Heinz
Anlässlich der 16. Internationalen Aids-Konferenz in Toronto ( www.aids2006.org ) hörte ich im Radio einen Bericht, demzufolge in Südafrika täglich 900 Menschen durch die Immunschwäche-Krankheit Aids sterben. Es sind also ca. 330.000 Menschen pro Jahr oder fast 0,8 % der Gesamtbevölkerung. Wegen einer HIV Infektion muss also jeder 120ste Einwohner Südafrikas jedes Jahr sein Leben lassen.
Ich mag nicht daran denken, wie diese Zahl aussieht, wenn man die Toten wegen anderer Krankheiten, der Unfälle und Morde hinzu zählt.
Ganz sicher wird diese weit unter 100 liegen.
Man könnte auch sagen, das innerhalb eines 70 jährigen Menschenlebens 7 von 10 Menschen in Südafrika eines unnatürlichen Todes sterben. Davon mindestens 5 durch eine von HIV ausgelösten Krankheit.
Eine erschreckende Zahl, die schon eine extreme Gleichgültigkeit im Gesundheitswesen des Landes vermuten lassen muss.
Von den tragischen Problemen in den Familien und deren Strukturen einmal abgesehen, stellt es dieses Land übrigens vor immense wirtschaftliche Probleme, weil zur Zeit eine ganze, mehr oder weniger gut ausgebildete Generation hinweg gefegt wird. Fabriken wie die von Mercedes, VW, Toyota und BMW trifft das hart, weil ständig neue Fachkräfte ausgebildet werden müssen, die wiederum nach kurzer Zeit sterben.
Kinder wachsen ohne Väter auf und der in Südafrika übliche Familienverbund kann sie nicht mehr auffangen, weil er nicht mehr funktionieren kann.
Kinder landen auf der Straße und wenn sie Glück haben, in einem einigermaßen erträglichen Heim. Auch wenn diese Heime oft das bessere Zuhause darstellen, so fehlen im Erwachsenwerden viele Bausteine. Auch die schulische Leistungsfähigkeit lässt sehr zu wünschen übrig, weil viele Kinder kontinuierlichen Wechseln ausgesetzt sind.
Unter all diesen Aspekten sind die Informationen, die man zur Zeit durch die Presse erfährt interessant und lehrreich.
Wären sie es auch für manche Politiker Südafrikas, könnte das Blatt vielleicht gewendet werden. Viele werden sagen, dass die Medizin Chemie Industrie davon nur profitieren würde aber zu dem gleich folgenden Artikel noch eine Information:
Vor vier Jahren hat ein HIV-Patient in der 3. Welt für eine Behandlung mit Generika-Präparaten noch 400 Dollar im Jahr aufbringen müssen und heute sind es 140 Dollar, also knapp 1000 ZAR pro Jahr. Eine vergleichsweise kleine Summe, die eine Volkswirtschaft leicht aufbringen kann, zumal jeder Arbeitgeber naturgemäß ein vitales wirtschaftliches Interesse an den Erhalt der Arbeitskraft seiner Beschäftigten hat. Die Logik ergibt sich aus dem oben erwähnten.
Jetzt müssen nur noch einige Leute im Government ihre Lethargie aufgeben, Rahmenbedingungen schaffen und es könnte rucken im Land. Es wäre eine weitere Vorbildfunktion für Südafrika.
Ich bin mir sehr bewusst, dass dieses Thema die Möglichkeiten eines Internet Forums sprengt.
Gruß, Heinz
Artikel in der Netzeitung vom 14.08.2006
www.netzeitung.de/wissenschaft/432460.html
Die Medikamentherapie gegen Aids galt bislang in Afrika als schwer durchführbar. Doch trotz des Ärztemangels könnten die Mittel Tausende Menschen retten.
Therapie-Programme gegen die Immunschwächekrankheit Aids könnten in Afrikas Städten ähnlich erfolgreich sein wie etwa in Mitteleuropa. Eine Studie in Sambia belegt, dass es lediglich an finanziellen Mitteln und Unterstützung durch die Regierungen fehlt.
Sind diese Faktoren gegeben, können Tausende Menschen erfolgreich behandelt werden, berichteten Mediziner auf der gestrigen Eröffnung einer internationalen Aids-Konferenz in Toronto. Der Ärztemangel in vielen Staaten südlich der Sahara könnte durch die Einbindung des medizinischen Personals ausgeglichen werden.
Die Forscher um Jeffrey Stringer vom Centre for Infectious Disease Research in der sambischen Hauptstadt Lusaka haben Daten eines Therapieprogramms ausgewertet. Zwischen April 2004 und November 2005 wurden dort an 16 Zentren HIV-Infizierte kostenlos mit antiretroviralen Mitteln behandelt.
Etwa jeder sechste Bürger Sambias ist HIV-positiv, in der städtischen Region um Lusaka sogar jeder fünfte. Im Jahr 2003 starben 90.000 Sambier an Aids. Die antiretrovirale Medikamenten-Therapie konnten sich bislang nur wenige Infizierte leisten.
Mit der Unterstützung der sambischen Regierung und finanzieller Hilfe der US-Regierung konnten im Untersuchungszeitraum mehr als 16.000 Patienten behandelt werden, berichtete Stringer. Nach neunzig Tagen sank die Sterblichkeit unter den Patienten auf ein Niveau wie es auch in entwickelten Ländern erreicht wird. Das Immunsystem der Patienten konnte ebenso gut stabilisiert werden, berichten die Mediziner in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Journal of the American Medical Association».
«Zu Beginn des Programms war ungewiss, ob die komplexe und langfristige HIV-Therapie mit so wenigen Ärzten und geringer Ausstattung verabreicht werden kann», schreiben die Autoren. Der Erfolg des Lusaka-Programms stimme sie jedoch optimistisch. Dennoch müsse die Verhinderung von Neuinfektionen Schwerpunkt der Aids-Bekämpfung bleiben. In Sambia werden jährlich etwa 100.000 Erwachsene und Kinder infiziert.
Ich mag nicht daran denken, wie diese Zahl aussieht, wenn man die Toten wegen anderer Krankheiten, der Unfälle und Morde hinzu zählt.
Ganz sicher wird diese weit unter 100 liegen.
Man könnte auch sagen, das innerhalb eines 70 jährigen Menschenlebens 7 von 10 Menschen in Südafrika eines unnatürlichen Todes sterben. Davon mindestens 5 durch eine von HIV ausgelösten Krankheit.
Eine erschreckende Zahl, die schon eine extreme Gleichgültigkeit im Gesundheitswesen des Landes vermuten lassen muss.
Von den tragischen Problemen in den Familien und deren Strukturen einmal abgesehen, stellt es dieses Land übrigens vor immense wirtschaftliche Probleme, weil zur Zeit eine ganze, mehr oder weniger gut ausgebildete Generation hinweg gefegt wird. Fabriken wie die von Mercedes, VW, Toyota und BMW trifft das hart, weil ständig neue Fachkräfte ausgebildet werden müssen, die wiederum nach kurzer Zeit sterben.
Kinder wachsen ohne Väter auf und der in Südafrika übliche Familienverbund kann sie nicht mehr auffangen, weil er nicht mehr funktionieren kann.
Kinder landen auf der Straße und wenn sie Glück haben, in einem einigermaßen erträglichen Heim. Auch wenn diese Heime oft das bessere Zuhause darstellen, so fehlen im Erwachsenwerden viele Bausteine. Auch die schulische Leistungsfähigkeit lässt sehr zu wünschen übrig, weil viele Kinder kontinuierlichen Wechseln ausgesetzt sind.
Unter all diesen Aspekten sind die Informationen, die man zur Zeit durch die Presse erfährt interessant und lehrreich.
Wären sie es auch für manche Politiker Südafrikas, könnte das Blatt vielleicht gewendet werden. Viele werden sagen, dass die Medizin Chemie Industrie davon nur profitieren würde aber zu dem gleich folgenden Artikel noch eine Information:
Vor vier Jahren hat ein HIV-Patient in der 3. Welt für eine Behandlung mit Generika-Präparaten noch 400 Dollar im Jahr aufbringen müssen und heute sind es 140 Dollar, also knapp 1000 ZAR pro Jahr. Eine vergleichsweise kleine Summe, die eine Volkswirtschaft leicht aufbringen kann, zumal jeder Arbeitgeber naturgemäß ein vitales wirtschaftliches Interesse an den Erhalt der Arbeitskraft seiner Beschäftigten hat. Die Logik ergibt sich aus dem oben erwähnten.
Jetzt müssen nur noch einige Leute im Government ihre Lethargie aufgeben, Rahmenbedingungen schaffen und es könnte rucken im Land. Es wäre eine weitere Vorbildfunktion für Südafrika.
Ich bin mir sehr bewusst, dass dieses Thema die Möglichkeiten eines Internet Forums sprengt.
Gruß, Heinz
Artikel in der Netzeitung vom 14.08.2006
www.netzeitung.de/wissenschaft/432460.html
Die Medikamentherapie gegen Aids galt bislang in Afrika als schwer durchführbar. Doch trotz des Ärztemangels könnten die Mittel Tausende Menschen retten.
Therapie-Programme gegen die Immunschwächekrankheit Aids könnten in Afrikas Städten ähnlich erfolgreich sein wie etwa in Mitteleuropa. Eine Studie in Sambia belegt, dass es lediglich an finanziellen Mitteln und Unterstützung durch die Regierungen fehlt.
Sind diese Faktoren gegeben, können Tausende Menschen erfolgreich behandelt werden, berichteten Mediziner auf der gestrigen Eröffnung einer internationalen Aids-Konferenz in Toronto. Der Ärztemangel in vielen Staaten südlich der Sahara könnte durch die Einbindung des medizinischen Personals ausgeglichen werden.
Die Forscher um Jeffrey Stringer vom Centre for Infectious Disease Research in der sambischen Hauptstadt Lusaka haben Daten eines Therapieprogramms ausgewertet. Zwischen April 2004 und November 2005 wurden dort an 16 Zentren HIV-Infizierte kostenlos mit antiretroviralen Mitteln behandelt.
Etwa jeder sechste Bürger Sambias ist HIV-positiv, in der städtischen Region um Lusaka sogar jeder fünfte. Im Jahr 2003 starben 90.000 Sambier an Aids. Die antiretrovirale Medikamenten-Therapie konnten sich bislang nur wenige Infizierte leisten.
Mit der Unterstützung der sambischen Regierung und finanzieller Hilfe der US-Regierung konnten im Untersuchungszeitraum mehr als 16.000 Patienten behandelt werden, berichtete Stringer. Nach neunzig Tagen sank die Sterblichkeit unter den Patienten auf ein Niveau wie es auch in entwickelten Ländern erreicht wird. Das Immunsystem der Patienten konnte ebenso gut stabilisiert werden, berichten die Mediziner in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Journal of the American Medical Association».
«Zu Beginn des Programms war ungewiss, ob die komplexe und langfristige HIV-Therapie mit so wenigen Ärzten und geringer Ausstattung verabreicht werden kann», schreiben die Autoren. Der Erfolg des Lusaka-Programms stimme sie jedoch optimistisch. Dennoch müsse die Verhinderung von Neuinfektionen Schwerpunkt der Aids-Bekämpfung bleiben. In Sambia werden jährlich etwa 100.000 Erwachsene und Kinder infiziert.

