Lothar
in letzter Zeit häufen sich weltweit Artikel darüber, wer nicht alles
ein neues Malariamittel erfunden haben will. Ich hatte doch mal
einen Link gepostet, über eine Heilpflanze aus China, die zu 80%
ohne Nebenwirkungen Malaria bekämpft...
Das gibt es sogar hier in den örtlichen Apotheken zu kaufen.
Rossi
| Zitat: |
Original von Lothar
in letzter Zeit häufen sich weltweit Artikel darüber, wer nicht alles
ein neues Malariamittel erfunden haben will. |
Das hat weniger mit der Malaria-Forschung an sich zu tun als vielmehr damit, dass sich der Fokus der Medien diesbezüglich derzeit etwas verlagert hat.
Eher weng vom Thema AIDS zu anderen Krankheiten wie eben Malaria oder Tollwut und Meningitis. AIDS gilt eben als etwas ausgelutscht und bringt derzeit weniger Quote.
Ein besserer Gradmesser ist hier die Verteilung der Forschungsgelder, zum einen von Entwicklungshilfeorganisationen wie beispielsweise der GTZ oder des DEDs, aber auch der Stipendien- wie Finanzierungsgesellschaften klinischer Forschung.
Da zeigt sich seit mindestens 10 Jahren das gleiche Bild, für Einzelforschungsvorhaben ist die Finanzierung für beispielsweise AIDS um den Faktor 10 bis 100 höher als bei Malaria, bezüglich der Anzahl der Forschungsvorhaben werden fast 1000-mal so viele AIDS-Forschungsvorhaben finanziert wie Malaria.
| Zitat: |
Ich hatte doch mal
einen Link gepostet, über eine Heilpflanze aus China, die zu 80%
ohne Nebenwirkungen Malaria bekämpft...
Das gibt es sogar hier in den örtlichen Apotheken zu kaufen. |
Hilft das wirklich?
Du solltest da auch nicht die "konventionelle" Forschung unterschätzen, Heilpflanzen und schon in der Antike/Frühzeit bewährte Heilmethoden werden generell nicht einfach "übersehen".
Auf der anderen Seite ist auf dem Markt, auf dem man Menschen Hoffnung verkauft (das unfehlbare AIDS/Krebs/Malariaheilmittel) sehr viel Geld zu verdienen.
Rossi
Maline
Will nur ergänzen...
Es wird 100fach bis 1000fach mehr an AIDS geforscht, es gibt aber 100fach mehr Malariatote pro Jahr als AIDS-Tote bzw. 100 fach mehr malaria-infizierte als AIDS-Infizierte....
Aber um fair zu sein, irgendwie logisch, daß man in Europa/Amerika vorrangig an Problemen forscht, die man dort auch hat. Der Mensch ist zuletzt immer Egoist und das meine ich nicht nur im negativen Sinn.
Südafrika orientiert sich immer mehr nach Asien. Dort hat man teilweise ähnliche Probleme, ist aber in der Forschung schon weiter als hier. Da liegt viel Potential...
Maline
Rossi
Ach, Artemisin.
Darauf hält Novartis das Patent.
Vor gut einem Jahr hat man da schon Resistenzen gefunden:
http://www.thelancet.de/artikel/795150
( R Jambou et al. Resistance of
Plasmodium falciparum field isolates to in-vitro artemether and point mutations of the SERCA-type PfATPase6. Lancet 2005; 366: 1960 )
Rossi
Rossi
Auch interessant:
http://www.malaria.org/tren.html
Auffällig übrigens der extreme Anstieg an Malariafällen in den Jahren 1996-1998 in Natal in Table 1 - Annual number of notified cases and deaths from malaria (1971 - 199

:
Leider sind die Zahlen nicht aktuell, aber dafür gibt's eine ganz einfache Erklärung:
1996 hat die Regierung die Anwendung von DDT verboten. 1999 oder 2000? wurde DDT wieder freigegeben. Seitdem sind die Zahlen (die mir auch vorliegen) jedes Jahr mehr als halbiert worden.
Rossi
sunshine-sa
Und was, wenn alle Forschung die Opfer nicht erreicht?
Afrika-Malaria-Tag 2006: Wirksame Medikamente erreichen die Kranken nicht Berlin/Genf, 24. April 2006. Trotz existierender wirksamer Medikamente sterben in Afrika noch immer alarmierend viele Menschen an Malaria. In vielen staatlichen Gesundheitseinrichtungen werden Patienten noch immer mit alten unwirksamen Medikamenten behandelt, kritisiert die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen anlässlich des Afrika-Malaria-Tages am 25. April. Das ist besonders dramatisch, da die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits vor vier Jahren empfohlen hat, veraltete Malariamedikamente durch Kombinationspräparate auf der Basis des Wirkstoffs Artemisinin (ACT) zu ersetzen.
Bis heute haben rund 40 afrikanische Länder ACT zwar in ihre nationalen Behandlungsprotokolle aufgenommen. Mehr als 70 Prozent von ihnen setzen diese jedoch entweder gar nicht oder nur sehr langsam um. Fehlender politischer Wille sowie ein Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen sind die Gründe hierfür. Darüber hinaus ist das Gesundheitspersonal häufig nur schlecht über die Vorteile der neuen Behandlungsmöglichkeit informiert, und es sind immer wieder Versorgungsengpässe mit ACT von gesicherter Qualität aufgetreten.
(Quelle: Ärzte ohne Grenzen)
sunshine-sa
Was sagst du zu 'Ärzte ohne Grenzen', sind die dumm?
Ich habe Jahre in der pharmazeutischen Forschung gearbeitet, es dauert lange, bis man dort publizieren kann. Auch laaaange, bis Gegenargumente kommen. Die Gegenargumentierer sichern sich vorzeitig. Womöglich sprengt es die Forums-Kapazitäten, all dies zu beurteilen. Womöglich. Mit gesunder Kritik sollte man sich nicht zurück halten.
Rossi
| Zitat: |
Original von sunshine-sa
[SIZE=16]Was sagst du zu 'Ärzte ohne Grenzen', sind die dumm? |
Ich habe selbst mal für die gearbeitet und kenne da noch sehr viele Leute. Daher würde mir nichts ferner liegen, als das zu behaupten. Die haben ausgezeichnete Fachleute und dazu eine gehörige Portion Idealismus.
BTW, wo es in diesem Artikel gerade um ACT geht, was man da auch noch in den Raum werfen könnte sind bestimmte Doxycyclinpräparate, die zwar in einigen Ländern als Antibiotika zugelassen sind, aber nicht als Malariamedikament.
Im Grunde schwachsinnig, das ist aber eine entweder politische Entscheidung oder kommerzielle.
Das große Problem ist, bei der Malariadiskussion dreht man sich immer im Kreise und kommt hinterher immer zum gleichen Ergebnis.
| Zitat: |
| Ich habe Jahre in der pharmazeutischen Forschung gearbeitet, es dauert lange, bis man dort publizieren kann. Auch laaaange, bis Gegenargumente kommen. |
Genau so sieht's aus. Mit der Einschränkung, dass es nicht nur lange dauert, sondern auch einen Haufen Geld kostet.
Genau das ist gerade bei der Malaria-Forschung, wie auch bei der Distribution der Medikamente das große Problem. In Malaria ist nicht die große Kohle zu machen (vergleiche ich das jetzt mal beispielsweise mit HIV), zudem ist es nicht damit getan, die Medikamente einfach in großen Containern in die Risikogebiete zu verschiffen.
Genau dann passiert nämlich das, was in dem ersten von mir zitierten Artikel beschrieben wird. Die Medikamente werden falsch (und zu viel) angewendet, es bilden sich Resistenzen und die ganze Geschichte war für die Katz.
Im südlichen Afrika haben wir noch nicht das Problem mit der Resistenzbildung von ACT, es ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche dass das kommen wird, wenn das Zeug unkontrolliert unter die Leute gebracht wird.
Im Endeffekt bedeutet das, dass man damit vielleicht 5 Jahre im Kampf gegen Malaria Atempause bekommt, um die Krankheit nachhaltig zu bekämpfen ist das nicht ausreichend.
Das wirklich tragische an der ganzen Geschichte ist, dass, wenn man auch nur ansatzweise so viel Geld in die Malariaforschung stecken würde wie in die AIDS-Forschung, man das Problem schon längst im Griff hätte.
Rossi
sunshine-sa
| Zitat: |
Original von Rossi
| Zitat: |
Original von sunshine-sa
[SIZE=16]Was sagst du zu 'Ärzte ohne Grenzen', sind die dumm? |
Ich habe selbst mal für die gearbeitet und kenne da noch sehr viele Leute. Daher würde mir nichts ferner liegen, als das zu behaupten. Die haben ausgezeichnete Fachleute und dazu eine gehörige Portion Idealismus.
BTW, wo es in diesem Artikel gerade um ACT geht, was man da auch noch in den Raum werfen könnte sind bestimmte Doxycyclinpräparate, die zwar in einigen Ländern als Antibiotika zugelassen sind, aber nicht als Malariamedikament.
Im Grunde schwachsinnig, das ist aber eine entweder politische Entscheidung oder kommerzielle.
Das große Problem ist, bei der Malariadiskussion dreht man sich immer im Kreise und kommt hinterher immer zum gleichen Ergebnis.
| Zitat: |
| Ich habe Jahre in der pharmazeutischen Forschung gearbeitet, es dauert lange, bis man dort publizieren kann. Auch laaaange, bis Gegenargumente kommen. |
Genau so sieht's aus. Mit der Einschränkung, dass es nicht nur lange dauert, sondern auch einen Haufen Geld kostet.
Genau das ist gerade bei der Malaria-Forschung, wie auch bei der Distribution der Medikamente das große Problem. In Malaria ist nicht die große Kohle zu machen (vergleiche ich das jetzt mal beispielsweise mit HIV), zudem ist es nicht damit getan, die Medikamente einfach in großen Containern in die Risikogebiete zu verschiffen.
Genau dann passiert nämlich das, was in dem ersten von mir zitierten Artikel beschrieben wird. Die Medikamente werden falsch (und zu viel) angewendet, es bilden sich Resistenzen und die ganze Geschichte war für die Katz.
Im südlichen Afrika haben wir noch nicht das Problem mit der Resistenzbildung von ACT, es ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche dass das kommen wird, wenn das Zeug unkontrolliert unter die Leute gebracht wird.
Im Endeffekt bedeutet das, dass man damit vielleicht 5 Jahre im Kampf gegen Malaria Atempause bekommt, um die Krankheit nachhaltig zu bekämpfen ist das nicht ausreichend.
Das wirklich tragische an der ganzen Geschichte ist, dass, wenn man auch nur ansatzweise so viel Geld in die Malariaforschung stecken würde wie in die AIDS-Forschung, man das Problem schon längst im Griff hätte.
Rossi |
sunshine-sa
Meine Antwort ist komischerweise beim Versenden verschwunden. Schade eigentlich,
Lothar
@sunshine:
Fehlender politischer Wille sowie ein Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen sind die Gründe hierfür. Darüber hinaus ist das Gesundheitspersonal häufig nur schlecht über die Vorteile der neuen Behandlungsmöglichkeit informiert, und es sind immer wieder Versorgungsengpässe mit ACT von gesicherter Qualität aufgetreten.
Glaubst du das wirklich, was die Presse so schreibt, die du hier zitierst?
Rossi
Lothar:
es stimmt, was die Presse schreibt, die Sunshine zitiert.
Das Problem sind da vielmehr die Dinge, die die Presse nicht schreibt.
Es ist zwar wahr, was in dem Artikel von Ärzte ohne Grenzen steht, nur fehlt da leider auch die Hälfte.
Gerade bei der Malaria gibt es in der Bekämpfung zwei Ansatzpunkte:
- die Bekämpfung der Anopheles-Mücken, die diese Krankheit übertragen
- die Behandlung der Infizierten.
Bezüglich der Erforschung von Medikamenten zur Behandlung musst du wieder differenzieren, auch da gibt es zwei Seiten, die kommerzielle Forschung, heisst die Pharmaindustrie bzw. die von der Pharmaindustrie finanzierte Forschung sowie die Non-Profit-Forschung (im wesentlichen universitäre Forschung, so nicht drittmittelfinanziert).
Für die Pharmaindustrie ist die Sache klar, die stecken nur Geld in Forschung für Pharmazeutika, für die sie sich auch einen Gewinn erhoffen. Da gehört Malaria im Vergleich zur z.B. Krebs-, Alzheimer oder auch HIV-Forschung nur eingeschränkt dazu.
Ab hier wird's komplex. Die Pharmaindustrie hat Einfluss auf die Politik.
Die Politik hat Einfluß auf die Non-Profit-Forschung. Die Politik hat auch Einfluss auf die Bekämpfung der Anopheles-Mücken (u.a. Stichwort DDT), Verbreitung von Arzneimitteln, personelle Resourchen etc. sowie auf die Zulassungsprozeduren für Arzneimittel.
Oft lässt sich dabei irgendwann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, welche Interessen hinter einer politischen Entscheidung (oder Untätigkeit) liegen.
Da sind wir dann wieder bei dem von Sunshine zitierten Artikel.
Rossi