Angola sucht weisse Farmer

Satara
Benguela. Auf der früheren Bossen-Farm in Angola herrscht neues Leben. Die Wände des Hauptgebäude strahlen in Bonbon-Rosa, der verwilderte Rosengarten wurde gestutzt, der Verfall gestoppt. Ein deutscher Geschäftsmann aus der Hauptstadt Luanda hat das Gebäude für 400 US-Dollar im Monat gemietet. Bei Edmundo de Figueiredo e Faro weckt das Wehmut. «Ich wünschte, die Söhne der früheren Eigentümerin würden zurückkehren und sich mit mir zusammentun.» Über Mittelsmänner ließ er ausrichten: «Kommt zurück!»

Der Staat hat dem quirligen Angolaner einen Teil der Farm am Ortsrand von Benguela übereignet, von der einst die deutsche Gründerfamilie vertrieben wurde. Sie hatte vor Jahrzehnten erlebt, was Simbabwes weiße Farmer gerade erfahren haben. Nach der Unabhängigkeit von portugiesischer Kolonialherrschaft begann in Angola das große Aufräumen - und dem fielen nicht nur Portugiesen zum Opfer. Das verfallene Gebäude der deutschen Schule im hübschen Küstenort Benguela zeugt noch von der einstigen Bedeutung der Angola-Deutschen.

Der Historiker Raul David hat ihnen nachgespürt. «Auf halber Strecke zwischen Benguela und Huambo gab es allein in der Kreisstadt Ganda 120 deutsche Familien - viele mit adligem Namen, hohem kulturellem Niveau und großem technischen Verständnis.» Calulo galt als bevorzugtes deutsches Siedlungsgebiet: fruchtbares Ackerland, wunderschöne Landschaft - gute Voraussetzungen für einen Start in Afrika. Dort stampften die Brucks und von Platens, die Folkners, Krügers, von Opels, von Stauffenbergs oder von Papens Kopien ihrer deutschen Heimat aus dem Boden. Nach drei Jahrzehnten sozialistischer Mangelwirtschaft und Krieg sehen die Farmhäuser zwar arg heruntergekommen, aber mit etwas Aufwand noch bewohnbar aus.

Die Bedeutung der Deutschen wird noch heute an den von ihnen gebauten Staudämmen und Bewässerungssystemen, den Krankenstationen und Produktionsstätten deutlich. Sie werden nun repariert und in Betrieb genommen. Kapitalkräftiger als die meisten Portugiesen hatten die Benguela-Deutschen die Infrastruktur geprägt. Der Bau des Atlantikhafens Lobito und der Benguela-Bahn hatte Mitte der 1920er Jahre den Zuzug begünstigt.

Die Bossens waren 1923 gekommen und hatten eine Bananen-Farm im Cavaco-Tal aufgebaut. Die Vertreibung begann bei ihnen ähnlich wie heute in Simbabwe: per Einschüchterung. Farmbesitzer, die sich dem Druck nicht beugten, wurden gefoltert oder ermordet. «So mancher verschwand für immer, wie mein Vater», sagt Monika Krück, die heute noch in Angola lebt. Ihr Vater hatte sein Anwesen nicht aufgeben wollen. Er wurde entführt, tauchte nie wieder auf. Sie und ihre Geschwister haben zwar ein Anrecht auf die elterliche Muconga-Farm, doch zurückgekehrt ist niemand.

Ein halbes Dutzend deutscher Familien konnten nach der Unabhängigkeit Angolas nicht enteignet werden, da sie trotz Einschüchterung im Lande geblieben waren. Nur wenige jedoch forderten ihre alten Rechte ein. Viele Farmgebäude sind Ruinen, die Felder sind vermint, der Investitionsaufwand ist enorm.

Die 28 Hektar große Bossen-Farm ist heute in sechs kleine Einheiten aufgeteilt. Edmundo hofft mit seinen fünf Hektar Land nun auf den Aufschwung. Mit den altersschwachen Maschinen der früheren Besitzer produziert er monatlich 3,6 Tonnen Trocken-Bananen.

«Der Krieg ist vorbei, und hier gibt es jetzt eine Menge Business», lächelt er. Seine Regierung hat den aus Simbabwe vertriebenen weißen Farmern gerade Angebote gemacht, sich neu anzusiedeln. Doch warum sollten in Zeiten, in denen die Landfrage auch in Angolas Nachbarland Namibia weiße Farmer zum Aufgeben zwingt, ausgerechnet die Kinder der vertriebenen früheren Eigentümer zurückkommen?

Historiker Raul David weist auf die emotionalen Bindungen hin. Die Vertreibung sei in vielen Fällen nicht gegen die Personen selbst gerichtet gewesen: «Heute sehen wir vieles in einem anderen Licht.» Mit der Hautfarbe habe das alles nichts zu tun: Gut und Böse habe nun mal keine Hautfarbe. Dieser Ansicht ist auch Edmundo: «In Simbabwe gibt es ein Rassenproblem, das haben wir hier nicht.»

Quelle. FNP v. 3.8.2004 - v. Ralf.E.Krüger
Groschi
Hallo,
wo kann man noch mehr zu dem Thema erfahren/lesen?

Gruß,
Groschi
Poe
etwas am Rande des Themas:
http://www.datum.at/ausgaben/html/DATUM-...etzte.Treck.htm[/URL]

auch nicht konkret, aber recht deprimierend:
http://www.weltpolitik.net/Regionen/Afri...n%20Afrika.html
ich meine, wer will DA hin?? Dein Hintern gehört dem nächstgelegenen nicht bezahlten Warlord der Region.

Ich hab übrigens einen guten Bekannten der in früher in Angola gekämpft hat, als dort mit sowjetischer Unterstützung kubanische Truppen stationiert waren. Kaum zu fassen.
Groschi
naja, vielleicht ist einem nach ein paar Jahren Kapstadt doch über.......