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Drei Wochen nach dem Ende des Bonner Welt- Energiegipfels kommt für Befürworter alternativer Energien der erste Rückschlag. Das Schwellenland Südafrika bekennt sich zwar zu dem hoffnungsfroh verabschiedeten Bonner Aktionsprogramm, das eine globale Wende hin zu Sonne, Wind, Wasser und Biomasse vorsieht. Erneuerbare Energien sollen am Kap bis 2013 einen Anteil von bis zu fünf Prozent des nationalen Energiebedarfs decken. Doch die nationalen Hoffnungsträger heißen Atom und Wasserkraft aus Großanlagen. Energieministerin Phumzile Mlambo-Ngcuka hielt westlichen Befürwortern alternativer Energien Eigennutz vor und begründete die stärkere Nutzung der Atomkraft - auch durch einen neuartigen Reaktortyp - mit den schwindenden Kohlevorräten.
Auch das vor allem mit südafrikanischem Kapital vorangetriebene Inga-Großstaudamm-Projekt am Kongo-Fluss werde ungeachtet aller in Bonn vorgebrachten Proteste weiterverfolgt. «Wenn Afrika Sicherheit beim Zugang zu Energien haben will, kann es zum jetzigen Zeitpunkt keine Energiequelle auslassen, sonst könnten wir beim Thema Industrialisierung und Entwicklung jeglicher Art gleich alles dicht machen», betonte die Ministerin. Westliche Staaten verdächtigte sie, Südafrika bestimmte Energielösungen aufdrängen zu wollen, statt dem Land die Möglichkeit zur Erforschung eigener Optionen zu geben.
Die im April mit Zweidrittel-Mehrheit im Amt bestätigte Regierung machte klar, dass sie unbeirrt an ihren Plänen für einen Ausbau der Atomenergie festhält und bis 2014 einen neuen Atomreaktortyp zur Marktreife bringen will. Dabei handelt es sich um einen so genannten Kugelhaufenreaktor (Pebble Bed Modular Reactor/PBMR) - die Weiterentwicklung eines Atommeilers, dessen Technologie in den sechziger Jahren im Kernforschungszentrum Jülich bei Aachen entstand. Die Mini-Reaktoren sollen eine Leistung von 100 bis 120 Megawatt entwickeln. Ihre Entwickler sehen sie damit als ideale Exportmodelle in Afrika. Darauf setzt vor allem Südafrikas Energiekonzern Eskom, der am Reaktor-Projekt den größten Anteil hält.
Eskom arbeitet bereits seit 1993 mit dem englischen Konzern British Nuclear Fuels (22,5 Prozent Anteil) an dem Konzept. Weitere 10 Prozent hält ein Konsortium schwarzer Unternehmer - der Rest gehört einem staatlichen Wirtschaftsförderungsgremium. Die Befürworter des Reaktors weisen auf die große Sicherheit hin, da die Gefahr eines größeren Störfalls wegen der Gestalt und Vielzahl der Brennelemente reduziert sei. Jeder Reaktor enthält rund 450 000 mit Grafit beschichtete Kugeln, in die schwach angereicherte Uranpartikel eingebettet sind.
Dem Bau eines Prototyps stehen am Kap vor allem Einsprüche von Umweltgruppen wie Earthlife Africa entgegen. Sie hegen weniger Zweifel an der technischen Machbarkeit des Projekts als den hohen Risiken und Kosten rund um den Betrieb. «Wie sieht es mit Import, Anreicherung und Endlagerung des Urans aus? Sind wir wirklich in der Lage, das in den Griff zu kriegen, und wenn ja, zu welchen Kosten?», fragt Südafrikas renommierter Energiepolitik-Experte David Fig.
Der Kap-Staat, der zu Apartheidzeiten auch Atombomben entwickelt hatte, betreibt heute 27 Kilometer nördlich von Kapstadt das 20 Jahre alte Koeberg-Atomkraftwerk. Seine beiden Reaktoren decken mit 1850 Megawatt rund 6,5 Prozent des nationalen Energiebedarfs. Dort soll auch die Pilotanlage des Kugelhaufenreaktors entstehen, sobald die Regierung grünes Licht dafür gibt.