Namibia - "Ausländer raus!!"

Satara
Fischkrise durch Sabotage

Gewerkschaftschef schiebt Ausländern die Schuld in die Schuhe

von Kirsten Kraft
(aus AZ Windheok v. 14.4.2005)


Der Grund der Fischkrise ist einer wirtschaftlichen Sabotage durch Ausländer zuzuschreiben. Diese Meinung vertritt Risto Kapenda, Chef des Gewerkschaftsdachverbandes NUNW. Ausländer haben den namibischen Arbeiter ausgebeutet, sagte er und verlangt dringend eine ,,Namibisierung".

Walvis Bay - Risto Kapenda, der Chef des Gewerkschaftsverbandes NUNW, zeigte sich gestern nicht in Walvis Bay bei der einberufenen Krisensitzung des Fischereiministeriums. Er hatte vor ein paar Tagen schon seinen Auftritt, wo er seine Meinung zur Fischkrise vor Mitgliedern der Fischereigewerkschaft NAFAU sowie etlichen betroffenen Fischern und Fabrikangestellten vertrat. Während Fischereiminister Abraham Iyambo gestern nicht nur die neuen Fangquoten bekannt gab, sondern besonders die Führungsebene der Fabriken rügte und kritisierte, wiederholte Kapenda vor ein paar Tagen das, was er schon bei der einberufenen Krisensitzung der Interessengruppe Namibia Economic Society (NES) im März von sich gab:

,,Ausländer raus!"
Des Weiteren: ,,Fischfabriken müssen ?namibisiert' werden." Das ist laut Risto Kapenda das höchste Ideal. Der Gewerkschafter ist der Meinung, die momentane Situation im Fischereisektor sei eine wirtschaftliche Sabotage durch Ausländer, die den namibischen Arbeiter ausbeuten.

Auch gab Kapenda bekannt, dass der Stellenabbau nicht gerechtfertigt sei, denn kopflastiges Management fische mit veralteten Flotten und das wiederum jage die Produktionskosten in die Höhe. Der Chef des Dachverbands holte noch weiter aus: ,,Eine Firma insolvent erklären zu lassen, ist der neuste Trend der Ausländer, um ans schnelle Geld zu kommen", sagte er, ,,sie halten ihre Informationen über Verkauf und Produktion gegenüber der Regierung verschlossen".

Doch auch die namibische Regierung wurde von Kapenda in die Mangel genommen. Er warf ihr fehlende Kommunikationsbemühungen mit den Interessengruppen vor. ,,Eine Kommunikationsschwäche führt zu Schlupflöchern, durch die die Firmen hindurch gleiten", sagte er, ,,so kommen Unternehmen mit kriminellen Absichten schadlos davon". Dazu zähle auch, dass Unternehmen, die Gesetze missachten und ihren Verpflichtungen gegenüber Namibia nicht nachkämen, nicht bestraft würden.

Kapenda forderte abschließend von der Regierung, einen Arbeitslosenunterstützungs-Fonds für die entlassenen Arbeiter einzurichten.
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Mit solchen Aussagen wird natürlich Stimmung gemacht - nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein". Wenn Personen in öffentlichchen Führungspositionen solche Aussagen treffen, halte ich das für sehr bedenklich...........
das Ende kennen wir. Siehe Simbabwe und der Mob in der Elfenbeinküste.
Poe
tjaja, da glaubt einer an das prinzipiell gute der eigenen Landsleute. Hat noch nicht erkannt das ein namibisches Managment sicher mit Staatshilfe eingesetzt werden würde und nach kurzer Zeit sein eigenens Ding drehen würde. Entweder Sozialismus oder Kapitalismus. Der soziale Kapitalismus ist leider garade am Aussterben.

Ist schon witzig auf der Welt. Namibia und andere afr. Staaten hätten gerne eine leistungsfähige Wirtschaft wie in den Industrieländern, doch während man hierzulande um jeden Investor von Korea bis USA bettelt will man dort alles in eigener Hand sehen. Aus geschichtlicher Sicht natürlich völlig verständlich, aber politische Selbstbestimmung und Wirtschaft sind nun mal verschiedene Dinge.

Und wegen der Fische... die halbe Welt fischt mit modernster Technik vor Namibias Küste, ok auch mit älterer ( die Russen zB, und die Balten), wenn es da Schwierigkeiten mit der Produktivität gibt ( so lese ich das zwischen den Zeilen), dann liegt das sicher nicht nur an der einen Fischfabrik.
Satara
Kapenda hetzt gegen Ausländer

Gewerkschaftsboss fordert bei Mai-Kundgebung ,,Mugabe-Strategie" für Namibia

von Sybille Muhle (AZ Windhoek v. 3.5.05)

Tausende Menschen strömten am
vergangenen Sonntag in das
Kuisebmond-Fußballstadion in Walvis Bay.
Dort sprach Präsident Hifikepunye
Pohamba anlässlich des Tages der Arbeit
zum ersten Mal in der Erongo-Region.
Seine Rede wurde von feindseligen
Aussagen des Gewerkschaftsführers Risto
Kapenda überschattet.

Gewerkschaftsführer Risto Kapenda hat gefordert, in der Landreform-Frage dem Beispiel Simbabwes zu folgen. Seine feindseligen Worte überschatteten die offizielle Feier zum Tag der Arbeit am Sonntag in Walvis Bay und den Auftritt von Präsident Hifikepunye Pohamba.

Walvis Bay - ,,Simbabwe soll unser Vorbild sein" - mit diesen Worten brachte Risto Kapenda, Präsident der Nationalen Gewerkschaft der namibischen Arbeiter (NUNW), die Menge zum Kochen und erntete lautstarke ,,Viva"-Rufe von tausenden Zuschauern. Kapendas über 30 Minuten lange Rede, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurde, überschattete den ersten öffentlichen Auftritt von Präsident Pohamba in der Erongo-Region und die ansonsten friedfertige Feier.

,,Mugabe macht das Richtige: Er lässt die Menschen das zurückholen, was ihnen zusteht. Namibia sollte diesem Beispiel folgen. Die historisch vormals Benachteiligten sollten auch hier ihr Land zurücknehmen, damit sie überleben können", hetzte Kapenda als Vorredner von Pohamba die Menschenmenge auf und erntete dafür tosenden Beifall. Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Tages der Arbeit schweifte der Gewerkschaftsführer von seinem vorbereiteten Redemanuskript ab und wetterte über Ausländer, die den Namibiern Arbeitsplätze stehlen, das Land ausbeuten und die Regierung belügen würden.

Die anschließende Rede des Präsidenten, die im Gegenzug keinesfalls feindselig, sondern ermunternd und versöhnlich war, fand nach dem Auftritt von Kapenda nicht mehr den nötigen Anklang bei den Zuschauern. Ein Teil des Publikums machte sich sogar auf den Heimweg. Präsident Pohamba relativierte die Aussagen seines Vorredners, gab ihm jedoch in vielen Punkten auch Recht und versprach Unterstützung. Zum Thema Landreform bzw. Simbabwe und der Aufforderung Kapendas, es Mugabe gleich zu tun, äußerte er sich allerdings nicht.

Das neue Arbeitsgesetz solle schon bald die namibische Industrie stärken und das labile Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern stabilisieren, versprach Pohamba. Er forderte die Menge auf, zusammenzuarbeiten und Namibias Wirtschaft zu stärken. Neben Kooperation sei auch Bildung der Weg in eine bessere Zukunft. Namibier müssten sich ihre Plätze in den Führungspositionen der Wirtschaft erstreben. ,,Ich bin enttäuscht über die derzeitige Situation der Fischereiindustrie. Es geht nicht, dass qualifizierte namibische Arbeitskräfte arbeitslos bleiben und ausländische Arbeiter an ihrer Stelle angestellt werden", sagte der Präsident. Das neue Arbeitsgesetz solle deshalb für ,,gesunde" Arbeitsverhältnisse sorgen.

Pohamba äußerte außerdem sein tiefes Entsetzen über den von Kapenda angesprochenen Handel mit Arbeitern. Er hätte von solchen Vorfällen seit langer Zeit nichts mehr gehört und erwarte dringend weitere Information. Der Gewerkschaftschef hatte in seiner Rede unter anderem Namport und Telecom beschuldigt, mit ihren Angestellten ,,zu handeln", sie also an andere Unternehmen zu verleihen, dafür Geld einzustreichen und den Arbeitern nicht mal die Hälfte davon auszubezahlen.
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Nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" kann man natürlich so auch "Stimmung" machen. Und wenn die eigene Regierung und der Präsident nicht mal dagegen halten, kann man die Frage stellen, ob das "Nicht-Widersprechen" vielleicht "Klammheimliche Zustimmung" bedeutet.

Aber anscheinend hat sich in Namibia noch immer nicht herum gesprochen, dass die Landwirtschaft in Zimbabwe so gut wie zusammengebrochen ist und die Menschen Hunger leiden.
Snoopye
Hallo Ihrs,

wo ich gesehen habe, daß hier nicht nur über die RSA sondern auch Namibia diskutiert wird, habe ich gedacht, melde ich mich doch mal hier an.
Doch ich bin ein bißchen geschockt, was ich hier zu Namibia lese.

Ich war übrigens auch schon mal dort.

Ich hoffe, der Gewerkschaftsboss weiß was seine Forderung für Konsequenzen hat? Geld aus Deutschland wird es nicht mehr geben und die Wirtschaft wird genauso zurückgehen wie in Simbabwe.

Aber das scheint ihm wohl egal zu sein? Hier will nur jemand an die Macht, weiter nichts.

Snoopye
Satara
Zitat:
Original von Snoopye
Hallo Ihrs,

wo ich gesehen habe, daß hier nicht nur über die RSA sondern auch Namibia diskutiert wird, habe ich gedacht, melde ich mich doch mal hier an.
Doch ich bin ein bißchen geschockt, was ich hier zu Namibia lese.

Ich war übrigens auch schon mal dort.

Ich hoffe, der Gewerkschaftsboss weiß was seine Forderung für Konsequenzen hat? Geld aus Deutschland wird es nicht mehr geben und die Wirtschaft wird genauso zurückgehen wie in Simbabwe.

Aber das scheint ihm wohl egal zu sein? Hier will nur jemand an die Macht, weiter nichts.

Snoopye


Hallo Snoopye,
mit "Südafrika" kann der Staat "Republik von Südafrika" gemeint sein, oder auch wie oft verwendet das geographische Südafrika, zu dem auch Namibia, Lesotho, Swaziland, Botswana, Angola, Zimbabwe und Sambia gehören.

Ausserdem haben die Republik von Südafrika und Namibia besonders enge Beziehungen und Bindungen, die aus der Geschichte herrühren, also sollte man diese beiden Länder nicht immer getrennt sehen.

Leider wird solchen "Hetzkampagnen" nichts oder fast nichts entgegengesetzt. Überall auf der Welt nutzen solche "Marktschreier" die Not der Menschen um sie leicht "verführen" zu können. Die "einfachste" Lösung scheint für die weniger gebildeten die richtige zu sein. In arabischen Ländern entgeht man dem Druck der Demokratisierung indem man für alles und jedes Amerika verantwortlich macht und in Afrika geben die Eliten, wenn es zu Unzufriedenheit kommt, einfach den "Weissen" die Schuld an ihrer Not, ohne sich wirklich den Anforderungen an eine zu modernisierende Gesellschaft zu stellen.

Und dass in Zimbabwe immer Menschen hungern müssen und verzweifelt sind, dass die Wirtschaft zusammengebrochen ist, dass viele fliehen - dass wird von solchen Leuten wie Kapunda wohlweislich verschwiegen.


P.S. Im Namibia-Forum ist es nicht erlaubt, Artikel aus der AZ zu zitieren.
Also behandeln wir das Thema hier. cool