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Pokerspiel des Aluminiumproduzenten Alcan
Südafrikas Regierung versucht, in der Provinz Ostkap eine Industriezone aufzubauen. Der einzige ernsthafte Interessent ist bis anhin der kanadische Aluminiumproduzent Alcan, der Pläne für eine Schmelze wälzt. Nun hat Alcan allerdings bekannt gegeben, sich in Oman an einem ähnlichen Projekt beteiligt zu haben.
rä. Johannesburg, 8. Juli
Die Investitionsentscheidung zum Bau einer Aluminiumschmelze im Wert von 2,2 Mrd. $ im südafrikanischen Coega wird zunehmend zu einem Pokerspiel. Die grösste ausländische Direktinvestition in Südafrika kommt nicht vom Fleck. Erst hatte die französische Gruppe Pechiney ihre Entscheidung, das Werk mit einer Jahreskapazität von 660 000 t zu bauen, immer wieder hinausgezögert. Als dann das zweitgrösste Aluminiumunternehmen der Welt, die in 63 Ländern operierende kanadische Alcan, vergangenen Dezember Pechiney für 4 Mrd. Euro kaufte, wurde zugleich erklärt, dass bis Mitte 2004 die Entscheidung fallen werde. Nun wurde mitgeteilt, dass damit erst Ende Jahr zu rechnen sei.
Politisch wichtige Region Ostkap
Doch zugleich stieg Alcan mit einem 20%-Anteil in eine Aluminiumschmelze in Oman ein, deren Baubeginn für die zweite Hälfte 2005 und die Produktionsaufnahme Ende 2007 anvisiert ist. Dies sind die gleichen Eckdaten, die bisher für Coega galten. Zudem erhielt Alcan in Oman die Option, bis zu 60% einer geplanten zweiten Produktionslinie zu erwerben. Das arabische Land, so heisst es, liege verkehrsmässig günstig zum wichtigen Absatzmarkt China. Für die südafrikanische Regierung ist die Entwicklung der Industrie-Entwicklungszone Coega bei Port Elizabeth ein wichtiges Prestigeobjekt. Die wirtschaftlich schwach entwickelte Provinz Ostkap, aus der viele massgebliche Führer des regierenden African National Congress (ANC) - einschliesslich Präsident Thabo Mbeki und Ex-Präsident Nelson Mandela - stammen, soll mit Coega eine moderne Industriebasis erhalten. In die Errichtung der Infrastruktur und des neuen Tiefseehafens, der diesen Monat geflutet wird, wurden bereits 2 Mrd. Rd. (270 Mio. Euro) investiert. Der staatliche Energieversorger Eskom hat den Bau eines Kraftwerkes für rund 2,3 Mrd. Rd. für die Alu- Schmelze und günstige Abnahmepreise für den Betreiber zugesagt. Auch erklärten sich Eskom und die ebenfalls staatliche Industrial Development Corporation bereit, sich mit jeweils 12,5% an der Schmelze zu beteiligen.
Hinhaltetaktik
Da es für das Coega-Industriegebiet bisher keinen einzigen Interessenten gibt, ist die Ansiedlung eines Grossunternehmens an dem Ort von ausserordentlicher Bedeutung, wenn nicht die bisherigen Investitionen zum weissen Elefanten werden sollen. Ferrostaal hatte zwar als Kompensationsgeschäft für einen südafrikanischen Rüstungsauftrag an deutsche Werften den Bau eines Edelstahlwerkes in Coega ins Auge gefasst, dann aber den Plan wieder fallen gelassen. Marktbeobachter sehen in der hinhaltenden Position von Alcan den Versuch, aufgrund der Notlage der Regierung weitere kostenmindernde Vergünstigungen zu erzwingen. Pläne und Kosten würden überprüft, heisst es immer wieder bei Alcan.
Die südafrikanische Regierung versucht es derweil mit Gegendruck. Wie verlautet, soll sie BHP Billiton und die brasilianische CVRD als potenzielle Investoren angesprochen haben, um in Coega eine Aluminiumschmelze zu errichten. Das Industrieministerium verkündete, es werde auf jeden Fall eine solche Produktionsstätte in Coega geben, unabhängig von der Beteiligung von Alcan. Doch bisher gibt es von beiden angesprochenen Konzernen keine Stellungnahme. Auch sie dürften die Regierung drücken, sich selbst stärker mit Kapital zu beteiligen, und auf Vorzugskonditionen drängen.
Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG
Südafrikas Regierung versucht, in der Provinz Ostkap eine Industriezone aufzubauen. Der einzige ernsthafte Interessent ist bis anhin der kanadische Aluminiumproduzent Alcan, der Pläne für eine Schmelze wälzt. Nun hat Alcan allerdings bekannt gegeben, sich in Oman an einem ähnlichen Projekt beteiligt zu haben.
rä. Johannesburg, 8. Juli
Die Investitionsentscheidung zum Bau einer Aluminiumschmelze im Wert von 2,2 Mrd. $ im südafrikanischen Coega wird zunehmend zu einem Pokerspiel. Die grösste ausländische Direktinvestition in Südafrika kommt nicht vom Fleck. Erst hatte die französische Gruppe Pechiney ihre Entscheidung, das Werk mit einer Jahreskapazität von 660 000 t zu bauen, immer wieder hinausgezögert. Als dann das zweitgrösste Aluminiumunternehmen der Welt, die in 63 Ländern operierende kanadische Alcan, vergangenen Dezember Pechiney für 4 Mrd. Euro kaufte, wurde zugleich erklärt, dass bis Mitte 2004 die Entscheidung fallen werde. Nun wurde mitgeteilt, dass damit erst Ende Jahr zu rechnen sei.
Politisch wichtige Region Ostkap
Doch zugleich stieg Alcan mit einem 20%-Anteil in eine Aluminiumschmelze in Oman ein, deren Baubeginn für die zweite Hälfte 2005 und die Produktionsaufnahme Ende 2007 anvisiert ist. Dies sind die gleichen Eckdaten, die bisher für Coega galten. Zudem erhielt Alcan in Oman die Option, bis zu 60% einer geplanten zweiten Produktionslinie zu erwerben. Das arabische Land, so heisst es, liege verkehrsmässig günstig zum wichtigen Absatzmarkt China. Für die südafrikanische Regierung ist die Entwicklung der Industrie-Entwicklungszone Coega bei Port Elizabeth ein wichtiges Prestigeobjekt. Die wirtschaftlich schwach entwickelte Provinz Ostkap, aus der viele massgebliche Führer des regierenden African National Congress (ANC) - einschliesslich Präsident Thabo Mbeki und Ex-Präsident Nelson Mandela - stammen, soll mit Coega eine moderne Industriebasis erhalten. In die Errichtung der Infrastruktur und des neuen Tiefseehafens, der diesen Monat geflutet wird, wurden bereits 2 Mrd. Rd. (270 Mio. Euro) investiert. Der staatliche Energieversorger Eskom hat den Bau eines Kraftwerkes für rund 2,3 Mrd. Rd. für die Alu- Schmelze und günstige Abnahmepreise für den Betreiber zugesagt. Auch erklärten sich Eskom und die ebenfalls staatliche Industrial Development Corporation bereit, sich mit jeweils 12,5% an der Schmelze zu beteiligen.
Hinhaltetaktik
Da es für das Coega-Industriegebiet bisher keinen einzigen Interessenten gibt, ist die Ansiedlung eines Grossunternehmens an dem Ort von ausserordentlicher Bedeutung, wenn nicht die bisherigen Investitionen zum weissen Elefanten werden sollen. Ferrostaal hatte zwar als Kompensationsgeschäft für einen südafrikanischen Rüstungsauftrag an deutsche Werften den Bau eines Edelstahlwerkes in Coega ins Auge gefasst, dann aber den Plan wieder fallen gelassen. Marktbeobachter sehen in der hinhaltenden Position von Alcan den Versuch, aufgrund der Notlage der Regierung weitere kostenmindernde Vergünstigungen zu erzwingen. Pläne und Kosten würden überprüft, heisst es immer wieder bei Alcan.
Die südafrikanische Regierung versucht es derweil mit Gegendruck. Wie verlautet, soll sie BHP Billiton und die brasilianische CVRD als potenzielle Investoren angesprochen haben, um in Coega eine Aluminiumschmelze zu errichten. Das Industrieministerium verkündete, es werde auf jeden Fall eine solche Produktionsstätte in Coega geben, unabhängig von der Beteiligung von Alcan. Doch bisher gibt es von beiden angesprochenen Konzernen keine Stellungnahme. Auch sie dürften die Regierung drücken, sich selbst stärker mit Kapital zu beteiligen, und auf Vorzugskonditionen drängen.
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