Satara
Ausschnitte aus einem Bericht von Dag Zimen über die Reise Horst Köhler's nach Afrika
Der ausführliche Bericht steht auch in der Afrika-Post, Heft 6/2004.
Die Geschehnisse ausserhalb des Protokolls werfen auch ein interessantes Licht auf die Situation Afrikas und zeigen, dass wir uns verstärkt um Afrika bemühen müssen, aber dass auch die Afrikaner selber mal "in die Puschen" kommen müssen.
Zitat: ............................
Doch trotz des unerbittlichen Protokolls, das die Eindrücke selektierte und steuerte, kam es am Rande dieser dreitägigen Visite auch zu eindringlichen Begegnungen mit den trübseligen Seiten des Alltags in Sierra Leone: Beim Besuch eines Zentrums für Waisenkinder klammerte sich eine kleiner Junge verzweifelt an Eva Köhler, die Frau des Präsidenten. Er wollte adoptiert werden. In einem Flüchtlingslager kam es zu einem handgreiflichen Streit um die Essensreste, die nach dem offiziellen Teil des Besuches übrig geblieben waren. Am Ende stand für Köhler fest, dass sich die Weltgemeinschaft auch weiterhin in Sierra Leone engagieren muss, wenn ein Rückfall in das Chaos vermieden werden soll. Deutlich sprach er sich für eine Verlängerung des UN-Mandats und für grosszügige Hilfe für das Land aus.
...............................
Wenn es um Afrika geht, sieht Köhler auf allen Seiten zahlreiche Defizite, Fehleinschätzungen und Missverständnisse. Etwa wenn Afrika in der entwickelten Welt nur als Krisenfall wahrgenommen werde oder die „weitverbreitete Krankheit vieler Europäer“, eigene Ziel- und Zeitvorstellungen auf afrikanische Zustände transferieren zu wollen. Ebenso wenig aber lasse er sich die seiner Auffassung nach „weltbürgerliche Verpflichtung“ verbieten, auf Unrecht, Despotismus und andere hausgemachte Missstände in vielen Teilen Afrikas hinzuweisen.
„Dieses festzustellen ist keine neokoloniale Einmischung“, so Köhler, der sich entsprechend auch nicht scheute, immer wieder die Eigenverantwortung der Afrikaner für ihr eigenes Schicksal zu betonen, Probleme wie Korruption und Menschenrechtsverletzungen anzuprangern und eine starke Zivilgesellschaft, allen voran eine Stärkung der Rolle der Frauen, einzufordern.
Wie wenig selbstverständlich gerade zivilgesellschaftliche Strukturen häufig noch sind, zeigte vielleicht am besten ein geradezu absurder diplomatischer Zwischenfall in Benin, der zweiten Station der Köhler-Reise: .................. Dort klammerte sich ein Behindeter an Köhler und bettelte um Almosen bis ihn die Sicherheitskräfte überwältigten. Während Köhler darum bat, den Bettler nicht zu bestrafen, fühlte sich Benin’s Präsident Matthieu Kerekou aufgrund dieses Vorfalls genötigt, uneingeladen beim Empfang der deutschen Botschaft zu erscheinen und sich in einer wirren und sehr lauten Rede beim Staatsgast aus Deutschland zu entschuldigen. Menschenrechte und Demokratie seien zwar ein hohes Gut, so Kerekou, aber niemand dürfe ihm, Kerekou, auf der Nase herumtanzen. Wer die Autorität des Staates in Frage stelle, bekomme seine ganze Härte zu spüren. Der Bettler wurde derweil inhaftiert und nach den Hintermännern des vermeintlichen Komplotts verhört. Der Zwischenfall bestimmte in den Tagen darauf die Schlagzeilen in den staatlichen Medien Benins.
......................
Politische und notfalls militärische Einmischung im Dienst von Humanität und Frieden - gerade in Afrika lange als Sakrileg betrachtet - ist für Köhler die Notwendigkeit, die aus der Verantwortung folgt. Die in der konstituierenden Akte der Afrikanischen Union zugelassene humanitäre Intervention begrüsste der Bundespräsident daher auch als „Meilenstein von historischer Bedeutung“.
............................
Wer von afrikanischen Ländern marktwirtschaftliche Reformen fordere, müsse auch bereit sein, seine eigenen abgeschotteten Märkte zu öffnen, so nur eines der Argumente des Ökonomen, für den nicht weniger sondern mehr - aber bessere - Globalisierung und Handel zur Armutsbekämpfung beitragen.
...............................
In einem Interview kurz nach der Rückkehr forderte er eine Überprüfung der Entwicklungszusammenarbeit auf ihre Effektivität und Nachhaltigkeit hin.
......................................
Dschibuti war die letzte Station, gleichzeitig als Bekenntnis dazu, dass sich Deutschland auch in Zukunft verstärkt in Afrika einmischen und engagieren müsse (mit Blick auf die Absage Rau’s), wenn es denn die Floskel der „globalen Verantwortung“ wirklich ernst nehmen will. „Optimismus verbreiten und Mut machen“, wollte Horst Köhler mit seiner ersten grossen Auslandsreise als Bundespräsident. Nicht nur er selbst fühlte sich hinterher darin bestätigt.
Zitat Ende
Satara
Der ausführliche Bericht steht auch in der Afrika-Post, Heft 6/2004.
Die Geschehnisse ausserhalb des Protokolls werfen auch ein interessantes Licht auf die Situation Afrikas und zeigen, dass wir uns verstärkt um Afrika bemühen müssen, aber dass auch die Afrikaner selber mal "in die Puschen" kommen müssen.
Zitat: ............................
Doch trotz des unerbittlichen Protokolls, das die Eindrücke selektierte und steuerte, kam es am Rande dieser dreitägigen Visite auch zu eindringlichen Begegnungen mit den trübseligen Seiten des Alltags in Sierra Leone: Beim Besuch eines Zentrums für Waisenkinder klammerte sich eine kleiner Junge verzweifelt an Eva Köhler, die Frau des Präsidenten. Er wollte adoptiert werden. In einem Flüchtlingslager kam es zu einem handgreiflichen Streit um die Essensreste, die nach dem offiziellen Teil des Besuches übrig geblieben waren. Am Ende stand für Köhler fest, dass sich die Weltgemeinschaft auch weiterhin in Sierra Leone engagieren muss, wenn ein Rückfall in das Chaos vermieden werden soll. Deutlich sprach er sich für eine Verlängerung des UN-Mandats und für grosszügige Hilfe für das Land aus.
...............................
Wenn es um Afrika geht, sieht Köhler auf allen Seiten zahlreiche Defizite, Fehleinschätzungen und Missverständnisse. Etwa wenn Afrika in der entwickelten Welt nur als Krisenfall wahrgenommen werde oder die „weitverbreitete Krankheit vieler Europäer“, eigene Ziel- und Zeitvorstellungen auf afrikanische Zustände transferieren zu wollen. Ebenso wenig aber lasse er sich die seiner Auffassung nach „weltbürgerliche Verpflichtung“ verbieten, auf Unrecht, Despotismus und andere hausgemachte Missstände in vielen Teilen Afrikas hinzuweisen.
„Dieses festzustellen ist keine neokoloniale Einmischung“, so Köhler, der sich entsprechend auch nicht scheute, immer wieder die Eigenverantwortung der Afrikaner für ihr eigenes Schicksal zu betonen, Probleme wie Korruption und Menschenrechtsverletzungen anzuprangern und eine starke Zivilgesellschaft, allen voran eine Stärkung der Rolle der Frauen, einzufordern.
Wie wenig selbstverständlich gerade zivilgesellschaftliche Strukturen häufig noch sind, zeigte vielleicht am besten ein geradezu absurder diplomatischer Zwischenfall in Benin, der zweiten Station der Köhler-Reise: .................. Dort klammerte sich ein Behindeter an Köhler und bettelte um Almosen bis ihn die Sicherheitskräfte überwältigten. Während Köhler darum bat, den Bettler nicht zu bestrafen, fühlte sich Benin’s Präsident Matthieu Kerekou aufgrund dieses Vorfalls genötigt, uneingeladen beim Empfang der deutschen Botschaft zu erscheinen und sich in einer wirren und sehr lauten Rede beim Staatsgast aus Deutschland zu entschuldigen. Menschenrechte und Demokratie seien zwar ein hohes Gut, so Kerekou, aber niemand dürfe ihm, Kerekou, auf der Nase herumtanzen. Wer die Autorität des Staates in Frage stelle, bekomme seine ganze Härte zu spüren. Der Bettler wurde derweil inhaftiert und nach den Hintermännern des vermeintlichen Komplotts verhört. Der Zwischenfall bestimmte in den Tagen darauf die Schlagzeilen in den staatlichen Medien Benins.
......................
Politische und notfalls militärische Einmischung im Dienst von Humanität und Frieden - gerade in Afrika lange als Sakrileg betrachtet - ist für Köhler die Notwendigkeit, die aus der Verantwortung folgt. Die in der konstituierenden Akte der Afrikanischen Union zugelassene humanitäre Intervention begrüsste der Bundespräsident daher auch als „Meilenstein von historischer Bedeutung“.
............................
Wer von afrikanischen Ländern marktwirtschaftliche Reformen fordere, müsse auch bereit sein, seine eigenen abgeschotteten Märkte zu öffnen, so nur eines der Argumente des Ökonomen, für den nicht weniger sondern mehr - aber bessere - Globalisierung und Handel zur Armutsbekämpfung beitragen.
...............................
In einem Interview kurz nach der Rückkehr forderte er eine Überprüfung der Entwicklungszusammenarbeit auf ihre Effektivität und Nachhaltigkeit hin.
......................................
Dschibuti war die letzte Station, gleichzeitig als Bekenntnis dazu, dass sich Deutschland auch in Zukunft verstärkt in Afrika einmischen und engagieren müsse (mit Blick auf die Absage Rau’s), wenn es denn die Floskel der „globalen Verantwortung“ wirklich ernst nehmen will. „Optimismus verbreiten und Mut machen“, wollte Horst Köhler mit seiner ersten grossen Auslandsreise als Bundespräsident. Nicht nur er selbst fühlte sich hinterher darin bestätigt.
Zitat Ende
Satara