnt nach anstrengenden Tagen doch etwas. Aber wir sind müde und hatten insgesamt einen sehr schönen Tag, also schlafen wir trotzdem gut ein.

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Andreas84 (16. Juli 2015, 12:25), rhein-mainer (21. April 2015, 15:24), Piepsi (20. April 2015, 13:53), toetske (20. April 2015, 01:41), Ate (5. April 2015, 08:52), maddy (27. März 2015, 12:35), Beate2 (26. März 2015, 19:28), parabuthus (26. März 2015, 15:00), Mojamira (25. März 2015, 15:05), ReginaR. (25. März 2015, 08:58), yoshi1310 (25. März 2015, 08:39), kOa_Master (25. März 2015, 08:32), Sonnenmensch (24. März 2015, 22:40), Sylti (24. März 2015, 15:28), corsa1968 (24. März 2015, 14:17), Bär (24. März 2015, 13:16)

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Dienstag, 24. März 2015, 15:29

eine super gute Zusammenfassung - sehr angenehm am Anfang (vielleicht muss ich mir das einmal abgucken :thumbup: )
und genauso schön der Reisebericht schon bis hierhin - :danke: :danke: , dass Du Dir die Mühe machst, Eure Erlebnisse zu teilen

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beatrizza (24. März 2015, 17:10)

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Mittwoch, 25. März 2015, 08:32

Was für eine tolle Beschreibung von den Erlebnissen in Durban :thumbsup: ;)
Und natürlich auch vom Rest.
I never knew of a morning in Africa when I woke up that I was not happy. - Ernest Hemingway

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beatrizza (25. März 2015, 10:48)

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Mittwoch, 25. März 2015, 10:49

Danke ihr beiden :blush:

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Mittwoch, 25. März 2015, 13:13

Safari for beginners - Tage 9 und 10

So die erste Woche in Südafrika ist rum und wenn ich mal ein kleines Resümee ziehen darf: sie war war vollgestopft bis zum geht nicht mehr. Aber wir konnten einfach nicht anders, rastlos, erlebnishungrig und preis-leistungs-bewusst wie wir sind. Außerdem sind wir so lange Urlaube nicht gewohnt! Nun, langsam setzt der Gewöhnungseffekt ein, außerdem lasse ich nun wirklich langsam den Stress und die Anstrengung der Masterarbeit hinter mir. Man merkt es uns nach den kleinen und größeren emotionalen Krisen der letzten beiden Tage auch an, dass wir nun entspannter, souveräner werden. Ankommen, abschalten. Durchatmen. :)
Wie Ihr seht habe ich mich jetzt auch einmal mit der Galerie-Funktion für Fotos beschäftigt. Leider kann ich die alten Beiträge nicht mehr ändern und will jetzt auch nicht die Mods mit 23.000 Zeilen Änderungen über den Melde-Button belästigen, aber ich denke es geht auch so.


9. Tag: St. Lucia die Zweite - Von imaginären Elefanten zu richtigen Rhinos

Der heutige Tag beginnt mit freudiger Erwartung. Heute fahren wir in den iSimangaliso und machen unsere erste Safari. Meine Sehnsucht nach der afrikanischen Wildnis, die ich wahrscheinlich seit den König-der-Löwen-Hörbuch-Exzessen in meinem Kinderzimmer hege und pflege, soll endlich ihre Erfüllung finden. Natürlich bin ich gut vorbereitet. Neben meiner Lektüre von Flugblättern à la "wie kann ich vor einem Nashorn flüchten", sowie dem Thread "was mache ich, wenn ein Elefantenbulle mein Auto angreift" habe auch vorsorglich die "Abenteuer Survival"-Folge noch ein zweites Mal angesehen, in der Bear Grylls in der Wildnis Afrikas ist und Wasser aus Elefantendung trinkt, weil er leider nichts anderes zu trinken findet. Okay, Dinge die ich wahrscheinlich später erst brauchen werde. Darüber hinaus habe ich natürlich das König-der-Löwen-Hörbuch dabei, das ich mir vorher extra noch einmal als mp3 heruntergeladen habe, seit leider das Band der Kassette gerissen ist. Es kann also losgehen!

Mal wieder ungefrühstückt begeben wir uns zum Gate. Heute ist es ein wenig bewölkt. Wir zahlen unsere 125 R plus 10 R für eine Karte. Die etwas verstrahlt wirkenden Ranger am Gate brauchen dafür gefühlte 20 Minuten. Außerdem warnen sie uns: "Be careful. There are elephants close by." Hö? Was? Es gibt hier doch gar keine Elefanten? Wir antworten mit "we've heard", ganz einfach, weil sie das auch schon zum Vordermann gesagt haben. Das verwirrt sie nun allerdings. "You've heard?". Nachhaltig verwirrt es auch uns. Gibt es hier vielleicht doch Elefanten? Werden hier alle Neulinge erstmal ein bisschen veralbert? Oder sind es eher rosa Elefanten, die man sieht, wenn man... nun ja... was auch immer konsumiert hat? :D
Diese Gedankengänge werden allerdings jäh unterbrochen, da wir sofort hinter dem Gate, vor dem zweiten Sicherheitsgate bereits unsere ersten Zebras entdecken. Zebras! Wie toll. Wir beobachten sie eine Weile, bevor wir uns weiter in den Park begeben, unsere unerfahrenen Augen ähnlich wie bei den Walen alles scannen, und nicht sicher sind, wonach sie eigentlich suchen. Da sind ein paar Affen, wie schön! Wir nehmen gleich die erste Abzweigung nach links zu einem kleinen Teich. Steine im Wasser. Nein! Hippos im Wasser! Eine ganze Kolonie. Wir parken direkt mit Sicht auf den Teich und frühstücken unser übliches Frühstück aus Weißbrot, Avocados, Cheddar, und nicht zu vergessen natürlich Peanutbutter und Mixed-Fruit-Jelly. Die Hippos bewegen sich nur manchmal ein wenig, aber wir sind geduldig, da wir uns auf unsere Bootsfahrt heut Abend freuen. Irgendwann werden wir von anderen Autos verscheucht und fahren weiter.

Auf einigen äußerst buckeligen und zugleich hügeligen Sandpisten-Loops bringt mir mein Freund bei, wie man solchen Untergrund befahren muss. Natürlich war er in seiner Jugend Autofreak, und seine Eltern hatten offenbar einen Geländewagen. Dieses Wissen bewahrt uns auf jeden Fall davor, in diesem Terrain stecken zu bleiben. Wir sehen diverse kleine Antilopen, die wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht zuordnen können. Gestern in einem Shop hatten wir noch ein Bestimmungsbuch gesucht, was wir zuvor natürlich auch schon im Internet erwerben wollten. Aber so richtig fündig geworden sind wir nicht. Wir sehen etwas Falkenähnliches, aber wir sind wirklich keine Vogelmenschen, also halten wir uns nicht zu lange mit dem Herumrätseln auf. Auf dem Weg nehmen wir natürlich jeden Hide mit, den wir kriegen können, und bekommen auch ein paar weitere gehörnte Huftiere zu Gesicht. Wir sind fasziniert, wie gut die Dinger getarnt sind. Auch Zebras - ich hätte nicht gedacht, dass schwarz und weiß unauffällig sein könnte. 8o

Wir fahren weiter, die Augen immer noch wie gebannt auf den Busch oder die Steppe rechts und links von uns gerichtet. Doch weit gefehlt - die wahre Sensation findet sich direkt vor uns! Ein Safariauto - und links daneben, einen Meter neben dem Asphalt, zwei Kolosse. Der eine natürlich etwas kolossaler als der andere. Rhinos! Meine Aufregung kennt keine Grenzen, gleichzeitig kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Unsere ersten Rhinos - und dann so nah! Die sind größer als unser Auto. Wir rätseln kurz, wie nah man an die Tiere wohl heranfahren darf, aber da das Safariauto auch direkt neben ihnen am linken Straßenrand steht, fahren wir langsam und vorsichtig direkt dahinter. Mama und ihr "Kleines" grasen zufrieden vor sich hin und beachten uns nicht im Geringsten. Nach kurzer Zeit fährt der Safariwagen davon und wir sind ganz allein mit den Rhinos. Ich sitze auf dem Beifahrersitz - also links - und kann mit geöffnetem Fenster die Rhinos gefühlt fast berühren, und ich kann hören, wie sie das Gras abreißen und kauen. Ich bin ja völlig aus dem Häuschen. Wie riesig! Und wie klein ihre Hufe sind! Wie lang das Horn! Wie gepanzert und doch flexibel die Haut! Wie entspannt sie aussehen! Wie anmutig sie sich bewegen, trotz der Größe! Es ist ein magischer Moment.

(leider lässt die ziemlich alte Kleinbildkamera die beiden weiter weg und kleiner wirken, als sie waren... in meiner Erinnerung... unglaublich!)




Irgendwann kommt ein Auto von hinten und wir fahren etwas vor, nach kurzer Zeit drehen die beiden herrlichen Tiere dann etwas nach links ab und wir machen uns weiter auf den Weg. Auch wenn noch Spektakuläreres kommen wird, diese Begegnung werde ich nie vergessen.

Doch unser Glück reißt nicht ab. Nach einer Herde Zebras sehen wir nicht viel später zwei weitere - ausgewachsene - Rhinos von weiter weg im Gras stehen. Diesmal beobachten wir sie vor allem mit dem Fernglas. Als eines beschließt, die Straße zu überqueren, wissen wir die Geschwindigkeitsbeschränkung zu schätzen. Mit so einem Trumm möchte man nicht zusammenstoßen.




Wir fahren weiter, zum Cape Vidal, wo wir umdrehen und zurückfahren. Irgendwann bestehe ich darauf, König der Löwen als Hörspiel zu hören. Natürlich muss ich bei jedem Lied mitsingen. Als Simba gerade mit Timon und Pumbaa im Duschungel ist, treffen wir ein Warzenschwein an. Herrlicher geht es doch wirklich kaum.




Nachdem wir noch einen Affen mit blauen... Hoden... sehen, und uns darüber doch sehr wundern, sind wir auch bald wieder zurück. Irgendwann geht eben auch der schönste Safarinachmittag zuende. Kennt jemand das gleichnamige Lied von PeterLicht? Hachja.

Abends ist es dann endlich Zeit für unsere Bootstour mit Shaka Barker. Wir werden direkt vorm Hostel abgeholt, mit einer gewissen Verspätung allerdings. In einem alten Hafenbecken wartet das Boot auf uns. In dem äußerst flachen Floß treffen wir zuerst auf eine Art Leguan und zwei doch sehr böse schauende Krokodile.




Dann zwei Kolonien von Hippos, die wir aus allen erdenklichen Richtungen anschauen und fotografieren.




Mit heißer Schokolade und Keksen fahren wir in den Sonnenuntergang, lauschen den Erklärungen zum St. Lucia Estuary und den Hippos, die anscheinend weder schwimmen noch in der Sonne liegen können. Ein paar Hauer dürfen wir auch noch in die Hand nehmen, natürlich sind sie monströs. Ein bisschen schwierig finde ich, dass man zwar sehr nah an die Hippos herankommt, aber doch auch irgendwie offensichtlich versucht wird, den großen Bullen zu provozieren, damit der sein Maul öffnet. Nicht auf penetrante Art und Weise, aber sollte man Tiere wirklich provozieren? Naja, dennoch ist es natürlich ein sehr toller Anblick, den jeder gerne sehen will. Doch auch die schönste Bootstour geht irgendwann vorbei und wir wanken zufrieden und erfüllt vom Boot wieder in das Fahrzeug, das uns zurück zu unserem Hostel bringt.




Da wir heute gar keine Zeit hatten, etwas einzukaufen, gehen wir noch einmal essen. Im Barraca oder so, einem Portugiesen, wenn ich mich recht erinnere. Hier kommt es allerdings zum Steak-Vorfall. Ich bestelle ein Rinder-Filet-Steak, medium. Ich bin wirklich kein Mensch, der sich im Restaurant schnell beschwert, und ich habe noch niemals in meinem Leben ein Essen zurückgegeben, weil es nicht genau meinen Vorstellungen entsprach. Aber das, was ich hier serviert bekomme, ist so meilenweit entfernt von dem Steak in Durban. Unübertrieben ist es wirklich von einer Schuhsole kaum zu unterscheiden und es scheint mir einfach nicht möglich, die trockenen und zähen Fleischstücke zu kauen und runterzuschlucken, auch wenn ich es versuche. Ich kann es einfach nicht essen. Zu meinem Unbehagen muss ich also dem Kellner mitteilen, dass ich dieses Steak nicht essen möchte. Daraufhin muss ich dann erst einmal persönlich mit dem Koch sprechen, und würde am liebsten im Erdboden versinken. Ich bekomme dann ein weiteres Steak, das wir sicherheitshalber in "Englisch" bestellen. Zum Glück ist das essbar, wenn auch immer noch nicht besonders zart und alles andere als "Englisch". Andere Länder, andere Bezeichnungen? Aber Vorgestern ging es ja auch. Da uns der Vorfall so peinlich ist, geben wir besonders viel Trinkgeld (eigentlich paradox) und beschließen, am nächsten Tag wirklich mal selbst zu kochen :D




Tag 10: St. Lucia die Dritte - Überbelegte Hostels und unterbelegte Strände


Am nächsten Morgen wachen wir mal wieder auf unseren Matratzen auf, da sich das Laken, wie auch schon die Nacht zuvor, mal wieder verflüchtigt hat. Unser Eindruck des letzten Abends, dass wir überlegen sollten, uns für die dritte Nacht ein neues Hostel zu suchen, verstärkt sich weiter, als auf einmal das Wasser im Hostel auszufallen scheint. Das auch noch! Aber zunächst müssen wir erst einmal Wäsche waschen. Nach 10 Tagen halten wir das für strategisch günstig. Ein Waschsalon ist direkt neben dem Spar, und gestern Abend haben wir schnell noch die Öffnungszeiten nachgeschaut. Wir geben einfach unsere komplette Wäsche dort ab. Unangenehm, die Vorstellung, dass jemand anderes meine schmutzige Wäsche waschen muss...aber es geht wohl nicht anders. Als wir zum Hostel zurückkehren, spricht uns eine Frau von der Rezeption an. "Ihr fahrt doch heute, oder nicht?". Was? Wir hatten uns für drei Nächte angekündigt und sogar bereits alles im Voraus bezahlt! Offenbar gab es einen Irrtum, und nun sind nicht genügend Zimmer frei. Wir sind genervt, da wir so natürlich Zeit verlieren, andererseits erscheint es uns wie ein Wink des Schicksals und eine Gelegenheit, unauffällig früher auszuchecken. Die Dame sagt, sie werde schauen, was sie machen kann, wir aber merken an, dass wir uns umschauen werden, ob wir etwas anderes finden.


Also gehen wir erst einmal hinüber ins Stoekkiesdrai. Dort gibt es leider auch kein Wasser und es ist nur noch eine 5-Betten-Wohnung frei, die wir sehr vergünstigt, aber immer noch deutlich teurer als ein 2-er Zimmer, bekommen könnten. Also versuchen wir noch einmal unsere letzte Option - das BiB's International Backpackers. Hier gibt es ein Zimmer in einer Holzhütte mit kleiner Veranda und eigenem Bad für 275 R, ein Safarizelt wäre für wenig mehr zu haben. Wasser gibt es offenbar auch. Warum haben wir eigentlich die letzten Nächte 400 gezahlt und alte, abgeranzte Badezimmer benutzt? Naja. Wir buchen sofort ein kleines Hüttenzimmer.






Als wir ins Budget Backpackers zurückkommen, und davon berichten, ist die Dame an der Rezeption sauer auf uns, weil sie gerade alle durchtelefoniert hat, und unser Zimmer wieder freigeschaufelt. Upps. Aber wir hatten schließlich gesagt, dass wir uns etwas anderes suchen. Also schnell umziehen. Wir leihen uns einen Tisch und einen Stuhl von der Nachbar-Veranda und frühstücken erst einmal in Ruhe. Endlich fühlen wir uns wieder entspannt, und so ein eigenes Bad ist doch auch mal etwas feines.


Jetzt ist es bereits Vormittag und wir holen unsere Wäsche ab. Wieder ein logistisches Problem erledigt. Dann fahren wir noch einmal zum Gate, wo man erstaunt ist, dass wir um diese Zeit noch dort hinein wollen. Aber unser Plan war ein Strandtag am Cape Vidal. Wir fahren also recht schnell durch den Nationalpark und begeben uns zum Strand.




Schön ist es hier, weit, wild, und relativ leer. Wir sind entspannt und freuen uns. Leider steht es mit dem Baden schlecht- auch wenn der Reiseführer Baden auf eigene Gefahr für möglich hält, stehen überall Schilder, die auf die Gefahren verweisen und es sind nur sehr wenige Menschen im Wasser (eigentlich nur eine Gruppe Kinder). Es ist auch sehr windig und das Wasser ist nicht unbedingt ruhig, außerdem sind an einigen Stellen kleine Felsen im Wasser, die meine Alarmglocken läuten lassen. Wir entscheiden uns also dafür, nur ein wenig in der Brandung zu planschen, wobei ich meinen Freund immer wieder mahnend zurückrufe, wenn er sich zu weit hinauswagt.




Trotz meiner Angst ist das ein ganz lustiges Unterfangen, und auch wenn es kein richtiges Baden war, waren wir zumindest mal im Wasser. Leider ist es zu windig, um sich richtig an den Strand zu legen. Wir liegen kurz in einer Einbuchtung, in der der Sand weniger gegen die Beine peitscht, um zu trocknen. Es ist schön hier, das kann man schon sagen. Aber zum Lange liegen ist es einfach nichts. Also gibt es - unter der strengen Beobachtung eines offenbar hungrigen Affen - ein Eis. Wir essen es lieber im Auto, und wünschen den jungen Franzosen viel Spaß, die direkt unter dem Affenbaum versuchen zu grillen :D :D






Auf der Rückfahrt hoffen wir, vielleicht noch einmal Rhinos zu sehen. Offenbar hatten wir gestern mehr Glück, aber wir begegnen noch einem Büffel, der uns doch sehr böse anschaut, einer kleinen Herde Kudus mit eindrucksvollen Hörnern und einigen anderen Huftieren. Bei einem letzten Abstecher zum Hippo-Teich kurz vor dem Gate sehen wir, dass eins der Hippos recht nah am diesseitigen Ufer ist. Nachdem wir kurz unsere Position wechseln, um die anderen zu beobachten, wollen wir aufbrechen - und plötzlich steht das riesige Hippo-Viech fast direkt neben unserem Auto! WIr erschrecken uns, als der Koloss auf einmal hinter dem hohen Schilf auftaucht. Da ist es wohl fast lautlos aus dem Wasser gestiegen um an ein paar Gräsern zu nagen. Zum Glück erschreckt es sich weniger vor uns, als wir vor ihm, und es lässt davon ab, unser kleines silbernes Auto als Konkurrenz anzusehen und anzugreifen :D Nun haben wir doch noch eine aufregende Begegnung gehabt.


Zurück in St. Lucia decken wir uns mit Nudeln und Tomatensauce ein, und merken, dass wir zum Selbstkochen doch noch einiges brauchen. Gewürze, Öl, Zwiebeln - ein bisschen was kostet das auch. Wir kochen in der seltsamen (aber passablen) Hostelküche unser Essen. Draußen sitzend haben wir Angst vor Mosquitos und es schmeckt dann doch irgendwie nicht so gut wie zu Hause. Es muss wohl an den "Mixed Herbs" liegen, die angefangene Packung wird uns noch den gesamten Urlaub über begleiten und wir haben sie jetzt noch in unserer Küche liegen. Ich werde wohl niemals wieder damit kochen :D


Das Bett in unserem neuen Hostel ist eine Wohltat und wir schlafen zufrieden ein - aber auch ausgesprochen gespannt, denn morgen geht es zum Trail! Doch vorher werden wir noch ein Erlebnis mit wilden Tieren der anderen Art haben... mitten in der Nacht werde ich auf einmal wach. Abgesehen davon, dass mein Magen irgendwie Probleme mit dem Essen hat (dem selbstgekochten :D :D :D ) sehe ich, dass meine bessere Hälfte offenbar irgendwie unterwegs war und gerade dabei ist, wieder ins Bett zu kommen. Mit großen Augen sieht er mich an: "Hier sind Kakerlaken!!!" Mein schlaftrunkenes Ich ist nicht so beeindruckt. "Ich habe alle unsere Sachen auf die Schränke geräumt." Was, echt? "Eine hat meinen Fuß verfolgt!" Ich muss fast lachen, irgendwie schreckt mich der Gedanke an Kakerlaken nicht so, Spinnen sind viel schlimmer. Aber als ich unters Bett schaue, sehe ich wirklich eine kleine Schabe dort herumlaufen. Nicht groß. Mir ist das gerade wirklich egal. Morgen schlafe ich draußen, da kann man sich doch von ein paar Kakerlaken nicht erschrecken lassen. Anscheinend sehe ich das als einzige so, aber mir ist das egal, ich schlafe einfach weiter :D Als ich später dann nachlese, dass die Viecher nicht nur auf dem Boden herumlaufen, sondern auch auf alles klettern können, ist es im Nachhinein dann doch etwas gruselig. Aber wie gesagt. Besser als Spinnen. :whistling:

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Mittwoch, 1. April 2015, 12:56

Primitive Trail

11. Tag: Auf in die Wildnis - Der Primitive Trail beginnt

Heute geht es in die Wildnis! In den letzten Tagen haben wir bereits einige Überlegungen angestellt, wie wohl die anderen Trail-Teilnehmer sein werden. Immerhin verbringt man ja fast fünf Tage mit diesen Leuten zusammen. Wir spekulieren auf ein mittelaltes deutsches Ehepaar, weil es typisch wäre, dass so ein Wildnisding gern von Deutschen gemacht wird. Zwei junge, erlebnishungrige Amerikaner, möglicherweise Frauen, die sich den halben Tag im Busch schminken (Vorurteile olé!). Und einen Safari- oder Wanderprofi. Mehr fällt uns nicht ein. Mein Freund ist ein wenig besorgt, dass ich mir zu viel von dem Trail erwarte. "Du stellst Dir das vor wie bei Bear Grylls, so wird es bestimmt gar nicht." Naja - wir werden sehen! :)

Um 9 sollen wir bereits im Mpila Camp sein, obwohl der Trail erst um 10 losgeht. Diese Uhrzeit habe ich nach ewigem Nerven per Mail herausgefunden, da bei der Buchung keine Info dazu herausgegeben wurde und auch online nichts zu finden war, bzw. nur Widersprüchliches. Dementsprechend sind wir ein wenig nervös, ob das auch wirklich alles so stimmt. Eigentlich wollen wir unterwegs frühstücken, aber die Strecke zieht sich dann doch etwas, besonders wegen der vielen fiesen Schlaglöcher, die bei der Eile wirklich alles andere als Spaß machen, und wir brauchen ganze 1:45 bis Mpila. Der Hluhluwe-Imfolozi kommt uns doch extrem trocken vor im Vergleich zu dem ja sehr feuchten Gebiet um den iSimangaliso. Relativ genau um 9 treffen wir in Mpila ein. In der dortigen Rezeption zahlen wir dann noch die Parkgebühren und dann wird uns gesagt, dass es noch eine Weile dauert. War ja klar, dass wir uns jetzt wieder umsonst beeilt haben - aber immerhin haben wir Zeit zum Frühstücken.

Neben uns parkt irgendwann ein - ja genau - mittelaltes Ehepaar. Irgendwie ahnt man da schon etwas. Und natürlich gehören sie auch zum Trail. Allerdings stellt sich heraus, dass sie Südafrikaner sind, Barry und Chris(ta), Chris allerdings deutsche Eltern hatte und auch Deutsch spricht. Der erste Teil unserer Prognose erfüllt sich! Nach dem obligatorischen Gespräch über deutsche Automarken und wie toll sie sind, trifft bald ein weiterer Teilnehmer ein - gekleidet in voller Safarimontur, von den khakifarbenen Shorts bis zum beigen Funktionsshirt und dem passenden Hut. Bingo! Er stellt sich als Nigel heraus, ein Brite, der offensichtlich den Trail schon mehrmals gemacht hat und gerne Sätze mit "last year..." formuliert. Er ist offenbar 64 und der Meinung, dass es sein letzter Trail sein wird, worüber er sehr traurig ist. Dabei stellt sich heraus, dass Barry sogar noch älter ist, aufgrund seiner Vergangenheit als mehr oder weniger professioneller Rugbyspieler und -trainer aber deutlich jünger und fitter wirkt. Irgendwann fährt ein großer Pick-Up auf den Parkplatz. Eine junge schwarze Frau stellt sich als Mpile vor, sie ist eine unserer Ranger. Nigel fragt, ob Nunu, der dort hinten steht, auch dabei ist, denn - nicht last year, aber das Jahr davor - hat er mit ihm schon einen Trail gemacht. Ja, ist er. Nunu ist ein ebenfalls sehr junger schwarzer Ranger mit Dreadlocks, der sehr lustig drauf zu sein scheint. Nach und nach finden wir raus, dass es offenbar nicht hier zu Fuß losgeht, sondern wir erst noch ein Stück in den Busch fahren. Allerdings müssten wir noch auf zwei Teilnehmer warten. Sind das die Amerikaner, die typischerweise zu spät kommen? Um halb 11 fährt ein Auto mit zwei jungen Frauen auf den Parkplatz. Amerikanerinnen, zwei Schwestern, die Casey und Alex heißen, aber sich als deutlich wildnistauglicher herausstellen werden, als wir es gedacht hätten. Wir freuen uns innerlich einen Ast ab, dass unsere Prognose es so auf den Kopf trifft.

In einer Autokolonne fahren wir in den Busch hinein, natürlich haben wir das allerkleinste Auto von allen und bleiben auf der unebenen Piste ein paar Mal fast stecken. Wir kommen zu einem kleinen Buschcamp, wo wir unsere Autos abstellen. Offenbar müssen wir sie einfach so, mit allem Gepäck, für die Tage hier stehen lassen. Aber wir vertrauen darauf, dass das schon immer funktioniert hat, und lassen unsere Wertsachen dort drin - die Wahrscheinlichkeit, dass uns etwas in der Wildnis verloren geht, ist wohl höher. Anschließend wird an jeden ein großer Rucksack mit Isomatte und Schlafsack verteilt, sowie einen Metallteller, eine Metalltasse und einen Löffel. Außerdem eine schon volle 2-Liter-Feldflasche. Dann wird die Packtechnik demonstriert. Mit diesen Utensilien ist der Rucksack schon recht voll, wir sollen aber trotzdem noch Platz für ein Essenspaket lassen. In der Online-Broschüre gab es eine Empfehlung, wie viel Kleidung man dabei haben soll, und wir haben uns bis auf ein oder zwei Extra-Shirts daran gehalten. Es wurde auch dazu geraten, nur dunkle Farben dabeizuhaben, weshalb ich mir extra eine Regenjacke von einer Freundin geliehen habe. Mit meinen vorher gekauften 200-Euro Meindl Wanderstiefel fühle ich mich richtig wildnistauglich, auch wenn wir lange nicht so professionell aussehen wie Nigel. Uhren und Handys sind übrigens verboten und müssen im Auto gelassen werden. Wir sollen vollkommen nach dem Rhytmus der Natur leben.




Nach der Packaktion verschließen wir die Autos und begeben uns in einen kleinen Pavillion, wo es neben einem Mittagessen, das an Hot Dogs erinnert, eine Menge Papierkram auszufüllen gibt. Wir unterschreiben also fleißig, dass wir uns wirklich freiwillig in Gefahr begeben und niemand Schuld ist, wenn wir sterben. :thumbsup:
Während wir das tun, laufen drei Elefanten über den Hügel gegenüber.

Niemand beachtet sie. Aber es sind meine ersten Elefanten, die ich in der freien Natur sehe, und ich bin innerlich völlig aus dem Häuschen, denn Elefanten sind auch noch meine Lieblingstiere! Aber nach außen muss ich Coolness bewahren, offenbar :D Auf jeden Fall ist die Vorfreude ins unendliche gestiegen. Eine besondere Einführung, wie wir uns den einzelnen Tieren gegenüber verhalten sollen, gibt es nicht, da Nunu meint, wir würden sowieso alles wieder vergessen. Die einzigen Infos, die wir bekommen sind die Grundregeln für unseren Marsch: Wir laufen alle in einer Reihe, ein Ranger vorn und einer hinten. Wir sollen kein Wort sprechen. Wenn wir ein Tier oder etwas Interessantes sehen, sollen wir mit der Zunge schnalzen. Die Ranger haben sehr großkalibrige Gewehre dabei, die mir am Anfang Respekt einflößen. Aber klar, sie müssen ja im Notfall auch einen Elefanten erledigen können. Hoffentlich wird das nicht nötig sein.


Dann geht es los.


Bepackt mit den Essenspaketen für fünf Tage sind die Rucksäcke so dermaßen schwer, dass ich meinen gar nicht alleine aufsetzen kann. Ich schätze ihn auf etwa 20 Kilo. Dazu ist es auch noch ziemlich heiß. Aber ich finde es ganz großartig, denn genauso wie auf die Wildnis und die Tiere habe ich mich auf das schwer bepackte Wandern gefreut, diese Erfahrung, alles, was man braucht, dabeizuhaben und große Distanzen zu Fuß zurückzulegen, langsam, bedächtig, aber kontinuierlich. Vielleicht habe ich ein bisschen zu viel Herr der Ringe gelesen. Am Anfang ist der Rucksack wirklich extrem unbequem, er drückt an allen Ecken und Enden, weil er noch nicht richtig eingestellt ist. Er ist auch wirklich extrem schwer, zieht einfach so sehr, dass man es kaum eine Minute vergessen kann. Nach nur sehr wenigen Minuten erreichen wir den Fluß, den Black Imfolozi River. Meine größte Sorge galt zuvor den Flußdurchquerungen, da ich gelesen hatte, dass man hindurchwaten muss, und es definitiv Krokodile gibt. Natürlich habe ich mir auch die Abwehrtechniken für Krokodile durchgelesen (ins Auge stechen, oder das Maul zudrücken, damit sie einen nicht zerfleischen, weil ein Krokodil zwar sehr viel Kraft beim Zubeißen hat, aber wenig Kraft beim Öffnen des Kiefers. Aber natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einem gleich mit einer Rolle das Genick brechen, sowieso sehr hoch). Allerdings stellt sich der Fluß eher als ein sandiges, komplett ausgetrocknetes Flußbett dar. Gut, was die Krokodile angeht! Aber wo sollen wir baden? Welches Wasser sollen wir trinken? Hm. Wir lesen die Spuren eines Elefanten, an der Richtung, in die der Sand geschoben wurde, erkennt man, wohin er gegangen ist. Jetzt müssen wir das Flußbett auf der anderen Seite wieder hoch - im tiefen Sand einen Abhang hinaufzugehen stellt sich mit 20 Kilo auf dem Rücken als doch eher schwierig vor, und beinahe verliere ich das Gleichgewicht und falle nach hinten um :D


Wir gehen ein gutes Stück weiter durch den Busch, alles ist sehr trocken und recht dicht bewachsen. Am Flussufer gibt es aber auch grün. Irgendwann halten wir an. Unten im Flußbett läuft offenbar ein recht großes Exemplar eines Elefanten parallel zu uns, aber etwas hinter uns. Wir setzen unsere Rucksäcke ab und beobachten ihn. Erst verborgen in den Bäumen, sehe ich doch nach einer Weile, wie riesig er ist - ein einzelner Elefantenbulle. Er kommt langsam aber sicher näher.






Als er fast direkt unter uns ist, werden die Ranger plötzlich hektisch, flüstern "Go, go go!". Mpile gibt mir mit einer Berührung am Arm zu erkennen, wie eilig es ist.Wir laufen so leise wir können ein Stück zurück, vielleicht 20 Meter. Wir verstecken uns hinter einem Baum, stehen totenstill. Der Bulle geht, Äste zerbrechend, nicht etwa unten im Flussbett weiter, sondern genau an der Stelle, wo wir eben noch standen, den sandigen Abhang hinauf. Obwohl der recht steil ist. Dort liegen noch unsere Rucksäcke... Wir sind starr vor Angst und Aufregung, denn der Bulle wirkt irgendwie aggressiv. Einen kurzen Moment sieht es so aus, als würde das Tier, das nun in seiner vollen Größe sehr bedrohlich aussieht, sich nach links drehen, und direkt auf uns zukommen. Das Adrenalin schießt durch unsere Adern. Mein Herz klopft bis zum Hals. Ich halte die Luft an. Er ist riesig. Was würde passieren, wenn er plötzlich auf uns zustürmt? Kann ein Ranger überhaupt so schnell reagieren? Es sind nur so wenige Meter zwischen uns dem Koloss. Doch wir haben Glück. Der Elefant entscheidet sich für eine andere Richtung. Wir atmen aus. Doch das Herz schlägt noch eine ganze Weile sehr schnell... mit solch einer Begegnung hätte ich niemals gerechnet. Ich finde, es ist jetzt schon wie bei Bear Grylls. Mindestens.

Die Ranger erzählen uns, dass dieser Bulle tatsächlich in der Musth war. Uiui. Im Nachhinein gesehen war das die kritischste Begegnung auf dem ganzen Trail und vielleicht sogar wirklich eine brenzlige Situation, wo ich mir im Nachhinein nicht sicher bin, ob die Ranger sich vielleicht auch kurz verkalkuliert haben, was dieser Elefant als nächstes tun wird. So hektisch habe ich sie danach nie wieder gesehen, und so aggressiv wirkte kein anderer Elefant. Was für ein Start!

Wir gehen weiter und durchqueren ein aufgewühltes Feld mit Dung, eine Kuhle, in der Nashornmännchen große Mengen an Dung produzieren und dann hindurchstapfen, um mit dem, was an den Füßen hängen bleibt, ihr Revier zu markieren.





Nach einem weiteren nicht allzu langen Marschstück - aufgrund der Hitze und des Durchschnittsalters werden wir wohl etwas geschont - begegnen wir einer größeren Herde Elefanten, die den Fluss überqueren und dann auf unserer Seite des Flussbetts an den Bäumen herumknabbern.







Auf dem Boden sitzend beobachten wir sie, wobei die meisten eher schlafen, ich aber wie gebannt jede Bewegung verfolge. Es sind immernoch einige meiner ersten Elefanten und ich finde sie wundervoll. Wir gehen weiter durch den Busch. Irgendwann kommen wir dann wieder zum Flußbett, ein erneuter Balanceakt beim Herunterklettern. Gegenüber ist eine steile Felswand, auf die wir zugehen, bis Nunu verkündet: This is home!" Hier werden wir also die Nacht verbringen.

Aber es wird nicht etwa ausgeruht. Wir stellen unsere Rucksäcke ab, und Nunu verlangt nach einer Tasse und einem Teller. Und nach Hilfe beim Graben. Ich bin zunächst etwas irritiert, überwinde aber mein Zögern und meine Distanz und beginne ebenfalls, auf Knien im Sand zu wühlen. Zunächst frage ich mich, was hier eigentlich passiert. Aber schnell wird klar, dass wir offenbar nach Wasser graben. Dabei ist die Technik sehr wichtig - das Loch muss tief genug sein, gleichzeitig müssen die Seitenwände den richtigen Winkel haben und festgeklopft sein, dass nicht ständig Sand nachbröckelt. Nunu zeigt es uns. Irgendwann stoßen wir tatsächlich auf Wasser! Völlig verrückt. Offenbar muss man, sobald das Loch so tief ist, dass ungefähr 20 Zentimeter Wasser darin sind, das sandige Wasser mit einer Tasse sehr schnell abschöpfen, ohne die Seiten zu berühren. Von unten drückt immer wieder Wasser nach.




Den Prozess wiederholt Nunu so lange, bis alles sandige Wasser entfernt ist. Und trinkt das Wasser aus dem Erdloch einfach so. Uns fallen kurz die Augen aus dem Kopf - wir hatten mit chlorigem, chemisch gereinigten Wasser gerechnet, aber er trinkt es einfach so. Neugierig hole ich mir auch eine Tasse. Probiere das Wasser. Und kann es kaum fassen - es ist das beste, leckerste Wasser das ich je getrunken habe. Es schmeckt nach nichts - gar nichts. Nach weniger als Leitungswasser oder Flaschenwasser. Einfach superlecker. Und es ist, anders als das Wasser in unseren Plastik-Feldflaschen, kühl. Unglaublich 8o


Übrigens: Die Stelle, an der wir unser Lager aufschlagen, wurde offenbar vor einigen Tagen von Löwen besucht:







Als nächstes machen die Ranger ein kleines Feuer aus trockenen Gräsern und den Ästen, die wir kurz vor unserer Ankunft im Camp gesammelt haben. Das geht erstaunlich schnell. Es gibt wenig Erklärungen. Nach und nach finden wir heraus, dass die Toilette - logischerweise - der Busch ist, und zwar unterhalb des Felsens nur eben ein gutes Stück weiter, dass es für gewisse Geschäfte eine Schaufel und eine Rolle Toilettenpapier sowie Streichhölzer gibt. Man soll offenbar ein Loch graben.... und dort drinnen dann das Papier wiederum verbrennen, bevor man es wieder zuschaufelt :D Ich bin mal wieder erstaunt, wie locker alles gehandhabt wird, denn offenbar kann man einfach jederzeit so weit vom Camp weggehen. Natürlich soll man sich selbst umschauen. Aber ich hätte mir vorgestellt, dass man zuerst den Ranger fragen muss, ob es sicher ist. Aber wie sich später herausstellen wird, findet Nunu es offenbar eher amüsant, wenn sich jemand erschreckt, weil er irgendwann im Busch feststellt, dass ein Nashorn aufs Camp zukommt... :thumbsup:

Jetzt muss abgesprochen werden, wer an welchen Tagen für das Essen veranwortlich ist. Wir erklären uns gleich für den ersten Abend zum Kochen bereit. Die Gruppe des nächsten Tages muss dann morgens abwaschen. Es gibt Spaghetti mit Hackfleischsauce - wer hätte es gedacht, Fleisch bei dieser Hitze? - gekocht in zwei Töpfen auf einem Feuer. Nunu zeigt uns, wie wir das logistisch lösen. Auch muss man den Topf von außen mit Schlamm einreiben, damit der Ruß des Feuers daran hängen bleibt und nicht am Metall.




Als das Essen fertig ist, wird es schon langsam dämmerig. Zwei Nashörner, die vorher schon links vom Camp herumgelaufen waren, spazieren grasend direkt vor uns vorbei, während wir auf einer kleinen Felsplattform sitzend essen, und versuchen, mit unserem Metallgeschirr nicht zu sehr zu klimpern. Rechts in der Ferne laufen zwei Elefanten langsam vorbei. Was für eine Aussicht beim Essen!




Das Essen schmeckt nach der Anstrengung des Tages wirklich hervorragend. Es wird langsam dunkel, irgendwann sind die Umrisse der Nashörner und Elefanten nicht mehr zu erkennen. Und dunkel heißt wirklich dunkel. Vielleicht hätte man sein Bett etwas früher vorbereiten, die Schlafklamotten und die Taschenlampe etwas früher heraussuchen sollen. Aber das Feuer spendet doch einen gewissen Schein. Mit Sand reiben wir unser Geschirr ab. Wir sitzen noch eine ganze Weile ums Feuer, sprechen über uns, über den Tag, den Trail, uns viele Dinge, die nichts damit zu tun haben. Ich habe tausend Fragen, aber stelle die wenigsten. Irgendwo in der Nähe hört man die ganze Zeit eine Elefantenherde, die Äste abbricht. Irgendwann gehen die Amerikaner, Casey und Alex, ins 'Bett'. Das heißt, eine Plane, dann eine Isomatte, dann ein Schlafsack. Im Kreis einige Meter ums Feuer herum gelegt. Die anderen bleiben noch sitzen und reden. Nigel bemüht immer wieder die Vokabeln "Well, last year on the trail... " und "One day in the Kruger..." sowie sein offenkundiges Fachwissen zu allen Safaribelangen. Mit seinem britischen Akzent erzählt er von seiner 30-Kilo-Fotoausrüstung, die er dieses Jahr gegen eine Videokamera und eine Go Pro eingetauscht hat. Offensichtlich hofft er, vor einem Nashorn wegrennen zu müssen, um mit seiner Go Pro, die er immer über dem Hut trägt, ein spektakuläres Video zu machen. Ein verrückter Vogel. Barry und Chris wohnen offenbar in Plettenberg und berichten von Walsichtungen vor dem Wohnzimmer. Barrys Mutter hat den Trail wohl schon einmal mit über 80 gemacht und musste auf einen Baum klettern, weil sie irgendwas verfolgt hat. Geschichten über Geschichten. Wahrscheinlich ist es noch total früh, aber wer weiß das schon?




Es gibt allerdings bevor endgültig alle schlafen, noch die Reihenfolge der Nachtwachen zu verteilen. Ich wusste vorher, dass das kommt. Nunu erklärt, dass wir die Nacht unter uns Teilnehmern aufteilen müssen und rechnet die Zeitspanne aus. 1 Stunde 10 Minuten. Allerdings gibt es keine Uhr. Wir sollen auf unser inneres Zeitgefühl hören. Wenn wir meinen, unsere Schicht ist vorbei, sollen wir Teewasser aufsetzen, den nächsten wecken, warten, bis er wach ist, und dann selbst ins Bett gehen. Während der Nachtwache ist es unsere Aufgabe, zu hören und zu schauen, dass kein Tier ins Camp kommt. Wir müssen es ganz alleine machen, denn diese Erfahrung findet Nunu wichtig. Die Ranger schlafen, denn sie passen schließlich schon den Tag über auf uns auf. Jetzt sind wir dann mal dran. Mit unseren Taschenlampen sollen wir etwa alle 5-10 Minuten einmal ums Camp leuchten und nach Augenpaaren oder großen Umrissen schauen. Außerdem darauf achten, dass das Feuer nicht ausgeht. Ich bin irgendwann in der Mitte dran und schlafe bis dahin nicht besonders gut. Obwohl meine Schlafstätte erstaunlich bequem ist. Die Angst vor dieser Aufgabe ist wohl doch irgendwie da.

Als ich an der Reihe bin, mache ich mir zuerst einen Tee. Anschließend meine erste Leuchtrunde - nichts. Der Busch ist erstaunlich leise. Ich hatte mit unzähligen Geräuschen gerechnet, wie man es vom Regenwald immer hört. Aber ich höre nur das Knistern des Feuers und das Knacken von Ästen irgendwo gegenüber, die Elefantenherde von vorhin. Durch die Stille nimmt man aber jedes Geräusch überproportional stark wahr. Ich merke, dass ich nervös bin. Dadurch verliere ich auch jedes Zeitgefühl. Eigentlich habe ich mir vorgenommen, einfach so lange zu warten, bis es langweilig ist, und dann nochmal so lange. Aber die drückende Dunkelheit, in die ich starre, die Geräusche, die mich zwischendurch immer mal wieder erschrecken lassen, die Angst, dass gerade in meiner Schicht etwas Gefährliches ins Camp kommt, die Angst vor allem vor dem Moment, wo man plötzlich ein Augenbar oder einen Umriss sieht... ich habe keinerlei Gefühl dafür, wann die 1 Stunde und 10 Minuten um sind. Rechts höre ich das Schreien einer Hyäne, das über die Zeit ganz langsam immer näher kommt. Gruselig. Ich starre weiter in die Dunkelheit, versuche, etwas zu erkennen, aber man sieht einfach nichts. Das Feuer blendet und verhindert noch mehr, dass man nichts sieht - also stehe ich teilweise auch daneben, oder laufe nervös hin und her. Zwischenzeitlich ist es beruhigend, im Feuer herumzustochern. Aber ich weiß auch, dass sich die Tiere auf Sand komplett lautlos bewegen. Besonders hell ist meine Rossmann-Taschenlampe auch nicht.... :D
Immer, wenn ich mich gerade daran gewöhnt habe, und mich entspanne, bilde ich mir etwas ein, und die Angst ist wieder da. Und es ist eine Angst, die irgendwie existenziell ist, die nicht auf irrwitzigen Vorstellungen beruht, die ja doch nicht wahr sein können. Es ist auch eine Angst, die sich nicht durch die Phantasie immer und immer verstärkt, sondern eine, die immer gleichbleibend ist, aber gerade darin auch so gruselig, denn sie ist so unglaublich real. Irgendwann beschließe ich, dass es genug ist. Wahrscheinlich habe ich viel zu lange gemacht. Bevor ich die nächste Person wecke, muss ich noch einmal im Dunkeln zum Wasserloch, das etwas außerhalb des Feuerscheins ist. Dabei ist mir etwas mulmig. Dann gebe ich meine Wache ab. Was für eine Erfahrung!
Ich lege mich in meinen Schlafsack und schlafe wie ein Baby.

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Bär

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Mittwoch, 1. April 2015, 13:22

Creepy... Hast Du das aus der Erinnerung geschrieben oder dort mit Tagebuch?
.
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beatrizza

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Mittwoch, 1. April 2015, 15:24

Creepy... Hast Du das aus der Erinnerung geschrieben oder dort mit Tagebuch?
Bis St. Lucia hatte ich ein Notizbuch mit Stichwörtern. Danach habe ich da nichts mehr reingeschrieben. Das war so eine eindringliche Erfahrung, ich erinnere mich wirklich an alles noch so genau. :D

Fop

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Mittwoch, 1. April 2015, 19:46

Hi Beatrizza,
sehr cooler Reisebericht, :danke: dafür! Liest sich wirklich gut & ist sehr interessant!
Mach schnell weiter, damit wir noch mehr über eure Trailerlebnisse erfahren...... 8o

lG
Sab

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beatrizza (15. April 2015, 22:55)

yoshi1310

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Donnerstag, 2. April 2015, 08:25

wirklich ein ganz toller Bericht! Hoffentlich geht's bald weiter, so spannend ist die Trail-Erfahrung! :danke: :danke: :danke:
Ich musste ja laut lachen bezüglich der anderen Teilnehmer. Den Herrn mit der Safarikleidung habe ich herrlich vor Augen :D

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beatrizza (15. April 2015, 22:55)

Bär

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Donnerstag, 2. April 2015, 10:35

Bis St. Lucia hatte ich ein Notizbuch mit Stichwörtern. Danach habe ich da nichts mehr reingeschrieben. Das war so eine eindringliche Erfahrung, ich erinnere mich wirklich an alles noch so genau. :D

Dass das intensiv wird hatte ich Dir ja prophezeit...

Wenn man zu Fuß unterwegs ist und in der Nähe Elefanten oder Löwen hört, ist sofort jedes evtl. vorher vorhandene Zoo-Gefühl weg. Garantiert! 8)


Die Nachtwache finde ich ja witzig. Die Guides gehen mit ihren Gewehren schlafen und lassen die Teilnehmer als Futter am Feuer sitzen. Was hättest Du denn gemacht, wenn da plötzlich ein Rudel Löwen aufgetaucht wäre? Oder gar ein Tiger? ;)
.
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