Reisen nach Zimbabwe? Victoria Falls funktioniert

Johannes
Kann man noch nach Simbabwe reisen? Ja, man kann, jedenfalls in Victoria Falls funktioniert für den Besucher nach wie vor alles wie am Schnürchen. Ich hab’s gerade ausprobiert, war im Mai für eine Stippvisite an den übervollen Victoria-Fällen. Das ausgesprochen ordentlich geführte Amadeus Garden Gästehaus bietet ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Doch auch die anderen Hotels waren recht gut besucht, von einer Geisterstadt kann in Victoria Falls keine Rede sein.

Auf den zweiten Blick erkennt man aber doch, daß sich das Land in großen Schwierigkeiten befindet. Nicht wenige schwarze Simbabwer lassen im persönlichen Gespräch keinen Zweifel an ihrem Unmut über das Regime des Despoten Mugabe. Unterstützt man als Tourist, der Devisen ins Land bringt, nur das Regime oder eben auch die einfachen Angestellten der Tourismuswirtschaft, die jeden zusätzlichen Dollar dringend brauchen? Wahrscheinlich trifft beides zu und letztlich muß jeder für sich entscheiden, welche Konsequenzen er aus diesem Dilemma zieht.

Für diejenigen, die sich für eine Reise nach Simbabwe – dem Land mit der höchsten Inflationsrate der Welt - entscheiden, gibt es ein paar wichtige Hinweise in Sachen Finanzen:

Man sollte gar nicht erst in die lokale Währung, den Zimbabwe-Dollar, tauschen. Denn bei der Bank bekommt man den offiziellen Wechselkurs, der in keinem Verhältnis zum wahren Wert der Güter in Simbabwe steht - man bezahlt damit alles viel zu teuer. Der Schwarzmarktkurs von US-Dollar zu Simbabwe-Dollar liegt derzeit etwa beim Sechzehnfachen des Bankkurses.

Und noch ein wichtiger Hinweis: Die Banken zahlen für Reiseschecks, die in US-Dollar ausgestellt sind, keine US-Dollar in bar aus, sondern nur die Landeswährung! Zudem muß immer der Originalbeleg für den kauf des Reiseschecks bei der Heimatbank vorgelegt werden. Auch werden Reiseschecks als direktes Zahlungsmittel von kaum einem Restaurant oder lokalen Veranstalter akzeptiert. Diese Zahlungsform ist also nicht gerade praktisch.

Mastercard, Diners und American Express werden mittlerweile in Simbabwe nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert. Die einzige Kreditkarte, die manchmal noch angenommen wird, ist Visa. Dennoch gilt auch hier: bei Kreditkartenzahlung wird der offizielle Bank-Umtauschkurs angesetzt. Ihre Karte wird in Simbabwe Dollar belastet, und bei der Abbuchung auf Ihrem Kontoauszug können Sie eine böse Überraschung erleben, da Sie die Leistung deutlich teurer bezahlen.

Wie kann man nun einen streßfreien Urlaub in Simbabwe genießen? Buchen und zahlen Sie so viel wie möglich schon vor Abreise (Hotels, Transfers und Exkursionen). Für weitere Aktivitäten, die Sie vor Ort buchen möchten, sowie Mahlzeiten und Getränke nehmen Sie US-Dollar in bar mit. Es ist das einfachste, überall akzeptierte Zahlungsmittel, das für Transparenz und sichere Kalkulation sorgt. Doch achten Sie darauf, daß es sich um neuere Dollar-Scheine handelt (nach 2000 gedruckt, das Datum steht auf dem Schein), und daß Sie eher kleine Scheine nehmen sollten. Große Scheine wie 100-Dollar-Noten werden nämlich häufig nicht akzeptiert, da so viele Fälschungen im Umlauf sind. Also bestellen Sie rechtzeitig bei Ihrer Bank genug 50-er, 20-er und ausreichend kleinere Scheine.

Restaurantrechnungen und Ausflüge können zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis direkt in US-Dollar bezahlt werden.
asango
Toller aktueller Bericht.

Trotzdem eine Frage:
Wie war es an der Grenze?
Also: schnell, nervig, genau,Schmiergeld,...?
Lothar
vom Regen in die Traufe?

Zimbabwe's currency is still officially pegged at Z$250 to one US dollar;
early last week the informal market price was about Z$100,000 to US$1,
but by Monday 25 June it had crashed to Z$400,000 against the US dollar.
In January this year US$1 was being traded for Z$3,000.

The country's inflation rate - the highest in the world - is officially
at more than 3,700 percent, although independent economists believe the real
rate of inflation is around 20,000 percent and could reach 1.5 million
percent by the end of 2007.


Wer weiterlesen möchte :

http://allafrica.com/stories/200706251197.html
Boerewors
Es wird gesagt, dass es billiger sei sich den Hintern mit Zim Dollarn abzuwischen , als dafuer Toilettenpapier zu kaufen. Man hat einfach mehr Blatt zu verfuegung. Bei 1.5 Mio% Inflation, kann man dann auch bald ein dreilagiges Zim $ abwisch variation in erwaehgung ziehen Zunge raus
milchladen
Ich war im Mai an den VicFalls und an der Grenze gab es keine Probleme, die haben es doch eh nur auf die Visagebühren (Deutsche $US 30) abgesehen und sind froh, wenn jemand kommt! Wenn die Schlange am Schalter nicht lang ist, dann dauert es ca. 15-20 min.
Die VicFalls sind ein Besuch wert!
Lothar
welche Grenze meinst du, milchladen?
milchladen
Hallo Lothar,

wie jetzt die Grenzstation heißt weis ich nicht mehr auswendig und meinen Reisepaß habe ich gerade nicht mit, aber ich bin in Botswana Chobe losgefahren und von dort ist es nicht weit. Falls du den Namen der Grenzstation brauchst, dann schaue ich mal im Reisepaß nach.
Daniel
Interessant Bericht in der Tat. smile

Und man freut sich direkt, dass Robertchen Mugabe zumindest die Wasserfälle noch nicht kaputt bekommen hat. Aber glaubt mir: Wenn er könnte, würde er die Fälle mit der imperialistischen weißen Gischt sofort abstellen. Augen rollen

Herzliche Grüße

Daniel
Lothar
jetzt ist er vollkommen durchgeknallt.

Haben die doch tatsächlich 1400 Händler und Manager seit letztem
Freitag verhaftet, weil die Regierung sie aufgefordert hat die Preise um
50% zu senken um die Inflationsrate aufzuhalten. Die Händler -darunter 35
Manager von größeren Firmen- konnten das natürlich nicht durchsetzten,
somit sitzen sie nun im Knast. Sie sollen auch noch angeklagt werden.
Das kann ja Jahre dauern...
asango
ja Lothar,

es ist nur traurig.
aber es geht ja noch schlimmer:
Die Portugiesen wollen als EU Ratspräsidentschaft Mugabe zum Gipfel
im Dezember nach Lissabon einladen. geschockt
Daniel
Zitat:
Original von Lothar
jetzt ist er vollkommen durchgeknallt.

Haben die doch tatsächlich 1400 Händler und Manager seit letztem
Freitag verhaftet, weil die Regierung sie aufgefordert hat die Preise um
50% zu senken um die Inflationsrate aufzuhalten. Die Händler -darunter 35
Manager von größeren Firmen- konnten das natürlich nicht durchsetzten,
somit sitzen sie nun im Knast. Sie sollen auch noch angeklagt werden.
Das kann ja Jahre dauern...



Tja, was soll man dazu noch sagen? traurig

Die zimbabwische "Regierung" demonstriert damit ja nicht nur ihre fatale Kombination von Ratlosigkeit und Sturheit, sondern es zeigt auch noch, dass sie in der Ökonomie (und nicht nur in der Ökonomie) noch nicht einmal über Grundkenntnisse verfügt.
Lothar
wie unterschiedlich doch die afrikanischen Mentalitäten sind. In Nigeria
kriegt die Regierung die Rebellen nicht unter Kontrolle, in Zimbabwe
prügelt die regierung alles nieder. Das könnte hier in Westafrika
kein Präsident/Regierung mehr machen. Ich denke, auf kurz oder lang wird es
auch in Zim krachen. Kann mir doch keiner sagen das die nicht schon den
bewaffneten Widerstand proben? Die Waffen können se doch gleich an
der grenze zu Mozambique kaufen, für eine handvoll Dollar.
Daniel
Hier noch zwei südafrikanische Artikel zur Inflation in Zimbabwe. Der erste behandelt noch mal das, was Lothar bereits erzählt hat.

http://www.int.iol.co.za/index.php?set_i...41307948C739810

Und dies hier sind "aktuelle Verbrauchertipps" aus Harare:

http://www.int.iol.co.za/index.php?set_i...45433359C854170

Herzliche Grüße

Daniel
Siegfried
But Information Minister Sikhanyiso Ndlovu was quoted on Tuesday as saying that the government would not relent on the blitz and dispelled fears of widespread shortages and economic collapse.

"A whole battery of measures are being worked out to improve the supply side of the whole economy," he told the state-run Herald newspaper.

Measures!!!

Aber natürlich, denn nun wird man wohl auch noch die Betriebe enteignen und den treuen Parteigaengern übereignen.

CJ
jenssc
Simbabwe vorm Kollaps: Die Wirtschaft wird Mugabe zum Verhängnis


http://www.az.com.na/afrika/simbabwe-vor...ngnis.20730.php
Marc
Da sieht man mal, wie sich die Situation binnen 3 Wochen verändern kann. Ob Deine positiven Erfahrungen - Johannes - jetzt wohl noch Bestand haben?

Alleine die Entscheidung die Waren zu vorgegebenen Preisen für ein Promill des tatsächlichen Werts verkaufen zu müssen ist betriebswirtschaftlich der Witz schlecht hin. Die Lebensmittelgeschäfte sind jetzt leer und die Betreiber haben kein Geld mehr die Regale neu zu befüllen. So schnell kann man sich sein eigenes Grab schaufeln, ohne Lebensmittel-Versorgung wird es sehr kurzfristig zu einem Umsturz kommen.
Rossi
Zitat:
Original von Marc
Da sieht man mal, wie sich die Situation binnen 3 Wochen verändern kann. Ob Deine positiven Erfahrungen - Johannes - jetzt wohl noch Bestand haben?


Sicher haben sie das. Für "richtiges" Geld bekommt man dort immernoch alles.
Siehe z.B. hier:
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_i...45433359C854170
Es bedeutet nur, dass sie dort jetzt noch mehr denn je auf die Devisen angewiesen sind, die jemand wie Johannes ins Land bringt.

Rossi
Marc
Die Situation sehe ich etwas kritischer. Das Regiem gibt vor, zu welchem Preis Ware verkauft werden muß. Zu diesem Preis gibt es aber eben z.B. keine Lebensmittel mehr. Wenn Du als Tourist nun darauf angewiesen bist Dich direkt oder indirekt auf dem Schwarzmarkt mit "richtigem Geld" zu versorgen, begehst Du eine Straftat. In der Situation in der das Land steckt, halte ich persönlich es für absolut unberechenbar dieses Risiko einzugehen.
Rossi
Hallo Marc,
ich sehe die ganze Situation keineswegs unkritisch, nur neu ist sie auch nicht, ich habe das alles auch schonmal selbst in einem südamerikanischen Land miterlebt.

Es gibt zwei Märkte, einen, mit der offiziellen Währung und einen, der ausschliesslich auf Devisen basiert.
Einen Schwarzmarkt per se gibt es zwar auch noch, nur spielt der mittlerweile eine sehr untergeordnete Rolle.
Der Schwarzmarkt kann nur florieren, wenn es für irgendwen irgendeinen Nutzen hat, Geld von einem Markt zum anderen zu transferieren, beispielsweise US-Dollar, Euro oder Rand in Zim-$ zu tauschen. Der Zim$ ist aber mittlerweile völlig zusammengebrochen, es hat niemand mehr etwas davon, Rand in Zim-$ zu tauschen, bezahlen kann man damit ohnehin nichts mehr. Folgt, der illegale (Schwarzmarkt) Tausch kommt zum Erliegen.

Johannes schreibt ja auch oben selbst, dass es sinnfrei ist, Zim$ zu tauschen.

Wenn ich nun meine Cola bei den Vic Falls mit ZAR bezahle, spielt der Schwarzmarktkurs keine Rolle mehr. Der Wechselkurs ist dabei schlicht und einfach irrelevant, der Zim$ ausgeklammert.

Dadurch, dass die eigene Währung zusammengebrochen ist, ist das Regime auf die Devisen angewiesen. Daher hat sie gar keine andere Wahl, als die Zahlung ausländischer Devisen zu akzeptieren, nach meinem Dafürhalten verstösst das auch gegen kein Gesetz.
Zudem können Hotelbesitzer die eingenommenen ZAR, $, € ja immernoch bei den Banken legal zum offiziellen Kurs von 1:250 in Zim-Dollar tauschen. Zunge raus , wenn du mit Kreditkarte bezahlst, wird das ja nach wie vor so gehandhabt.

Rossi
Lothar
schon 1990/91 (evtl. auch noch davor) war Geld tauschen auf dem Schwarz-
markt in ZIM verboten. Das machte man immer in abgelegenen Gegenden,
wobei auch dann immer Vorsicht geboten war.