------oder wie muss man diese "Sprachregelung" von Riruako gegen D verstehen ??? oder ist Diplomatie nicht die die Stärke von Afrikaneren. Beispiele von Leuten die sich "im Ton vergriffen" haben, gibt es ja nun zu Genüge auf dem Kontinent.
Aus der AZ Windhoek - vom 22.11.2004
Riruako wirft ,,zweite Runde von Genozid" vor
Der Herero-Chef sorgt auf der Bremer Konferenz für Aufruhr
von Edgar Hälbich aus Bremen
Nach drei turbulenten Tagen ist gestern in Bremen das akademischen Symposium zur Findung von Lösungsansätzen bei der Versöhnung zwischen Deutschland und den Herero zu Ende gegangen. Am Freitag hatte Oberhäuptling Kuaima Riruako erneut deutsche Reparationen für das Volk der Herero gefordert und damit für einen handfesten Eklat gesorgt.
In seiner Rede hatte Riruako die Relevanz einer akademischen Konferenz zur Förderung der Versöhnungsbemühungen zwischen Deutschland und den Herero in Abrede gestellt. ,,Die primären Verhandlungspartner in der Reparationsfrage sind die deutsche Regierung und die Herero", sagte Riruako im Beisein von Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Bremens Bürgermeister Henning Scherf und fügte hinzu: ,,Deutsche Wiedergutmachungsleistungen an uns sollten nicht mit allgemeiner Entwicklungshilfe für Namibia verwechselt werden." Entweder, so der Häuptling, ,,hört Ihr auf die Stimme der Opfer oder Ihr ignoriert sie zu Eurem eigenen Schaden".
Insbesondere zwei Sätze des Oberhäuptlings empörten die deutsche Entwicklungsministerin und Bremens Bürgermeister sichtlich: ,,Hört endlich auf, uns durch Eure Vertreter hier oder in Namibia zu beleidigen, indem ihr die Spaltung zwischen den Herero ermutigt. Jegliche Fortsetzung solch bösartiger Praktiken werden von allen Herero als eine zweite Runde von Genozid gegen unser Volk erachtet. Dagegen werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln wehren", warnte Riruako. Wieczorek-Zeuls Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. ,,Diese Äußerungen von Chef Riruako erschweren den Versöhnungsprozess", so die Ministerin. Sie könne nicht akzeptieren, dass Riruako in diesem Zusammenhang den Ausdruck ,,zweiter Genozid" verwendet habe.
Zuvor hatte Wieczorek-Zeul im Gespräch mit der AZ erneut betont, die deutsche Regierung werde ihre Entwicklungszusammenarbeit für Namibier aller Volksgruppen fortsetzen, vor allem auf den Gebieten der Landreform, der Wirtschaft und der Bekämpfung der Immunschwäche HIV. ,,Wir wollen eine längerfristige Verpflichtung eingehen und dabei die Menschen aller Volksgruppen einbeziehen", sagte die Entwicklungsministerin, um dann in aller Deutlichkeit hinzuzfügen: ,,Unterstützung nur für einzelne Bevölkerungsteile wird es von der deutschen Regierung nicht geben."
Nach Riruakos verbalem Lapsus herrschte im Bremer Rathaus eine sichtlich gespannte Atmosphäre. Bürgermeister Henning Scherf, den die Bundesregierung gern als Versöhnungs-Vermittler ins Boot geholt hätte, räumte zunächst unumwunden ein, er wisse nicht, ob er in Anbetracht der Häuptlingsrede diese Rolle wahrnehmen könne. Auch andere Konferenzteilnehmer zeigten sich sichtlich erschüttert. Bremens Senatsrat Gunter Hilliges versuchte zwar, die Situation zu retten, indem er Riruakos diplomatischen Schnitzer auf sprachliche Interpretationsschwierigkeiten zurückführte, doch wirklich erfolgreich war er dabei nicht.
Die Delegation der Herero brachte mit ihren internen Verhandlungen am Samstag das Vormittagsprogramm ins Schleudern. Gegen Mittag schließlich trat Dr. Zedekia Ngavirue, Namibias ehemaliger Botschafter in der EU und den Benelux-Staaten, vor die Konferenz. ,,Wir sind mit der Erwartung nach Bremen gekommen, dass die akademischen Präsentationen zur Erweiterung des Verständnisses der kolonialen Geschichte und ihrer schwerwiegenden Konsequenzen beitragen würden", sagte Ngavirue, der sich kurzfristig zum Sprecher der Herero-Fraktion aufgeschwungen hatte, um die Situation zu retten. Ferner hätten die Herero erwartet, dass die Konferenz einen Beitrag zu einem bedeutsamen Dialog zwischen Deutschland und den Herero und damit zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung führen könnte. ,,Wir sind überzeugt, dass die Initiative des Organisationskomitees dieser Konferenz eine formale Verständigung zwischen den Strukturen in Deutschland und in Namibia nach sich zieht."
In einer kurzen Rede versuchte Riruako anschließend, die Scharte wieder auszuwetzen. In seiner als Dankbarkeitsbekundung getarnten Entschuldigung würdigte der Hereochef die Leistungen von Wieczorek-Zeul und Scherf. Letzteren forderte er ausdrücklich dazu auf, seine Arbeit als Führungsgestalt des Versöhnungsprozesses fortzusetzen, der in Bremen begonnen habe.
Satara