Sie sind nicht angemeldet.

Guten Tag lieber Gast, um »Südafrika Forum« vollständig mit allen Funktionen nutzen zu können, sollten Sie sich erst registrieren. Benutzen Sie bitte dafür das Registrierungsformular, um sich zu registrieren. Hotmail, Yahoo, Outlook und diverse andere SPAM- und "Wegwerf-Adressen" können aus gegebenem Anlass nicht mehr für eine Registrierung verwendet werden. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

121

Sonntag, 26. März 2017, 20:06

Tag 9: Auf den Spuren der Rhinos

Heute ist unser letzter kompletter Tag im Krüger Nationalpark, da wir morgen unseren zweiten Teil der Reise im Süden Südafrikas beginnen. Daher stehen wir wie gewohnt früh auf, um so viel wie möglich von dem Tag mitzunehmen. Unser Gepäck ist schnell im Auto verstaut und nach einem kurzen Frühstück in der warmen Morgensonne verabschieden wir uns von Lower Sabie und unserem Safarizelt. Gegen 6:30 Uhr verlassen wir das Camp und beginnen die lange Fahrt zu unserer letzten Übernachtungsstätte im Park, dem Berg-En-Dal Rest Camp, das am südwestlichen Ende des Parks liegt. Als Route wählen wir zu Beginn erneut die S21 entlang des Nwatimhiri Rivers, da uns die Strecke gestern Abend bereits sehr gut gefallen hat.

Es dauert nicht lange und wir sehen vor uns am Straßenrand einen Safari-Jeep stehen. Wie jedes Mal wenn ein Auto hält, sind wir extrem gespannt was uns erwartet. Wir können unseren Augen kaum trauen, als wir im Busch einen ausgewachsenen männlichen Löwen mit imposanter Mähne entdecken. Anders als bei Scar sind die Lichtverhältnisse heute deutlich besser und das Tier ist nicht von Zweigen verdeckt. Mit neugierigen, golden leuchtenden Augen schaut Simba zu uns herüber, macht aber keine Anstalten, sich zu erheben. Wir beobachten den König der Tiere noch eine Weile bis wir schließlich weiter fahren.







Anstatt eines Leoparden treffen wir bald darauf immerhin auf eine Schildkröte, dessen Panzer dem Fell der eleganten Raubkatze sehr ähnelt. Entgegen meiner ersten Annahme handelt es sich dabei nicht um die bekannte Pantherschildkröte (Leopard Tortoise), sondern um eine Spekes Gelenkschildkröte, die in meinen Augen fast genauso aussieht.



Gegen Ende der S21 werden wir von einer größeren Elefantenherde, die die Straße überqueren möchte, zum Anhalten gezwungen. Mit gehörigem Respekt stellen wir den Motor ab und beobachten die grauen Riesen, wie sie nur wenige Meter von unserem Auto entfernt in aller Ruhe an uns vorbeiziehen. Wir sind recht froh, dass uns keine Beachtung geschenkt wird, da Elefanten tatsächlich die größte Gefahr für Menschen im Park darstellen. Fühlen sie sich bedroht, scheuen sie nicht davor zurück, ein Fahrzeug zu attackieren und diesem erheblichen Schaden zuzufügen. Im Zweifel hilft dann nur noch Vollgas. Wir haben Glück und nichts dergleichen passiert, sodass wir bald darauf wieder unterwegs sind.







Je weiter wir gen Südwesten fahren, desto mehr verändert sich die Landschaft. Konträr zum weiten flachen Land um Satara herum, wird es hier immer hügliger und dichter. Vor allem die hervorstehenden Granit-Domen sind kennzeichnend für den südwestlichen Teil des Parks.




Die Gegend ist perfekt geeignet für Nashörner und so ist es nicht verwunderlich, dass wir auf unserem Weg zum Berg-En-Dal Camp mehrere dieser Kolosse antreffen. Ein Exemplar erwischen wir sogar beim Pinkeln. Der Strahl ähnelt einer Hochdruckspritze und hält eine knappe Minute an.





Wir nähern uns dem Camp über die S120 und den sogenannten Steilbergpass, der für Wohnwagen und Wohnmobile unzugänglich ist. Dort machen wir erneut Bekanntschaft mit einer Gruppe von Elefanten. Zu Beginn sind die Tiere ähnlich friedlich wie zuvor, doch dann hören wir ein konstantes, lautes Tröten aus dem Busch. Ein besonders großer Bulle hat uns ins Visier genommen und wackelt bedrohlich mit den Ohren. Hannah hält zu diesem Zeitpunkt die Kamera und ist zu erschrocken, um Fotos zu schießen. Plötzlich stürmt der Bulle mit lautem Tröten auf uns zu. Da wir das Trompeten aufnehmen wollten, existiert eine lustige Sprachaufzeichnung, in der Hannah lautstark äußert, dass ich gefälligst losfahren solle. Ehe der Elefant uns erreicht, drücke ich schließlich leicht belustigt aufs Gas und wir machen uns aus dem Staub.

Im Gegensatz zu dem aggressiven Elefanten ist die Giraffe, dir wir nur wenige Kilometer später treffen, deutlich entspannter. In aller Seelenruhe hält sie mitten auf der Straße inne, nur um kurz darauf mit langsamen Schritten zum nächsten Baum zu gehen und zu fressen.



Bevor wir gegen 13:00 Uhr das Berg-En-Dal Restcamp erreichen, schießt Hannah noch ein super Foto ihres Lieblingsvogels, dem Grünschwanz-Glanzstar (Greater blue-eared starling). Wir haben den Vogel bereits mehrere Male im Park gesichtet, doch ein brauchbares Foto ist leider nie entstanden. Dies hat Hannah jetzt endlich geändert.



Im Camp angekommen, erfahren wir, dass wir unser Bungalow erst in einer Stunde beziehen können, sodass wir kurzer Hand entscheiden, zu Fuß auf Erkundungstour zu gehen. Auf den warmen Steinmauern des Camps entdecken wir mehrere Reptilien, deren Identifizierung mich einige Zeit im Internet gekostet hat. Bei unseren Sichtungen handelt es sich um eine Blaukehlagame (Southern tree agama) und einen Blauschwanzskink (Rainbow skink). Hannah kauft sich anschließend im Camp-Shop einen Tierführer des Krüger Parks, den ich in den letzten Wochen bei der Erstellung dieses Buches / Reiseberichts wirklich gut gebrauchen hätte können. Aber ich konnte sie ja nicht fragen, sonst hätte ich mich womöglich noch verraten.

Blauschwanzskink:



Blaukehlagame:




Gegen 14:00 Uhr beziehen wir schließlich unser geräumiges Appartement und buchen zuvor noch eine Nachtsafari für den heutigen Abend. Bald darauf sind wir wieder unterwegs, um die letzten uns verbliebenen Stunden im Park zu nutzen.

Erneut treffen wir auf mehrere Breitmaulnashörner. Während eines sich ganz entspannt in einem Wasserloch abkühlt, steht ein anderes Exemplar kurz darauf nur wenige Meter neben unserem Fahrzeug und taxiert uns mit erhobenem Horn. Dieses Mal ist Hannah todesmutig und wird mit einem tollen Foto belohnt, dass sowohl das Nashorn als auch sie selbst im Beifahrerspiegel zeigt.





Den Rotschnabel-Madenhacker (Red-billed Oxpacker), der unscheinbar auf der Schulter des großen Tieres sitzt, treffen wir kurze Zeit später erneut auf dem Rücken eines Impalas. Die kleinen Vögel sind hilfreiche Tierwegweiser, da sie sich mit Vorliebe von Hautparasiten wie Zecken, Flöhen, etc. ernähren. Besonders schön anzusehen, sind die gelb-roten Knopfaugen mit tiefschwarzer Pupille, die wie aufgeklebt wirken.





Noch schöner ist jedoch der kleine Monarch (African monarch butterfly), ein gar nicht so kleiner Schmetterling, der wundervolle rot-weiß-schwarz gemusterte Flügel hat.



Wir sind mittlerweile über den Matiula Loop bis zur S114 gefahren, müssen aber leider an der Abzweigung zur S121 umkehren, da die Zeit knapp wird. Den eigentlich geplanten Timfeneni Loop (S121) lassen wir somit aus und machen uns mit der untergehenden Sonne auf den Rückweg zum Camp.

Trotz Hannahs Drängen, halte ich noch einige Male für kurze Fotostopps, da die Tiere im warmen Abendlicht besonders schön zur Geltung kommen. Wir sichten unter anderem einen Senegalkiebitz (African wattled lapwing) und einen Weißstirnspint (White-fronted bea-eater). Vor allem letzterer, ist an Farbenfreude kaum zu überbieten.

Senegalkiebitz:




Weißstirnspint:




Auch eine Giraffe und zwei Breitmaulnashörner (Mama und Junges) statten uns in gleicher Pose in der warmen Abendsonne erneut einen Besuch ab.







In letzter Minute kommen wir um Punkt 18:00 Uhr am Gate an. Puhh, das war knapp und ich ernte einen bösen Blick von Hannah.

Voller Wehmut grillen wir an unserem letzten Abend im Park mit den letzten drei Stücken Kohle eine deftige Boerewors, die wir zusammen mit Dosengemüse und ein paar Toasts verzehren. Dabei darf natürlich auch die afrikanische Grillsauce nicht fehlen, die Hannah so ins Herz geschlossen hat. Als Nachtisch essen wir noch zwei Eis und lauschen währenddessen auf der Terrasse den lauten Rufen des Grauen Lärmvogels (Grey go-away bird). Dieser verdankt seinen Namen dem durchdringenden, nasalen „kweh, kweh“, dass er regelmäßig von sich gibt.

Gut gesättigt begeben wir uns zum Camp-Eingang, von wo in wenigen Minuten die Nachtsafari startet. Das Pärchen, dass mit uns gebucht hat ist abgesprungen und so haben wir den Safari-Jeep und den Guide ganz für uns alleine. Ausgestattet mit riesigen Taschenlampen, übernehmen wir Derricks Job aus Elephant Plains und suchen die Finsternis links und rechts des Fahrzeugs nach Tieren ab. Aufgrund des mangelnden Lichts gebe ich das Fotografieren bald auf. Neben den großen Raubkatzen hoffen wir vor allem, ein paar der sehr seltenen nachtaktiven Secret Seven zu finden. Zu diesen zählen:
  • African wild cat (Afrikanische Wildkatze)
  • Genet (Ginsterkatze)
  • Serval (Serval)
  • Porcupine (Stachelschwein)
  • Aardvark (Erdferkel)
  • Pangolin (Schuppentier)
  • Civet (Zibetkatze)
Hannah hat es vor allem auf das kleine Schuppentier abgesehen, doch unser Guide meint, dass er in den letzten drei Jahren genau eines gesehen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass es heute klappt, geht also gegen null. Anstelle des Schuppentiers entdecken wir jedoch zwei Ginsterkatzen auf einem Baum. Sie verstecken sich, sobald man sie anleuchtet, aber unser Guide kann sie dennoch sicher identifizieren. Generell ist es gar nicht so schwer, Tiere in der Finsternis zu finden, da sich das Licht der Lampen in ihren Augen spiegelt. Die meisten Tiere werden davon gestört, sodass sie sich wie die Ginsterkatze schnell verstecken. Leoparden hingegen macht es zum Beispiel gar nichts aus angestrahlt zu werden, da sie eine zusätzliche Schicht (Tapetum lucidum) hinter der Netzhaut haben, die das Licht reflektiert.

Im weiteren Verlauf stoßen wir auf eine Hippofamilie und unser Guide erklärt uns, dass Hippos nachts das Wasser verlassen und auf Nahrungssuche gehen. Dabei sind sie besonders reizbar und gefährlich. Neben Weißschwanzmangusten, Elefanten und Nashörnern sind zwei der sehr seltenen Stachelschweine das besondere Highlight dieser Nachtsafari. Somit haben wir wenigstens zwei der Secret Seven gefunden.

Wir haben wieder einmal viel gelernt und fallen schließlich todmüde in unser weiches Bett.

Es haben sich bereits 18 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Sella (20. Juni 2017, 18:49), sunny_r (18. Juni 2017, 15:45), gatasa (13. April 2017, 00:34), Sternensilber (12. April 2017, 21:35), Quorkepf (12. April 2017, 16:36), tribal71 (6. April 2017, 14:14), ReginaR. (6. April 2017, 14:07), SilkeMa (6. April 2017, 08:09), maddy (4. April 2017, 10:17), Wicki4 (27. März 2017, 19:24), Aishak (27. März 2017, 07:27), ChristianeLu (27. März 2017, 05:06), toetske (27. März 2017, 00:57), corsa1968 (26. März 2017, 22:01), Kitty191 (26. März 2017, 21:38), Biha6 (26. März 2017, 20:50), Mick777 (26. März 2017, 20:41), Cosmopolitan (26. März 2017, 20:34)

Mick777

Erleuchteter

  • »Mick777« ist männlich

Beiträge: 502

Dabei seit: 4. November 2015

Wohnort: Oberbayern

Danksagungen: 1851

  • Nachricht senden

122

Sonntag, 26. März 2017, 20:45

Echt tolle Bilder sind euch da gelungen, perfektes Licht, perfekt in Szene gesetzte Tiere - Dankeschön!!! :thumbsup:

Mir gefällt die Gegend um BergenDal immer richtig gut - die ist so anders mit den Hügeln und auf dem Steilberg/Timfenene Loop hatten wir bisher immer gute Sichtungen.

Bist Du Dir mit der Schildkröte sicher?? Für mich ist das eine Leopard Tortoise....

Grüße und Danke nochmal für die vielen tollen Bilder, heute in 5 Wochen schlafen wir gerade in BergenDal :D

Michael

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

123

Sonntag, 26. März 2017, 20:51

Danke für die netten Zeilen Michael :)

Ja Berg-En-Dal war wirklich eine tolle Gegend und ganz viel Spaß in 5 Wochen! Ich bekomme beim durchsehen unserer Bilder auch wieder Fernweh haha

Zur Schildkröte: Nein, 100% bin ich mir nicht sicher, aber ich habe recht lange bei Google recherchiert und mir sehr viele Bilder der beiden Schildkröten angesehen. In meinen Augen ist die Maserung der Leopard Tortoise noch unregelmäßiger und passt in fast allen Fällen nicht zu unserem abgelichteten Tier. Aber vielleicht gibt es hier ja einen Schildkröten Experten, der das Tier mit Sicherheit bestimmen kann.

Beste Grüße,

Lars

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

124

Dienstag, 28. März 2017, 14:41

Tag 10: Goodbye Krüger and hello Addo

Früh morgens brechen wir unsere Zelte im Berg-En-Dal Restcamp ab, checken aus, tanken und starten unsere letzte Safari im Krüger Nationalpark. Spätestens gegen 14:00 Uhr müssen wir am O. R. International Airport in Johannesburg sein, um mit British Airways um 15:45 Uhr unseren 1 ½ stündigen Inlandsflug nach Port Elizabeth an die Küste anzutreten. Die Strecke vom Malelane Gate bis zum Flughafen wird von Google Maps mit vier Stunden angegeben, aber um auf Nummer sicher zu gehen, peilen wir an, den Park bereits gegen 9:00 Uhr zu verlassen.

Da wir die Rundtour von gestern Abend zeitlich nicht mehr geschafft haben, wollen wir sie jetzt nachholen. Wir verlassen das Camp in Richtung Norden, um erneut über den Matiulu Loop die S114 und schließlich den Timfeneni Loop (S121) zu erreichen. Dieser Plan wird jedoch nach nur zehn Minuten Fahrt von einer Rhinofamilie durchkreuzt, die sich partout nicht entscheiden kann auf welcher Seite der Straße das Gras besser schmeckt. Wir verbringen fast zehn Minuten bei den Nashörnern, machen zahlreiche Fotos und warten darauf, dass die Familie endlich weiterzieht. Doch weit gefehlt, die großen Tiere vermitteln nicht den Eindruck, dass sie sich hier alsbald wegbewegen würden. Während der Vater etwas abseits friedlich grast, raufen sich die beiden Jungtiere unter strenger mütterlicher Aufsicht mitten auf der Straße.













Da wir unter keinen Umständen zwischen den Tieren hindurchfahren wollen (immerhin sind wir hier nur Gäste und sollten die Tiere nicht stören), kehren wir letztlich nach weiteren fünf Minuten Wartezeit um und fahren eine alternative Route zum Timfeneni Loop. Diesen können wir leider nicht wirklich genießen, weil der Zeitschuh etwas drückt und wir unter keinen Umständen unsren Flug verpassen wollen. Ohne besondere Sichtungen, vermutlich auch unserem Tempo geschuldet, kommen wir am nördlichen Ende des Loops an und fahren von dort in südlicher Richtung zum Malelane Gate. Bevor wir dieses erreichen, halten wir noch ein letztes Mal auf der Brücke des Crocodile Rivers und ich sichte tatsächlich mein erstes Nilkrokodil. Es lugt nur wenige Zentimeter aus dem Wasser hervor und bis auf die bösartigen gelben Augenlider und einen kleinen Teil des gepanzerten Rückens, ist nichts zu sehen.




Ich tausche anschließend mit Hannah Kameras und während ich zwei Elefanten im Flussbett entdecke, schießt sie ein super Foto von einem Graufischer (Pied Kingfisher). Von den zehn verschiedenen Kingfisher Arten in Südafrika ist der Graufischer einer der Wenigen, der sich tatsächlich fast ausschließlich von Fisch ernährt. Die anderen Arten, inklusive des türkis-schwarzen Senegalliest (Woodland Kingfisher), präferieren Insekten als ihre Hauptnahrungsquelle.





Nachdem wir kurz vor dem Gate zwei Hyänen vor uns davon laufen sehen, werden wir wenigstens noch von einem Ellipsen-Wasserbock (Ellipsen Waterbock) und einem Breitmaulnashorn gebührend verabschiedet.





Somit gehen acht wundervolle Tage in der afrikanischen Wildnis zu Ende und mit ein bisschen Wehmut brechen Hannah und ich in die zweite Hälfte unseres Südafrika-Urlaubs auf.

Die Fahrt zum Flughafen verläuft zum Glück ohne besondere Vorkommnisse. Unser Bargeldproblem an den Toll-Gates (Kreditkartenzahlung ist nicht möglich) lösen wir frühzeitig, indem wir an einer Tankstelle noch einmal ausreichend Geld abheben. Somit kommen wir nach knapp 3 ½ Stunden Fahrt problemlos in Johannesburg am Flughafen an und geben schweren Herzens unseren geliebten Ford Focus ab. Im Restaurant „The Steak“ essen wir noch einen leckeren Burger und vertreiben uns anschließend die Wartezeit am Gate mit dem Lesen von Wikipedia-Artikeln. Dabei kommen wir zum Schluss, dass man die besten Chancen auf Geparden- und Leoparden-Sichtungen in Namibia hat. Ein weiteres Argument für mich, um Hannah zu einer Namibia, Botswana, und Zimbabwe Reise mit Allrad-Jeep und Dachzelt zu überreden. Mal abwarten, ob ich irgendwann Erfolg haben werde.

Der Flug dauert nicht lange und 1 ½ Stunden später kommen wir planmäßig um 17:30 Uhr in Port Elizabeth an. Die Mietwagenübernahme gestaltet sich leider genau gegenteilig zum Flug. Hertz hat unseren Ford Focus in Johannesburg noch nicht im System als zurückgegeben registriert, sodass wir jetzt keine Berechtigung haben, einen neuen Mietwagen zu übernehmen. Nach 20 Minuten Wartezeit und etlichen Telefonaten der Hertz-Dame bekommen wir endlich die Schlüssel für unser Fahrzeug. Verglichen mit unserem geliebten Ford ist der alte Toyota Corolla eine wahre Klapperkiste, bei der wir zu Beginn noch nicht einmal den Rückwärtsgang finden. Wir sind halt eben verwöhnt.

Wir verlassen den Flughafen, kaufen schnell noch einwenig ein (Spaghetti Bolognese) und machen uns auf den Weg zum Addo Elephant National Park, in dem wir heute übernachten werden. Unser Ziel ist das Matyholweni Rest Camp im Süden des Parks, das wir laut Navi gegen 20:00 Uhr erreichen sollen. Während der Fahrt steigt wiederholt Marihuana Geruch aus unserer Motorhaube auf. Anfangs denke ich noch, dass ich mir das einbilde, doch spätestens als Hannah mir bestätigt, dass sie es auch riecht, sind wir uns ziemlich sicher. Wir fantasieren, dass uns jemand womöglich etwas von der Droge im Motorraum platziert hat, sodass wir diese nun ohne unser Wissen nach Kapstadt, unser Ziel der Reise, schmuggeln. Wer weiß, vielleicht war es rückblickend sogar so, doch da wir in keine Polizeikontrolle gekommen sind, können wir es heute nicht sicher sagen.

Wie geplant, kommen wir letztlich im Camp an und beziehen unser traumhaftes Bungalow, dass komplett aus Holz gebaut ist. Wir haben einen großen Balkon mit integriertem Grill und können von dort über die gesamte Landschaft und den dichten Busch unter uns gucken. Fast bereuen wir es, kein neues Grillgut gekauft zu haben, aber die Spaghetti sind auch wirklich lecker. Nach dem Essen sitzen wir noch für einige Zeit auf dem Balkon im Dunkeln und genießen die Nachtluft. Plötzlich hören wir Flügel flattern und leises Zwitschern. Mindestens ein Dutzend Fledermäuse statten unserem Balkon einen Besuch ab, vermutlich angelockt von den vielen Insekten. Vereinzelt streifen sie sogar fast unser Gesicht. Hannah liebt Fledermäuse und ist somit hellauf begeistert.

Gespannt und voller Vorfreude auf die nächsten zehn Tage schlafen wir schließlich nach einem langen Reisetag ein.

Es haben sich bereits 19 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DagiWinston (12. Juli 2017, 09:45), Sella (20. Juni 2017, 18:53), sunny_r (18. Juni 2017, 15:46), Gisel (18. Juni 2017, 14:49), toetske (17. Juni 2017, 23:12), gatasa (13. April 2017, 00:39), Quorkepf (12. April 2017, 16:37), tribal71 (6. April 2017, 14:16), ReginaR. (6. April 2017, 14:11), SilkeMa (6. April 2017, 08:09), maddy (4. April 2017, 10:27), ChristianeLu (1. April 2017, 19:08), Sabine74 (29. März 2017, 11:36), Kitty191 (28. März 2017, 22:38), Bär (28. März 2017, 20:39), Biha6 (28. März 2017, 20:19), Wicki4 (28. März 2017, 20:00), Cosmopolitan (28. März 2017, 17:07), bibi2406 (28. März 2017, 16:26)

Beiträge: 1 481

Dabei seit: 10. Januar 2012

Danksagungen: 2771

  • Nachricht senden

125

Mittwoch, 29. März 2017, 09:21

Hi

Teilweise sehr coole Fotos! Zeigt einmal mehr, dass man nicht die neueste und teuerste Technik braucht, um ansprechende Fotos zu machen.

LG

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (29. März 2017, 19:52), M@rie (29. März 2017, 09:27)

Marula87

Schüler

  • »Marula87« ist weiblich

Beiträge: 19

Dabei seit: 14. März 2017

Wohnort: NRW

Danksagungen: 4

  • Nachricht senden

126

Mittwoch, 29. März 2017, 09:48

Super toller Reisebericht mit wunderschönen Fotos!
Ich freu mich schon auf die Fortsetzung! :)

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (29. März 2017, 19:52)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

127

Mittwoch, 29. März 2017, 20:03

Danke Euch für das nette Feedback :)

Da Teil 1 der Route jetzt abgeschlossen ist, poste ich hier noch einmal die Route für Teil 2, sodass man die geschilderte Strecke etwas besser nachvollziehen kann:



Und weiter geht es!

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Sella (20. Juni 2017, 18:56), sunny_r (18. Juni 2017, 15:46)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

128

Mittwoch, 29. März 2017, 20:30

Tag 11: Cheetahs hautnah

Wir lassen es heute morgen sehr ruhig angehen, stehen erst gegen 6:30 Uhr auf und frühstücken gemütlich auf unserem warmen Balkon. Dabei leisten uns zwei kleine Vögelchen Gesellschaft, die immer wieder neben unserem Tisch landen und hoffen, dass wir etwas Essbares fallen lassen.

Um 7:30 Uhr haben wir gepackt, ausgecheckt und sitzen reisefertig in unserem Toyota, bereit den Addo Elephant National Park zu erkunden. Der Park wurde 1931 zum Schutz der letzten elf Elefanten der Region gegründet und war erfolgreich. Heute leben ca. 400 Elefanten im Park. Neben vielen Huftierarten wie Steppenzebras, Kudus und Elanantilopen sind auch die restlichen Big Five im Park vertreten, seitdem 2003 Löwen angesiedelt wurden. Auch eine Ansiedlung von Geparden und Wildhunden ist für die nahe Zukunft geplant. Anders als im Krüger Park werden die Nashörner hier ausschließlich von dem seltenen Spitzmaulnashorn vertreten, das im dichten Busch des Addos perfekte Bedingungen vorfindet.

Wir sind wirklich gespannt was uns erwartet und verlassen das Camp in nördlicher Richtung. Unsere Umgebung gleicht einem Buchsbaum-Labyrinth und der Busch ist so dicht, dass man nicht einmal wenige Meter hinein sehen kann. Ich überlege mir gerade, dass es hier wohl sehr unwahrscheinlich ist, überhaupt ein Tier zu sichten, als Hannah plötzlich „Stopp!“ ruft. Sie behauptet, einen Löwenhintern im Gebüsch gesehen zu haben. Dieser ist natürlich verschwunden, als ich zurück gesetzt habe. Im Verlaufe der Fahrt frage ich mehrmals nach, ob Hannah sich den Hintern nicht vielleicht eingebildet hat, wohl wissend, wie sehr sie das ärgert. Abgesehen von dieser „Sichtung“, bekommen wir in der südlichen Hälfte des Parks leider nicht viel zu sehen. Wir fahren den Mbotyl Loop gefolgt vom Harvey‘s Loop, wo laut Sighting Map am Vortag noch Leoparden entdeckt wurden. Leider sind wir was die eleganten Raubkatzen betrifft genau wie im Krüger Park nicht erfolgreich. Erst im nördlichen Teil des Parks öffnet sich die Landschaft und wir sehen mehr Tiere. Neben einer südafrikanischen Kuhantilope (Red hartebeest) entdecken wir an einem kleinen Wasserloch eine Elefantenfamilie, die sich dort erfrischt.







Zudem sehen wir zahlreiche Vögel wie z.B. den Südlichen Fiskalwürger (Southern Fiscal) und den Kabweber (Cape Weaver). Letzteren treffen wir am Domkrag Dam gegen Ende unserer Addo Safari. Wir machen dort Pause und essen bei Temperaturen über 30 °C ein Sandwich. Hannah schafft es dabei, den kleinen Kabweber bis auf ihren Finger zu locken, wo er dankbar ein Stück Brot entgegen nimmt.







Für sich alleine genommen ist der Addo Elephant National Park sehr sehenswert, doch im direkten Vergleich zum Krüger Park verliert er in unseren Augen an Magie und wirkt zu brav. Würden wir letzteren nicht kennen, wären wir vermutlich absolut begeistert. Aber gegen die eindrucksvollen Impressionen der letzten Woche kommt der Addo mit seiner eher normalen Gras- und Baumlandschaft einfach nicht an. Wir vermissen die für uns authentische afrikanische Wildnis des Krüger Parks mit all seinen verschlungenen Bäumen, Felsen, Flüssen, Tierkadavern und vielem mehr. Um die wahre Magie des Addo Elephant Parks auf uns wirken zu lassen, müssten wir vermutlich deutlich mehr als einen Tag dort verbringen. Aufgrund des straffen Zeitrahmens von nur 21 Tagen haben wir uns auf dieser Reise dagegen entschieden.

Wir verlassen den Park am nördlich gelegenen Addo Main Camp und machen uns von dort auf den Weg zum Daniell Cheetah Breeding Project, unserer letzten Zwischenstation vor der Garden Route. Die Fahrt dauert nur eine knappe Dreiviertelstunde und gegen 12:00 Uhr kommen wir bei brütender Mittagshitze an. Die Auffangstation beherbergt neben Geparden auch eine Reihe anderer afrikanischer Spezies wie Löwen, Leoparden, Servals und Karakals. Doch in erster Linie sind wir natürlich wegen dem schnellsten Säugetier der Welt hier. Immerhin haben wir es bereits im Krüger Park eine Woche lang vergeblich gesucht. Das Projekt bietet zwei geführte Touren an. Das Highlight ist natürlich der Cheetah Walk, bei dem man zusammen mit einem Guide die eleganten Tiere bei einem Spaziergang durch den afrikanischen Busch begleitet. Leider war diese Tour für den heutigen Nachmittag bereits ausgebucht, sodass wir uns für die Predator Tour entschieden haben. Diese muss nicht im Voraus gebucht werden und die Tourzeiten sind variabel je nach Ankunft der Interessenten. Nachdem wir uns angemeldet haben, schauen wir uns im schön eingerichteten Craft Shop um und entdecken allerlei afrikanische Kunst und Souvenirs. Hannah kauft sich eine Cheetah Kappe, da sie aus mir unbekannten Gründen keine einzige Kopfbedeckung mit auf die Reise genommen hat. In Afrika scheint die Sonne zum Glück ja auch nicht häufig...

Kurz darauf werden wir von Chastie, unserem Guide, abgeholt. Sie ist ungefähr in unserem Alter und arbeitet dort ehrenamtlich als Volunteer. Mit reichlich Wasser ausgerüstet, starten wir die Tour bei einer Gruppe knuffiger Erdmännchen, die hier Zuflucht gefunden haben, nachdem sie als Haustiere ausgesetzt wurden. Chastie erklärt uns, dass Erdmännchen sehr territoriale Tiere und zur privaten Haltung ziemlich ungeeignet sind. Sie können sehr feste zubeißen und lieben es, zu graben. Einen schön angelegten Garten kann man mit Erdmännchen demnach getrost vergessen. Und auch der Putz an Wänden und die Holzdielen im Haus sind vor den kleinen Nagern nicht sicher.



Weiter geht es auf einem Hochweg, von dem wir endlich unsere ersten Geparden sehen. Es handelt sich um Zintie und Ola, die in benachbarten Gehegen im Schatten faulenzen. Chastie erzählt uns eine Menge über die eleganten Tiere und die Probleme bei der Zucht. Die Weibchen sind sehr wählerisch in Bezug auf ihren Partner, weshalb sie sich in freier Wildbahn immer wieder mit dem gleichen Männchen paaren. Dadurch ist der Genpool der Geparden sehr eingeschränkt, weswegen die Tiere sehr häufig unter genetischen Dispositionen leiden, die sich negativ auf ihre Gesundheit und Lebenserwartung auswirken. Ziel und Zweck der Zucht ist also nicht nur das bloße Vermehren der Art, sondern auch die Erhöhung der genetischen Vielfalt. Dazu leiht Daniell Cheetah regelmäßig genetisch getestete Männchen von anderen Projekten aus und führt sie in sogenannten „Love Lines“ an den Gehegen der Weibchen vorbei. Erst wenn diese Interesse zeigen, darf das auserwählte Männchen das Gehege seiner Herzdame betreten. Dazu ist es im Projekt allerdings erst einmal gekommen und selbst dann fand die eitle Gepardin das Männchen letztendlich nicht gut genug. Auf Gepardennachwuchs muss Daniell Cheetah also leider noch etwas warten.

Gefüttert werden die schnellen Jäger aufgrund gesetzlicher Bestimmungen übrigens nur mit toter Nahrung. Dies hindert sie jedoch nicht daran, Hühner und Vögel, die sich in das Gehege verirrt haben, zu erlegen. Vor allem die extrem dummen Helmperlhühner enden regelmäßig nach einem kurzen Sprint der Raubkatze auf knapp 100 km/h als frisch angerichtetes Abendessen.

Im weiteren Verlauf machen wir nun Bekanntschaft mit den restlichen Predators, die der Tour ihren Namen geben. Neben einem im schatten schlafenden Leopardenbaby sehen wir unsere ersten Servals und einige Karakals, die in ihrer Höhle kaum erkennbar schlafen. Letztere haben in der Cape-Region einen besonders schlechten Ruf, da sie zum Surplus Killing neigen. Das bedeutet, sie erlegen mehr Beutetiere, als sie für ihre Nahrungsaufnahme benötigen. In einem sehr extremen Fall erlegten zwei Karakals in einer Nacht 22 Schafe, von denen sie nur ein Bruchteil verzehrten. Trotz der unterschiedlichen Fellmusterung und den nur beim Karakal gepinselten, spitz zulaufenden Ohren werden Servals regelmäßig mit ihnen verwechselt und in einigen Fällen von wütenden Farmern abgeschossen. Zudem leiden Servals unter der höheren Geburtenrate der Karakals. Während sie in der Regel nur zwei Junge großziehen, bringen Karakals bis zu acht Jungtiere in einem Wurf zu Welt.

Das letzte Gehege des Projekts gehört den beiden Löwenbrüdern, Chuck und Norris, die genau wie die anderen Tiere versuchen, der brütenden Mittagshitze im Schatten zu entkommen. Chastie erzählt uns ihre Geschichte: Sie gehörten ursprünglich einem anderen sogenannten „Tierhilfsprojekt“, das sich an Daniell Cheetah gewandt hat, da die beiden Brüder nichts fressen wollten. Daniell Cheetah päppelte sie wieder auf, bekam aber mit der Zeit mit, dass Chuck und Norris nicht die einzigen Jungtiere sind, die ohne Mutter aufwachsen. Kurze Zeit später flog auf, dass das andere Projekt Jungtiere gezielt von ihren Müttern trennt, sodass diese schneller Nachwuchs zeugen können. Die somit große Anzahl an jungen Löwen wird früh an den Menschen gewöhnt und später ausgesetzt, um gezielt von Jagdtouristen abgeschossen zu werden. Die Löwenjagd ist in Südafrika zwar generell erlaubt, steht jedoch unter strenger Regulation. Zum einen ist es verboten, die Löwen an den Menschen zu gewöhnen, da somit ihr Fluchtinstinkt ausgeschaltet ist. Zum anderen muss das Jagdgelände groß genug sein. Beides wird leider nur in den seltensten Fällen eingehalten und kontrolliert. Infolge dieser Erkenntnis setzte Daniell Cheetah alles daran, die beiden Löwengeschwister zu kaufen und sie somit vor dem sicheren Tod durch Jagdtouristen zu retten, was letztlich auch gelang.

Während wir die Löwen noch beobachten, wird Hannah durch Zufall Zeuge, wie im Gehege nebenan ein Serval mit einem riesigen Sprung einen unachtsamen Spatz durch das Gitter fängt und ihn anschließend genüsslich verspeist. Die Sprungkraft dieser Tiere ist ähnlich beeindruckend wie die der Leoparden.

Zu letzteren erzählt uns Chastie noch eine Schauergeschichte, sodass wir tatsächlich etwas erleichtert sind, den Krüger Park verlassen zu haben. Ich habe mir schon immer gedacht, dass die Camp-Zäune im Park keine wirkliche Barriere für Leoparden darstellen und Chastie sollte diese Vermutung bestätigen. Ein besonders grausamer Vorfall ereignete sich, als sich eine ältere britische Dame abends von ihren Reisegefährten in Richtung ihres Bungalows verabschiedete und am nächsten Morgen nicht zum Frühstück erschien. Wenig später wurde ihre halb verzehrte Leiche, hängend im offenen Fenster ihres Bungalows, entdeckt. So gerne Hannah und ich im Park noch weitere Leoparden gesichtet hätten, eine Sichtung dieser Art werden wir definitiv nicht vermissen.

Wir machen uns auf den Rückweg, doch ehe die Tour endet, überrascht uns Chastie mit dem Angebot, das Gepardengehege von Zintie zu betreten und die elegante Raubkatze von Angesicht zu Angesicht zu beobachten. Wir haben extremes Glück. Zintie nähert sich uns trotz der großen Mittagshitze, sodass wir sie sogar streicheln dürfen. Hannah und ich kraulen ihr abwechselnd den Kopf und ihren Nacken. Es gefällt ihr so gut, dass sie plötzlich anfängt, meinen Arm zu lecken, was ich sonst nur von Hauskatzen kenne. Diesem wunderschönen Tier so nah zu sein, ist wahrlich einzigartig und für Hannah und mich mit Abstand das Highlight unseres Aufenthalts bei Daniell Cheetah.



Kurz darauf verlassen wir das Projekt, da wir heute immerhin noch einige Kilometer bis zu unserem nächsten Ziel zurücklegen müssen. Wir machen uns auf den Weg zum Tsitsikamma National Park und dem dort gelegenen Storms River Mouth Rest Camp, in dem wir die nächsten zwei Nächte verbringen werden. Google Maps kalkuliert die Strecke mit 2 ½ Stunden und das sollte sich auch grob als richtig erweisen. Hannah und ich freuen uns besonders auf die außergewöhnliche Küstenlandschaft der Garden Route und natürlich auf den Ozean. Daher spielen wir während der Fahrt das beliebte Spiel „wer das Meer zu erst sieht, gewinnt“. Mir ist selbstredend bereits vorher klar, dass mein Sieg sicher ist. Immerhin kenne ich meine Freundin und weiß, wie schnell sie auf längeren Fahrten im Auto einschläft. Ich muss gestehen, dass sie sich erstaunlich gut hält und mit Argusaugen für sehr lange Zeit den Horizont im Blick hat. Schließlich schläft sie dann aber doch pünktlich ca. fünf Minuten bevor wir den Ozean erreichen ein, sodass ich mir den Sieg sichern kann. In Gefahr war dieser natürlich nie.

Bei hervorragendem Wetter kommen wir gegen spätem Nachmittag am Rest Camp an. Wir checken an der Rezeption ein und fahren anschließend die steilen Serpentinen zur Küste und zu unserem Appartement herunter. Leider sind unsere Schlüssel, die eigentlich stecken sollten, unauffindbar, sodass ich erneut zur Rezeption aufbrechen muss. Nach einer gefühlten Ewigkeit und der Erkenntnis, die unfreundlichste Rezeptionsdame der Welt angetroffen zu haben, betreten wir endlich unsere Oceanette.

Der Ausblick ist gewaltig. Direkt vor unserem Balkon prallen die rauen Wellen des indischen Ozeans auf die zerklüfteten Felsen der Küste, hinter denen nach nur wenigen Metern dichter Urwald beginnt. Die frische Meeresluft, angereichert mit allerlei interessanten Gewürzdüften riecht äußerst erfrischend und lässt uns so richtig durchatmen. Die Szenerie ist absolut atemberaubend und wir saugen stillschweigend die unzähligen Eindrücke mit all unseren Sinnen auf.















Schließlich verlassen wir den Balkon, da unser Hunger langsam zunimmt. Nach einem kurzen Einkauf im Camp Shop bereiten wir uns ein improvisiertes Abendessen bestehend aus Toast, Aufschnitt, Tomaten und Spiegeleiern zu und genießen es bei bester Aussicht. Kurz darauf geht die Sonne langsam unter und versinkt im Meer.







Die gewaltige Naturkulisse ist wunderschön und verleiht diesem Moment etwas Magisches. Wir bleiben noch für einige Zeit auf dem Balkon sitzen, lauschen den Gezeiten und lassen die heutigen Erlebnisse Revue passieren. Hannah geht irgendwann ins Bett. Ich überlege erst, ihr zu folgen, überlege es mir dann aber anders und hole mein Stativ hervor. Der klare Sternenhimmel fasziniert mich bereits den gesamten Abend und so versuche ich nun in der Ruhe der Nacht, die Milchstraße mit ihren unzähligen Sternen in einem Foto festzuhalten. Nach einigen Versuchen bin ich mit meinem Ergebnis zufrieden und da die Müdigkeit mittlerweile überwiegt, folge ich Hannah ins Bett.










Ich zeige ihr noch einige der Aufnahmen und kurz darauf schlafen wir begleitet von stetigem Meeresrauschen ein.

Es haben sich bereits 17 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

DagiWinston (12. Juli 2017, 09:47), tribal71 (4. Juli 2017, 21:43), Gisel (21. Juni 2017, 20:52), Sella (20. Juni 2017, 19:01), sunny_r (18. Juni 2017, 15:46), toetske (17. Juni 2017, 23:13), gatasa (13. April 2017, 00:45), ReginaR. (6. April 2017, 14:22), SilkeMa (6. April 2017, 08:10), maddy (4. April 2017, 10:46), ChristianeLu (1. April 2017, 19:14), Wicki4 (30. März 2017, 15:12), Beate2 (30. März 2017, 11:06), Cassandra (30. März 2017, 09:02), bibi2406 (29. März 2017, 21:15), Biha6 (29. März 2017, 21:02), Aishak (29. März 2017, 20:37)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

129

Donnerstag, 30. März 2017, 18:28

Tag 12: Hiking in Storms River Mouth

Mit der aufgehenden Sonne flutet warmes Licht unser kleines Appartement durch das große Panoramafenster und mit akustischer Untermalung durch die Brandung des Ozeans wachen wir langsam auf. Der Morgen könnte nicht besser sein. Bei stahlblauem Himmel und klarer Sicht bereiten wir auf unserem Balkon in aller Ruhe das Frühstück vor.







Der heiße Kaffee und das Rührei schmecken bei dieser Aussicht noch um ein Vielfaches besser und auch wenn wir viel für heute geplant haben, lassen wir uns alle Zeit der Welt.

Gegen 8:30 Uhr brechen wir schließlich doch auf und fahren mit dem Auto zum Camp Restaurant, von wo wir unseren ersten Wanderweg des Tages, den Mouth Trail, starten. Der Wanderweg führt über die berühmte Suspension Bridge und laut unserer Karte hoch hinauf bis zu einem Lookout Point. Als wir unser Fahrzeug am Parkplatz des Restaurants verlassen, bekommen wir Besuch von unzähligen Klippschliefern (Dassies). Die kleinen Nagetiere bewohnen die gesamte Küstenregion und sehen sehr niedlich aus. Hannah hat sofort einen Narren an ihnen gefressen und nähert sich ihnen vorsichtig. Ich verfolge amüsiert, wie sie erschrocken einen Satz zurück macht, als die kleinen Nager biestig nach ihren Fingern schnappen. Handzahm sind sie also auf gar keinen Fall.

Direkt hinter dem Restaurant beginnt unscheinbar der Mouth Trail. Wir folgen dem verschlungenen Pfad durch dichten Urwald direkt der Küste entlang und sind begeistert von dem Kontrast zwischen weitem Ozean und den Lianen über uns.










Schließlich öffnet sich die Sicht und vor uns fließt der Mouth River in den Ozean. Die Flussmündung wird überbrückt durch die Suspension Bridge und sogleich suche ich den perfekten Ort, um die Brücke abzulichten. Hannah ist leicht erzürnt, als ich das „Betreten verboten!“-Schild gekonnt ignoriere und hinunter an den Fluss klettere. Dort sind jede Menge Kanus festgetaut und der Blick auf die Brücke ist phänomenal. Ich sage Hannah ja immer wieder: Um sehr gute Fotos zu schießen, muss man auch einmal die ein oder andere Regel brechen. Hannah ist natürlich nicht überzeugt.



Wir erkunden die Flussmündung einige Zeit und suchen im Anschluss den weiteren Verlauf des Mouth Trails. Immerhin sind wir neugierig auf den Lookout Point, der auf der Karte verzeichnet ist. Trotz genauster Überprüfung erkennen wir nicht, wo es weitergeht, sodass Hannah auf mich einredet und versucht, mich zum Umkehren zu überreden. Zum Glück setze ich meinen ausgeprägten Sturkopf durch und inspiziere die Umgebung ein letztes Mal. Und tatsächlich finde ich die äußerst versteckte geheime Treppe nach Kazadum, die uns genau wie Frodo und Sam auf steilen, verschlungenen Pfaden bis zum Lookout Point führt. Während der gesamten Kletterpartie versäume ich es natürlich nicht, Hannah meinen Fund mindestens einmal unter die Nase zu reiben. Die „Treppe“ hat mit Sicherheit mehr Stufen als der Kölner Dom und als wir letztlich oben ankommen, sind wir völlig außer Atem. Auf dem Gipfel treffen wir eine Gruppe Geografie-Studenten aus Bochum, die ihre Kapstadtexkursion einige Tage verlängern, um mehr von der traumhaften Landschaft der Garden Route zu sehen.





Die Aussicht entschädigt für den Aufwand des Aufstiegs mehr als genug. Wir lassen auf der Plattform für einige Zeit unsere Seelen baumeln und erfreuen uns an der sonnigen Weite der uns umgebenden Natur.

Der Abstieg geht deutlich schneller und erleichtert entfliehen wir der brütenden Hitze zurück in den schattigen Urwald. Gegen 11:30 Uhr kommen wir schließlich Schweiß gebadet am Camp Restaurant an und decken uns nebenan im Supermarkt mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ein. Die Highlights des Einkaufs sind definitiv Kudusteak, Boerewors, Smors, Buchenholz, Kohle und Grillanzünder. Der Plan für den Abend ist klar und ich will es bezüglich des verkorksten Kudosteaks aus Lower Sabie noch einmal wissen. In unserer Oceanette angekommen, erholt sich Hannah von der anstrengenden Wanderung und ich organisiere mit Hilfe unseres netten Zimmermädchens, die nebenbei unser gesamtes dreckiges Geschirr gespült hat, ein vernünftiges Grillrost für den Abend. Im Anschluss entscheiden Hannah und ich, dass wir die für den Nachmittag gebuchte Canopy Tour durch den Tsitsikamma Wald absagen, da die Zeit knapp wird. Die Tour steht für unseren nächsten Besuch definitiv auf dem Programm, da man über Seilrutschen in Schwindel erregender Höhe durch den Urwald rauscht und die Landschaft im freien Flug erkunden kann.

Es ist mittlerweile 15:00 Uhr und somit bereits fast zu spät, um den langen und anspruchsvolleren Waterfall Trail vor Beginn der Dunkelheit zu bewältigen. Der Trail ist die erste Teilstrecke des fünftägigen Otter Trails, der Königsdisziplin unter den Wanderwegen der Garden Route. Ein Jahr im Voraus muss der Otter Trail gebucht werden und bewandert wird er nur von einer Gruppe pro Tag. Die gesamte Ausrüstung wird mitgeführt, da die spartanischen Übernachtungshütten entlang der Wanderroute lediglich aus einem trockenen Boden mit Dach bestehen.

Im Vergleich zum Mouth Trail ist beim Waterfall Trail deutlich mehr Vorsicht geboten. Wir klettern in unmittelbarer Nähe zum Ozean über unterschiedlich große zerklüftete Felsen und Findlinge der rauen Küste. Einen richtigen Weg gibt es nicht und einzig die in unregelmäßigen Abständen auf Felsen aufgemalten gelben Ottertatzen weisen uns die Richtung in diesem Felslabyrinth.







Besonders nach den langen Autofahrten der letzten Wochen macht das Klettern und die körperliche Ertüchtigung wahnsinnig Spaß. Die Naturkulisse ist beeindruckend. Eingerahmt vom Urwald zu unserer Rechten und dem rauen indischen Ozean zu unserer Linken, erstreckt sich vor uns eine markante Felsküste, die kontinuierlich von tosenden Wellen bearbeitet wird. Ein ums andere Mal suchen wir nervös die gelben Wegmarkierungen und versuchen, uns nicht zu verirren. Zwei Amerikanerinnen können wir so gerade davor bewahren, komplett in die falsche Richtung zu klettern und womöglich in eine Felsspalte zu stürzen.





Nach ca. einer Stunde erreichen wir den namensgebenden im Ozean mündenden Wasserfall des Jerling Rivers. Hier endet der Waterfall Trail für alle Wanderer, die nicht den Otter Trail begehen. Wir rasten einige Zeit auf einem der großen Felsen, erkunden die Umgebung und genießen die atemberaubende Kulisse des Wasserfalls und des Ozeans.














Der Rückweg ist nicht minder anspruchsvoll, vor allem weil sich langsam die Dämmerung über das Land legt. Plötzlich kommt uns eine größere Gruppe junger Wanderer in unserem Alter entgegen. Da sie mit Schlafsäcken, Geschirr und riesigen Rucksäcken ausgerüstet sind, ist klar, dass dies die heutige Otter Trail Gruppe ist. Wir beschreiben ihnen kurz, wie lange es noch bis zum Wasserfall dauert und wünschen ihnen viel Spaß und Erfolg bei ihrer fünftägigen Tour. Hannah und ich sind uns einig, dass wir den Otter Trail bei unserem nächsten Südafrikaaufenthalt auf jeden Fall auch bewältigen wollen.



Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir schließlich im Camp und in unserer Oceanette an. Bei warmer Abendstimmung bereiten wir schnell den Grill auf unserem Balkon vor und begeben uns im Anschluss nach unten an das Wasser. Dort habe ich am Vorabend einen riesigen, mindestens 10 m hohen Felsen entdeckt, den ich heute unbedingt erklimmen möchte, um von dort den Sonnenuntergang zu verfolgen. Hannah hält das selbstverständlich für eine absolut bescheuerte Idee, die uns erstens in Lebensgefahr bringt und zweitens im Eiltempo aus dem Park befördert, falls wir erwischt werden. Zum Glück schaffe ich es erneut, meinen schlechten Einfluss geltend zu machen und sie zur Missetat zu überreden. Wir erklimmen den Felsen erstaunlich leicht und sitzen nur wenige Minuten später als die Könige des Ozeans hoch über dem wilden Meer und schauen der glutroten Sonne ins Gesicht.







Der Moment ist wahrlich erhaben und wird noch besser, als ich aus meinem Rucksack ein eisgekühltes Heineken und etwas Impala-Biltong hervor hole. Trotz der teilweise besorgniserregend hoch spritzenden Gischt, lacht Hannah über beide Wangen und genießt den Augenblick genauso wie ich; umso mehr nachdem sie im Wasser eine Robbe entdeckt. Aus heutiger Sicht ist dies der mit Abstand schönste Sonnenuntergang, den ich bis dato erleben durfte.







Der Abstieg gestaltet sich viel leichter als erwartet und alsbald sitzen wir vor unserem glühend heißen Grill, den wir Dank des Buchenholzes in ein kleines Lagerfeuer verwandelt haben.




Unter der offenen Flamme grillen wir unser südafrikanisches Wild und nach eingehender Internetrecherche glückt mir das Kudusteak tatsächlich auf den Punkt. Der Trick ist, es nur ganz kurz und heiß anzubraten und nicht sehr lange zu garen. Langsam erstrahlt der klare Sternenhimmel über uns und der heiße Tag wird zu einer lauen Sommernacht.




Der Grill knistert und während wir unser fabelhaftes Abendessens verzehren, werden wir Zeuge eines äußerst seltenen Naturereignisses: Meeresleuchten. Dabei steigt aus bisher ungeklärten Gründen die Konzentration an biolumineszierendem Plankton lokal so stark an, dass das unter Druck entstehende Leuchten der Mikroorganismen für das menschliche Auge sichtbar wird. Bricht eine Welle, erstrahlt die Gischt für wenige Sekunden in intensivem blau und das Meer leuchtet im wahrsten Sinne des Wortes.







Zuerst sind wir ratlos und verdächtigen den Mond in Bezug auf das Schauspiel, doch eine kurze Googlerecherche schafft Klarheit. Hannah überredet mich, meine Kamera inklusive Stativ aufzubauen und bis spät in die Nacht versuchen wir mit verschiedenen Einstellungen, das Schauspiel auf einem Foto zu bannen. Hannah ist kurzzeitig am Boden zerstört, als ich aus Versehen ihr bisher bestes Bild lösche. Ich bin untröstlich und freue mich daher umso mehr für sie, als wir wenig später noch viel schönere Fotos schießen. Zu bereits fortgeschrittener Zeit wird das Leuchten immer schwächer, sodass wir nun ins Bett gehen und dort noch einige Zeit die Fotos zusammen bearbeiten. Schließlich geht ein erneut wunderschöner Tag zu Ende und arm in arm entschwinden wir langsam in das Reich der Träume.

Es haben sich bereits 20 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

cameleon (28. September 2017, 13:42), Sella (20. Juni 2017, 19:04), sunny_r (18. Juni 2017, 15:47), toetske (17. Juni 2017, 23:14), maddy (16. Juni 2017, 17:56), gatasa (13. April 2017, 00:52), Beate2 (8. April 2017, 13:50), tribal71 (6. April 2017, 14:54), ReginaR. (6. April 2017, 14:28), SilkeMa (6. April 2017, 08:10), anniroc (5. April 2017, 22:59), ChristianeLu (1. April 2017, 19:20), Petra2 (1. April 2017, 13:09), Cassandra (31. März 2017, 15:13), Biha6 (30. März 2017, 21:24), Aishak (30. März 2017, 20:44), Wicki4 (30. März 2017, 19:51), Kitty191 (30. März 2017, 19:35), Cosmopolitan (30. März 2017, 19:05), corsa1968 (30. März 2017, 18:57)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

130

Mittwoch, 5. April 2017, 22:33

Tag 13: Natures Valley & Robberg Nature Reserve

Ausnahmsweise stehen wir heute erst später auf. Im Vergleich zu gestern ist das Wetter leider bescheiden, der Himmel ist bewölkt und es regnet, sodass wir drinnen im Trockenen frühstücken. In Anbetracht unseres Tagesplans sind wir froh, dass uns das schlechte Wetter heute und nicht gestern trifft. Gegen 9:30 Uhr haben wir unser Auto gepackt und verlassen das Storms River Mouth Rest Camp in Richtung des sehr wohlhabenden Plettenberg Bay und dem Anchorage Guest House, unserem heutigen Übernachtungsdomizil. Wir wären beide gerne noch länger in der traumhaften Wildnis des Tsitsikamma National Parks geblieben, doch die Zeit kennt kein Erbarmen und wir setzen unsere Reise fort. Wir folgen der N2 gen Westen und biegen nach knapp 20 km auf die Passstraße R102 ab, um einen einkalkulierten Umweg über das sehr sehenswerte Natures Valley zu fahren. Nach nur wenigen Metern sehen wir ernüchtert, dass der Pass als gesperrt ausgewiesen wird. Zum Glück bin ich durch meine Recherche im Südafrikaforum vorbereitet. Dort erklärten mehrere Forumsnutzer, dass die Straße trotz solcher Beschilderung befahrbar sei und sie keinen sichtbaren Grund für eine Sperrung ausmachen konnten. Ohne dieses Wissen wären wir vermutlich umgekehrt, doch so sind wir eingeweiht und fahren trotz „Betreten verboten!“-Schild weiter.

Tatsächlich befahren wir den Pass ohne Probleme, verpassen jedoch leider einen mir im Forum beschriebenen Viewpoint mit hervorragendem Blick auf Natures Valley und die Lagune, den wir selbst nach einigem Suchen nicht finden können. Die raue, wilde und unberührte Landschaft der Garden Route fasziniert mich dennoch und kurze Zeit später erreichen wir das kleine beschauliche Örtchen. Fernab von einer größeren Stadt liegt es eingebettet im Garden Route National Park zu den Füßen der Tsitsikamma Mountains.

Wir verlassen unser Fahrzeug, trotzen dem Wind und spazieren entlang der Lagune bis zum mehrere Kilometer langen, weißen Sandstrand. Aufgrund des nicht sonderlich einladenden Wetters strecken wir nur kurz die Zehen ins Wasser und verkriechen uns schnell wieder in unser Auto. Die Weiterfahrt nach Plettenberg Bay verläuft unkompliziert und um 12:00 Uhr erreichen wir das Anchorage Guest House. Willie, unser Gastgeber, ist nicht da (er besucht seine kranke Frau im Krankenhaus), aber seine Haushälterin heißt uns herzlich mit einer Tasse Tee und heißem Kaffee willkommen und nach einer kurzen Wartezeit beziehen wir unser sehr komfortables Zimmer. Da das Wetter plötzlich aufklart, entscheiden wir spontan, zum Strand zu fahren. Der Whale Rock Beach erstreckt sich über knapp fünf Kilometer vom Zentrum Plettenberg Bays bis zum Beginn des Robberg Nature Reserves, welches wir am Nachmittag erkunden werden. Wir sammeln Muscheln und während Hannah sich sonnt, laufe ich eine kleine Runde entlang des Wassers und kühle mich anschließend im eiskalten Ozean ab. Hannah kann ich hierzu natürlich nicht überreden. Sie ist eben eine ausgewiesene Frostbeule.

Als uns nach ca. zwei Stunden zu kalt wird, ziehen wir uns warm an und fahren zum Robberg Nature Reserve, einer zerklüfteten Halbinsel südlich von Plettenberg Bay, die unberührte Natur und beeindruckende Küstenlandschaft bietet. Ich fühle mich einwenig an Storms River Mouth und den Waterfall Trail erinnert, doch ganz so abenteuerlich ist unser Wanderweg hier dann doch nicht. Wir entscheiden uns für den mittleren 5,5 km langen Witsand Trail und sind erneut begeistert von der rauen Landschaft. Der einzige störende Faktor sind die unzähligen Ameisen, die scheinbar den gesamten Boden bevölkern und zu allem Überfluss auch noch beißen. Hannah ist reichlich bedient. Entschädigt werden wir aber durch einen Blick in die Tiefe auf unzählige Robben, die der Halbinsel ihren Namen geben.







Noch grandioser ist wenige Kilometer später die Sicht auf „The Island“, die nur durch flachen Strand mit der Robberg Halbinsel verbunden ist.







Hannah schafft es kaum, mich drei Meter am Stück vorwärts zu bewegen, da es so viele Fotomotive gibt. Vor allem die bedrohliche Wolkenstimmung bei untergehender Sonne bewirkt, dass Hannah immer ungehaltener wird, sodass ich mich letztlich ziemlich sputen muss, sie nicht zu verlieren.










Erstaunlicherweise vergisst sie die Kälte und den Wind, als sie wenig später Delfine im Meer entdeckt und mit Sicherheit knapp 100 Fotos von ihnen schießt. Wer muss jetzt auf wen warten? Die Delfine schwimmen leider so weit entfernt, dass sie trotz maximaler Brennweite nur winzig auf den Bildern zu sehen sind. Ich mobbe Hannah einwenig, doch auf einem der Fotos sind sie in meinen Augen wirklich ganz gut zu erkennen.










Wieder im warmen Auto recherchieren wir ein tolles Restaurant für den Abend. Wir reservieren im „Nguni“ einen Tisch, nachdem wir die hervorragenden Bewertungen über das traumhafte Essen und Ambiente gelesen haben. Unsere hohen Erwartungen werden nicht enttäuscht. Für umgerechnet weniger als 25 € pro Person werden wir mit einem Drei-Gänge-Menü inklusive einer Flasche Rotwein (375 ml Cabernet Sauvignon von Waterfort) verwöhnt. Hannah bestellt sich „Bobotie Samoosa“ (mit Hackfleisch und Rosinen gefüllte Blätterteigpyramiden) als Vorspeise und ist mehr als zufrieden. Mein gemischter Vorspeisenteller mit pikanter Salami, Springbockcarpaccio und vielem mehr steht dem in Nichts nach. Als Hauptgang wird uns saftiges Straußen- (Ostrich) Filet serviert, dass uns ein wenig an Rinderfilet erinnert und mindestens ebenso zart und geschmacksintensiv ist. Wir runden unser Menü am Ende mit einem heißen Schokoladenbrownie begleitet von Vanilleeis ab und sind rundum glücklich und satt. So hochwertig und günstig kann man vermutlich nur in Südafrika speisen. In Deutschland wären solche Preise auf alle Fälle undenkbar.

Gegen 21:00 Uhr kommen wir in unserem Guest House an. Während Hannah sehr müde ins Bett fällt, lädt mich Willie noch auf ein Bier im gemütlichen Wohnzimmer ein und ich erzähle ihm von unserer Reise. Seine Gastfreundschaft begeistert mich und wir unterhalten uns noch bis spät in die Nacht. Schließlich verabschiede ich mich ins Bett, da die Müdigkeit langsam überwiegt und ich genau wie Hannah fit für unsere nächste Etappe nach Wilderness sein möchte.

Es haben sich bereits 20 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

Gisel (21. Juni 2017, 20:58), Sella (20. Juni 2017, 19:06), sunny_r (18. Juni 2017, 15:47), toetske (17. Juni 2017, 23:16), maddy (16. Juni 2017, 18:03), Kitty191 (23. Mai 2017, 21:09), gatasa (13. April 2017, 00:57), Biha6 (12. April 2017, 21:44), ChristianeLu (10. April 2017, 00:26), Fop (9. April 2017, 12:33), Beate2 (8. April 2017, 13:52), Wicki4 (6. April 2017, 19:42), tribal71 (6. April 2017, 14:58), ReginaR. (6. April 2017, 14:35), Aishak (6. April 2017, 11:21), Cosmopolitan (6. April 2017, 09:54), Marchese (6. April 2017, 08:21), SilkeMa (6. April 2017, 08:10), Bär (6. April 2017, 07:35), corsa1968 (5. April 2017, 23:22)

Beiträge: 1 481

Dabei seit: 10. Januar 2012

Danksagungen: 2771

  • Nachricht senden

131

Mittwoch, 5. April 2017, 22:56

tolle Landschaftsaufnahmen! Du hast einen super Sinn für Bildkompositionen, findest immer einen interessanten Vordergrund, um mehr Spannung in die Bilder zu bringen. Fotografierst Du auch zuhause oft?

LG

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (19. Juni 2017, 10:45)

Ria2005

Gabelracke

Beiträge: 41

Dabei seit: 27. März 2015

Wohnort: NRW

Danksagungen: 63

  • Nachricht senden

132

Mittwoch, 12. April 2017, 15:36

Hallo Lars,

vielen Dank für den tollen Bericht und die schönen Bilder! :danke:
Ich bin schon ganz gespannt, wie es weiter geht... :whistling:
Besonders interessiert mich das Franskraal B&B, da wir überlegen, im Mai dort zu übernachten. Es wäre natürlich super, wenn ich bis dahin dazu noch etwas von Dir lesen könnte.... :P

Viele Grüße
Ria
Viele Grüße

Ria

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (19. Juni 2017, 10:45)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

133

Freitag, 16. Juni 2017, 15:16

Es geht weiter

So, nach zwei Monaten Pause geht es heute weiter mit dem Reisebericht. Ich kann leider nicht versprechen, dass ich es schaffe, den Bericht jetzt an einem Stück fertig zu bringen, aber ich gebe mein Bestes.

Ich hoffe ihr habt unsere Reise noch halbwegs in Erinnerung und nicht bereits alles wieder vergessen haha.

Ansonsten könnt ihr ja noch einmal die älteren Beiträge lesen :)

Also dann, weiter geht es...

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

134

Freitag, 16. Juni 2017, 15:22

Tag 14: Traumstrand in Wilderness

Wir starten ganz gemütlich in den Tag und werden von Willie mit einem ausgefallenen und vielseitigen Frühstück verwöhnt. Er serviert uns frische, selbst gebackene Muffins, die wir am Vorabend bereits gerochen haben und wir unterhalten uns mit einem anderen Pärchen, das fast die gleiche Route wie wir fährt. Sie haben uns schon im Natures Valley gesehen und auch im weiteren Streckenverlauf werden wir ihnen noch zwei Mal begegnen. Wir tauschen uns mit ihnen und Willie über unsere Route aus und fahren gut gestärkt um 10:00 Uhr los. Nach ca. einer Stunde erreichen wir Knysna und machen eine kurze Rast bei „The Heads“, von wo wir die gesamte Lagune überblicken können. Auf einem kleinen Markt ersteht Hannah zwei afrikanische Holzschalen und trotz meiner Verhandlungskünste haben wir den Eindruck, viel zu viel gezahlt zu haben. Viel zu viel ist für deutsche Verhältnisse natürlich noch immer sehr günstig, sodass wir uns nicht weiter ärgern; auch nicht, als wir später in Kapstadt ähnliche Schalen für den halben Preis sehen.

Unser Aufenthalt in Knysna ist nur kurz und hinter der Stadt biegen wir rechts auf die alte Seven Passes Road (Rheenendal Rd.) ab, die zu früherer Zeit die einzige Verbindung zwischen Knysna und Wilderness darstellte. Heute verbindet die große N2 die beiden Städte auf direktem Wege, doch wir wählen selbstverständlich die historische, verschlungene und landschaftlich viel spannendere Passstraße. Wie der Name vermuten lässt, überqueren wir auf unserem Weg nach Wilderness sieben Pässe und die serpentinenartige enge Straße sorgt für riesigen Fahrspaß, sodass Hannah und ich uns mehrmals hinter dem Steuer abwechseln.

Es ist mittlerweile 13:30 Uhr, wir befahren noch immer die Seven Passes Road und bekommen langsam etwas Hunger. Passend sehen wir zu unserer Linken ziemlich versteckt eine Einfahrt mit einem bunten Schild, dass zweifelsfrei Kaffee verspricht. Spontan entscheiden wir uns für eine Pause und versuchen unser Glück in diesem urigen Idyll. Das Café stellt sich als African Experience Bush Café vor und ist sehr farbenfroh und extravagant eingerichtet.




Wir sind die einzigen Gäste und ehe wir überhaupt jemanden finden, werden wir stürmisch von zwei niedlichen Shepards begrüßt, die uns bis zur Abreise nicht mehr von der Seite weichen. Sie möchten die ganze Zeit gekuschelt werden und freuen sich riesig, als wir ihnen eine Frisbee werfen. In der Zwischenzeit entdeckt uns auch der Besitzer und heißt uns herzlich willkommen. Wir bestellen ein Kännchen Kaffee und zwei Schinken-Käse Sandwichs garniert mit Tomaten. Beides wird in einem rustikalen Wohnwagen zubereitet, der genau wie der Rest des Cafés künstlerisch verziert und liebevoll dekoriert ist.




Der heiße kräftige Kaffee und das herzhafte Sandwich versorgen uns mit neuer Energie und nach einer herzzerreißenden Verabschiedung von den beiden Hunden begeben wir uns gestärkt wieder auf den Asphalt.

Die Weiterfahrt nach Wilderness und zur „The Dune Guest Lodge“ verläuft sehr entspannt und um 14:30 Uhr erreichen wir unser heutiges Übernachtungsziel. Die Lodge wurde uns einmal mehr hier im Forum empfohlen und ist der absolute Traum. Wilna, die Lodge-Managerin, begrüßt uns und zeigt uns sogleich unser wunderschönes Zimmer. Wir haben den sehr elegant eingerichteten, mit Muscheln und vielen anderen Meeresgegenständen verzierten Oceans Room mit direktem Blick aufs Meer gebucht.




Begeistert stellen wir fest, dass von unserer mit Liegestühlen versehenen Terrasse nur 66 Treppenstufen hinunter an den Strand führen. Trotz dem rauen Wind ziehen wir uns um und gehen mit Handtüchern ausgerüstet sofort runter zu den Wellen. Über mehrere Kilometer erstreckt sich weißer feiner Sandstrand entlang der Küste. Wir suchen uns ein windgeschütztes Plätzchen zwischen zwei Dünen und genießen die wärmende Mittagssonne. Befeuert durch den Wind türmen sich die Wellen immer höher auf, sodass sie teilweise sogar den Horizont verdecken. Die starke Brandung und der extrem langsam abfallende Strand versprechen einen riesen Spaß im Wasser und nach einiger Überzeugungsarbeit schaffe ich es, Hannah zum Baden zu überreden. Langsam tasten wir uns vor und je tiefer wir ins Wasser waten desto schwieriger wird es den kräftigen Wellen zu widerstehen. Plötzlich türmt sich vor uns ein besonders großer Brecher auf, der mit lautem Getöse über unseren Köpfen zusammen bricht und uns wahrlich von den Socken haut. Die Welle trägt uns zurück bis zum Strand, wo wir lachend und pitschnass auf unserem Allerwertesten zum Sitzen kommen. Wieder im Trockenen und eingewickelt in warme Handtücher beobachten wir einen Hundebesitzer und seine zwei Hunde, die auch einen Heidenspaß im Wasser haben.

Nachdem sich der Himmel etwas zuzieht, erklimmen wir die 66 Stufen zurück zur Lodge und machen uns reisefertig. Wilna reserviert uns in dem von ihr empfohlenen Restaurant „The Girl‘s“ für 19:30 Uhr einen Tisch. Die Zeit bis dahin nutzen wir, um zwei sehr schönen Viewpoints in Wilderness einen Besuch abzustatten.

Als Erstes fahren wir zur sogenannten Map of Africa. Der Viewpoint bietet in nördlicher Richtung eine hervorragende Aussicht auf das Kaaimans River Valley und die dahinter liegenden Outeniqua-Berge. Tatsächlich sieht es so aus, als stünde man am südlichen Ende des afrikanischen Kontinents, da der Flussverlauf des Kaaimans River genau diese Form in die Landschaft gefräst hat.




Auf der anderen Seite des Viewpoints befindet sich eine große steil abfallende Wiese, die als Paragliding-Startpunkt genutzt wird und von der man weite Teile der Stadt und des Wilderness-Strands überblicken kann.





Als Zweites fahren wir zum Dolphin‘s View Point, von dem wir einen tollen Blick auf die alte Eisenbahnbrücke des Outeniqua Choo-Tjoe-Trains erhalten, der direkt an der Küste die Flussmündung des Kaaimans Rivers überquert. Leider wurde der Fahrbetrieb des Zuges im Jahr 2006 aufgrund von Flutschäden eingestellt, sodass heute nur noch Schienen an die alte Dampflock erinnern.



Die Sonne versinkt mittlerweile langsam hinter den Bergen und bei Hannah gewinnt die Kälte und der Hunger überhand, sodass wir schleunigst aufbrechen. „The Girl‘s“ ist ein wahres Restaurant-Highlight. Es ist mit kunstvollen Acrylgemälden der wilden Tiere Afrikas dekoriert und Hannah ist sofort verliebt. Die Bilder sehen wirklich prächtig aus und kurzerhand fotografiere ich die meisten von ihnen ab, sodass Hannah für zuhause eine Vorlage zum Nachmalen hat. Das Essen steht der liebevollen Einrichtung in Nichts nach und ist qualitativ sogar noch einmal eine Steigerung zum Nguni. Dieses Mal bestellt Hannah einen gemischten Vorspeisenteller mit allerlei ausgefallenen Kleinigkeiten wie Feta gefüllten Peppersweets, Oliven, Soßen, Carpaccio und einem schwarzen Pilz mit Blauschimmelkäse. Letzteren reicht sie aufgrund ihrer Vorliebe für Schimmelkäse dankbar an mich weiter. Zusätzlich wähle ich in Feta und Bacon eingewickelte und in Knoblauch eingelegte Schnecken, die absolut köstlich schmecken. Hannah probiert zwar, aber trotz des exquisiten Geschmacks kann sie sich nicht von der Vorstellung trennen, gerade Schnecken zu verzehren. Umso besser, mehr für mich! Als Hauptgang wird uns jeweils ein Dreierlei an Kudu-, Wildebeest- und Straußenfilet serviert, das ebenfalls super lecker ist.

Glücklich und satt fahren wir zurück nach „The Dune“ und lassen den Abend entspannt in unserem luxuriösen Appartement ausklingen. Hannah schreibt weiter an ihrem Tagebuch und ich widme mich einmal mehr unseren Unmengen an Fotos.

Es haben sich bereits 20 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

cameleon (28. September 2017, 13:57), Sääändy (14. September 2017, 20:41), strego (30. August 2017, 13:36), Biha6 (22. Juni 2017, 20:17), Gisel (21. Juni 2017, 21:07), Sella (20. Juni 2017, 19:07), ReginaR. (19. Juni 2017, 07:46), sunny_r (18. Juni 2017, 15:48), Cassandra (18. Juni 2017, 09:51), toetske (17. Juni 2017, 23:17), Wicki4 (17. Juni 2017, 19:42), hawaiki (17. Juni 2017, 08:28), ChristianeLu (17. Juni 2017, 07:20), Bär (17. Juni 2017, 00:25), gatasa (17. Juni 2017, 00:01), Mick777 (16. Juni 2017, 20:32), Cosmopolitan (16. Juni 2017, 18:51), maddy (16. Juni 2017, 18:13), kOa_Master (16. Juni 2017, 16:55), Kitty191 (16. Juni 2017, 16:09)

Bär

Vollkommen Ahnungsloser

  • »Bär« ist männlich

Beiträge: 9 493

Dabei seit: 10. März 2008

Wohnort: Deutschland

Danksagungen: 12629

  • Nachricht senden

135

Samstag, 17. Juni 2017, 00:25

Schön, dass Du wieder schreibst... :thumbup:
Tolle Fotos. :danke:
.
*** Wer nicht klettern kann, sollte sein Geld nicht einem Affen anvertrauen. (aus Afrika) ***

Es haben sich bereits 2 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (18. Juni 2017, 15:07), toetske (17. Juni 2017, 23:20)

toetske

oorbietjie

Beiträge: 2 649

Danksagungen: 3459

  • Nachricht senden

136

Samstag, 17. Juni 2017, 23:26

Hi Lars,

Schon länger hatte ich heimlich gehofft, dass Du noch weiter berichtest. Deshalb :danke: 8o - vor allem auch weil Du mich/uns immer wieder mit super Bilder erfreust.

Wir wollten im Februar auch wieder die Seven Passes Road fahren, allerdings von George aus. Ein paar Mal haben wir uns verfahren bis jemand bei einer Engen Tankstelle uns genau erklärte wohin es geht.

Am African Experience Bush Café sind wir wohl leider ungemerkt vorbeigefahren, aber es ist auf jeden Fall notiert fürs nächste Mal. Ich liiiebe solche Orte :wine:

Dass ich mich auf die Fortsetzung freue, brauche ich bestimmt nicht extra zu erwähnen :whistling:

VG. Toetske

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (18. Juni 2017, 15:07)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

137

Sonntag, 18. Juni 2017, 15:06

Lieben Dank für das positive Feedback :)

Weiter geht es...

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

toetske (20. Juni 2017, 20:59)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

138

Sonntag, 18. Juni 2017, 15:13

Tag 15: Cango Caves & Mordor

Wir lassen uns mit unserer Abreise bis 11:00 Uhr Zeit, da heute nichts außer den Cango Caves und dem Swartberg Pass auf dem Programm steht. Zunächst einmal erwartet uns jedoch ein herrliches Frühstück mit fantastischem Blick auf das offene Meer. Neben heißem Kaffee und herzhaften Omeletts wird uns ein riesiger Obstteller gereicht, den wir selbst gemeinsam nicht aufessen können. Hannah schwebt zurecht im siebten Himmel und wir sind beide hin und weg. Nach so einem Frühstück lässt es sich besonders gut in den Tag starten. Bevor wir uns wehmütig verabschieden und auf den Weg machen, verbringen wir noch zwei erholsame Stunden am Strand und auf den Liegestühlen unserer eigenen Terrasse.



Schließlich starten wir gen Norden, verlassen die Küste und fahren über den verschlungenen, traditionsreichen und sehr anspruchsvollen Montague Pass durch die kleine Karoo bis nach Oudtshoorn. Die Strecke ist knapp 100 km lang und die flache Landschaft der kleinen Karoo, geprägt von Straußenfarmen, erinnert mich an die Weite des amerikanischen Westens. Am Horizont sehen wir die massiven Swartberge, die die kleine von der großen Karoo trennen. Gegen Mittag kommen wir in Oudtshoorn an und essen nach längerer Suche auf der Terrasse des Jemima‘s Restaurants zu Mittag. Als selbsternannter Burgerexperte bestelle ich den Straußenburger und bin äußerst angetan von dem saftigen Fleisch und den intensiven Gewürzen. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, ist Hannah mit ihrem Bobotie auch sehr zufrieden. Gestört wird unser Mittagessen einzig durch eine Gruppe Jugendlicher, die wir nicht davon abhalten können, unser Auto zu „bewachen“ und später auch zu waschen. Als Gegenleistung erhoffen sie sich natürlich eine monetäre Entlohnung. Etwas mulmig lassen wir während des Essens unser Fahrzeug nicht aus den Augen, geben uns am Ende aber geschlagen und zahlen der Gruppe ein kleines Trinkgeld. Immerhin haben sie unser Auto tatsächlich gewaschen.

Die Cango Caves liegen 30 km nördlich von Oudtshoorn, den Swartbergen direkt zu Füßen. Dort haben wir bereits am Vormittag eine sogenannte Adventure Tour durch die beeindruckenden Tropfsteinhöhlen gebucht. Aufgrund der Verzögerung während unserer Restaurantsuche verlegen wir die Tour eine Stunde nach hinten, was zum Glück problemlos möglich ist. Durch die Umbuchung haben wir vor Ort genug Zeit, den Eingangsbereich genau zu erkunden. Hannah entdeckt eine Kletterwand, die sie zuerst für einen Kinderspielplatz hält. Bei genauerem Hingucken entpuppt sich diese als reale Nachbildung von Höhlenöffnungen, durch die selbst Kinder kaum passen. Ratet mal was gleich bei unser Adventure Tour auf dem Programm steht... Richtig, aber Hannah schöpft momentan immerhin noch keinen Verdacht.




Um 15:30 Uhr werden wir von unserem Guide mit einer hohen Fistelstimme begrüßt und denken belustigt, dass wir das keine ganze Stunde aushalten werden. Der Kerl erscheint wie aus einer Komödie geklaut, redet ununterbrochen und vergibt so gleich Spitznamen für den Großteil unserer Gruppe. Erstaunlicherweise dauert es nicht lange und wir schließen ihn in unser Herz, da er für gute Laune und eine ausgelassene Stimmung sorgt. Wir starten die Tour in den großen weiträumigen Bereichen der Cango Caves und machen die erste Rast in der riesigen Van Zyl’s Halle, die von warmem Licht angestrahlt eine ganz besondere Atmosphäre kreiert. Früher wurden in der 90 m weiten, 50 m breiten und 18 m hohen Höhle Konzerte veranstaltet und die Akustik muss beeindruckend gewesen sein.







„Miss Kentucky“ und „Miss North-Carolaaaaina“ haben das Pech, direkt neben unserem Guide zu stehen und den Unterschied zwischen Stalagmiten und Stalaktiten zu erklären. Nachdem sie falsch raten, hilft er ihnen und wir erfahren: „Stalagmites might reach the top“, wachsen also vom Boden aus in die Höhe. Über eine Hühnerleiter geht es im Anschluss steil nach oben in einen extrem schmalen Gang und ab hier beginnt die eigentliche Adventure Tour. Hannah bekommt ein mulmiges Gefühl, da ihr langsam dämmert, dass die Nachbildungen in der Eingangshalle die tatsächliche Höhlenbreite an einigen Stellen demonstrieren. Wir können zu Beginn zwar noch stehen, doch müssen wir unseren Bauch ordentlich einziehen, um nicht seitlich die Felswände zu berühren. Der Gang wird nun immer flacher, sodass wir uns bald auf allen Vieren stückweise durch den engen Tunnel pressen. Platzangst darf man hier definitiv nicht haben, da man aufgrund der anderen Tourteilnehmer weder vor noch zurück kann. Am Ausgang endlich angekommen, eröffnet uns der Guide, dass dies der Tunnel of Love sei, indem eine etwas fülligere Frau vor ein paar Jahren stecken blieb und über 12 Stunden festsaß. Na dann Prost Mahlzeit.



Doch es wird noch schlimmer. Als Nächstes erwartet uns „die Chimney“, die einem äußerst engen Kaminschacht ähnelt und deren Eingang kleiner als die Hundehütte von Hannahs Schäferhund ist. Hannah ist kurz davor umzukehren und ich bekomme ebenfalls ein mulmiges Gefühl im Bauch. Wir überwinden uns dann doch und müssen uns genau an die Anweisungen unseres Guides halten, um durch den engen Schacht nach oben zu klettern. Dabei muss jeder einzelne Tritt und Griff passen, um nicht stecken zu bleiben. Netterweise können wir dem Guide vorher unsere Kameras überreichen. Hannah und ich können uns kaum vorstellen, wie verrückt die Entdecker vor 200 Jahren waren, um freiwillig und nur mit einer Kerze ausgestattet dieses Höhlensystem zu erkunden.

Das letzte Hindernis, „die Letterbox“ (Briefkastenschlitz), lässt einen zunächst erneut auf allen vieren vorwärts kriechen, nur damit man später auf dem Rücken liegend durch einen 60 cm dünnen „Briefkastenschlitz“ nach draußen rutschen kann. Hannah und ich bleiben dank unserer Bauchtaschen fast stecken und sind heilfroh, als wir die Hürde überwunden haben. Als mir unser Guide meine Kamera wiedergibt, erlaube ich mir spontan einen sehr gemeinen Scherz. Seit dem Krüger Park leidet meine Nikon D5100 bereits an einem gesplitterten Display und als ich die Kamera zurück erhalte, zeige ich ihm ganz entsetzt das kaputte Display. Dem armen Mann entgleiten die Gesichtszüge, doch ich decke den Schwindel sofort auf und somit entgeht er so gerade einem Herzinfarkt. Im Anschluss lachen wir alle ausgiebig und Hannah kann nur ihren Kopf schütteln, als wir dreckig die Cango Caves verlassen. Die Tour war wirklich ein herausragendes Erlebnis und wäre so aufgrund von Sicherheitsbedenken vermutlich nie in Deutschland erlaubt worden.

Die weitere Strecke zu unserer Unterkunft, Bushman Valley, führt uns über den berühmten Swartberg Pass. Wie der Name es vermuten lässt, prägen schwarzer Boden und verbrannt aussehende Pflanzen das karge Gebirge. Die trostlose Landschaft erinnert uns stark an Mordor aus der Herr der Ringe und es ist faszinierend, wie die schwarzen Gipfel im dichten geheimnisvollen Nebel verschwinden. Verfolgt von der glutroten Sonne am Horizont, fühlen wir uns wie Frodo und Sam, die den mystischen Schicksalsberg erklimmen, um den Ring der Macht zu vernichten.
















Die Strecke ist äußerst anspruchsvoll und ohne Leitplanken fahren wir im Schneckentempo immer höher. Dabei kommen wir wegen unzähliger Fotostopps kaum von der Stelle und erreichen die unwirkliche Mondlandschaft des Gipfels erst im Dämmerlicht.







Im Dunklen kommen wir letztlich im Bushman Valley an, fahren aber direkt weiter nach Prince Albert, da wir keine Verpflegung mehr haben. Dort sind mittlerweile alle Supermärkte geschlossen, doch zum Glück finden wir eine Tankstelle, die uns mit ausreichend Lebensmitteln für die nächsten Tage versorgt. Das Bushman Valley liegt ca. fünf Kilometer südlich des kleinen Ortes umgeben von roten Felswänden. Hannah erinnert die Unterkunft optisch an das texanische Alamo. Müde essen wir noch eine Kleinigkeit zu Abend und fallen schnell in tiefen Schlaf.

Es haben sich bereits 15 registrierte Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

tribal71 (4. Juli 2017, 21:55), Biha6 (22. Juni 2017, 20:30), Gisel (21. Juni 2017, 21:09), toetske (20. Juni 2017, 21:00), Sella (20. Juni 2017, 19:09), Cassandra (20. Juni 2017, 07:03), ReginaR. (19. Juni 2017, 07:53), Bär (19. Juni 2017, 01:47), corsa1968 (18. Juni 2017, 22:27), Cosmopolitan (18. Juni 2017, 21:25), gatasa (18. Juni 2017, 21:03), Wicki4 (18. Juni 2017, 19:30), Kitty191 (18. Juni 2017, 18:09), ChristianeLu (18. Juni 2017, 17:16), sunny_r (18. Juni 2017, 15:42)

Sella

Sonne

Beiträge: 177

Dabei seit: 9. Februar 2013

Danksagungen: 945

  • Nachricht senden

139

Dienstag, 20. Juni 2017, 19:14

Mensch Lars,

super Reisebericht :thumbup: . So tolle Fotos und einzigartige Sichtungen. Klasse. Habe deinen Bericht gerade in einem Rutsch "verschlungen" und komme gar nicht mehr dazu an meinem eigenen zu schreiben. Bin also jetzt auch Mitfahrerin und gespannt wie Euch der Rest der Reise gefallen hat.


LG
Sella

Es hat sich bereits 1 registrierter Benutzer bedankt.

Benutzer, die sich für diesen Beitrag bedankt haben:

hokage (20. Juni 2017, 21:49)

hokage

Profi

  • »hokage« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Dabei seit: 5. Dezember 2015

Danksagungen: 479

  • Nachricht senden

140

Dienstag, 20. Juni 2017, 22:04

Auch dir vielen Dank für das Kompliment Sella :)

Bei so einem Feedback macht man doch gerne weiter!