Satara
aus der AZ Windhoek vom 21.02.2005
Explosionen des Aufruhrs erschüttern Südafrikas junge Demokratie
von Ralf E. Krüger, dpa
Immer öfter machen die
ärmeren Südafrikaner ihrem Ärger über
schwerfällige Bürokratien und unerfüllte
Wahlversprechen gewalttätig Luft.
Südafrikas Armen platzt der Kragen. Immer häufiger schafft sich ihr Unmut über schwerfällige Bürokratie und unerfüllte Wahlversprechen in Gewaltexplosionen Luft. Vor allem auf dem flachen Lande prägen Barrikaden und brennende öffentliche Gebäude, Plünderungen oder Steinwürfe gegen unfähige Kommunalpolitiker die Schlagzeilen. Was im September 2004 im Free State - einer ländlichen Provinz mit hoher Arbeitslosigkeit - begann, droht auch auf andere Landesteile überzugreifen.
Am Rande von Johannesburg etwa entzündete sich in Diepsloot der Protest an einer geplanten Gebietsreform. Geplant war, den Township einer Provinz mit notorisch mangelhafter öffentlicher Verwaltung zuzuschlagen. In Pretoria liefern sich derzeit Studenten Krawalle mit der Polizei.
Präsident Thabo Mbeki gab das Versagen der öffentlichen Verwaltung in Kommunen zu, warnte aber, dass gegen Gewaltexzesse hart durchgegriffen würde. Besorgt flog er im Januar selbst ins verschlafene Provinznest Bethlehem, um gemeinsam mit Regionalpolitikern die Flammen des Aufruhrs auszutreten. Doch wenig später flammten sie erneut in Orten wie Hennenman oder Clocolan auf.
Die explosive Stimmung entzündet sich an den Schwächen des öffentlichen Dienstes. Weiß und Schwarz sind in ihrem Frust über arrogante und unfähige Beamte vereint. Doch während die städtische Bevölkerung in Johannesburg etwa dem Bürgermeister mit Klage droht, sollten die seit Wochen defekten Ampeln der Stadt nicht bald wieder funktionieren, schlägt der Frust auf dem Lande bei den Jugendlichen oft in Gewalt um. Namen wie Phomolong, Intabazwe, Warden, Vrede, Memel oder Kestell stehen für die neuen Zentren der Auflehnung. Ihre Bewohner wollen Jobs und funktionierende Infrastruktur.
Im Free State tun die vom wütenden Mob verjagten Regionalpolitiker die Gewalt mit Hinweis auf die bevorstehende Kommunalwahl und Positionierungskämpfe innerhalb der Regierungspartei ANC ab. Doch Kritiker sehen das anders: sie warnen vor einem Flächenbrand. Denn obwohl die Wirtschaft 10 Jahre nach dem Ende der Apartheid boomt, hat sich bei den Ärmsten der Armen kaum etwas geändert. An den ungelernten Arbeitern auf dem Lande, wo die Aids-Epidemie besonders heftig grassiert, ging der Boom in der Regel spurlos vorüber.
Die renommierte Menschenrechtlerin Rhoda Kadalie zieht Parallelen zur Unbesorgtheit der Apartheid-Regierung in den 1970er Jahren. Sie warnt: ,,Angesichts einer blühenden Wirtschaft, starker Währung, glitzernder Business-Elite und einer mehr oder weniger stabilen Demokratie ist unser Alarmsystem in der gleichen Weise außer Betrieb wie damals, als die Regierung ohne Ahnung vom brodelnden Soweto die goldenen 70er Jahre der Apartheid durchlebte."
Satara
Wenn seitens der Regierung wirklich gewollt, könnte man sicher daran was ändern, wenn bei Stellenbesetzungen im öffentlichen Dienst vorangig nach Qualifikation und nicht nach ethnischer Zugehörigkeit entschieden würde. ...... aber das lässt der "Stolz" wohl nicht zu.
Explosionen des Aufruhrs erschüttern Südafrikas junge Demokratie
von Ralf E. Krüger, dpa
Immer öfter machen die
ärmeren Südafrikaner ihrem Ärger über
schwerfällige Bürokratien und unerfüllte
Wahlversprechen gewalttätig Luft.
Südafrikas Armen platzt der Kragen. Immer häufiger schafft sich ihr Unmut über schwerfällige Bürokratie und unerfüllte Wahlversprechen in Gewaltexplosionen Luft. Vor allem auf dem flachen Lande prägen Barrikaden und brennende öffentliche Gebäude, Plünderungen oder Steinwürfe gegen unfähige Kommunalpolitiker die Schlagzeilen. Was im September 2004 im Free State - einer ländlichen Provinz mit hoher Arbeitslosigkeit - begann, droht auch auf andere Landesteile überzugreifen.
Am Rande von Johannesburg etwa entzündete sich in Diepsloot der Protest an einer geplanten Gebietsreform. Geplant war, den Township einer Provinz mit notorisch mangelhafter öffentlicher Verwaltung zuzuschlagen. In Pretoria liefern sich derzeit Studenten Krawalle mit der Polizei.
Präsident Thabo Mbeki gab das Versagen der öffentlichen Verwaltung in Kommunen zu, warnte aber, dass gegen Gewaltexzesse hart durchgegriffen würde. Besorgt flog er im Januar selbst ins verschlafene Provinznest Bethlehem, um gemeinsam mit Regionalpolitikern die Flammen des Aufruhrs auszutreten. Doch wenig später flammten sie erneut in Orten wie Hennenman oder Clocolan auf.
Die explosive Stimmung entzündet sich an den Schwächen des öffentlichen Dienstes. Weiß und Schwarz sind in ihrem Frust über arrogante und unfähige Beamte vereint. Doch während die städtische Bevölkerung in Johannesburg etwa dem Bürgermeister mit Klage droht, sollten die seit Wochen defekten Ampeln der Stadt nicht bald wieder funktionieren, schlägt der Frust auf dem Lande bei den Jugendlichen oft in Gewalt um. Namen wie Phomolong, Intabazwe, Warden, Vrede, Memel oder Kestell stehen für die neuen Zentren der Auflehnung. Ihre Bewohner wollen Jobs und funktionierende Infrastruktur.
Im Free State tun die vom wütenden Mob verjagten Regionalpolitiker die Gewalt mit Hinweis auf die bevorstehende Kommunalwahl und Positionierungskämpfe innerhalb der Regierungspartei ANC ab. Doch Kritiker sehen das anders: sie warnen vor einem Flächenbrand. Denn obwohl die Wirtschaft 10 Jahre nach dem Ende der Apartheid boomt, hat sich bei den Ärmsten der Armen kaum etwas geändert. An den ungelernten Arbeitern auf dem Lande, wo die Aids-Epidemie besonders heftig grassiert, ging der Boom in der Regel spurlos vorüber.
Die renommierte Menschenrechtlerin Rhoda Kadalie zieht Parallelen zur Unbesorgtheit der Apartheid-Regierung in den 1970er Jahren. Sie warnt: ,,Angesichts einer blühenden Wirtschaft, starker Währung, glitzernder Business-Elite und einer mehr oder weniger stabilen Demokratie ist unser Alarmsystem in der gleichen Weise außer Betrieb wie damals, als die Regierung ohne Ahnung vom brodelnden Soweto die goldenen 70er Jahre der Apartheid durchlebte."
Satara
Wenn seitens der Regierung wirklich gewollt, könnte man sicher daran was ändern, wenn bei Stellenbesetzungen im öffentlichen Dienst vorangig nach Qualifikation und nicht nach ethnischer Zugehörigkeit entschieden würde. ...... aber das lässt der "Stolz" wohl nicht zu.