Fremdenhass in SA

Lothar
nachdem ich nun in den letzten Tagen das Forum gründlich studiert habe
(es geht oft um berufliches, Jobs bekommen und Aufenthaltsgenehmigung),
fällt mir auf:

Wie verhält es sich mit Fremdenhass in SA? Ich meine, nachdem nun vor
über einem Jahrzent die politische Landschaft im Umbruch ist, kommen
doch täglich Menschen -gerade- aus anderen afrikanischen Ländern nach SA.
Wie aber reagieren die Einheimischen darauf? Wenn man besispielsweise
durch die Straßen läuft, bemerkt man doch unweigerlich die informellen
Shops wo alles mögliche angeboten wird. Viele diese Händler sind aber
keine Einheimische.

Wer längere Zeit in SA war, hat sicherlich auch mal hier und da TV geschaut.
Da gibt/gab es Samstag nachmittags oder vormittags immer eine Kinder-/
Jugendsendung in der gerade auf das Thema Fremdenhass zwischen
Einheimischen und Ausländern eingegangen wurde (wurde in Kayalitsha/
Kapstadt gedreht und -so glaube ich- auf e-tv gesendet).

Der Zusammenhang zu diesem Thema und Jobs für mich lautet:
Sind davon/dadurch evtl. Jobs für Weiße auch deswegen so schwierig zu
bekommen, weil man nicht versteht zwischen Gelernten un Ungelernten
zu unterscheiden und weil es mittlerweile zu viele (illegale) Einwanderer
gibt?
Poe
ich wohne nicht unten, sehe es also nur von außen,

Der Zusammenhang zu diesem Thema und Jobs für mich lautet:
Sind davon/dadurch evtl. Jobs für Weiße auch deswegen so schwierig zu
bekommen, weil man nicht versteht zwischen Gelernten un Ungelernten
zu unterscheiden und weil es mittlerweile zu viele (illegale) Einwanderer
gibt?

Für mich stellt es sich eher so dar das es im wesentlichen ausschließlich wegen der staatlichen Quotenregelung so schwierig ist für Weiße.
Die meisten Weißen konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt wohl nicht mit illegalen Einwandererern sondern suchen in anderen Bereichen und Ebenen nach Arbeit.

Außerdem würde ich die problematische Arbeitssituation noch lange nicht mit Fremdenhass assoziieren!
Lothar
very right Poe.

Die Regierung kann ja keine Politik machen indem sie zwischen Weißen
und Nichtweißen unterscheidet. In jedem Land heißt die Arbeitspolitik
für Ausländer: Nur wenn ein Einheimischer diese Stelle nicht besetzen
kann.
Schau dir den Norden und Nordosten des Landes an: Viele Leute kommen
als Billigarbeiter aus Zim Und Mozambique und arbeiten unterhalb des
Mindestlohns bzw. sind dazu bereit, sodaß Einheimische -gerade Farmarbeit
ist davon betroffen- ins Hintertreffen geraten einen Job zu bekommen.
Das gleiche gibt es in der Kapprovinz, und ich merke, das Einheimische
nicht glücklich darüber sind. Auch bei uns im Boland, was ja von der Struktur
her eher weiß-braun ist, macht sich Unmut breit.

Es ist, so glaube ich, der Fremdenhass unter den Schwarzen selber,
der sich dann evtl. auch auf die Jobpolitik auswirkt, generell.
Es macht doch keinen Sinn, wenn z.Bsp. europäische Ärzte in SA arbeiten
wollen nur weil die Regierung jahrelang nur kubanische Ärzte ins Land
geholt hat (und selbst die sollen nun allmählich das Land verlassen,
indem ihnen die Arbeiterlaubnis nich mehr verlängert wird).
joubertpark
hi lothar, icke noch mal. fremdenhass unter afrikanern? das gibt es seit jahrhunderten. denke an die kämpfe jedes wochenende in Johannesburg und umgebung ,bei dem sich die Minenarbeiter jedesmal nacht etlichen litern alkohol die köpfe einschlugen ,so 30 -50 tote waren die regel. noch heute sind sich manche Stämme (TRIBES) spinnefeind- xosas-basutus-zulus- shangas usw.
hätten diese stämme sich verbündet und nicht bekämpft -wäre die apartheit in den 60er jahren am ende gewesen-denkt B.
Rossi
Zitat:
Original von joubertpark
hätten diese stämme sich verbündet und nicht bekämpft -wäre die apartheit in den 60er jahren am ende gewesen-denkt B.


Hätten diese Stämme sich verbündet, wäre Afrika vermutlich nie kolonialisert worden, denn was die jeweiligen Kolonialherren jeweils an militärischen Einheiten aufbieten konnten, war relativ lächerlich.
Im wesentlichen haben die meisten Länder sich kolonialisieren lassen, indem man die Einheimischen gegeneinander ausgespielt hat.

Was die Problematik der illegalen Einwanderer angeht, da befindet sich die ANC-Regierung in einer gewissen Zwickmühle. Man fühlt sich zwar den Einwandern aus Ländern wie Nigeria, Ghana, Angola usw. näher als den Weissen, wird aber mit diesen Massen nicht fertig, zumal diese Einwanderer meistens auch keine Ausbildung haben, oft nichtmal lesen und schreiben können. Ist auch irgendwie klar, jemand, der einen guten Job hat, der eine Perspektive hat und dem es in seinem Heimatland gut geht, wird nicht illegal woandershin auswandern. Dass das wiederum zu Fremdenfeindlichkeit führt, liegt auf der Hand. Wenn du beispielsweise die Penner, Drogendealer und Stricher vom Berliner Bahnhof Zoo nach Australien 'exportierst', werden die Australier die Deutschen auch nicht mehr mögen.

Ich denke aber nicht, dass das irgendwelche Auswirkungen auf die Job-Perspektiven der Weissen hat. Das ist eine andere Ebene.

Zitat:
Die Regierung kann ja keine Politik machen indem sie zwischen Weißen und Nichtweißen unterscheidet.


Sie tut es aber. Es gibt Hautfarben-Quoten, oder wird, politisch korrekter gesagt, nach HDP (historically disadvantaged people) und Weissen unterschieden.
Es gibt selbst Quotenregelungen für Nationalmannschaften, so muss beispielsweise die Rugby-Nationalmannschaft bei jedem Spiel mindestens 4 schwarze (nicht farbige) Spieler auf dem Platz haben. Das ist nichtmal ein Geheimnis, sondern in jeder Zeitung nachzulesen.
Ein Freund von mir hat gerade seinen Ablehnungsbescheid für's Medizinstudium an der Wits-Uni bekommen, obwohl er ausgezeichnete Noten hat, mit der Begründung, dass "Studenten aus historisch benachteiligten Gemeinschaften" bevorzugt einen Platz bekommen mussten und leider keine Vakanzen mehr für Weisse frei waren.
Sowas sehe ich einerseits positiv, da es immer mehr Schwarze schaffen, den Bildungsgraben zu überwinden, auf der anderen Seite verliert einerseits das Studium - oder auch die Ausbildung zum Arzt dadurch extrem an Qualität, wenn es nicht mehr nach Qualifikation, sondern nur noch nach Hautfarbe geht und ausserdem ist das genauso Rassismus, wie er den Weissen immer vorgeworfen wird.

Rossi
Lothar
gutes Argument, Rossi.

Evtl. muß man auch noch bedenken das die Schwarzen eine ganz andere
Familiensozialisation hegen als die Weißen, wo man einem Vetter auch mal eher
einen Studienplatz oder Job beschafft. Sieht nach Korruptheit aus in unseren
Augen, für die Betroffenen verhält es sich aber anders. In Südamerika gibt
es ähnliches.
Poe
Ähm .

Ähm.

Also Korruption läßt sich und ist ganz klar definiert.

Entweder es ist Korruptheit oder nicht. Und das ist welche. Was du sagen willst ist doch in etwa ...

..das so etwas allgemein tolleriert wird und - obwohl es sich klar um Korruption handelt- bei niemanden ein Gefühl der Ungerechtigkeit hervorruft. Im Sinne von .." ja er ist Korrupt, aber das ist doch nichts schlimmes".

Ich weiß das das fast überall in Afrika so ist und kann es akzeptieren WEIL ES HALT SO IST.


Dieses Phänomen ( für uns) ist auch einer der Hauptgründe warum wesentliche europäische Gesellschafts- und politische Grundsätze nicht funktionieren in Afrika. Und warum Milliarden an Hilfsgeldern versickern konnten ohne das sich die Benachteiligten groß aufregen.

Es gibt da ein paar nette Bücher zu den Thema, vorzugsweise von frustrierten Entwicklungshelfern. " Grab des Weißen Mannes" ist auch passend, wenn auch nicht ganz authentisch.

Aber ich komme wieder mal ziemlich weit vom Thema ab.
joubertpark
hallo poe,über dieses thema habe ich schon öfters geschrieben. Entwicklungshilfe= null erfolg.
korruption -das wort kennen die afrikaner nicht,bei denen ist es nun mal so-so wie du es schriebst.es gehört zum guten ton dem polizeichef ein geschenk mitzu bringen-oder dem arzt oder wem immer. in der arabischen welt nennt man es Bakshish-ohne dem laufen keine geschäfte.
ergo: wer gut schmert-der gut fährt gruß B.